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Und wieder einmal in die Hölle...

Nutzer: Engelsfall
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geschrieben am: 11.06.2002    um 07:22 Uhr   

... obwohl das ja eigentlich so nicht ganz richtig war. Der Name "Totenreich" bezeichnete es um einiges treffender. Höllenstern betrachtete mit der ihr typischen Konsterniertheit das muntere Treiben auf der Lichtung und wußte nicht, ob sie lachen oder weinen sollte. Einiges an Schwierigkeiten war sie bereits gewohnt, denn sie kannte den etwas eigenartigen Humor ihres Herrn nur zur Genüge, und jedes Wesen mit etwas, das man als Vernunft bezeichnen konnte, hätte ihr abgeraten, ausgerechnet so einem Herrn zu dienen - sie aber konnte nicht anders. Ihr Herr war niemand anderes als der Schöpfer, wenngleich er der einzige war, der das von sich behauptete, der Großteil aller anderen sah ihn einfach nur als etwas verwirrten, kleinen und freundlichen älteren Mann mit einer Schwäche für Seifenopern - Seifenopern! allein deswegen hätte sie sich von ihm fernhalten sollen, sie war sicher, daß es besser gewesen wäre, hätte sie nicht gewußt was das ist - und Popcorn. Jedoch hatte sie nicht umsonst eine lange Irrfahrt aus Leid und Lernen durchgemacht, welche sie einmal aus dem Himmel verbannte, zur Erde stieß und weiter direktemang bis in die Höllenreiche, nur damit sie zurückkehrte um festzustellen, daß man sie gar nicht wirklich verbannt hatte - nur durfte es zu diesem Zeitpunkt niemand wissen... sagte der Schöpfer. Niemand hatte mit ihr gerechnet, als es darauf ankam, sie war ein As in seinem Ärmel gewesen...

Nun allerdings sah das ganze etwas anders aus. Der kleine Herr, der zum Stolpern neigte und dazu, so ziemlich alles zu vergessen, was nur ansatzweise möglich war, hatte ihr einen neuen Auftrag zugewiesen, und das, obwohl ihr letzter noch nicht einmal ganz abgeschlossen war. Dazu kam noch, daß sie nicht mehr den Vorteil hatte, selbst nicht zu wissen, wer und was sie eigentlich war - sie konnte nicht mehr intuitiv handeln, aber vielleicht war das auf einer solchen Mission gar nicht so übel.

Eine kleine Weile wanderte sie nachdenklich auf und ab. Gehüllt war sie wie nahezu immer in jene Rüstung aus öliger, sich stetig wandelnder Finsternis, welche allerdings nun, da sie einfach nur sie selbst war und es nicht nötig schien, ihr Fühlen, ihre Freundschaft und Wärme zu verbergen, etwas fehl an ihr wirkte. Hölle sah nicht so aus, als ob sie überhaupt jemals gekämpft hatte. Zum einen wirkte sie sehr zerbrechlich, ohne es zu sein, zum anderen war selbst die dunkle Scheide, die an ihrem Schwertgurt baumelte - leer. Nicht einmal das fast knielange silbrigweiss gewellte Haar hatte sie zum Zopf gebunden, so als habe sie gehofft, eine Zeit der Ruhe und des Friedens vor sich zu haben. Mit einem feinen Schmunzeln erinnerte sie sich an die Worte Yojinjs, welcher sie vorgewarnt hatte, daß das noch lange nicht alles sei...

Dann ließ sie ihre Erinnerungen - zum ersten Male in ihrem Sein waren diese vollständig und klar - weiter zurückschweifen an den Tag, an welchem man sie des Hochverrats für schuldig befunden hatte und sie beinahe ausgelöscht worden wäre. Ein leises Seufzen verließ die hellen Lippen. Nun wußte sie ja, warum - doch damals... damals hatte es unendlich weh getan, obwohl es das beste gewesen war. Es gab einen Kriegsengel mit Namen Asmodel, welcher sie hatte töten sollen, doch aus einem unerfindlichen Grunde hatte er etwas wie Gnade gefunden und sie nur in rasendem Zorn zur Erde niedergestossen, wobei ihre Schwingen verglühten - nie wieder hatte sie seither welche getragen. Nicht, daß es ihr verwehrt geblieben wäre nachdem sie in die Himmel zurückkehrte, doch hatte sie jenes zweite Schwingenpaar gegen ein Menschenleben getauscht, um es zu bewahren. Asmodel aber war ihr in der Zeit ihrer Verbannung noch mehrfach über den Weg gelaufen - schließlich erlag er seiner Machtgier und wurde deretwegen versklavt. Inzwischen wußte sie sogar, daß er starb... und genau diesen Asmodel wollte der Schöpfer nun wiederhaben.



