Auf den Beitrag: (ID: 20216) sind "4" Antworten eingegangen (Gelesen: 445 Mal).
"Autor"

Verlassene Kathedrale

Nutzer: Kilies
Status: Profiuser
Post schicken
Registriert seit: 10.12.2001
Anzahl Nachrichten: 17

geschrieben am: 11.03.2003    um 09:10 Uhr   
Dämmerlicht überzog den feurigen Wald. Die Vögel schienen ihren Gesang schon eingestellt zu haben, denn stille barg sich in den feurigen Ästen der alten Baumriesen. Viele Monde durchlebten sie schon, ihre Rinde kräftig und dick, von vielen Bildern geprägt, die die Zeit mit sich brachte. Die Blätter von hauchfeinen rot-orangetönen durchzogen. Ungewöhnlich fürwahr in dieser Jahreszeit doch hier aus unergründlichen Tatsachen unüberbrückbar. Ebenso seltsam, dass der Boden trotz dieser hier anzuhaltenden Jahreszeit kein Laubdach trägt. Im Gegenteil, dass frühlingsgrüne Gras, die gesunden Sträucher und Blüten geben ihre schönsten Farben wieder.

Ein leises Geräusch zieht durch die Luft. Das sachte Rauschen der Blätter durchzogen von einem zarten klimpern. Man könnte es für die Klänge eines Windspiels halten, so wirkt es doch als käme es von den Blättern. Als seien sie aus feinsten Kristallen, so fein geschliffen, in so viele kleine Lichthülsen gelegt, das sich das rot anzufühlen vermochte wie feinste Seide. Illusion? Ein traum? Eine Trügung der Natur? Oder einfach nur magische Wirklichkeit? Wer konnte dies schon sagen.

Inmitten all dessen ragen die hohen Türme einer alten Kathedrale in die Höhe. Mächtige Fenster überziehen das brüchige Gemäuer, vielleicht ein Wunder, dass noch keines von ihnen zersprungen ist oder in einem Sturm zu bruch ging. Nein, nicht ein kleiner Riss wagte es, sich auf die bunten kleinen Glasstücke zu legen, die in angereihten ordentlichen Versetzungen verträumte Muster bildeten. Im gegensatz jedoch zu normalen christlichen Gemäuern zeigten sie keine alten Geschichten, keine Szenen aus Kreuzigung, Geburt oder Tot. Es waren schlichte Schnörkel, Blüten und teils Runen, die sich versteckt und kaum entdeckbar in der Vielfalt an farben bargen.

Schimmernde Lichtspiele mussten im Innern des mächtigen Gebäudes liegen, drang doch die Sonne selbst durch die Blätter, diese Fenster zu erhellen, sich in ihnen wiederzuspiegeln. Und trotzdem brannten ettliche kleine Lichter im Innern des großen fast menschenleeren Saals. In sich gewundene feinbearbeitete Kerzen, die einen kleiner, die anderen größer, wohl ewig zu währen. Wachs tropft von ihren Hälsen und doch vergehen unendliche Momente, ehe auch nur ein cm an größe und Stolz von ihren Statuen weicht.

Der Boden ist hell, trägt perlengleichen Glanz in sich, als seie er nur aus diesen bestand. Die inneren Wände von sandhellem gestein, von keinem einzigen Riss getrübt, sind an vielen Stellen mit holzgeschnitzten weißen Schnörkeln besetzt. Lassen die Ecken verziert ineinander übergehen. Schmücken die hinausführenden Gänge, Säulen und das große Eingangstor aus dunklem Buchenholz, das mit seinen ebengleich verschnörkelten, jedoch schwarzen stählernen Griffen den Weg in das offene Land ermöglicht.

Efeu hat den großen Altar umschlungen, von dünnen weißen Tüchern umringt, die teils wie ein Schleier noch weit über dem boden liegen. Ein Langbogen ruht angelehnt an dessen Kannte. Der dazugehörige Köcher fand auf dem Boden davor seinen Platz, nur die schwarzen Federn der Pfeile hinauslucken zu lassen, die darin ihre ruhestätte sahen.

