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...trauertore...

Nutzer: engelsleiche
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geschrieben am: 27.01.2004    um 17:34 Uhr   


Schuechtern umzog der Nebel die Baeume, welche duerr ihre Aeste schier gen Himmel rissen und schreiend den Wind durch das Geaest zischen liessen. Welch Leid und Grausamkeit an jenem Orte geschieht wussten sie zu genuege und es war vielmehr ein leises Trauerlied, das der Windzug sang, als er behutsam die hohen Farne durchstrich; eine Melodie voll Wehmut und Zerrissenheit unter welche sich fluesternde Stimmen mischten. Stimmen aus vergangenen Zeiten, altes und junges Wispern, Geschichten aus vorigen Leben und Lieder einer fremden Welt. Und in eben jener eigenen Stimmung baute sich ein steinernes Tor vor einem jeden Wanderer auf. Es war altes Gemaeuer, das durch seinen Bogen einen wahrlich kleinen Pfad hindurchfuehrte, welcher stark bewandert schien, doch gleich hinter dem Tore nicht mehr zu entdecken war. Unter starkem, dunklen Efeuwuchs wirkten jene Stein eher unsicher aufeinandergereiht, denn stabil und massiv ; so schien es gleichsam als wuerde ein Windhauch genuegen um das alte Tor zum Einsturz zu bringen und doch geschah nichts als eine neue Boee die seltsamen Stimmen naeher trug. Und so wie der Wind es wusste sanfte Stimmen mit sich zu tragen und selbige gleichfalls zum schweigen zu bringen, ward auch sie in dem Wissen unverhofft aus den Schatten aufzutreten. Zoegernd wurden fast schuechtern leichte Schritte auf den Waldboden gesetzt, in schwingend, taenzelndem Gang, welcher aller Froehlichkeit trotzte und allenfalls einem Trauermarsch glich. Stetig hang das Augenmerk des Wesens hinab, welches in schuetzend geformten Schwingen verborgen einen einzigen Blick auf die hiesige Umgebung wagte und somit fuer schnelle Sekunden nur ihr muedes Augenmerk zeigte, welches mehr von Bedrueckung denn Uebermuedung gezeichnet war. Wahrlich schwer nur hoben sich die Augenlider ihrerseits; sie war muede... muede des Sehenes wegen. Leid und Gebrechen folgten ihr wie anderen deren Schatten. Wind, Wind und abermals Wind... Ewig brachte er ihr die Stimmen, derer die ihr Leben gelassen hatten: Geister, Schreckensvisionen, welche unablaessig an ihrem Tore pochten, zurueckgelangen wollten in die Welt, die sie verstoßen hatte. Jahrhunderte schon ward es so gewesen, doch wie lange es noch bleiben wuerde, vermoechte sie selbst nicht zu ahnen. Ihre triste Existenz war einzig erschaffen um zu wachen und das Gleichgewicht der vierten Sphaere zu halten. Wen die Seelenwaage auserkoren hatte, der musste den Weg in das Totenreich bezwingen, und waere er erst in den Halen Borons angelangt, so wuerde ihm die Tuer zurueck ins Leben auf ewig verwehrt werden. Welch zerreissende Aufgabe sie doch die ihre nennen musste... Das hochgewachsene Wesen, dessen dunkles Haar in langen Seidenfaeden hinabhing, ruhig, bestaendig und undurchlaessig, konnte sich seit Anbeginn ihrer Existenz an nichts anderes erinnern als an diese Aufgabe. Es war der Grund, weshalb man sie schuf. Gefuehle waren nicht von Noeten, Mitleid und Erbarmen kannte sie sehr wohl, doch waren sie belanglos, gleichfalls wie Herzlichkeit und Liebe....

Die Frauengestalt lehnte an dem steinernen Tor, den Blick stetig den tristen Nebelfaeden entgegengerichtet, abwartend was auf sie zukommen moege, welch Gestalten den Weg hierher finden wuerden, unwissend oder ahnend welch Umgebung sie ihr Heiligtum nannte. Das Trauertor war ihr Ursprung, ihre Heimat, ihr Verderben. Es schien gleichsam grau und bruechig wie die Schwingen, die kraftlos ihren Ruecken zu zieren versuchten. Vielleicht waeren sie silbern gewesen, hatte ein sanfter Mondschein ihnen ein Glitzern beschert, doch ein Wesen ihrerArt ward keinesfalls mit Glanz, noch Wuerde zu bestuecken. So hingen die Mundwinkeln ihrer blassen, schmalen Lippen herab; gleich wenn sie nur ein Laecheln versuch haette, so waere es ihr nicht geglueckt. Denn sie... Sie sollte nicht laecheln. Sie, die Waechterin der Ruhelosen...


