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"Judenboykott?" |
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geschrieben am: 08.10.2007 um 19:03 Uhr IP: gespeichert
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Dejagahs Spielabsage schlägt hohe Wellen
Ein Fußballprofi wird zum Politikum: Am 12. Oktober sollte Ashkan Dejagah eigentlich mit der deutschen U21-Nationalmannschaft in Tel Aviv gegen Israel spielen. Doch der Mittelfeldspieler wurde von der Reise befreit - und das von höchster Stelle: "Er kam zu uns und hat uns gebeten, dass er aus persönlichen Gründen nicht mit nach Israel kommen muss. Diese Gründe waren für uns nachvollziehbar", sagte DFB-Sprecher Jens Grittner der Nachrichtenagentur Reuters.
Zwanziger relativiert
"Ich habe die Entscheidung des Trainers Dieter Eilts respektiert, weil er mir vermitteln konnte, dass der Spieler Gründe angeführt hat, die im privaten Bereich liegen", fügte DFB-Präsident Theo Zwanziger hinzu, "aber wir werden nicht hinnehmen, dass ein deutscher Nationalspieler aus Gründen der Weltanschauung seine Teilnahme an einem Länderspiel absagt." Dejagah selbst betonte, dass die Gründe für die Absage "sehr persönlicher Natur" seien und in seinem "engsten familiären Umfeld" begründet liegen. "Insofern danke ich dem DFB auch sehr für das Vertrauen und die Diskretion", hieß es in einer offiziellen Mitteilung des Verbandes.
Zentralrat der Juden spricht von skandalösem Verhalten
Beim Zentralrat der Juden herrscht Empörung über Dejagahs Verhalten. "Es ist undenkbar und unmöglich, dass ein Nationalspieler einen privaten Judenboykott initiiert", sagte Dieter Graumann auf Anfrage von "SPIEGEL ONLINE". Der Vizepräsident des Zentralrates der Juden nimmt den DFB in die Pflicht: "Es wäre skandalös, wenn der DFB dieses Verhalten nicht sanktioniert", so Graumann.
Rauswurf aus der Nationalelf gefordert
Sollte der DFB Dejagahs Verhalten tolerieren, "würde sich der Verband erpressbar machen". Graumann spricht von einem "fatalen Zeichen. Dann dürfte der DFB ja gar kein Spiel mehr gegen Israel bestreiten." Graumann sieht daher nur eine Konsequenz: "Wenn der Spieler sich aus Solidarität mit einem Terrorregime weiter weigert, in Israel zu spielen, darf er nicht mehr für die Nationalmannschaft Deutschlands auflaufen."
Die "Bild"-Zeitung bringt den Stein ins Rollen
Stein des Anstoßes war ein Artikel in der heutigen Ausgabe der "Bild"-Zeitung. In diesem wird Dejagahs Begründung, die er nach Informationen von "SPIEGEL ONLINE" in einem vertraulichen Gespräch mit dem DFB geäußert hat, für die Absage wie folgt zitiert: "Das hat politische Gründe. Jeder weiß, dass ich Deutsch-Iraner bin." Seit der Islamischen Revolution von 1979 lehnt es Iran ab, Israel anzuerkennen und verbietet seinen Landsleuten die Einreise sowie den sportlichen Wettkampf.
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| "Anständigkeit ist die Verschwörung der Unanständigkeit mit dem Schweigen." George Bernard Shaw |
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geschrieben am: 08.10.2007 um 19:05 Uhr IP: gespeichert
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Ringer Miresmaeili für Boykott bestraft
So weigerte sich beispielsweise der iranische Ringer und mehrfache Weltmeister Arash Miresmaeili bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen gegen Ehud Vaks aus Israel anzutreten. Vom IOC wurde er disqualifiziert, vom iranischen Staat gab es eine Sonderprämie. Da viele mehrheitlich muslimische Staaten Kontakte zu Israel ablehnen, entschieden etliche Sportverbände, das geografisch zu Asien gehörende Israel sportpolitisch zu Europa zu zählen. So spielen etwa israelische Fußballklubs und die Nationalmannschaft des Landes in den internationalen Wettbewerben der UEFA, die Leichtathleten starten bei Europameisterschaften.
