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geschrieben am: 15.08.2002 um 14:01 Uhr
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Still und langsamen Schrittes nähert sich die junge Kriegerin der Grabesstätte jener jungen Frau, die ihr wie eine Tochter war... Die Nachricht über deren Tod hatte sie vor wenigen Tagen erreicht, doch konnte sie es nicht recht glauben. Schon einmal hieß es, Naja sei tot, und doch tauchte sie Monate später wieder auf, sprach, es sei alles ein Missverständnis gewesen...
Mit gemischten Gefühlen tritt sie näher an das steinerne Bildnis Najs heran. Wenig Zeit nur war ihr mit jenem frohen Gemüt vergönnt, wenig Zeit nur, als Naja noch klein war, unbeholfen... Mehrmals zu jener Zeit hatte sie sie errettet vor irgendwelchen finstren Mächten, die sie ihr nehmen wollten, die Naja aus dieser Welt holen wollten... Und nun? Wo war sie gewesen, als sie sie am dringendsten brauchte..?
Schwer schluckend geht sie vor der Statue in die Knie und senkt den Blick, es scheint beinah, als nehme sie die andern Wesen gar nicht wahr, und selbst der weiße Hengst, der bis vor wenigen Augenblickenohne am Zügel gehalten zu werden neben ihr ging, hält sich wie aus Ehrfurcht im Hintergrund, scheint gar zu spüren, dass mit seiner Herrin etwas nicht stimmt...
Augenblicke, Momente, Minuten gar ist es völlig still, als bis ein leises Schluchzen zu vernehmen ist, als die junge Kriegerin den Kampf gegen ihre Tränen verliert. Erst eine ganze Zeit später, mit nassen Augen und feuchten Wangen, beginnt sie leise zu sprechen, zu Naja... Offenkundig sind die Gedanken wie auch die Gefühle jener jungen Frau völlig durcheinander, nicht nur dieses jüngsten Ereignisses wegen...
Naja Duramon, das gerechte Herz aus Feuer... ihre Worte dringen nur geflüstert über ihre Lippen Einst gab ich Dir jenen Namen, zu Ehren dem Volke derer, die Licht bringen, zu Ehren meiner Heimat, Dir zu Ehren... Wieder schweigt sie, für Momente, alsdann schließt sie die Augen, den Kopf gesenkt, um weiterzusprechen, oder eher zu flüstern, als sollten jene Worte keine andern Wesen vernehmen... Man sagte mir, was geschah.... Eine Fremde sagte es mir... Auch, dass Du verlobt warst, einen Sohn gebarst... Naja Duramon, gerechtes Herz aus Feuer, meine Tochter. Wo immer Du nun bist, niemals wirst Du mir wohl verzeiehn können, dass ich nicht bei Dir war, dass ich nicht einmal wusste, um das Glück, das wohl für kurze Zeit an Deiner Seite weilte... Wie soll ich selbst mir verzeihen? Die letzten Worte gehen in einem neuerlichen leisen Schluchzen unter.
In ihrem Geiste macht sich ein Gedanke breit, die Frage, ob Freaks, jener alte treue Freund von diesem Schicksal wisse, und ein mulmiges Gefühl macht sich in ihr breit, in ihrem Magen ist es flau, und sie hat für einen Moment Mühe, nicht aufzustehen und davon zu rennen...
Langsam streckt sie eine Hand nach vorne, sucht jenen leblosen Stein, der doch so lebendig wirkt, ob des grazil geformten Lächelns, das Naja stets trug, zu berühren. Ihre Fingerspitzen sind nahe der Stelle, wo das Herz Najas schlagen würde, wäre es nicht toter Fels, doch nicht einmal den Stein vermag sie zu berühren, ist doch der Kummer und die Scham, die Schuld, nicht für sie da gewesen zu sein, zu groß... In gleichsam langsamer Bewegung lässt sie ihre Hand wieder sinken und verweilt mit gesenktem Haupt und geschlossnen Augen vor dem Grabe ihrer Adoptivtochter, jenem Engelsmädchen, das sie einst als Mutter ansah und dies wohl bis zu ihrem Tode hin tat...
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