Geändert am 22.03.2004 um 12:05 Uhr von engelsleiche

Geändert am 08.04.2004 um 12:27 Uhr von engelsleiche
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Nutzer: engelsleiche
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geschrieben am: 27.02.2004    um 17:47 Uhr   
Kurz nur funkelte die Schneide der Sense in ihrer Rechten auf, sie war mit festem Griff umklammert worden, nicht etwa der Furcht oder Anspannung wegen, sondern schlicht als Stuetzfunktion. Denn so stark ihr Griff auch wirken mochte, schien ihre Gestalt vielmehr zerbrechlich, gar durchsichtig in ihrer Erscheinung und erbat Stuetze.
Der Nebel indess hatte sich milchig um die Engelsgestalt gelegt und ein Wanderer haette wahrlich seine Schwierigkeiten sie mit ungeschultem Blick ausfindig zu machen. Doch wuerde es soweit nicht einmal kommen... Sie erwartete jemanden. Keineswegs eine bestimmte Person. Ihr Gefuehl, das innere Geordnete das in aller Zerstreuung geblieben war, behielt noch immer die Hoffnung, dass ein Wesen seinen Weg hierher finden wuerde. Gewiss...gewiss... irgendwann wuerde ein jemand herkommen und sie muesste sich nicht mehr alleine nennen...
Doch ,so wie ihr es schwerfiel die vielen kleinen Welten der Menschen zu verstehen, wuerde auch einem Gegenueber es schwerlich gelingen ihr Dasein nachzuempfinden. Die Existenz eines Wesens, welches einzig geschaffen war um Ordnung zu halten, welches weder Gut noch Boese zu schaetzen wusste und welches nicht einmal selbst ahnte wohin es sie ziehen wuerde.
Es war wie immer. Einer dieser Tage, welche man vermutlich zum unzaehligsten Male erlebte; monoton und wie so oft voellig unspektakulaer. Und doch war eines ebenso gleich: sie hoffte, nein eher fuehlte sie, dass es anders werden wuerde... Und ein diesesmal wollte sie nicht enttaeuscht werden...


[das hier ist als offenes play angesetzt worden. vielleicht hat ja jemand lust und steigt mit ein :)]
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geschrieben am: 28.02.2004    um 09:10 Uhr   



Die Hoffnung war eine ebenso unbekannte wie auch vertraute Herzverwandte, eine graue Wanderin – wie man sie oft nannte -, die man unterbewusst dennoch als ungekrönte Königin bezeichnete, denn –sie- lebte in den Herzen der Welten.
Allerdings hatte jede Herrin, ob nun groß oder klein, ihre Gefolgsmänner, ihre Vertrauten, ihre Ritter. So war’s wohl auch zu handhaben mit einem gewissen strahlend Hellen, welcher den ersten Ritter der Hoffnung darstellte und dem Willen der Einen folgte, die ihm die Existenz erlaubt hatte ... so lange, bis –sie- befand, dass es genügte.

Wie auch immer man sich den ersten Ritter der Hoffnung vorstellte, war die Gestalt eines starken Mannes zu hohem Rosse und einem mächtigen Schwerte an der Seite weit verbreitet.
Doch die Realität war mit anderen Federn gezeichnet, denn die Nachtigallenfedern waren jene, die man für diese Malerei der Unwirklichkeit genutzt hatte.
Denn, anzuschauen war der mutmaßliche Jüngling gleich einem Eldar – einem Sternenelb aus den alten Tagen -, ausgezeichnet durch die zugespitzten Ohrmuscheln und dem geschmeidigen Körperbau. Sowohl Schwert als auch Ross fanden an seiner Seite keinen Platz – und für das Nutzen eines Schwertes wäre er wohl zu schwächlich gewesen, denn seine Arme schienen ihm nicht die Erlaubnis zu schenken. Silberschein umhüllte seinen Leib, tauchte ihn in ein sanftes Leuchten aus Mondlicht. Dennoch erweckte er den Eindruck eines Nachtgespenstes, denn die einzigen Farben, die man für Haut und Haar gewählt hatte war das Weiß. Gewandet war er in eine abstruse Mischung aus einer seltsamen Art aus Gewand mit Trompetenärmeln und einem metallisch kühlen Kettenhemd, das an den Oberarmen hervorlugte. Auf seiner Brust prangte ein dunkles Wappen, auf dessen Mitte ein kristallener Stern zu sehen war. Nur seine Augensterne bildeten die einsame Ausname, denn sie waren gänzlich von der nächtlichen Schwärze ausgefüllt – ein Geschenk der Nacht an die Hoffnung.
Einst. Vor langer Zeit. Vorbei. Vergangen. Nie wieder.

