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geschrieben am: 05.10.2002 um 19:04 Uhr
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Entwurf der Liebe
Die LiebŽ ist Unvernunft, die mit Vernunft vermengt,
Ein fried-gesellter Hass, Betrug vermischt mit Glauben,
EinŽ hoffnungsvolle Furcht, ein Schiffbruch, dessen Rauben
Uns dennoch süße dünkt, ein Stein, so uns bedrängt,
Ein angenehm Charybd und ein gesundes Kranken,
Ein Hunger, der sich muss mit seiner Sattheit zanken,
Ein vollgezechter Durst und trunkne Nüchternheit,
Ein schönes Freudenspiel, das garstig Unglück endet,
Ein Port, der uns verschlingt, wenn man schon angelendet,
Ein süßer Übelstand und üble Süßigkeit,
Ein bittrer Honigsaft, der von Geruch beliebet
Und der uns im Geschmack Gift, Pest und Galle giebet,
Ein Wetter, das man wünscht, und eine lichte Nacht,
Ein dick verfinstert Licht, ein abgestorbnes Leben
Und ein belebter Tod, ein Fehler, der vergeben,
Doch nicht vergessen wird. Ein Schandfleck, der mit Pracht
Und Schminke sich bestreicht, ein tugendhaftes Laster
Und schnöder Missetat gelindes Arznei-Pflaster,
Ein unbeständig Spiel und ein beständig Trug,
EinŽ ausgekräfte Kraft, ein ganz beweglich Festes,
Ein allgemeiner Schluss, der Narrheit nennt sein Bestes,
Ein Rat, der Urteil spricht ganz ohne Recht und Fug,
Ein Wohlstand, der betrübt, ein Glück, das nicht erscheinet,
Ein Lust-Haus, da die SeelŽ den freien Stand beweinet.
Christian Hofmann von Hofmannswaldau
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