Geändert am 11.06.2002 um 08:14 Uhr von Engelsfall
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Nutzer: Engelsfall
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geschrieben am: 11.06.2002    um 07:45 Uhr   


Mit einem leichten Schaudern entsann sie sich daran, wie sie in den Tempel des Todes zurückgekehrt war - ein widerwärtiger Ort, und jeder, der sich dorthin wandte, zahlte meist einen hohen Preis. Doch dort konnte man ein seltsames Wesen namens Sinister antreffen, und genau dort hatte sie auch Asmodel zum letzten Mal gesehen. Es war ihr nicht leicht gefallen, doch hatte sie sich überwunden. Sinister hatte eine eigentümliche Art, mit Wesen umzugehen, wenn er mit ihnen fertig war, waren sie nicht mehr sie selbst, sondern kaum mehr als zerbrochene Marionetten. Und dann hatte er ihr mitgeteilt, daß Asmodel gestorben war. Auf welche Weise wußte sie nicht, sie fragte ihn auch nicht danach. Das erste, woran sie gedacht hatte, war: meine Güte, nun muß ich sterben. Sie war noch nie zuvor gestorben. Ein paar Male war sie nah daran - doch einmal hatte selbst der Gott des Todes sie zurückgewiesen - so etwas prägte. Also brachte der Gedanke nicht die erwartete Furcht, sondern mehr eine Art gespanntes Kribbeln. Und da Sinister es ihr anscheinend nicht einfach machen wollte, hatte er sie aus seinem Tempel wieder ziehen lassen, ohne daß sie mit ihm spielen mußte oder einen anderen Preis bezahlen.

Das "nicht so einfach", das war es auch nun, was ihr Kopfschmerzen bereitete. Früher hatte es massenweise üble Gestalten gegeben, welche ihr an den Kragen wollten - man nehme nur Schakal, wenngleich der nicht nur an ihrem Kragen, sondern eher an dem der Welt interessiert gewesen war. Nun aber fand sich absolut niemand, der sie umbringen wollte, ausgerechnet jetzt, wo es darauf ankam. Und da sollte mal einer behaupten, sie kenne sich nicht mit seltsamen Situationen aus...

Höllenstern hatte bereits einiges versucht: sie wußte, wenn sie sich selbst umbrachte, würde sie nicht in das Totenreich gelangen. Der Schöpfer hatte das ganze sinnigerweise so eingerichtet, daß diejenigen, die ihr Leben eigenhändig beendeten, prompt wiedergeboren wurden, um die ganze Chose noch einmal zu probieren. Sie hatte versucht, durch einen Unfall zu sterben. Allein wenn sie durch die Wellen der Finsternis reiste, konnte das gut geschehen, allerdings neigte sie dazu, jeden Austrittspunkt aus der anderen Dimension schlichterhand zu überleben, was sich auf die Dauer als lästig erwies. Hölle hatte sogar versucht, gemein zu sein. Aber da sie eigentlich nicht gemein war und tief in sich noch immer die liebende Wärme eines Engels trug, welcher Freunde fand, schlug das gehörig fehl und wirkte eher albern denn effektiv. Als sie dann feststellen mußte, daß auch Provokation nicht ihre Stärke war, gingen ihr allmählich die Ideen aus.