Mit mal ziehen sich helle feine Melodien durch die Stille. Einst gewidmet der kleinen Fairy Soul, für sie in die klare Luft dringend, als die behandschuhten Hände einer dunklen Gestalt ansetzten, die beigebraune Geige zu erwecken, deren Gewahr schon seit jahrtausenden durch die Welten streift. Vielleicht hoffend, dass jenes kleine Wesen sie vernimmt und weiß, von wem sie stammen.
  Top
"Autor"  
Nutzer: Taka.Chan
Status: Profiuser
Post schicken
Registriert seit: 15.09.2001
Anzahl Nachrichten: 12

geschrieben am: 11.03.2003    um 15:41 Uhr   

Es mag vielleicht eine Gabe der Fairy Souls sein ,dass sie Gedanken spüren, so sie an die eigene Person gerichtet sind. So spürt die junge Fairy Soul ein warmes Flimmern ,welches sanft über ihre Seele streift, über ihr Herz und sie kennt diese Handschrift. Keine andere Hand könnte diese Wärme in ihr hervorrufen , obwohl sie ohnehin schon die wohltuende Wärme in sich trägt ist diese anders und nach solcher sehen sich diese Wesen.

Nach der Wärme des Herzen, nach Licht ( ah ha, ähneln sie nun doch den Insekten ,die betrunken vom Licht ihr eigenes Leben auslöschen. )und so beginnen sich die weichen Federschwingen, im violetten Ton gefärbt, in die Richtung zu bewegen, Richtung Kilies. Oft hatte sie an ihre Freundin gedacht, in den Stunden als sie wartete, als sie sich auf das bald kommende Fest vorbereitete - alle Fairy Souls feiern den Frühlingsanfang - und sich wunderte warum ihr Herz schwer war. Doch mit diesem wundervollen Gefühl im Herzen ist alle Last von ihr gefallen und sie fühlt den Sinn ihres Daseins erneut. Sie fühlt die Kraft ihre Aufgaben anzugehen und beim Vorbereiten des Umbruches zu helfen, die Stimmungsschwankungen auszugleichen und das Gleichgewicht zu halten.

Jetzt allerdings bewegt sich das kleine Wesen, fliegend, in die altbekannte Richtung der Kathedrale, denn Fairy Souls vergessen nicht, im Gegenteil, ihnen wurde ein sehr gutes Gedächtnis anvertraut. Zweifel hatte sie schon längst zurückgelassen, denn sie ist sich zu sicher, das Gefühl zu eindeutig und auch ihre Sinne sagen ihr, dass es kein Trick sein mag. Außerdem ,wer will schon etwas mit einem gerade mal drei Zentimeter "großen" Wesen anfangen ,das wohl irgendwie eine Mischung aus >Engel<, >Fee< und >Glühwürmchen< darstellt.

Einen Weg in das Gemäuer würde sie sicherlich finden, wenn es sein müsste, würde sie sich durch eine Mauerspalte oder ein Schlüsselloch quetschen, denn nichts mehr mag sie mehr aufhalten können. Sie möchte zu ihrer lieben Freundin egal war kommen mag. Diese Entscheidung gleicht den Grundfesten der Erde, einem gewaltigen Berg und auch einer kleinen, unscheinbaren Blume - so aufrichtig wie ihr Herz es ist.

Voller Intensität erklingt die Stimme, die aus dem Traumreich gestohlen sein muss und es kann alleinig die der kleinen Taka sein ,die ihre Augensterne durch die große Halle gleiten lässt, suchend. Verzerrt ist der Klang der Stimme, die zum träumen einlädt und voller Helligkeit, die man nur noch zu erahnen weiß.


Kilies? Bist du da?

Angereichert von Aufregung und Tatendrang sind die Worte des kleinen Wesens (das ebenso aufgeregt und voller Tatendrang ist auf und ab schwebt) , welches durchaus eine große Halle durchfluten kann, auf der Ebene des Herzens, auf welcher sie immerzu spricht – ohne dass es jemand bemerken wird.


  Top
"Autor"  
Nutzer: Kilies
Status: Profiuser
Post schicken
Registriert seit: 10.12.2001
Anzahl Nachrichten: 17

geschrieben am: 26.03.2003    um 09:32 Uhr   
Bei dem Klang der kleinen zierlichen Stimme, ja, schon bei dem kleinsten feintönigen Flügelschlag, lauscht die Gestalt unter dem schwarzen Umhang auf. Sanft verstreicht eine geschmeidige Bewegung den letzten Ton des Liedes, ehe sich der Geigenstab legt, durch die behandschuhten sicher geborgenen Finger auf dem Altar zur Ruhe zu kommen. Auch die Geige selbst findet Platz auf diesem ehe sich langsam, wie durch einen Schleier benebelt, die seltsamen Augen ihrer die Sicht wiedererlangen.

