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geschrieben am: 19.04.2002 um 21:23 Uhr
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Langsam und bedächtig schüttelt die junge Frau den von den halblangen dunklen Haaren gerahmten Kopf...
Verzeiht, Mylady, es sollte nicht wirken, als ob ich mich angegriffen fühlte, denn solches war sicher nicht der Fall... Lediglich erklären wollte ich, dass meine Vergangenheit zu ergründen nicht allzuviele Rätsel mehr verbergen mag, wenngleich ich sicherlich noch immer nicht alles erfuhr, was es zu erfahren gilt... So verzeiht Ihr mir, denn Ihr habt Euch nichts zuschulden kommen lassen...
Wie zur Bestätigung der eigenen Worte nickt sie leicht, doch als ihr Gegenüber sie direkt auf ihren Bruder anspricht, schließt sie für einen Moment die Augen, verschiedene Szenen der fernen und nahen Vergangenheit gleiten vor ihrem innern Auge dahin, bis sie schließlich den hoffnungserfüllten Blick von eiem sachten undefinierbaren Schleier überzogen wieder auf den Blick Sorahjahs wendet...
Ja... Ich habe einen Bruder. Dorian ist sein Name, "das Wiesel" in Eurer Sprache, man taufte ihn auf diesen Namen in christlicher Sitte, so wie man auch mir den Namen Relaja, "die Ehrfürchtige", gab... Doch ein Wiesel mag nicht nur geschickt und flink sein, oftmals birgt es Linkisches in seinem Herzen... Sie macht eine kleine Pause, spricht aber alsbald weiter... Er war mir immer ein guter Freund und Gefährte, nicht nur ein Bruder, bis.... ..einen Augenblick scheint sie in ihrem Redefluss zu stocken, fängt sich jedoch alsbald wieder... ...bis unser geliebtes Heimatland verheert und vernichtet wurde. Ich wähnte Dorian tot, wie den Rest meiner Familie, Freunde, Nachbarn... Doch vor einiger Zeit traf ich ihn erneut. Das "Wiesel" lebte, und er war ein wahrhaftiges Wiesel geworden, linkisch und falsch, wie ein Bruder nur sein kann. Er versuchte Dinge, derer ich nicht wähnen möchte, die noch immer mein Herz erschweren... wieder eine kurze Pause, sie senkt ihre Lider halb Nun... Ihr könnt Euch denken, dass er nicht mehr dem folgt, den wir 'Gott' rufen, wenngleich er nach dem rechten Wege sucht, er hat sich wieder abgewandt vom Dunklen... Vielleicht ist auch Dorian Euch ähnlich, Lady Sorahjah, denn einst im Namen des Lichts gewandelt, wurde seine Seele vom Dunkel berührt, und er hadert, nach welcher Seite er sich wenden möchte... Und dennoch... ein leichtes Lächeln umspielt die Lippen Relajas Ich habe ihm schon lang verziehen, was er tat, denn im Herzen weiß ich, dass er mein Bruder ist, und ich liebe ihn -noch immer- wie einen solchen...
So schämt Euch nicht der Fragen, die Ihr mit Euch tragt, Mylady, stellt sie nur, ich bin recht gern bereit, Euch Antwort zu geben...
Eine Zeit lang studiert die junge Gerüstete die seltsam ruhigen Züge ihres Gegenübers, die wie ein Schemen nur erscheinen... Der Blick der klaren und gleichsam glanzlosen Augen hält den ihren aus dunklen vor Hoffnung und Glauben scheinbar strahlenden Augen einige Augenblicke wie ein Bann fest... Alsdann schließt sie abermals die Augen, um zu beschreiben, was sie sieht...
Eine seltsame Bitte, die ihr da stellt, Mylady...
Was ich vor mir sehe ist eine fremde Frau, die gleichsam schier vertraut erscheint... Was ich vor mir sehe ist der Blick von Hoffnung, die den Zweifel auf den Schultern trägt, der Glanz der matt nur schimmert, helles Dunkel und dunkles Licht. Ich sehe Ruhe und Unsicherheit, Furcht und Zuversicht... Eure Gestalt.. Vergebt mir jene Worte, doch... Sie scheint mir wie ein Schemen, veränderlich nach Eurem Herzen, ja, was ich sehe sind Eure Ausdrücke, Eure Gefühle... Zuversicht und Hoffnung gepaart mit Zweifel und Furcht, Glanz und Licht gepaart mit Trübe und Dunkel, Neugier und Weisheit Mylady...
Ich suche mit meinem Herzen zu gehen, Lady Sorahjah, denn die Augen mögen lügen... Vielleicht sind jene Worte nicht die, die ihr erwartet, doch ich vermag Euch nicht zu beschreiben, nicht anders als bereits getan... Leise verklingen ihre letzten Worte, bis sie wieder völlig verstummt und sie abermals zu mustern scheint... Abermals streicht sie leicht mit zwei Fingern über das Phoenixwappen an der linken Brustseite ihrer Panzerung, sichtlich nachdenklich, wohl darüber, ob sie die falschen Worte wählte...
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