Wahrlich, es hatte einen triftigen Grund weshalb der strahlende Ritterverschnitt von melancholischem Ausdruck seine Pfade in eine bestimmte Richtung lenkte. War er nicht derjenige, der von der Hoffnung auf die Stirn geküsst worden war? Die Eile gehörte ihm nicht; aber auch nicht der Müßiggang. Ein Wanderer der Zeit war er, wusste kaum mehr wo sein Zuhause war, doch begrüßt wurde er immer wieder von der Natur, die begierig auf seine Geschichten der Zeit war. Seine Schritte waren nicht von der Lautlosigkeit der Calaquendi, der Lichtelben, gezeichnet, erweckten die verschiedensten Geräusche zum Leben und das obwohl er die Ausführende Hand der Hoffnung gewesen war. Auch ohne Schwert und Waffe konnte eine harmlose Existenz trügerisch sein; aber ebenso diese Zeit war verstrichen – nun hatte er mit anderen Dingen zu ringen, wie der nicht- vorhandenen Menschlichkeit, die er zu finden versuchte da ihn die Hoffnung wie ein Vogel aus dem Nest gestoßen hatte, damit er das Fliegen lernte. Dabei wusste man gar nicht wie richtig dieser Gedanke war. Eine Nachtigall.

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geschrieben am: 09.03.2004    um 18:35 Uhr   

Und so wie ein Fremder dem kleinen Pfade folgte, welcher stetig von seichten Nebelfäden umrahmt wurde, würde er ,ganz gleich ob müßig oder eilig, die Ruhestätte der Engelsgestalt passieren. Sie, ja sie ging jenen Weg immer in aller Ruhe, bot er schließlich all die Schönheit, welche sie seit jeher zu schätzen wusste. Bei Tage fanden beizeiten die warmen Sonnenstrahlen ihren Weg durch Wolkengebilde und das langsam erneut grünende Geäst der Bäume und ließen den morgendlichen Reif auf dem Waldesboden in all seiner Pracht glitzern. Vielleicht streifte auch mal ein Vogel ihren Weg, denn mit der Frühlingswärme kehrten auch diese zurück in die Wälder, um sich mit stolzen Gesängen selber zu übertönen. Und einmal - daran erinnerte sie sich genauestens- ward es ihr zuteil dem Gesang einer Nachtschwalbe zu lauschen. Ein wahrlich schöner Anblick, wie sie sich in der Dämmerung mit fast zärtlichen Griff ihrer Krallen Halt auf dem steinernen Tore suchte und fand. Die Engelsgestalt gewährte es ihr, obgleich keinem anderen Wesen je die Erlaubnis erteilt wurde das Gemäuer zu berühren, gar sich auf diesem niederzulassen. Doch am schönsten ward ihr die Gegend immer bei Nacht, wenn die Erde in Dunkelheit versank, oder vielmehr in dieser ertrank und einzig der fahle Schein des Mondes einem den Pfad erhellte und in ewig schüchterner Weise die totenblasse Haut ihrerseits zierte. Sie hatte ihre Heimat wahrhaftig gern und wenn dem nicht so wäre, so hätte ihr Gefallen schlicht erzwungen werden müssen, denn Heimat fand man nur einmal im Leben und das ihrige durfte mitnichten keinen Anspruch auf Höheres stellen.

Doch in diesem Augenblicke wollte sie nicht einmal einen Anspruch stellen; zu sehr war sie ins Genießen gekommen, als dass sie das ruhige Augenmerk von der sinkenden Sonne hätte abwenden können. Für Menschen galt nur Tag und Nacht. Sie waren es die zählten und, welchen man sich fügen musste. Doch anstatt auf Schienen zu laufen und des Lebens wegen zu knausern und zu meckern, konnte man doch einfach alle Hast beiseite legen und seinen Blick hinaufwenden. Es war alles soviel wert... Allerdings schien es ihr, als würde es in der Natur des Menschen zu liegen, diesen Schlüsselpunkt erst dann zu begreifen, wenn es zu spät war, eben dann, wenn sie der Engelsgestalt gegenüber standen...

Ein Seufzen überkam sie und ihre dürren Hände erhöhten den Druck auf dem kalten, ernüchternden Metall der Sichel. Jene überragte die Gestalt selber noch um gut einen Kopf, doch hatte sie die scharfe Schneide noch kein einziges Mal benutzt; wusste sie letztlich nicht einmal etwas damit anzufangen, außer sie als Stütze zu nutzen. So wartete sie, vielleicht auf einen Wanderer, doch zunächst einmal darauf, dass die rotglühende Sonne gänzlich versank und der erste kalte Windhauch Einzug erhielt...

