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Die Töchter des Drachen

Nutzer: Taliana
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geschrieben am: 19.05.2003    um 19:22 Uhr   
Ein Mädchen saß an einem Feuer,mitten im Wald. Vielleicht war es auch kein Mädchen,man konnte dies unmöglich schätzen.Sie konnte 20 sein,oder auch gut 30 Jahre mehr.Aber dies war egal. Alter zählte nicht.
Sie trug schwarzes,im farbenfressenden Dunkel der Nacht matt glänzendes leder,das sich wie eine zweite,sehr eng anliegende Haut an ihren Körper schmiegte.Sie war sehr groß und sehr schön und ihre sonderbare Kleidung ließ erkennen,daß sie schlank,aber von jener drahtigen Sportlichkeit war,die große Kraft und noch größere Gewandheit verriet.
Starr blickte sie ins Feuer.Und plötzlich begann sie zu sprechen.Sie sprach leise,trotzdem konnte jeder in ihrer unmittelbaren nähe und vielleicht auch darüber hinaus,sie verstehen.

Ich habe eine Geschichte zu erzählen.Sie ist wichtig
sagt sie und begann,zu erzählen:

"Das Dorf lag in der Biegung des Flusses,ein Stück schwarzer Kohle,das von einem silber-blau-grün gefleckten Band zu zwei Dritteln umschlungen wurde und während der letzten Jahre begonnen hatte,in die einzige Richtung zu wuchern,die ihm blieb.
Das hieß-nicht ganz.
Ein paar Häuser,erbaut von besonders mutigen-oder besonders dummen-Menschen,ragten ein Stück in den Fluß hinein,auf Stelzen stehend,wie verschmorte fette Störche mit zu vielen Beinen oder wie steinerne Schwalbennester unter die Biegung der zerborstenen Brücke geklebt. Einstmals hatte es einen Namen gehabt,dieses stolze,reiche, verbrannte Dorf,das heißt,sogar mehrere: Manche hatten es Lybary genannt,ein Wort aus der Sprache der Ureinwohner dieses Teils der Welt,die hiergewesen waren,ehe die Menschen kamen,und dessen Bedeutung niemand kannte.Andere-später-hatten es Grünau getauft:ein Name,der absolut nicht paßte,aber hübsch klang.Beide Namen waren im gleichen Maße verloren gegangen,in dem die Menschen die hier am Fluß die Kraft zu entdecken begannen,die der große silberne Strom mit sich brachte,und sie nutzten;im gleichen Maße,in dem die strohgedeckten Hütten schweren, steinernen Häusern mit schwarzen Schieferdächern wichen, dächern,über denen gewaltige rauchende Schlote die Geheimnisse verrieten,die unter ihnen schlummerten.
Als die Bewohner Lybarys oder Grünaus damit begannen,Eisen zu machen,war die Stadt häßlich geworden,zu häßlich für einen so wohlklingenden Namen wie Lybary oder gar Grünau- grün waren schon bald allenfalls die Abwässer,die aus den neuerdings kanalisierten Häusern in den Fluß strömten;denn ihre Bewohner schmolzen nicht nur Eisen und Stahl und nach und nach andere Legierungen,sondern aßen und tranken und atmeten-freilich ohne es zu wissen-auch ein guten Teil dessen,was eigentlich in ihren Schmelztiegeln sein sollte. Wenn sie es überhaupt wußten,scherten sie sich nicht darum; allenfalls wunderten sie sich vielleicht,daß die Alten im Dorf nicht mehr so alt wurden wie früher,und daß es mehr Krankheiten gab.Aber die Stadt wurde reich,reich und häßlich und immer größer,und bald bekam sie einen neuen Namen:wer immer im Lande von ihr sprach,nannte sie Stahldorf,und irgendwann übernahmen die Einwohner diesen Namen,wenn auch nicht für lange.
Er war verbrannt.
Zusammen mit der Stadt.
In einer einzigen Nacht voller schlagender schwarzer Schwingen und gellender Schreie und Feuer,das vom Himmel regnete und tausendmal heißer war als die Glut der Eisen unten auf der Erde,war er verkohlt,zu Asche und Staub und heißen Schlamm geworden,den der Fluß forttrug,das Werk von drei Generationen dahin in einer einzigen Nacht.Die großen Quader aus rostrotem Roheisen warein ein letztes Mal geschmolzen,so daß sie jetzt über großen Teilen des Ruinendorfs ein Leichentuch aus poröser Schlacke bildeten. Die Hoffnungen und Träume von Reichtum und Macht waren verdampft wie die Gehirne,die sie geträumt hatten,und das Gold,das überreichlich gegen scharfgeschliffenen Stahl getauscht worden war,war in den Händen seiner Besitzer weich geworden und zu Boden getropft wie schimmernde Tränen.
Zumindest hatte Stahldorf-das früher einmal Grünau und noch früher Lybary geheißen hatte und das man morgen vielleicht Brandstadt nennen würde-ein Ende gefunden,das seinem kurzen Aufblühen angemessen gewesen war.
Die Vernichtung war vollkomen gewesen,eine schwarze Götterfaust,die mit der Nacht gekommen war und deren Finger weißglühende Narben in der Erde hinterließen."

