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geschrieben am: 25.02.2001 um 14:54 Uhr
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Rückblende
DOM's erste Begegnung
Wie es viele der grossen Dichter taten, wandte DOM - als er eben im Begriffe war, seine blanken Zähne in das «... zarte Fleisch seines Opfers ...» zu rammen, seinen Blick um Jahrzehnte zurück.
Die Nachmittagssonne war schon golden geworden und würde bald den Horizont berühren, als er die kleine Schaufel sinken liess und andächtig auf seine Sandburg guckte.
Ein gelungenes Werk, das während der letzten Stunden seine ganze Konzentration beansprucht hatte, und das ihn jetzt, wo es kurz vor der Vollendung war, mit dem umfangenden Gefühl des Stolzes erfüllte, wie es eigentlich nur den Grossen und Erwachsenen oder eben den Wunderkindern ergehen konnte.
DOM war sich seines Wesens, ein heranwachsendes Wunder unter den Menschen zu sein, erst halb bewusst. Das einzige, was ihn abhob von den den Spielkameraden war denn, dass er Probleme immer bereits gelöst hatte, wenn seine Kumpels sich noch ums genaue Verstehen der Fragen kümmerten.
Während des Sinnierens über seine Burg, hatte er das Vorbeigehen seines Onkels kaum wahrenommen. Auch nicht den Umstand, dass jener einen Augenblick innehielt, als er den Jungen bemerkte, und sich reiflich überlegte, ob des denn gut sei, wenn das Kind JETZT eben zu gegen sei.
DOM's Onkel - ein gestandener Bauer - führte seinen Hof ordentlich und war einer der wenigen empfindsamen Landwirte, die sich auch mit einer gewissen Würde um seine Tiere kümmerte - immer darauf bedacht, ihnen keinen Schmerz zuzufügen.
Gerade aufgrund besagter Empfindsamkeit fühlte er sich dem Wunderkind DOM als einer der nächsten und hegte insgeheim den Wunsch, DOM sei sein Sohn, den er auf Händen tragen wollte.
DOM kniete bewegungslos im Sand, als rechts an ihm etwas heranflog und etwa zwei Meter entfernt hart zu Boden fiel.
Er sah hin.
Oh, ein Huhn war aus dem Hühnerhof entwichen und nun verunfallt.
Er erhob sich und wollte es eben sachte aufheben, als er sah, dass ihm der Kopf und ein Teil des Halses fehlten.
Er erstarrte und blickte in immenser Faszination auf die Erscheinung runter.
Kalter Schweiss lief unter seinem Hemdchen runter, er starrte und wartete, bis sich das Tier wieder bewegte. Die Zeit stand still. Die Schatten hatten aufgehört zu existieren, Farben verloren an Kraft.
Die vertraute Stimme des Onkels, der sich ihm leise genähert hatte, wollte seine Lebenskräfte eben wieder ankurbeln, als DOM seinen Blick vom Kadaver losriss, auf die Schuhe lenkte, den Hosenbeinen entlang hob, bis er auf die rechteckige Gerte traf, an der eine kleine Flaumfeder klebte.
Mit unendlichem Grausen blickte er seinem Onkel in die Augen, schaute an ihm vorbei nach hinten zu jenem kleinen Vorplatz mit dem grossen Klotz, wo die Scheiter für den Holzofen hergestellt wurden.
Der kleine regungslose weiss-rosa Haufen daneben war neu. DOM wusste sofort, woraus er bestand.
«Das ist normal, das kann es geben, dass sie noch fliegen», meinte der Onkel verlegen, hob den Kadaver auf, entfernte sich und warf ihn auf den Haufen.
DOM, halb aus dem Grausen erwacht, zertrat die Sandburg und rannte davon.
Geändert am 25.02.2001 um 14:56 Uhr von verovero |
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