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geschrieben am: 04.12.2003 um 22:39 Uhr
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ich empfehle den "fänger im roggen" von j.d. salinger. im folgenden ein paar willkürliche szenen daraus.
"ich bin der größte lügner, den man sich denken kann. schrecklich. sogar, wenn ich unterwegs bin, um mir ein magazin zu kaufen, und mich jemand fragt, wohin ich gehe, bin ich imstand zu antworten, ich ginge in die oper. fürchterlich."
"ich setzte mich tief in den sessel, bis ich beinah lag, & sah ackley zu, wie er sich häuslich einrichtete. ich war müde von der fahrt nach new yourk & allem & fing an zu gähnen. dann fing ich an, theater zu spielen. das tue ich oft aus langeweile. ich drehte meine mütze um, so dass sie richtig saß, & zog mir den schirm tief über die augen. auf diese weise konnte ich nichts mehr sehen. "ich glaube, ich werde blind", sagte ich mit gepresster stimme. "liebste mutter, alles wird so dunkel."
"du spinnst, gott sei's geklagt", sagte ackley.
"liebste mutter, gib mir deine hand. warum willst du mir die hand nicht geben?"
"um himmels willen, benimm dich doch wie ein normaler mensch."
ich tastete herum wie ein blinder, aber ohne aufzustehen. ich sagte immer wieder: "liebste mutter, warum gibst du mir nicht die hand?" natürlich war alles nur blödsinn. manchmal macht mir das spaß."
"er behauptete, es spiele keine rolle, ob einer verheiratet oder unverheiratet sei. die hälfte aller verheirateten männer sei pervers, nur wüssten sie es manchmal nicht. er sagte, man könne von einem tag auf den anderen pervers werden, & jagte uns damit den größten schrecken ein. ich wartete immer auf diese verwandlung zum schwulen bei mir."
" "schon bei unserer letzten begegnung habe ich dir gesagt, was du nötig hättest."
"eine psychoanalyse, meinst du?", fragte ich. dazu hatte er mir damals geraten. sein vater war psychoanalytiker.
"das ist deine sache, großer gott. mich geht es wahrhaftig nichts an, was du aus deinem leben machst."
ich sagte eine zeitlang nichts. ich dachte nach.
"& wenn ich zu deinem vater ginge & mich analysieren ließe", sagte ich schließlich, "was würde er dann mit mir machen? ich meine - was würde er mit mir machen?"
"du lieber himmel, gar nichts würde er mit dir machen. er würde einfach mit dir sprechen, & du würdest mit ihm sprechen. aber erst einmal würde er dir dazu verhelfen, dass du deine eigene gefühlswelt erkennst."
"meine gefühlswelt?"
"ja. dein gefühlsleben spielt sich in... aber ich gebe keinen elementarkurs für psychoanalyse. wenn es dich interessiert, dann ruf ihn an & mach eine konsultation mit ihm ab. wenn nicht, dann lass es bleiben. es könnte mir nicht gleichgültiger sein als es ist, ehrlich gesagt."
ich legte ihm die hand auf die schulter. er amüsierte mich, herr im himmel. "du bist ein freundlicher hund", sagte ich. "weißt du das?" "
"ich saß bis gegen ein uhr in der verfluchten bar & trank wie ein loch. ich konnte schon kaum mehr deutlich sehen. immerhin gab ich mir große mühe, nicht geräuschvoll zu werden. ich wollte kein aufsehen erregen & mjir damit fragen über mein alter zuziehen. aber ich sah schon kaum mehr deutlich, herr im himmel. als ich endgültig betrunken war, fing ich wieder die blöde geschichte mit der kugel im leib an. ich war der einzige in der bar, der eine kugel im leib hatte. ich steckte die hand in meine jacke & drückte sie fest auf den magen, damit das blut nicht überall herumtropfte. niemand brauchte zu wissen, dass ich verwundet war. ich verbarg die tatsache, dass ich ein angeschossener hund war. schließlich hatte ich lust, die gute jane anzurufen & zu fragen, ob sie schon zu hause sei. ich zahlte also & ging zu den telephonkabinen hinaus. dabei hielt ich immer die hand auf den magen, damit das blut nicht weitertropfte. ich war schön betrunken.
[...]
ich blieb ziemlich lang in der elenden telephonkabine. ich hielt mich sozusagen am telephon fest, um nicht ohnmächtig zu werden. es ging mir nicht gerade glänzend, ehrlich gesagt. schließlich ging ich hinaus & stolperte wie ein idiot in die herrentoilette. dort füllte ich ein waschbassin mit kaltem wasser & tauchte meinen kopf bis zu den ohren hinein. ich machte mir nicht einmal die mühe, mich abzutrocknen. ich ließ den blöden hund einfach tropfen. dann ging ich zum heizkörper am fenster & setzte mich darauf. er fühlte sich schön warm an. das tat mir gut, weil ich wahnsinnig schlotterte. komisch, ich schlottere immer wie toll, wenn ich betrunken bin.
da ich sonst nichts zu tun hatte, blieb ich auf der heizung sitzen & zählte die wießen plättchen auf dem fußboden. ich wurde allmählich tropfnass. ganze wasserbäche liefen mir am hals hinunter über kragen&krawatte, aber es war mir alles gleichgültig. ich war zu betrunken, um mir etwas daraus zu machen."
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