|
|
|
geschrieben am: 07.11.2003 um 16:01 Uhr
|
|
Es war der Bruder Wind gewesen.. es war der Dämon gewesen, der in jedem Wesen sitzt... vielleicht war es auch das Schicksal gewesen... aber am ehesten war es doch eine Suche, die eine Frau ausziehen ließ aus Ländern, die sie kannte, um "Goldschmuck" und "Seide" wiederzuerlangen.
~Es liegt auf meinen Schultern, Schwestern. Und wisset, dass ich euch nicht enttäuschen werde und wenn mein Schwert dafür, die halbe Welt bluten lassen müsste. Ich werde es für euch tun, so wie ihr es für mich getan hättet... tun würdet... ich weiß es nicht.~
Der Herbst ward müde und wollte seine Regentschaft bald dem Winter überlassen. Wie gut, dass alles rechtzeitig fertig geworden ist. So ist, von der Ruhe eingehüllt, östlich des Waldes ein kleines Reich entstanden wie durch Zauberhand. Keine Mauer zäumte dieses Grundstück, aber Fackeln, die immerbrennenden, standen gleichweit voneinander entfernt, einen Ring bildend. Die zischelnden Flammen waren ihre besten Späher...
Auf dem Anwesen befanden sich drei Gebäude, allesamt in einer seltsamen Architektur erbaut, die man hier nicht pflegte. Diese Bauweise stammte aus dem fernen Osten, die Dächer aus dunkelem Holz waren oben spitz zulaufend und wellten hinab, fanden ihr Ende in Drachenfiguren... halb Hund, halb Drache, eine seltsame Mischung, die man aus der Ferne nicht erkennen konnte. Das Hauptgebäude war recht imposant in seiner Größe, zwei Stockwerke hoch anscheinend, aber die Breite und die Länge waren das, was beeindruckte.
Ein weiteres Gebäude konnte man deutlich als Stall ausmachen. Der Stall stand weiter entfernt des Hauptgebäudes. Dazwischen ein Garten, der auf den Frühling warten musste um vollendet zu werden. Aber einen Teich konnte man erkennen und vereinzelte goldene Herbstblätter schwammen darin herum. Ein idylisches Märchen aus fernen Landen. Hinter dem Hauptgebäude war ein Schrein aufgebaut, fern der Augen, der größte Schatz der Hausherrin, ein Meisterwerk aus Stein... aber sie wusste ihn zu hüten..
Und ein Gebäude stand außerhalb der Fackelbegrenzung, es war von mittlerer Größe, in dem selben Stil erbaut wie auch die anderen Gebäude. Die Wände rot wie die des Hauptgebäudes, das Dach schwarz. Im Inneren, man kann es durch die Schiebetüren erkennen, herrscht Bewegung. Es werden die letzten Vorbereitungen getroffen für das Spektakel, welches statt finden soll diese Nacht. Man hört Frauen- und Männerkichern gleicherweise, als plane man etwas geheimnisvolles.
Die größte Tür wurde aufgeschoben und hinaus liefen gut ein Duzend Männer und Frauen zugleichen Teilen, alle gewandet in die farbenprächtigsten und edelsten Stoffe. Seide, Kaschmir... bestickt, bemalt... behangen mit Goldschmuck und Perlen, mit eingearbeiteten Bernsteinen und Rubinen. So strömten sie aus, strömten tanzend und lachend in die Welt hinaus, dieser bunte luxeriöse Karneval. Ein jeder Mensch trug eine Maske vor dem Gesicht, ebenso aus Stoff, ein Gesicht draufgepinselt in kunstvollem Schwung. Blaue Augen, rosane Wangen, rote lachende Lippen, egal was für ein Gesicht sich dahinter verbarg.
Und jedem, dem die begegnen würden in ihren kunstvollen Gewändern in all den vielen Farben, würden sie erzählen, dass man diese Stoffe in einem kleinen Geschäft weiter im Osten bekam. "Man müsse nur nach Osten gehen, an der Baumgabelung dann nach links und dann...."
Vielleicht war es ja üblich solche Ankündigungen auf Papier an Bäume zu schlagen, aber die Herrin dieses Geschäftes und dieses kleinen Reiches hielt nie etwas von den üblichen Wegen etwas zu tun.
Schmunzelnd blieb eine Gestalt an der Schiebetür stehen, auch wenn die anderen schon aus dem Sichtfeld ihr verschwanden. Eine Frau, gehüllt in für ihre Verhältnisse schlichte rote Seide. Ihre Art den Stoff zu tragen, es war ein Kimono. Das Gesicht war ein puppenhaftes, zeigte kaum Unebenheiten. Eine winzige Nase, flache Wangenknochen, die Augen des fernen Ostens. Das Gesicht war überpudert von einer Schicht Weiß, die dünnen Lippen waren rot angepinselt. Genauso kunstvoll wie die Masken, des durch den Wald rennenden Getümmels.
Steinern blieb das Gesicht solange, bis auch der letzte ihrer Dienerschaft verschwunden war.. erst dann bildeten die Lippen ein Schmunzeln, eines welches so undeutbar war. Zuversicht oder stille Grausamkeit?
~Es ist alles nur eine Frage der Zeit letztendlich.. vielleicht werde ich hier das finden, was ich suche. Hier muss ich es finden, denn woanders kann es nicht sein. Die Träume, die Worte, die Befehle.. Bald Schwestern, bald.. kein Opfer wird zu groß sein.. Und wenn Blut fließen muss, so wird es fließen... aber es wird nicht meins sein.~
(Auf ein gutes Play ;) |
|
|
|
|