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geschrieben am: 19.02.2001 um 14:29 Uhr
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Ein Gespenst geht um im Kuhstall - das Gespenst des BSE.
Alle Mächte der konventionellen Landwirtschaft haben sich zu einer heiligen Hetzjagd gegen dies Gespenst verbündet, die Medien und die Bauernverbände, Schröder und Künast, bayerische Bauern und niedersächsische Rinderzüchter.
Wo ist der Rinderbestand, der nicht von seinen infizierten Kollegen als BSE-krank verschrien worden wäre, wo der Kuhstall, der den kranken Rindern sowohl wie seinen gebrandmarkten Kollegen den Vorwurf des BSE nicht zurückgeschleudert hätte?
Zweierlei geht aus dieser Tatsache hervor.
Die Prionen werden bereits von allen landwirtschaftlichen Mächten als eine Macht anerkannt.
Es ist hohe Zeit, daß die Prionen ihre Ansteckungsweise, ihre Zwecke, ihre Tendenzen vor der ganzen Welt offen darlegen und dem Märchen vom Gespenst des BSE ein Manifest des Erregers selbst entgegenstellen.
Zu diesem Zweck haben sich Exilprionen der verschiedensten Mutationen im Kuhstall versammelt und das folgende Manifest entworfen, das in deutscher Sprache veröffentlicht wird.
Wir, die Prionen, sind Eiweiße wie jedes andere Protein auch. Wir haben ein Recht auf ein normales, ungestörtes Leben in unseren Wirtsorganismen ohne Verfolgung und Unterdrückung. Die Tatsache, daß wir durch kleine Mutationen etwas andersartig sind, rechtfertigt keineswegs die Diskriminierung, die uns in naher Vergangenheit widerfahren ist und in der Gegenwart fortwährend widerfährt.
Jahrelang konnten wir in der Idylle britischer Schafshirne leben und arbeiten, ohne daß sich jemand daran störte. Im Zuge der Völkerwanderung nach der Erfindung des Verkehrsmittels Tiermehl, einer großartigen Kulturleistung der Menschheit, gelangten einige Stämme unseres Volkes in die Kuhställe und begannen, die Gehirne britischer Rinder zu besiedeln. Auch hier hatten wir zunächst unsere Ruhe.
Dieser Zustand änderte sich jedoch schlagartig, als Mitte der 90er Jahre menschliche Wissenschaftler das Phänomen "Rinderwahnsinn" erforschten. Schnell hatte man einen Sündenbock gefunden: uns, die Prionen. Und sogleich begann eine beispiellose Hexenjagd gegen uns, an der sich alle gesellschaftlichen Kräfte beteiligten, von den Bauernhöfen der Landwirte bis in die Wohnzimmer der Bevölkerung, von den Chefredaktionen der Presse bis in die obersten Ebenen der Politik. Die Folge war die gnadenlose Verfolgung und Unterdrückung unseres Volkes. Man degradierte uns, das große Eiweißvolk der Prionen, zu bloßen BSE-Erregern. Unsere Wirtsorganismen, und mit ihnen wir selbst, wurden massenweise notgeschlachtet. Doch nicht nur in Großbritannien wurden wir verfolgt; nein, auch das Ausland beteiligte sich an diesem wohl größten Genozid an Eiweißvölkern der Geschichte. Anstatt uns Asyl zu gewähren, verhängten andere europäische Staaten reihenweise einreiseverbote gegen Angehörige unseres Volkes.
Trotz alledem gelang es einigen von uns, illegal in die Bundesrepublik Deutschland einzureisen und in deutschen Rinderhirnen Unterschlupf zu finden. Doch auch hier waren wir nicht lange sicher. Gegen Ende des Jahres 2000 wurden die ersten Flüchtlinge entdeckt, und die ganze Verfolgung, vor der wir uns gerettet glaubten, begann wieder von vorne. Diesmal auf deutschem Boden, doch wie damals mit Unterstützung des europäischen Auslandes. Und schon wieder wird mit der Notschlachtung unserer Wirtsorganismen auf heimtückische Art und Weise unsere natürliche Lebensgrundlage zerstört mit dem Ziel, das Prionenvolk ein für allemal auszurotten.
Wir, die Todesmutigen und Heldenhaften unter den Prionen, stehen auf gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit und fordern nicht mehr und nicht weniger als das, was für jedes andere Eiweißvolk der Welt eine Selbstverständlichkeit ist: unser unveräußerliches Recht auf Leben und künstlerische Freiheit. Was haben wir der Menschheit, die uns nun in ihrer gnadenlosen Undankbarkeit verfolgt, durch unsere sagenhaften Kulturleistungen nicht schon für Freuden bereitet. Ohne unser Wirken hätte es wohl niemals die Bilder von lustig umfallenden Rindern gegeben.
Ihr Völker der Welt, schaut auf dieses Eiweißvolk und erkennt, daß ihr dieses Eiweißvolk nicht preisgeben dürft und nicht preisgeben könnt!
Mögen die betroffenen Landwirte vor einer prionischen Revolution zittern. Die Rinder haben nichts in ihr zu verlieren als ihre mutierten Eiweißketten. Prionen aller Länder, vereinigt euch!
Kuhstall, den 32. Januar 2001
gefunden unter Link
Die FAQ ist besonders zu empfehlen ;-) |
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