So mancher konnte bei abendlichem Morgenrot das wundersame Spiel der klaren Wellen beobachten, welche sich am Ufer über so manchen Moosbedeckten alten Baumstamm winden. Doch wann war es je gewahr, dass man ein solches bild in den tiefgründigen Blicken einer jungen Frau wahrnahm, ihrer. So blinzelt sie sanft zu der kleinen Lichtkugel, die sich aufgeregt durch die Halle bewegt und somit die Lichtspiele der Fenster nur noch verschönert.

Wie sehr misste sie jenen warmen Schein, den die kleine Fairy Soul ihr brachte, wie sehr die feine Stimme, welche ihr immer wieder ein Lächeln auf die zartroséfarbenen Lippen hauchen konnte. Vielleicht brauchten sie einander mehr, als ihnen bewusst? Welch Wink der Natur es auch damals war, als sie zusammentrafen, es war ein Gesegneter, wohlgesonnen aller Art.

So sehr das Klopfen in ihrem Herzen vor Freude auch stieg, so sehr sie die Nähe des kleinen Wesens ersehnte, so lag doch stetig diese seltsame Ruhe in ihr. Als drifte ein sanfter Windhauch um ihren Körper, ihre Bewegungen in geschmeidigkeit zu hüllen, jede Einzelne dieser mit unbeschreibbarer Anmut zu bestücken, als sie ihre blassen zarten Finger von der rauhen Hülle der dunkelbraunen naturledernen Handschuhe befreit. Weich fahren ihre Fingerkuppen, einer Zeitlupe gleich, zu dem Saum der weiten schwerstöffigen Kapuze, diesen sachte zu umfassen und Druck darauf zu legen bis das Gewicht ihrer selbst sie bis in ihren Nacken fallen lässt.

Aus dem Schutz der Schatten gebannt, die unnatürlichen Augen sanft auf das kleine Wesen gelegt, erhebt sie sich. Glimmend pragt ein dunkles moosgrünes Muster auf ihren Schläfen. Auffallend, auf der blassen Haut, nur von ein paar kindlichen sommersprossen auf ihren Wangen in ein wenig Farbe getaucht. Es scheint hin und wieder leicht moos-smaragdgrün aufzuflimmern, oder glitzerte es nur? Vielleicht war es auch nur eine Trügung der Augen, unschlüssig, klarheit darüber zu erlangen.

Taka...Wispert es aus einer klaren hellen Stimme als ihre zarten Lippen sich öffneten, ihre Hand vorzustrecken, hin gen dem kleinen schönen Geschöpf. Ihre Blicke von den funkengleichen, seidiggelockten, feuerroten Haaren, die im seichten Windspiel der Halle ihren eigenen verspielten Tanz um ihr antliz führen.


Geändert am 26.03.2003 um 19:40 Uhr von Kilies
  Top
"Autor"  
Nutzer: Taka.Chan
Status: Profiuser
Post schicken
Registriert seit: 15.09.2001
Anzahl Nachrichten: 12

geschrieben am: 26.03.2003    um 15:40 Uhr   


Die kleine Fairy Soul erinnerte sich, erinnerte sich an die erste Begegnung, als ihre nun lieb gewonnene Freundin sie aus dem eisigen Schnee rettete, als ihre Flügel sich nicht mehr bewegen konnten. Und so wäre das kleine schimmernde Wesen fast ein Teil des Winters geworden, ein Teil der Winterlandschaft - denn im eigentlichen Sinne können Fairy Souls nicht sterben, dafür sind sie auch in ihrem Dasein sehr eingeschränkt - wenn Kilies sie nicht aus dem Schnee auf die Hand genommen und sich ihrer angenommen hätte.
Allein dieser Gedankenstrang zauberte der kleinen Fairy Soul ein schimmerndes Lächeln auf die Kinderlippen, was wiederum die farbliche Intensität der Lichtkugels ' Leuchtkraft verstärkte.

Gesehnt, gesucht, gehört gefunden - so würde man diese Begegnung der besonderen Art in kürzester Fassung beschreiben wollen. Die Geschichtsschreiber würden dies zumindest verfassen ,wenn sie sich die Mühe machten, dass es außer Drachen, Feen, Elfen und anderen Gelichter auch noch viele unentdeckte Rassen gibt und noch dazu die Geschichte derer aufschrieben. Alles in allem eine sehr komplexe Angelegenheit und so mögen die Federn ruhen und die Bögen des Papiers in den Vorratskammern vergammeln ,denn die Fairy Souls sind und bleiben wohl vergessen...

