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geschrieben am: 24.03.2003 um 22:29 Uhr
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„Dann reicht es ja noch dicke für eine Partie „Dreier raus“ schlug der Würfelspieler munter vor und ließ die Würfel einladend im Becher klappern.
„Ich hab keine Lust mehr,“ maulte das frierende Mädchen. „Ich hau jetzt ab!“
„Du bleibst hier!“ „Ohne dich ist doch alles sinnlos!“ „Nun bleib doch, du weißt doch, daß wir dich brauchen,“ bemühten sich einige Kuttenträger, sie umzustimmen. „Hier, trink mal, das wird dich aufwärmen,“ bot einer ihr an und reichte ihr eine kleine Flasche. Sie nahm einen tiefen Schluck und hustete.
„Die Rätseltür ist reine Glückssache,“ meinte eine nachdenkliche Stimme. „Manchmal schaffen sie die in ein paar Minuten, es braucht nur einer dabei zu sein, der das Rätsel schon kennt oder etwas Grips im Kopf hat.“
„Also auf den Grips können wir hier wohl kaum hoffen. Immerhin haben sie schon einen halben Tag gebraucht, nur um die Tempelruine überhaupt zu finden, dabei kann man vom Dorf aus beinahe rüberspucken,“ kommentierte einer abfällig.
„Dafür haben sie für das Labyrinth nicht lange gebraucht – wißt ihr noch, die drei Streuner und der Barbar? „Vertraut mir, ich habe Orientierung 16!“ zitierte einer spöttisch und rief damit Gelächter ringsum hervor.
Einige der Kuttenträger hatten sich rings um den Greis mit seiner Kristallkugel versammelt und versuchten mit zusammengekniffenen Augen, etwas in den leuchtenden Wirbeln zu erkennen.
„Hast du schon rausgekriegt, was sie so draufhaben?“ fragte einer mit leiser Besorgnis in der Stimme. „Im Rahmen des Üblichen, soweit ich sehen konnte,“ antwortete der Greis. „Der Magier könnte einen Elementargeist beschwören, wenn ihr ihm dazu Zeit laßt. Er ist ziemlich mächtig, aber dumm wie Brot – wenn er die Lösung nicht auf seinem Zauberbogen findet, fällt ihm nichts mehr ein. Auf die Kriegerin müßt ihr aufpassen, die ist wirklich sehr gut mit ihrem Schwert – hat die beiden Wächterstatuen in der Vorhalle praktisch alleine erledigt. Der Streuner scheint eine echte Schlafmütze zu sein. Bislang ist er nur den anderen hinterhergelaufen und hat noch nichts Nützliches beigetragen. Falls er aber zum Finale aufwacht, paßt auf seine Wurfmesser auf. Der Zwerg ist zwar noch niedrigstufig, aber sehr stark und hat dazu ein magisches Schlachtbeil, also Vorsicht. Die Elfe ist niedlich, aber harmlos. Ihre Domäne sind Zauberlieder und Verständigungszauber, die werden ihr hier nichts nützen. Scheint allerdings intelligenter zu sein als die anderen – seht ihr, was hab ich gesagt? Sie hat das Rätsel gelöst und die Tür öffnet sich!“
„Naja, war ja auch nicht so schwer,“ warf ein Kuttenträger ein. „Aber du hast recht, sie sieht wirklich süß aus – Schade, daß sie immer nur aufs Metzeln aus sind, wenn sie zu uns kommen,“ fuhr er sehnsüchtig fort und versuchte noch einen Blick in die Kugel zu erhaschen.
Doch der Greis steckte sie nun wieder fort. Seine schneidende Stimme unterbrach alle Gespräche. „Auf, Leute, macht euch fertig! Wenn sie erst mal die Feuerbrücke hinter sich haben, können sie jeden Moment hiersein. Laßt uns hoffen, daß sie sich inzwischen noch ein paar Schadenspunkte einfangen. Wer von euch noch mal austreten muß, soll sich beeilen, jetzt ist die letzte Gelegenheit.“
Daraufhin erhoben sich die Lagernden. Einige drängten zur Tür hinaus, die anderen trafen allerhand Vorbereitungen. Sie rückten ihre Kutten zurecht und zogen die Kapuzen tief in die Stirn, so das ihre Gesichter verborgen waren. Sitzdecken, Trinkgefäße und Essensreste wurden beiseite geräumt. Ein Vermummter goß mit leisem Bedauern den letzten Rest Bier aus einem großen, silbernen, mit Edelsteinen besetzten Kelch auf den Boden und stellte ihn dann ehrfürchtig auf den Altar.
Widerstrebend gab das Mädchen die wärmende Kutte ihrem Besitzer zurück. „Ich hab aber keine Lust, mich auf den kalten Stein zu legen. Da friert man sich ja den Hintern ab,“ maulte sie.
„Ist ja nicht für lange, sie kommen bestimmt bald, um dich zu retten,“ tröstete sie der freundliche Kuttenbesitzer und reichte ihr ritterlich die Hand, um ihr auf den Altar zu helfen. Sie schwang sich auf den Stein, legte sich aber nicht, sondern kauerte sich mit dicht an den Leib gezogenen Beinen hin, um soviel Wärme wie möglich zu bewahren.
„Nun weine mal nicht – dir rücken sie schließlich nicht mit dem Breitschwert auf den Leib,“ rief ihr ein anderer Vermummter zu. Der neidische Unterton in seiner Stimme war nicht zu überhören.
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