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Alte Gewohnheiten |
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geschrieben am: 01.08.2005 um 19:13 Uhr
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~Jeder wird verstehen was ich hiermit zu sagen versuche, sofern er oder sie jemals dem Geschwätz alter verbitterten Wesen, die stark vom Dasein geprägt wurden, Gehör schenkte.~
Sie seufzt leise während der Wind durch ihr schwarzes Haar weht und es den Anschein hat, als wolle er es in alle Himmelsrichtungen forttragen. Ihr Blick schweift sehr ermüdet über das unter ihr liegende, von der Nacht geschwärzte Land.
Auf ihrem goldenem Brustpanzer spiegelt sich der Mond wieder und mit ihm all die Sterne, die so unterschiedlich hell funkeln.
~Anders als jene Alten will ich nicht kläglich um mein verpatztes Dasein jammern. Anders als sie will ich nicht im Selbstmitleid versinken. Falls ich es doch tue, so war und wird dieses nie meine Absicht sein~
Der schwarze Leinenrock schlägt Falten wie er es nur bei starken Wind tun kann. Die dunkele Haut, mit der typischen ägyptischen Bräunung glitzert leicht bronzefarben, so wie sie es schon längere Zeit tut. Die nackten Zehen umklammern beinahe den äußersten Rand der Felsen. Sie selber steht am Abgrund der Klippen und rührt sich nicht.
~Es heißt alte Gewohnheiten legt man nur sehr schwer oder gar nicht ab. Alte Gewohnheiten bleiben bis ans Lebensende. Doch was wenn das Leben bereits endete, was wenn man sie trotzdem noch innehat? - Nun dann ergeht es ihm oder ihr genauso wie mir. Es vergeht keine Nacht und kein Tag an dem ich nicht an meine Sippe denke, nicht eine Sekunde, in der ich aufgehört habe euch zu lieben. Ganz egal wie ihr mich verachtet, ganz gleich wo ihr seid. Es ist eine alte Gewohnheit, mit der ich mich schon so lange rumquäle. Es ist ein alte Gewohnheit nicht von euch loslassen zu können.~
Langsam schließen sich die schwarz umrandeten Augen und die blutroten Lippen verziehen sich zu einem lieblichem Lächeln.
Tausend vergangene Tage und Erinnerungen huschen durch ihre Gedanken. Quälende als auch erfreuliche Bilde schießen ihr durch den Kopf.
~Ich werde jene Regel, die aufgestellt wurde, jene Weisheit die, die Alten von sich geben, einfach versuchen abzulegen. Ich werde versuchen meine alten Gewohnheiten zu brechen. Ich werde versuchen euch zu vergessen. Um euren und um meinen Willen, werde ich versuchen meine Erinnerungen zu löschen. Zu quälend sind alte Gewohnheiten, als dass man sie über den Tod hinaus ertragen kann... Auch wenn ihr mich nun noch mehr hasst und euch alleine fühlt, so kann ich es euch nicht verübeln, doch alte Gewohnheiten wie diese bringen mich um den Verstand. Und dieser Wahnsinn muss enden, jene Trauer muss enden. - So lebt wohl.~
Sie springt von den Klippen und gibt sich dem Wind hin. Wenige Augenblicke später ist sie verschwunden und mit ihr jegliche Erinnerungen. Ungewiss ist für den Betrachter, was mit ihr geschehen ist. Eines steht fest: Das die Erinnerungen und die alten Gewohnheiten abgelegt worden sind. Es folgt nun eine Zeit neuer Gewohnheiten und neuen Erinnerungen. Für sie ist ihre geliebte Familie aus ihrem Gedächtnis gelöscht, und das alles für das Wohl ihrer Liebsten, um sie vor ihr selber zu schützen, denn unter ständiger Trauer ist sie unberechenbar und will ihre letzten Lieben nicht aus Verzweiflung töten, deswegen geht sie und mit ihr alle ihre Erinnerungen.
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