Geändert am 22.03.2004 um 12:01 Uhr von engelsleiche
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geschrieben am: 09.03.2004    um 20:25 Uhr   

Würdest du ... würdest du ... denn die Nachtigall niedersitzen lassen, so sie dir ein Liedchen sänge? ... Sänge... , wisperte der Wind.

Oder dir einen Augenblick der Ruhe gewährte? Gewährte ... gewährte, tuschelten die Nebelschwaden.

Oder dich vom Warten erlöste?, flüsterte eine weitere Stimme, ,würdest du? ... würdest du? ... würdest du?'

Rege Unruhe umgarnte den ersten Ritter der Hoffnung, denn er brachte Geschichten, war allerdings nicht der passende Märchenerzähler, weil ihm das Sprechen nicht als herausragende Eigenschaft ausgewählt worden war. Das hinderte die alten Stimmen der Bäume jedoch nicht den Zeitreisenden auszufragen.

Iole, hast du uns neue Geschichten? Erzähle uns neue Geschichten, die waren, die sind und sein werden.
Und das war immer genau der Punkt an welchem er lächeln musste, obwohl man's ihm erst hatte beibringen müssen, das Lächeln.


Es ist zu früh... sprach die unwirkliche Nachtigall in gesenktem Tonfall, flüsterte's nur, wollte keinen Klang an den Abend reichen, sondern selbst ein nächtliches Licht werden. Aber der mutmaßliche Jüngling lächelte wissend entgegen dem Neuen. Er brachte keine Wärme, welche die kühlen Nächte ausfüllen konnte; aber er brachte etwas, das im Herzen längst existent war und reifen wollte.

Dabei wäre die Geschichte, die im Stillen schon längst begonnen hatte zu reifen, sehr schön gewesen, hätte vom Treffen mit der Hoffnung erzählt, inmitten einer Menschenstadt, und von vielerlei Augen, die nicht sehen konnten was den strahlenden Ritter ohne Schwert und seine Herrin umgab. Sie sahen nicht einmal die Hoffnung; aber die Kinder waren heran geeilt, hatten die Königin der Herzen umarmt und hatten gelacht. Ah, das Kinderlachen, was gab es schöneres? Und zwischen belebtem Kinderlachen, ungläubigen Blicken der erwachsenen Menschen und einem klang- und wortlosen Aufruhr hatte -sie- erzählt, dass er erneut in ihre Dienste treten musste. Dabei klang das nicht einmal wie ein Befehl, sondern einer Bitte gleich, die natürlich von ihm als selbstverständlich erachtet wurde. Und so hatte er sich aufgemacht.

Ob er wohl die Nacht mit sich brachte, den Mondschein, der die Welt in Unwirklichkeit tauchte, wenn man nur genau genug hinschauen wollte? Allerdings folgte ihm die Unwirklichkeit in jeder seiner Bewegungen. Seine Schritte erzählten in einer angelernten Sinfonie der Monotonie von seiner Ankunft, lange noch bevor er in die sichtbaren Ebenen glitt, sich vollends in dieser Welt verbündete. Ein paar Schrittspannen lang verfolgte ihn ein träger, silberner Schein zu seinen Füßen, die Spuren der Zeit, die veränderten, verjüngten, oder altern ließen - doch davon wusste die Welt nicht. Nun, im Nebel, sah man sie nicht, zumindest nicht eindeutig, sondern nur als ein schmales Glimmen, das wohl einer Einbildung, einer Sinnestäuschung entsprungen sein musste.

Er jedoch, der wirkte wie ein Nachtgespenst, einer der Vergangenen, wollte gar keine Einbildung sein, denn dazu fühlte er sich viel zu lebendig, nicht menschlich; aber lebendig genug, um daran arbeiten zu wollen. Das nachthimmelgleiche Augenmerk lag zielsicher auf einem Punkt gebündelt, der sich näherte, so die Hüterin nicht davonzulaufen mochte - er hätte sie gewiss nicht aufgehalten. Ob sie wohl das Lächeln auf den Jünglingslippen sah? Bestimmt nicht, denn die Distanz erzählte von Verworrenheit. Üblicherweise erkannten aufmerksame Augen den ersten Ritter der Hoffnung, mussten nicht erst fragen, um sich in ihren Gedanken bestätigt zu fühlen, oder in der Überraschung, dass kein edler Ritter zu Pferde kam. Nein, das war kein Held, der sich da näherte.