Nur dieses Herz, welches sie so voller Freude empfing, das hatte das Wissen aufgenommen, das Grundwissen und doch gab es noch so viel zu erzählen. Doch das was in diesem Moment nicht wichtig, denn das kleine Wesen von gerade mal drei Zentimetern "Größe" näherte sich der jungen Frau so rasch es die kleinen Federschwingen hergaben.

Und bald, sehr bald, da hatte sich der gebrechliche, federleichte Körper des feenähnlichen Wesens, welches einige als Glühwurm beschimpften , an die Wange Kilies geschmiegt, wie früher, Erinnerungen mit sich bringend, denn vergessen werden wollte sie nicht - niemals!

Noch einige male ruft die traumhaft verzerrte Stimme den Namen ihrer lieben Freundin ,die ihr Herz so sehr vermisst hatte. Leise, kaum mehr als ein Plätschern eines Wassertropfens auf eine spiegelklare Wasseroberfläche. Und dann noch einige Worte mehr, eine fixe Zusammenfassung all ihrer Erlebnisse, obwohl Kilies wohl recht wenig davon mitbekommen mag außer den Sinn dahinter, die Kernaussage:

"Ich habe dich vermisst, Kilies"





  Top
"Autor"  
Nutzer: Kilies
Status: Profiuser
Post schicken
Registriert seit: 10.12.2001
Anzahl Nachrichten: 17

geschrieben am: 26.03.2003    um 20:30 Uhr   
Es wäre kaum möglich gewesen ein treffendes Wort für das Gefühl zu finden, welches in der heranwachsenden Frau nun aufstieg, als das kleine Wesen den Weg zu ihrer Wange fand. Voller Glück, Freude und sehnsüchte, umschließen die zarten Finger ihrer mit großer bedachter Vorsicht die kleine Fairy Soul, sie mit kaum aufgelegtem Druck an sich zu drücken. Zu weich, zu liebevoll ihre Geste, als das sie auch nur den kleinsten Schmerz bei dem kleinen Geschöpf auslösen sollten.
Sicherlich war es nicht jedem Gewahr, wie man mit einem solch kleinen Körper zurechtkommen sollte, zu leicht wäre es ihn zu verletzen, ihn zu übersehen, doch bei diesen beiden kaum von Belang. Einander vertraut und gebunden durch viele gemeinsame Erlebnisse, Gedanken und Gefühle, auf das es niemandem je gelingen sollte sie auseinanderzubringen.

Ein unerstickbares Lächeln, gehaucht auf die zarten Lippen Kilies, ein aufmerksamer Blick, sanftmütig auf Taka ruhend, so verharrt sie schweigend. Sie unterbricht die zarten Worte ihrer Freundin nicht, lauscht voller neugierde und Freude ihren Erlebnissen, Geschichten und Taten und es war unnötig nachzufragen ob auch Kilies ihre "Kleine" vermisste, denn allein ihre sehnsüchtigen Augen verrieten dies!

"Es ist so schön, dich wieder bei mir zu haben"
Haucht es somit sehr leise und bedacht, anhängend der hellen nun beendeten Erzählungen der Freundin. Wie schon zu oft, fallen die seidigen roten Locken wie ein weicher Schleier über den Körper der Fairy Soul, kitzeln ihre Haut und liegen um sie wie ein schützender Vorhang, als ihre blasse Wange sich wieder an jene Taka's schmiegt, ruhend nun in ihren angenehm warmen Händen, dort sicher und gewogen.

Würden fremde Blicke sich dieses Bildes bemannen, so wäre es schnell zu erkennen...würde jemand, egal wer es sei, auch nur eines der blonden Haare der kleinen Fairy Soul krümmen wollen, so würde er es bitter bereuen. Sie würde es zu verhindern wissen, auch wenn ihr Leben ihr dabei verloren ginge. Zu sehr war Taka inzwischen an ihr Herz gebunden, mehr als eine Freundin, mehr als eine Schwester selbst...es war nicht zu umschreiben. Sie war ein Teil ihrer Selbst.



Geändert am 26.03.2003 um 20:36 Uhr von Kilies
  Top