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geschrieben am: 27.04.2008 um 21:25 Uhr IP: gespeichert
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Anonymität im Internet
Ich bin Meckie mit dem Messer.
Du hast es mir in die Hand gedrückt.
Und netterweise Dein Leben gleich mit.
Du bist mein, Du hast es so gewollt.
Ich stehe hier im Schatten und warte auf Dich.
Das Internet sollte Deine Bühne sein - Dein ganz großer Auftritt.
Du wolltest bemerkt werden, wolltest Anerkennung, Verständnis, Lob und Bewunderung für Dein Leben.
Jetzt hab ich genau hingesehenÂ…
Vielleich bist Du wie JondaÂ…
… sie engagiert sich in Foren und ist fleißig dabei. Ein wenig unvorsichtig vielleicht. Sie schreibt viel über sich, ihre Freunde, die Verwandtschaft, ihre Probleme. Davon hat sie wenig, dafür ist sie umso stolzer auf ihr Leben.
Sie zeigt freudig Fotos, von sich, vom Nachwuchs, den Tieren, ihrem Haus, den Ferien, dem Wohnzimmer.
Ich habe sie alle gesehen.
Ich weiß, wie ihr Mann heißt, welchen Wagen sie fährt und was sie von Beruf ist. Ich kenne ihre Vorlieben und ihre Schwächen, ihr Nettoeinkommen und bekomme alle Höhen und Tiefen ihrer Ehe mit. Was sie im Fernsehen sieht und welche Bücher sie gelesen hat, welchen Duft sie benutzt, welche Musik sie hört, wieviele Zahnfüllungen sie hat und wann sie Abitur machte. Wie der Chef heißt und wo sie tätowiert ist.
Alles mit Foto versteht sich.
Die Geschichten haben ein Gesicht.
Ihr Wohnort steht mit dabei, es wäre mir ein leichtes, sie zu finden.
Vielleicht bist Du auch BertheÂ…
Â…Berthe ist auch in einem Forum, in mehreren sogar. Berthe hatte es nicht leicht im Leben und teilt das auch mit.
Stress mit dem Vater, Steit um das Sorgerecht, Misshandlung, Suizidversuch, Sexleben.
Über all das möchte Berthe reden - und ich höre zu.
Berthe schreibt jetzt einen Blog, um all das von der Seele zu werfen, was so schwer darauf liegt.
Ich lese ihn täglich, will mir nichts entgehen lassen.
Ich empfehle ihre Videos meinen Freunden und wir lachen gemeinsam darüber.
Oder Du bist wie ElviraÂ…
Â…die hat jetzt ihre eigene Internetseite. Verlinkt zu all ihren Freunden und Foren, damit man sie findet.
Das ist sehr praktisch für mich.
Auf ihrer Seite sehe ich Bilder aus ihrem Leben.
Ihr Kind, ihre Hochzeit, ihre Couch, ihre Narben.
Und sie schreibt viel, über ihre schlimme Kindheit, die Krankheiten, die Süchte, die Nervenheilanstalt.
Im Impressum finde ich ihre genaue Adresse.
Einfacher kann man es mir nicht machen.
Von all diesen Frauen ist Elvira die dümmste.
Jonda, Berthe und Elvira haben mir ihr Leben auf dem Silbertablett serviert. Aber vermutlich wissen sie nicht einmal, dass ich existiere.
Aber wer bin ich?
Ich bin ihr Nachbar.
Ich bin ihr Boss.
Ich bin ihr Zeitungsjunge.
Ich bin ihr Frisör.
Ich bin ihre Putzfrau.
Ich bin die Lehrerin ihrer Kinder.
Ich bin ihr Postbote.
Ich bin ihr Tankwart.
Ich bin ihre Mutter.
Ich bin ihre Bekannte.
Ich bin ihr Ex-Freund.
Ich bin ein Passant, der auf der Straße an ihnen vorüberläuft.
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| Warum richtest Du über mich, wenn Du doch keine Ahnung hast, wovon ich spreche, wie ich lebe, wie ich liebe? |
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