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Wir können nur blöd - Schwurbeltexte, Krummdeutsch, Quarksprech

Nutzer: fortinbras
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geschrieben am: 16.02.2001    um 01:53 Uhr   
Wir können nur blöd

Schwurbeltexte, Krummdeutsch, Quarksprech - stern-Autor WOLFGANG RÖHL über die Unfähigkeit, verständliche Sätze zu

Fremdenfeindlichkeit hat viele Gesichter. Ausländer, so tönt es aus gewissen Ecken, müssten zwecks Integration endlich besser Deutsch lernen. Ja, will man Ali, Sergej und Bogdan denn alle Chancen vermasseln? Ruhm und Reichtum fallen hierzulande doch meist denen zu, die keinen geraden Satz zustande bringen.

Und zwar nicht erst seit Verona Blubb und Zladdi Schäkesbier. Krummdeutsch ist seit den Sechzigern ("Huppsches Fraulein") Karrieregarantie. Siehe Graham Bonney, Gus Backus, Rudi Carrell, Wencke Myhre u.v.a.m. Bis heute setzt Schnulzenopa Roger Whittaker seinen Kaffeetantenverführerakzent als furchtbare Waffe ein. Deutschlands ideeller Gesamtneger Roberto Blanco klingt noch nach 30 Bühnenjahren wie frisch aus Kuba eingeflogen. Und was macht dieser Kerl? Kohle macht der, und zwar reichlich!

Haben Sie je ein Interview mit einem der millionenschweren Rasengötter gehört, in dem der Stuss nicht knüppeldicke kam? Kennen Sie einen deutschen Spitzenpolitiker, der seine Sprechblasen wenigstens elegant zu formulieren versteht? Einen Wirtschaftslenker (den abgetretenen Hans-Olaf Henkel mal ausgenommen), dem man zutrauen würde, sein Bücherschrank berge noch andere Schätze als die Biografie von Lee Iacocca und 1000 ganz legale Steuertricks? Unwissenheit ist Stärke, lautet die Parole in Orwells Roman "1984". Gez.: Big Brother.

Ganze Germanenstämme verständigen sich allein in ihrem endemischen, dem Rest der Welt rätselhaften Gebabbel. Korrektes Deutsch halten Millionen für eine Zumutung. In Bayern oder Köln gelangt man in die besseren Klüngel nur, wenn man den Eingeborenendialekt spricht. "Da Heiner, schdegg der ah aa oo", lautet ein geflügeltes Wort. Raten Sie, wo. In Lappland? Mali? Nordkirgisien?* Warum mehr als Basisdeutsch erlernen, wenn Inländer mit der Hochsprache hoffnungslos überfordert sind? Schauen Sie sich mal in den Chatrooms des Internet um - www.klippschule.de. Wenn schon Leitkultur, dann für alle.

Aus der Fernsehwerbung: "Es ist an der Zeit, ein Bier zu feiern, wie es so gebraut in Deutschland nirgendwo ein zweites gibt ..." Schwurbeltexter meets Rechtsabteilung. Schön auch "das König der Biere" (Köpi), "die meiste Kreditkarte" (Eurocard) oder "durchschnupfsicher" (Tempo). Das Verwöhnaroma ruft das Beste im Mann, Er kann, sie kann, Nissan, Wir können nur billig - im Wadde-hadde-dudde-da-ho-mir-ma-ne-Flasche-Bier-Land ist alles ein Stück weit in Obi. Ein Werbe-Guru plädierte angesichts kapitaler Sprachdelikte schon malfür die Prügelstrafe. Manche finden gar: Rindviecher, auf deren Mist Quarksprech wie "unkaputtbar" gedeiht, verdienen die Komplettkeulung.

Unsere Türken sollen statt ihrer Heimatsender lieber deutsches Fernsehen gucken, fordern Politiker. Prima Idee. Aus der Glotze lernt Üzgür am leichtesten jene Kanaksprak, mit der man in Deutschland was wird. "Gelb geht gut", heißt ein FDP-Parteitagsmotto. "Der Handy-Boom tritt auf der Stelle", berichtet der ARD-Börsenonkel. Werbetante Iris kennt "eine ganz einfache Lösung gegen Husten". Und die Maybrit? Dauernd "sorry" und "okay" sagen, aber hartnäckig "Aktionismus" und "Aktivität" vertüdeln! Ignorance is strength, sagt Big Brother.

"Super-GAU", "vorprogrammieren", "überdramatisieren", "kühle Rechner", "brutale Gewalt", "Fragen, die unter den Nägeln brennen" - überall suchen weiße Schimmel verzweifelt Halt auf schrägen Metaphern. "Wenn man Konflikte ändern will, muss man sie sichtbar machen", sagt Laurenz Meyer. Klingt so einleuchtend wie "RüsÎvet torbasi duvara carpti". Fischer Eins bekundet im Bundestag: "Das heißt aber noch lange nicht, dass ich das rechtfertigen tue." Tut weh.

Auf dämlich zu machen, wie es uns Verona Feldbusch kongenial vorführt, bedeutet harte Arbeit. Einfacher ist es, spontan und aus reinem Herzen heraus strunzbescheuert daherzuschwätzen. Natürlich schafft es nicht jeder in die Demenz-Elite der Containergesellschaft. Doch jeder kann, wenn er sich etwas Mühe gibt, in einer Talkshow sinnfreie Sätze bilden und auf diese Weise schon mal in die herkömmliche VIP-Riege aufrücken. Beispielhaft, wie der Schauspielstar Ben Becker das komplexe Verhältnis zu seinem autoritären Vater in sieben eherne Worte goss: "Also wenn Papa kam, war irgendwo soo!"

Könnte Giovanni Trapattoni, Schutzpatron aller semantisch Herausgeforderten ("Is klar diese Wörter, is möglich verstehn?"), nicht besser formulieren. Was wäre wohl aus dem geworden, hätte man ihm ordentliches Deutsch beigebracht? Nicht auszudenken.


Quelle: STE I Ausgabe: 7 I 08-02-2001 I Seite: 110 I Autor/in: *WOLFGANG RÖHL*
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Nutzer: schlau
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geschrieben am: 16.02.2001    um 18:54 Uhr   
oh, und in diesem zusammenhang bitte das schwer angesagte dummdeutsch nicht vergessen: das hat sich in unserer company doch letztens ein consultant am pc aufgeregt, weil er das window nicht weggeclosed bekam. und das zu nem zeitpunkt, als das feature weder gerollouted noch gecustomized war... *grunz*
 
alle menschen sind gleich. gleich doof, gleich hässlich und gleich beleidigt.
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Nutzer: Gast_obelix
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geschrieben am: 16.02.2001    um 19:42 Uhr   
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Das Verwöhnaroma ruft das Beste im Mann, Er kann, sie kann, Nissan, Wir können nur billig - im Wadde-hadde-dudde-da-ho-mir-ma-ne-Flasche-Bier-Land
ist alles ein Stück weit in Obi.
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Aber wirklich nur ein kleines Stück weit !!! Haben die mich nun beleidigt ??

Und überhaupt woher kennt der mich ??


*grinswech Obelix ( Obi ) *
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