Mit offenem Herzen, gebrochenen Seelenflügeln und leeren Händen trat er zu ihr, blieb auf dem Pfade, würde wahren was ihre Bestimmungen bezeichneten und würde ihr Heiligtum auf seine Weise würdigen. Fremde Worte waren's, die er gleich einem Grußgebet wisperte, alleinig für das Gemäuer, das ihn in seiner Melancholie unterstützte. Und wie's sich gehörte, wenn man der Herrin eines Besitzes gegenüber trat, so verneigte man sich, die rechte Hand auf dem Herzen, den Blick gesenkt.

Und dann hörte sie seine Stimme, die einer Nachtigall, die umgewandelt wurde:
"Seid gegrüßt"
Man hatte unweigerlich das Gefühl, dass der Satz unbeendet war und es wirkte geisterhaft, beinahe ein wenig unheimlich.
Es klang, als hätte er auch ohne Probleme die Anrede "meine Herrin", "ehrwürdige Hüterin" oder dergleichen angehängen können.
Aber in Wirklichkeit wusste er nicht ob ihrer Bestimmung, wusste nur, dass er zu ihr kommen sollte, der Rest war eine Sache der Auslegung.

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Nutzer: engelsleiche
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geschrieben am: 15.03.2004    um 17:48 Uhr   
So etwas kam den Menschen erst spät in den Sinn – dieses Geschichten erzählen. Nach Märchen verlangen. Sie dachten man habe alle Zeit der Welt, gewiss einige Minuten für Erzählungen anderer; spannende, belustigende, ja manchmal gar traurige Märchen und Geschichten für die, deren eigenes Leben zu langweilig schien. Wieso rissen die Menschen nur ihre Mäuler auf? Plapperten ununterbrochen allezeit? Wenn sie tatsächlich lauschen und Geschichten erfahren wollten, wieso schlossen sie nicht einfach ihre Augen, besannen sich auf die Stille und den Wind, welcher doch seit Anbeginn nur umherzog und erzählte?

~Hörst du es mein stiller Wanderer, der da gerade seinen Weg zu mir einschlug? Den Gesang, die Trauermelodie und die wispernden Stimmen? Verstehst du es auch, was er uns sagen will? Das Vergängliche... Es zieht hinfort und reißt schier alles mit...~

Nur sie nicht... sie stand steinern, fast einer porzellanen Statuette gleich; so unwirklich, wie in die Landschaft hineinmontiert. Wie ein samtiger Schleier, der sich trüb als Vorhang vor die eigenen Augen schlich, sodass dieselbige Person die Wirklichkeit verschwommen wahrnahm, als wäre es ein Traum, den man –kurz bevor man erwacht- als Trug identifiziert. Sie indess war kein Trug, auch wenn ein Menschenauge es beizeiten gerne denken wollte. Sie war die Wirklichkeit ,die verschwommen hinter dem Seidenportal stand - dem einen Tuche, das der Mensch schlicht ablegen musste.

~Traust du dich mein Guter, der du nun harrst auf dem Pfade der Hoffnung? Jenem Pfade der -jeden- zu mir führt. Bist du in der Lage den Schleier abzulegen? ... Ich werde dir helfen wenn du tatsächlich erkennen willst...~

Erkennen, ja erkennen konnte bisher keiner. Es waren zuweilen einzig Menschen, die ihre Hilfe erbaten, doch keineswegs nur der Erkenntnis wegen, sondern des eigenen Vorteils. Es war töricht zu glauben, sie ließe einen den Pfad weitergehen, durch die Tore hindurch, wenn einzig der Profit den Willen trieb.

Die Tore schlossen alles ein, sie waren wie große steinerne Prunkgräber, schmucklos und einzig dem Zweck dienend; so als bargen sie modernde Knochen von früheren Generationen, von Kinderleichen, die zu Asche zerfallen und von Frauen und Männern in Totengewändern aus allmählich zerfallenden grauem Tuch. Sie bannten auch die Stille ein, wie einen Stummen in Gewahrsam, der alt, grau und kahlhäutig gezeichnet von Zeit auf schimmligen, verrotteten Stroh hockte. Das Trauertor schloss auch die Erinnerung ein, ein jene, welche den Toten galt, die gegangen sind und einfach gehen mussten. Und überall lauerten sie, in dem Putz, der grob aufgetragen war, vielleicht auch ein wenig ungeschickt; in den Gräsern, die fast schon farblos resignierend sich vom Winde schaukeln ließen und –ja- auch in den Augen der Engelsgestalt, die gelegentlich wulstig hinausblickten, doch nie und nimmer unfreundlich starrten. Das Sternenpaar, das man ihr als Augenlicht gab konnte nicht starren, konnte nicht weinen, konnte einfach nur blicken. Doch die Trauertore – sie konnten stieren und sie taten es auch... die ganze Zeit lang.