CDU-Politiker: "unmöglich und inakzeptabel"
Der Fraktionsvorsitzende der Berliner CDU, Friedbert Pflüger, bezeichnete Dejagahs Aussagen in "Bild" als "unmöglich und völlig inakzeptabel. Sonst fängt jeder an, sich auszusuchen, gegen wen er noch spielen will", so Pflüger. Bei Dejagahs Club VfL Wolfsburg gibt man sich betont gelassen. "Wir haben mit dem Spieler über dessen Aussagen gesprochen. Die Sache ist jetzt für uns geklärt, das Thema erledigt", sagte Wolfsburgs Pressesprecher Kurt Rippholz. Über den Inhalt der Unterredung mit Dejagah wolle er nichts sagen, so Rippholz: "Wir geben in der Öffentlichkeit keine weiteren Kommentare ab." Der VfL-Sprecher verwahrte sich jedoch gegen "Spekulationen" über die politische Gesinnung Dejagahs. "Es werden gerade dem Spieler Dinge unterstellt", sagte Rippholz.
Jugenttrainer: "Sorgen um die Angehörigen"
Auch ein ehemaliger Jugendtrainer nimmt Dejagah in Schutz: "Er ist ein sensibler Typ und ich weiß, wie wichtig ihm seine Familie ist", sagte der langjähriger Weggefährte, der namentlich nicht genannt werden möchte: "Seine Eltern und sein Bruder leben zwar in Deutschland, aber Ashkan hat noch viele Verwandte in Iran und macht sich Sorgen, dass seinen Angehörigen etwas passieren könnte." Diese Begründung will Pflüger nicht gelten lassen: "Er ist deutscher Staatsbürger, es würde in Israel alles für seine Sicherheit getan werden."
Hashemian umschifft das Problem
Dejagah ist dabei nicht der erste Bundesliga-Profi, der sich weigert, in Israel anzutreten. Allerdings ist er der erste, der die Begründung offen ausspricht. In der Vergangenheit hat es ähnliche Vorfälle gegen. In der Saison 2004/2005 traf der FC Bayern in der Champions League auf den israelischen Vertreter Maccabi Tel Aviv. Damals stand der iranische Nationalstürmer Vahid Hashemian bei den Bayern unter Vertrag, lief aber weder im Hin- noch im Rückspiel auf. Offizielle Begründung damals war eine Verletzung.
Vor der Saison nach Wolfsburg gewechselt
Dejagah wurde vor 21 Jahren in Teheran geboren, wuchs danach in Berlin auf. Seinen fußballerischen Feinschliff bekam er bei Hertha BSC Berlin. Nach einigen Streitereien verließ der Offensivspieler Berlin vor der laufenden Saison und schloss sich dem VfL Wolfsburg an.
Quelle: t-online.de
Was haltet ihr davon? Schlimme Sache oder verständlich? |
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geschrieben am: 16.10.2007 um 17:43 Uhr IP: gespeichert
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Zwei Dinge, so finde ich, passen bei der Ganzen Geschichte ganz und garnicht.
1. Weis man im endeffekt immernoch nicht welches die Beweggründe für Dejangah waren. Das es aus besagten skandalösen Gründen passiert ist bleibt immernoch reine spekulation auch wenn ich selbst aufgrund diverser Aussagen eben auf diese Tippen würde. Die Medienpräsenz ist inzwischen ja ein bisschen abgeklungen, vieleicht hat Dejangah ja inzwischen ohne Presse Stellung bezogen z.B. vor der Nationalmanschaft oder dem Zentralrat der Juden. Das er anderstherum die persönlichen Gründe nicht aufklärt mag zwar etwas stur sein auf der anderen Seite allerdings wohl auch gesund für das privatleben dieses Sportlers.
