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geschrieben am: 14.09.2002 um 00:52 Uhr
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Der Sommer beginnt zu scheiden, diesen Morgen lässt er jedoch noch einmal seine ganze Kraft auf die Erde scheinen.
Weit oben in den Lüften können geschulte Augen eine Taube ausmachen, welche gezielt ihren Weg zum Orden nimmt.
Dort angekommen, scharrt sie mit dem Schnabel an jenem Fenster, welches zu den Räumlichkeiten Lady Rowans gehört. Ein kleines Schilfrohr am Bein enthält einen Brief mit folgendem Inhalt:
Liebe Rowan, lieber Beta,
dies ist nun also der versprochene Brief.
Seit einiger Zeit sind wir endlich in Riva angekommen. Es war eine durchaus angenehme Reise, wenn auch etwas anstrengend. Was aber nicht verwunderlich ist, wenn man mit zwei solchen quirligen Wesen wie Talisia und Valthur reist. Manchmal ist es einfach nur göttlich, den beiden zu lauschen. Da sitzen sie auf ihrem Pony, welches Garion für sie besorgte und - meistens - auf den reizenden Namen Schmendrick hört, und streiten sich darüber, wer von den beiden am nächsten Tage vorn sitzen darf. Ihr werdet es nicht glauben, diese Diskussion wiederholt sich Tag um Tag, und zwar solang, bis Garion oder ich einschreiten, und anschließend kommt es jedesmal zu Gezeter und Gejammer. Manchmal kann ich nur lachend den Kopf schütteln...
Und wie schnell sich Kinder an die Gegebenheiten einer Reise gewöhnen. Die ersten Nächte brauchte ich nicht lang zu warten und zumindest Tali kam angstvoll zu uns geschlichen und kroch zu einem unter die Decke und nur langes beruhigendes Zureden brachte endlich wieder den ersehnten Schlaf. Ein sehr unruhiger Schlaf allerdings, und bei jedem Geräusch zuckten die kleinen Körper zusammen, regelmäßig wachten die Kinder wieder auf. Während des Tages waren sie entsprechend müde und mürrisch, und Valthur wäre uns einmal fast vom Pony gefallen, weil er auf dessen Rücken eingeschlafen war.
Doch nach kaum einer Woche hatten sie sich an die nächtlichen Geräusche gewöhnt und schliefen wieder ruhig und zufrieden, allerdings erst, nachdem Garion ihnen noch eine Geschichte erzählt hatte, welcher sie regelmäßig mit leuchtenden Augen folgten.
Und obwohl meine letzte Reise kaum zwei Monde zurücklag, merkte ich sofort, wie sehr ich es vermisst hatte, unterwegs zu sein, kaum dass ich die ersten Nächte auf Wanderschaft verbracht hatte. Es war einfach schön, durch Täler, Wälder und Wiesen zu wandern, die Eindrücke auf sich wirken zu lassen; mit dem Ziel vor Augen.
Und was für ein Ziel!
Als wir mit dem kleinen Boot anlegten, war ich so voll staunen, dass ich minutenlang wie erstarrt stand. Welch atemberaubender Anblick sich mir bot, ist kaum in Worte zu fassen:
Riva ist einfach herrlich! Die Insel gleicht einem Wunder, hohe Berge und tiefe Täler wechseln mit spiegelglatten, tiefblauen Seen ab, welche gar Portalen in mysteriöse, unbekannte Reiche gleichen, und der Himmel scheint zum Greifen nahe. Alles scheint zum Greifen nahe… Ich kann mich an diesem wundervollen Land gar nicht satt sehen. Jeden Tag entdeckt man neue Mysterien, die Sonnenaufgänge sind märchenhaft, zunächst flimmert der Himmel in allen Farben des Regenbogens und sobald die Sonne dann über die Berge am Horizont gekrochen ist, strahlt sie in den fabelhaftesten und sattesten Gelbtönen.
Und die Menschen hier sind freundlich, offenherzig und – ach, einfach nur liebenswert. Und sehr gastfreundlich! Selten hatten wir Not, eine Bleibe für die Nacht zu finden, irgendwo war immer ein Stall oder eine Scheune für uns frei, oder gar ein Zimmer. Nun, ich muss gestehen, dass Talisia nicht selten gewissen Anteil daran hatte. Mit ihrem offenen Wesen nahm sie die Bewohner dieses Landes sofort für sich ein.
Aber so schön dieses Land und so liebenswert und herzlich seine Bewohner auch sind, so freue ich mich ebenso sehr darauf, euch alle endlich wieder zu sehen!
Bald sollte Garion mit seinen Angelegenheiten hier fertig sein, so dass wir uns auf den Rückweg machen können.
Also auf baldiges Wiedersehen, liebe Freunde
Eure Niniella
P.S. Sendet bitte auch Grüße an alle. Nini
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