Alsbald Mit Gefühl und Leidenschaft Stein und Stein aufeinandergebaut, mit voller Wucht hineingepackt wurde, ward selbst totes Gemäuer mit unfassbaren Wesen gefüllt. Es vermochte zu fühlen und zu spüren und wenn man ganz leise war, hörte man es auch flüstern. Sowie den Wind, nur viel leiser...

~Kannst du es hören mein Lieber, der zum Gruße soeben seine Stimme erhob? Nein... jetzt noch nicht, doch wenn du bleibst dann irgendwann... wirst du verstehen...~


Ein Held war der letzte gewesen, den sie erwartet hatte. Vor allem, da Heldentum in ihren Augen bedeutungslos geworden war. Heldentum brauchte diese Welt nicht mehr... Menschlichkeit war es, die fehlte und die Spanne zwischen diesen beiden Sachen war –ohne Zweifel- zu einer klaffenden Schlucht geworden.


Ein Gruß - ein Stück von Wärme strömte ihr entgegen und auch wenn diese ihr völlig fremd war, war sie ihr nicht unwillkommen. Es wirkte als brauchte es einige Zeit bis sich der Gedankenstrudel ihrerseits legte und sie selber in der Lage war ihre eigene Stimme zu erheben, denn einen Gruß unbeantwortet zu lassen –vor allem wenn er von solchem Respekt durchflossen ward- war mitnichten das letzte gewesen, das ihr in den ,meist so klaren, Sinn gekommen wäre.
Habt Dank für euer grüßendes Wort. Auch meinen Gruß möget ihr erhalten. Soll euch das Leben gnädig sein Worte, welche sie lange nicht mehr gebraucht hatte, sprach sie ein dieses mal aus. Und auch wenn ihr glänzendes Sternenpaar der Freude genug Ausdruck gab so fand sich auch ein sachtes Lächeln auf den menschlich schmalen Lippen wieder.

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geschrieben am: 15.03.2004    um 17:49 Uhr   
Freude, sie kannte sie nicht, doch wusste sie, dass ein Mensch in diesem Momente wohl jene spüren würde. Selbst trauern konnte sie nicht, dass ihr das Gefühl fehlte. Es war schlicht manchmal ein beklemmendes Drücken, das sich herschlich in einer stillen Stunde, die sie vor dem Tore verbrachte; dass irgendetwas wohl fehlen mochte, was andere besaßen und ihr versagt wurde. Doch von dem Drücken und den Stimmen, die ihr von der Gefühlslosigkeit erzählten brauchte ein Wanderer nichts wissen, auch wenn er die Hoffnung in sich tragen konnte... So verratet mir, was führt euch an diesen Ort? Bestimmung ,euer Wille, oder doch das eigen Herz?

noch immer besah sie ihre seichten Worte mit einem stillen Lächeln, einem einzigen Hinaufziehen der Mundwinkel, welches ihr nichts bedeutete, dem Gegenüber indess umso mehr. Doch war es keineswegs so, dass sie es mit der Unfreundlichkeit gut meinte. Nein, nein... Sie bemühte sich redlich zu sein, wie man es in dieser Ebene von ihr erwartete...

Geändert am 15.03.2004 um 17:49 Uhr von engelsleiche
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geschrieben am: 25.03.2004    um 12:26 Uhr   

(So, endlich mal wieder. Sorry, dass ich nicht weiter geschrieben hab.)

Allein ihre Worte vermochten es dem ersten Ritter der Hoffnung ein Lächeln auf die Lippen zu setzen, das unwillkürlich zu wuchern begann wie Efeu, doch ohne die erdrosselnde Nebenwirkung. Wahrscheinlich hätte er die Zeit gepachtet um diesen Augenblick festzuhalten, obwohl der mutmaßliche Jüngling nichts davon wusste, dass die ehrwürdige Hüterin – denn so nannte er sie im Geiste – sonst nur um Gefallen gebeten wurde und nicht aufgesucht wurde, damit man sich um sie kümmerte.

Ich werde schauen, wenn du mich lässt – und ich werde bleiben, wenn du mich lässt.
Denn ich bin gekommen für dich, selbst wenn mir die Absichten meiner Herrin verschleiert blieben. Du trägst ebenso einen Schleier, nicht wahr?