2. Könnte ich ihn verstehen wenn es so währe, schliesslich besteht wohl tatsächlich eine Handfeste gefahr für Angehörige. Die Aussage von Herrn Pflüger ("Er ist deutscher Staatsbürger, es würde in Israel alles für seine Sicherheit getan werden.") ist völlig irrelevant und dumm da es eben wohl nicht um ihn geht. Von Schutz für Angehörige spricht schliesslich keiner. Also bliebe ihm die Wahl zwischen Fussballkarriere und ein leben in Angst für seine Familie und womöglich auch für ihn, eine quälende aber leichte Entscheidung.
Sollten die Gründe ALLERDINGS tatsächlich aus Sympathie zur Nichtanerkennung und Diskriminierung Israels bestehen würde ich seinem Ausschluss aus dem Nationalteam durchaus zustimmen.
xDark
***Light needs Darkness*** |
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geschrieben am: 17.10.2007 um 08:36 Uhr IP: gespeichert
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Nach Gespräch mit Zwanziger
Dejagah bleibt U21-Nationalspieler
Fußball-Profi Ashkan Dejagah bleibt trotz seiner Absage für das Länderspiel in Israel deutscher U21-Nationalspieler. Dieses Ergebnis brachte ein 60-minütiges Gespräch zwischen dem Deutsch-Iraner und Präsident Theo Zwanziger vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) in Frankfurt.
"Er hat uns gegenüber glaubhaft versichert, dass es ihm aufgrund seiner iranischen Herkunft ausschließlich um das Wohl seiner Familie und Angehörigen ging", erklärte Zwanziger. Die Absage, die von mehreren Politikern und dem Zentralrat der Juden heftig kritisiert worden war, habe keine rassistischen oder antisemitischen Hintergründe gehabt, sagte der DFB -Präsident weiter. An dem Gespräch hatten auch DFB-Sportdirektor Matthias Sammer, Felix Magath, Trainer und Sportdirektor bei Dejagahs Klub VfL Wolfsburg, sowie Jörg Neubauer, der Berater des 21-Jährigen teilgenommen.
Dejagah betonte: "Falls ich mich irgendwann einmal missverständlich ausgedrückt haben sollte, tut mir dies leid. Diskriminierung jeder Form ist mir fremd. Fest steht, dass ich unbedingt für Deutschland weiterspielen möchte."
Gegen Israel dabei
Laut Zwanziger steht der Wolfsburger für das Rückspiel der U21-Nationalmannschaft gegen Israel zur Verfügung. "Ich gehe nach dieser klaren Aussage davon aus, dass sich der Spieler zu der hohen Verantwortung und den besonderen Verpflichtungen bekennt, die ein Nationalspieler auch über den rein sportlichen Bereich hinaus hat", sagte der DFB -Präsident.
Dejagah hatte vor zwei Wochen DFB -Trainer Dieter Eilts gebeten, aus persönlichen Gründen nicht für das EM- Qualifikationsspiel nominiert zu werden. Dejagah besitzt neben seinem deutschen auch einen iranischen Pass. Bis heute erkennt die iranische Regierung Israel nicht an und untersagt den Bürgern die Einreise dort. Iranische Staatsbürger, die nach Israel einreisen, müssen mit harten Strafen - etwa mit mehreren Jahren Gefängnis - rechnen.
Eilts zeigte für seine Bedenken Verständnis und nominierte ihn nicht. Nicht ganz so verständnisvoll zeigten sich hingegen einige Politiker. Sie forderten unter anderem Dejagahs Ausschluss aus der deutschen Nationalmannschaft. Der Wolfsburger bekam mit 16 Jahren zusätzlich zu der iranischen Staatsbürgerschaft auch die deutsche. Seitdem hat er für mehrere deutsche Jugend-Nationalmannschaften gespielt.
sid | Stand: 16.10.2007, 18:14 Uhr
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