Doch da es bekanntlich immer einen Weg gibt – wenn auch meistens einen, mit dem man nicht gerechnet hat – begegnete ihr am selben Abend noch ein alter Freund. Es war ein recht großer Engel, welcher ihrem Herrn einiges an Konkurrenz machte, wenn es darum ging, sie in peinliche Situationen zu bringen. Inmitten seiner Brust prangte ein gewaltiges Loch, und wenn er den Oberkörper entkleidete, konnte man geradewegs sprichwörtlich durch ihn hindurchsehen.
„Hallo, Spirit“, sagte sie, als er sich vor ihr aufgebaut hatte und ihr die Möglichkeit nahm, Genickstarre zu bekommen, weil sie in stummen vorwurfsvollem Zwiegespräch mit den Himmelreichen stand. Erst dann ging ihr auf, daß er kalt und zornig wirkte.


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Nutzer: Engelsfall
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geschrieben am: 11.06.2002    um 09:00 Uhr   
„Ähm“, sagte sie.
Er blickte sie nur an und meinte dann barsch: „Ist es wahr, daß sich gewisse Engel, die in der Hölle waren, nach dem Tode sehnen?“
Ihre Antwort kam gedehnt: „Sehnen ist nicht das richtige Wort...“, und sie ahnte bereits fürchterliches. Sie sollte damit recht behalten. Spirit hatte sie noch nie so erlebt, kalt und abweisend, kaum daß sie Gelegenheit bekam zu erklären, geschweige denn daß sie es überhaupt wollte – ein Teil ihrer selbst neigte noch immer zu Geheimniskrämerei, denn sie wollte niemanden mit hineinziehen. Als er dann wütend davon stapfte, hatte sie war ihren eigenen Zorn im Zaum behalten, aber dennoch deutlich gemacht... und so voneinander zu scheiden, das wäre wirklich unwürdig gewesen.

Es gab noch jemanden, der all das verfolgte mit wachsender Besorgnis. Wie eh und je saß er an den Stamm eines Baumes gelehnt und mischte sich nicht ein. Weiß der Geier, was diese verrückte Person von Höllenstern schon wieder im Schilde führte...

Doch Spirit beruhigte sich... kam ein weiteres mal zu ihr und so ließ er sie alles erklären. Etwas brummig fügte sie hinzu: „Außerdem, wer sagt denn, daß ich nicht wiederkehre aus dem Totenreich... ich kehre immer wieder.“ Nicht, daß sie eine Wahl gehabt hätte. Der Schöpfer hatte sie einfach so gemacht. Als Spirits Laune sich erheblich besser fand hernach, fragte sie halb im Scherz: “Du würdest mich nicht zufällig umbringen?“
Spirit, der ihr einiges bedeutete, verblüffte sie, indem er sprach: „Nein... aber eine gute Freundin auf den Weg schicken.“
Sie schwieg einen Moment, mit dem milden Leuchten der Sterne in den mitternachtsblauen Augen. Dann hob sie eine Hand, um sich noch eine kurze Gnadenfrist zu erbitten, und huschte davon. Welch ein Glück, daß niemand anderes da war, von dem sie sich hätte verabschieden müssen denn von Chaos - niemand anders als er war der stille Beobachter gewesen... vielleicht wäre es ihr unmöglich geworden sonst zu gehen. Ehe er es sich versah, hatte sie ihm einen Kuß auf die Stirn gedrückt und war bereits wieder fort – einen Abschied gab sie ihm nicht richtig, denn sie hatte die Absicht, sich zu beeilen. Einige Gedanken zwischen ihnen war alles, was sie mit sich nehmen wollte.

Dann stand sie vor Spirit und gab ohne zu zögern die Rüstung aus Finsternis um sich frei, welche wie Schatten davon sickerte und sie in normaler Gewandung zurückließ.
„Was soll ich mit den Überresten machen?“, fragte er, die Kälte in seiner Stimme zeigte ihr, daß es ihm durchaus etwas ausmachte.
„Übergib mich einfach meinem Schöpfer“; antwortete sie leise, und er nickte nur schlicht.
„Du warst wie eine Schwester für mich“, sagte er noch, dann zog er blitzschnell einen Dolch und stach zu, durch die Rippen und die Lunge hindurch ins Herz. Sie schrie nicht, es ging auch zu schnell um Schmerzen zu haben. Als sie niedersank, umfaßte er sie in einer tödlichen Umarmung... das letzte, was sie wahrnahm, wie sie es bisher gewohnt war, war seine Stimme, als er ansetzte um das Lied der Toten zu singen, welches ihre Seele auf den Weg geleiten sollte.