,,Ich bin gekommen“ – begann der strahlende Ritterverschnitt behutsam und dennoch klang es unglaublich feierlich, gesegnet von einer Macht, die weder dem Lichte, noch der Dunkelheit entsprach- ,,weil die Bestimmung meines Herzens und der Wille sich die Hände gaben und weil ich euch finden wollte.“

Und in diesem Augenblick war der Melancholische von einer intensivierten Neugierde eingenommen, obwohl er nicht genau wusste woher sie herrührte. Seine Augen erreichte es nicht, denn noch waren derlei Gefühle eingebettet in das Herz einer Nachtigall, das nicht wusste wohin sie gehörte und wohin sie gehen sollte – getragen vom Wind entgegen den Wolken und dem Sonnenschein, obwohl er doch selbst wie der Geist einer Gewitterwolke wirkte.
Wie das wohl wirkte, wenn man urplötzlich zu spüren bekam, dass jemand gekommen war, nur um da zu sein? Für einen da zu sein?

Die Vergänglichkeit. Ja, ich ahne davon, selbst wenn sie mich nicht berührt, denn nur die Herrin mag bestimmen wann ich vergehe – doch danach werde ich genau das sein, werde zerfließen wie vergilbte Vorhänge, die von ihrer Halterung hinunter gleiten.

Indes richtete sich der mutmaßliche Jüngling – dessen mondfinsternisschwarze Augensterne doch von ganz anderen Wahrheiten erzählten – auf, straffte die Schultern und verharrte wie eine in Stein gehauene Statue, oder war er schlicht und ergreifend zu Stein geworden? Zu weißem Stein, der dennoch nicht gänzlich von der Reinheit umschlossen worden sein konnte, weil die Hände zu oft in Blut getaucht worden waren? Deswegen wusch die Hoffnung ihrem ersten Ritter auch die Hände, weil sie sonst nicht mehr sauber würden.

War es denn nicht so, dass man, wenn man nur genau genug horchen wollte, Stimmen vernahm, die er mit sich brachte? Die Stimmen der Toten, welche diese Tore niemals passiert hatten. War es ihr denn nicht aufgefallen – oder sprach sie niemals mit den in tote Leinen gehüllte Gestalten nicht? - , dass ihr manche Gestalten nicht antworteten? Es nicht vermochten?

Vielleicht lernen wir gemeinsam Menschlichkeit zu wahren und zu schüren. Vielleicht braucht man zwei, die bereit sind zu lernen, um selbst zu verstehen. Lass uns beide die Schranken fort nehmen, damit es möglich wird. Damit es wahr wird.

Vielleicht würde er ihr noch die Geschichte erzählen, wenn sie weiter geschrieben worden war, schließlich hielt sie gerade selbst die Feder in der Hand und half dabei diese Erzählung weiterzuführen. Eine Geschichte, die noch keinen Titel hatte.

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Nutzer: engelsleiche
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geschrieben am: 30.03.2004    um 15:55 Uhr   
die Puppe, die sie zu sein schien -das porzellahafte Geschöpf, welches schier darauf wartete zerbrochen zu werden indem es seinen Hals hinaufreckte den letzten wärmenden Lächeln der Sonne entgegen, die sie milchig durchschien- sie trug sie bei sich, die Sense. Ein jenes metallene Gerät das in abschreckender Weise ihrer Ansicht nach der Grund war, weshalb man sie mied. Das gefährliche Glitzern im sanften Abendrot der gebogenen Sichel war für manchen einen Beleg genug, dass die Engelsgestalt einherging mit dem Schlechten, dem Verwerflichen, welchem einzig vorbehalten war solche Bosheit und Gefahr auszustrahlen. Konnte sie tatsächlich boshaft sein? Wie, wenn einem fraglich ist was Boshaftigkeit im Inneren war? Nichts mehr als ein Wort, Buchstaben in der Sprache, welche die Wesen in dieser Ebene zu sprechen pflegten, die ihr wiederum meist nicht mehr als leeres Geschwätz vorkam. Doch was der Jüngling sprach -Silben und Klänge die nicht einfach an der Unwirklichkeit ihrer selbst abprallten, sondern sie zu durchdringen versuchten- vermochte ihr das schaumigsanfte Lächeln beizubehalten, bis dann die schmalen Lippen kindesgleich vorsichtig geöffnet wurden, so als wolle ihr ein schriller Freudenruf entrinnen, der bei allen Versuchen doch nur von dem steinernen Gemäuer verschlungen würde. Ein Kind, das war sie gewiss nicht, war es schließlich mit Jugend verbunden und dies war erneut etwas das ihr Fremd geblieben war.

