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geschrieben am: 15.03.2003 um 13:12 Uhr
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eine alte eiche erstreckt ihre äste weit über die kleine lichtung im wald. ihr sonst so ruhiges und naturiges wesen wird durch die last am längsten ast beschwert.
die alte geduldige eiche ächtzt unter den neugewonnen gewicht, welches seine schlingen mit unsagbarer kraft um einen ihrer stärksten arme gewunden hat.
die eiche nährt ohne ihr wissen den graubraunen kokon. geborgen im inneren dieses uterus gedeiht ein zartes und unwissendes wesen. ohne den funken einer ahnung krümmt es sich zusammen, die arme halten den leib, die beine fest angezogen.
der kokon bewegt sich leicht im wind, das wesen wird wie in einer wiege sanft geschaukelt. geborgenheit durchströmt es. die alte eiche spürt, das sie teil einer außergewöhnlichen stunde der geburt ist. die besonderheit des wesens, welches die alte eiche lange zeit ohne ihr wissen nährte, erfüllt jede faser des baumes, jedes astloch, jede schicht der knorrigen baumrinde.
ein blatt springt aus der knospe hoch oben in der krone des baumes, als das wesen im inneren des kokons zum ersten mal die augen öffnet. die großen, smaragdgrünen augen weit aufgerissen blickt es in die dunkelheit seiner geburtsstätte.
~so ist also die welt. klein und dunkel erscheint sie mir. ich will hier nicht sein. es schmerzt mich.~
ein kribbeln im fuß schenkt dem wesen den ersten eindruck seines körpers. unwissend was das ist und wie es damit umgehen kann, lenkt es vorsichtig seine gedanken zum unteren teil seiner gestalt. zaghaft reckt es einen zeh, spürt, wie das kribbeln nachlässt und ein entspannendes gefühl sich in ihm breit macht. neugierde packt es. vorsichtig erforscht es die möglichkeit, welche ihm muskeln und fasern seines körpers bieten. langsam befreit es sich aus seiner lage.
die feingliedrige hand streckt sich aus, ertastet die wand des kokons. durch einen inneren urtrieb beginnen die finger, die oberfläche abzutasten, suchen nach einer kerbe, um sich aus dem dunklen gefängnis zu befreien.
die eiche spürt ein ziehen und knacken im längsten ast, der kokon schaukelt stärker hin und her. langsam bricht die hülle wie ein hühnerei auseinander. eine erdfarbene hand streckt sich aus dem kleinen spalt heraus. durch die schmale öffnung fallen die ersten sonnenstrahlen auf das wesen. Die augen tränen ihm, aber das herz ist erfüllt von diesem kraftspendenden licht.
~ich kann nichts sehen. es blendet mich. aber ich möchte hinaus.~
der wind trägt fremde stimmen einer ihm unbekannten sprache herüber. es fühlt sich sonderbar angezogen davon. nachdem die augen sich an die helligkeit ihres ersten tages gewöhnt haben, versucht es, sich ganz aus seiner geburtsstätte zu befreien. es schabt und kratzt am kokon, zieht einzelne schichten der wand ab, welche es von der neuen welt trennen.
es ist anstrengend. jeder muskel des feinen körpers schmerzt.
nach langer zeit und kraftraubender anstrengung kann es sich aus dem kokon schälen. dieser fällt auseinander, das wesen unsanft auf das zarte moos am stamm der eiche.
es sitzt mit angezogenen beinen und armen auf dem waldboden und betrachtet erstaunt die eigene gestalt. die haut ist rauh und erdfarben. das rotbraune, wilde haar umschmeichelt die zarten schultern und fällt sanft um seine weibliche brust. es blickt an sich herab auf die wohlgeformten brüste, gleitet über den flachen bauch hinab zu den langen beinen.
angezogen durch die wärme der sonne hebt es den kopf, blickt durch die äste der eiche ihrer geburt hinauf zum himmel. spielerisch hebt es die hände, bewegt sie verträumt im farbenspiel des waldes, versucht, das süße licht zu greifen, welches es mit lebensfreude erfüllt.
die stimmen, die der wind herbeiträgt, werden lauter und klarer. die großen augen erblicken sonderbare gestalten, welche sich ihr langsam nähern.
mutter natur gab ihr ihre sprache. es drückt sich aus, wie mutter eiche es ihm beibrachtet: die stimme formt den wind, das knacken der äste und das auseinanderbrechen des kokons. verwunderte augen auf das erdige wesen gerichtet. es möchte auf die gestalten zugehen und berichten, was ihm geschah. die gestalten, welche mittlerweile um sie herumstehen, können nicht begreifen, was da geschieht. für sie ist die sprache des neugeborenen fremd, ungläubig starren es viele augenpaare an.
eine hand streckt sich ihm entgegen, lockt es mit zarter fingerbewegung. angezogen durch das vertrauen und die güte ergreift es die ihm dargebotene helfende hand, lässt sich hinaufziehen und steht zum ersten mal auf wackeligen beinen.
die großen grünen augen fangen an zu strahlen, als sich die sinnlichen lippen zu einem lächeln formen. es blickt in die augen ihres gegenübers und die lippen formen ein wort, das allen verständlich ist: aumaris
(off)ich bin neu hier und hoffe, einen guten einstieg gefunden zu haben. |
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