Spirit und Chaos machten sich mit der leer verbliebenen Hülle auf den Weg zum Schöpfer, dies ist jedoch eine andere Geschichte, und auch erfuhr Höllenstern erst später davon, was geschah.

((Jeder, der an dieser Geschichte teilhat oder sinnvollen Anteil nehmen möchte, ist gern angehalten, seinen Teil dazuzuschreiben. To be continued...))



Geändert am 11.06.2002 um 11:02 Uhr von Engelsfall
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Nutzer: SilenceStinger
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geschrieben am: 11.06.2002    um 19:37 Uhr   
auch wenn ich teilhaben wöllte ich könnte es nicht
du beeindruckst mich mit deinen sätzen immer wieder
Silence
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Nutzer: Rhiannon
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geschrieben am: 12.06.2002    um 12:33 Uhr   
ich konnte zwar bis jetzt erst nur kurz in die geschichte reinschnuppern, aber es hört sich fabelhaft an. ich glaube, ich poste meine neue geschichte hier auch mal schnell.

engelsfall, du bist meine göttin!
sag ich mal so...


stell dir einmal vor: es ist ja so, dass eigentlich jede gute maschine einen selbstzerstörungsknopf hat, nicht wahr? aber wenn man jetzt einen menschlichen roboter baut, der auch fähig ist, gedanken und gefühle zu entwickeln, hat der dann auch einen? und wenn ja, wie geht die selbstzerstörung vonstatten? explodiert die maschine einfach oder bekommt sie plötzlich den gedanken eingespeist, sich von der nächstbesten brücke zu stürzen? oder schläft sie einfach ein? komplizierte gedanken für ein einfaches mädchen wie mich...

verwirrte Rhia
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Nutzer: angelofchaos
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geschrieben am: 12.06.2002    um 20:13 Uhr   
Auch wenn er scheinbar unbeteiligt unter seinem Baum saß, seine Besorgnis wuchs, doch er wusste das Spirit Hölle nichts antun würde was sie nicht wollte. So wartete er ab und beobachtete das Schauspiel, als Hölle plötzlich zu ihm kam, ihn küsste und wieder ging.
Nun wusste er, die Zeit des Abschieds war wieder gekommen, er erhob sich und sagte ihr nochmal auf bald, da hatte Spirit schon zugestoßen.
Es blitze. Dort wo er vorher stand, erschien ein Wolf,es blitzte erneut und er stand wieder an seinem Platz und sene Lippen formten tonlos einen Satz: "Auf bald...mein Reh."
Dann ging er zu Spirit und zusammen trauerten sie um Hölle.
Schließlich entschieden sie sich Hölle zu ihrem Schöpfer zu bringen. Vor den Himmelstoren nahm Chaos Spirit die Überreste ab und dieser klopfte an das Tor des Himmelreiches. Die Toren öffneten sich doch Chaos überfielen plötzlich Schmerzen im Kopf.
Trotzdem trat er durch die Tür und brach fastzusammen. Er musste Spirit die Überreste wiedergeben, denn die Schmerzen übermannten ihn. Plötzlich hüllte ihn ein goldenes Licht ein. Sein Mantel und seine Rüstung zerissen und aus seinem Rücken wuchsen zwei Schwingen. Er war wieder ein Engel.
Nun brachten sie zusammen Höllens Überreste zu einem Alter, den der schöpfer shcon vorbereitet hatte.
Dort legten sie sie nieder und nahmen traurig abschied bevor sie sich auf den Rückweg machten

~Der AngelofChaos~
(wehe einer übersetz das mit Engel des Chaos !!!)
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"Autor"  
Nutzer: Rhiannon
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geschrieben am: 13.06.2002    um 19:37 Uhr   
passiert nie wieder...
ich merk's mir. aber "of" kann man auch mit "von dem" übersetzen...grummel...
schöne weitererzählung

Rhia
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