Hier brach ihre Stimme ab. Genau zu erkennen,warum dies so war,konnte man nicht. Ihre Stimme verlor sich in den Geräuschen der Nacht. Wer wissen wollte,wie es weiterging,mußte es ihr schon sagen.
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Nutzer: Lisseth
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geschrieben am: 20.05.2003    um 17:57 Uhr   
ruhig sitzt sie junge frau an einem baum gelehnt in der nähe und hört die geschichte..sagt dann freundlich es würde mich freuen..würdet ihr diese geschichte weiter erzählen
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Nutzer: Greymoon
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geschrieben am: 20.05.2003    um 20:55 Uhr   
Und nicht nur menschliche Ohren hatten gelauscht,ja auch die Tiere,wie er selbst die sich nicht an das Feuer gesellt hatten,sei es aus Rücksichtnahme,Furcht oder anderen Dingen und im dichten Grün der ewigen Wälder aus harrten,warteten geduldig ob einer Fortsetzung.
Der Bleigraue,man mochte nicht genau sagen wo er sich niedergelassen hatte,es sei denn man hatte genau auf jenes irrlichtergleiche blaue Augenpaar,dass dem Firmament an wolkenlosen Sommertagen gleich kommen mochte,welches im Dunkel glomm und sich im Feuerschein verlor,geachtet.
Er hatte jene friedlichen Stunden vermisst,Stunden in denen man lauschte,wie einst wie es bei seinem Volke gang und gäbe gewesen war.
So lag der Schattentänzer,den weiß von Mutter Natur gezeichneten Kopf auf die langen Glieder,die Pfoten gebettet da,blickte nachdenklich in die tanzenden Flammen des Feuers ohne ihre Wärme spühren,höchstens erahnen zu können und sann über Vergangenes nach,bis sie,die Erzählende wieder das Wort erheben mochte.
Geändert am 20.05.2003 um 20:59 Uhr von Greymoon
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Nutzer: Taliana
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geschrieben am: 21.05.2003    um 15:17 Uhr   
Sie lächelte kurz.
Nun gut..dann werde ich weitererzählen.

"Die Asche war noch warm,und der Boden darunter so heiß,
daß sie es durch die dünnen Sohlen der Sandalen hindurch spüren konnte.Ihre Schritte ließen kleine graue Staubwölkchen wie winzige Explosionen hochwirbeln,und in der Luft lag ein Geruch,den das Mädchen niemals im Leben wieder vollkommen vergessen sollte.
Sie hatte den am schlimmsten zerstörten Teil der Stadr umgangen,nicht aus Furcht oder Pietät,sondern einfach aus der praktischen Überlegung,daß der alte Mann an ihrer Seite auf dem zu spiegelglattem Glas erstarrten Boden unter der Asche ausgleiten und sich verletzen mochte,und jetzt hatten sie den Fluß erreicht.Sein Wasser war warm. Grauer Dampf stieg von seiner Oberfläche hoch und berührte ihr Gesicht mit der unangenehmen Klebrigkeit von Spinnweben.Hier und da schienen sich kleine Nester von Glut und Hitze unter seiner Oberfläche gehalten zu haben; denn an manchen Stellen kochte es regelrecht.Schwarze Schlieren tanzten auf den Wellen.Und manchmal trug die Strömung formlose,dunkle Brocken heran;ab und zu auch etwas Größeres,das sie nicht erkennen konnte und wollte.
>>Wo sind wir?<<
Gedelfis Stimme klang brüchig;so morsch wie die dünne Kruste,über die sie gingen,und ebenso in Gefahr,jeden Moment einzubrechen.Die Hand,die auf Taliannas Schulter lag, bewegte sich nicht,aber anders,als sie es gewohnt war,war ihr Griff beinahe schmerzhaft fest,nicht mehr leicht und freundlich"

Ihre Stimme ging im rauschen des Windes unter.Ihre Geschichte jedoch war noch lange nicht zu Ende.
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