Ja, wenn man es sich recht überlegte, mochte sie gar Mitleid erregen, wie sie da saß mit angewinkelten Beinen und ihrem ewig fahlen Antlitz, welches nicht einmal in der Kälte des Abendwindes mit gesunder Röte bedacht wurde und ewig der kranken Blassheit der nächtlichen Himmelskörper trotzte. Obgleich es nicht der Sinn und Zweck ihres Daseins war, denn Mitleid – oh welch grausames und hinterhältiges Gefühl – war fehl am Platze sobald man ihr begegnete. Sie besah ihr Gegenüber erneut nach kurzem Augenaufschlag. Dankbarkeit... vielleicht war es eben dies was sich in dem Sternenpaar wiederspiegelte, tiefe Verbundenheit dem plötzlichen und doch lang erhofften Auftreten seinerseits gegenüber. Es war mitnichten ein jemand, der seine Worte mit Bedacht wählte, so wie sie es auch immer tun musste, sobald sie den Einstigen Antworten gab. So wie vor einigen Jahrzehnten, vielleicht zwanzig an der Zahl –sie erinnerte sich nicht genau- als die junge Seele des Blondschopfes an den Toren pochte. Ihre Gestalt war längst von der Wirklichkeit zum Mythos geworden, eine Legende von welchen nur noch in den alten Märchenbüchern erzählt wurde um den Jungen die Angst vor den pechgleichen Schatten zu nehmen. Die Wahrheit hinter diesen leergewordenen Geschichten war nur dem naiv, kindlichem Geiste nicht verborgen und so rannen die leisen Gedanken des Jungen ihren entgegen und ein kaltes Gefühl einer Umarmung ließ die sonst so regungslose Schulter ihrerseits zucken. Von ihm nahm sie das Wissen der Menschen über sie und ihrer Aufgabe. Sie erfuhr, dass der Einfachheit und Bequemlichkeit wegen es den Menschen gleich war ob sie nun Wahrheit oder Lüge lehrten. Sie erdachten sich Geschichten, die sie selber und andere beruhigen sollten, dabei wussten sie kein bisschen wie nah sie der Wahrheit damit kamen, wenn sie sprachen wie die Engel die Toten schützend in den Arm nahmen oder jene begleitend in andere Welten ließen.
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Nutzer: engelsleiche
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geschrieben am: 30.03.2004    um 16:00 Uhr   
Auch sie war ein Begleiter, der nunmehr stumm den Worten ihres Gegenübers lauschte und wiedereinmal an dem kleinen Blondschopf gedachte. ‚Schönheit’ so hatte sie ihn genannt –denn er war wirklich schön, nicht von außen, sondern innerlich rein, so wie ein Mensch es sein sollte- und immer wenn der Wind leicht den kleinen ledernen Beutel zu ihrer Seite umherwehte und spielerisch die Seelenkristalle klimpern ließ so wusste sie, dass die Schönheit ihr wieder einmal Gesellschaft leistete. Der Engel begann dann immer zu reden, in einer Sprache die sonst keinem geläufig sein konnte, außer ihr, ihm und dem Wind, der letztlich doch alles wusste...

Auch in diesem Momente, als der Jüngling wieder verstummte, ward das leise helle Klirren aus ihrem Beutel zu vernehmen und so als wolle sie der Schönheit einen Gruß senden schloss sie für Sekunden die schweren Augenlider und bedachte den Wind ,der sanft ihr Haar umspielte, mit einem seichten Gedanken und er schien ihr zu antworten, denn daraufhin erhob sie ihre leise Stimme, klar und sanft, wie das Spiel auf einer güldenen Harfe, welches einen in den Schlaf schaukelte und die wohligsten Träume erwählte
~Ich habe eben dem Winde gelauscht, der so lautlos und gleichsam tosend mit kalten Fingern das Tor gestreichelt hat. „Kennt ihr die Hoffnung, Gespielin, kennt ihr sie?“ so hatte er gefragt“ Offenheit war etwas das sie in diesem Augenblicke erfuhr, und so war sie gewiss gewillt jene nicht zu unterbrechen ~“nein“ rann es durch meine Gedanken “doch gern bin ich bereit“~ die Dürrheit ihrer Finger hob sich in aller Langsamkeit und es entstand ein kleiner Wink, ein schüchternes Deuten nur neben sich auf den langsam grünenden Rasen, umrahmt vom Aschestaub aus Jahrhunderten, der die Tore schmückte. ~Setzet euch... Setzet euch mein Guter~ und jetzt, sollte denn ein Blick den ihrigen treffen würde dieser Güte begegnen und ohne Zweifel einen Hauch an Freude, die sie auf eigene Weise ausstrahlte...
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geschrieben am: 31.03.2004    um 08:45 Uhr   

... Und trotz der lauernden Bedrohung in Form einer blitzenden Klinge, die einem weit aufgerissenen Löwenmaul glich – wenn man genügend Vorstellungsvermögen besaß -, trat der mutmaßliche Jüngling nicht zurück, sondern trat die Schritte auf die ehrwürdige Hüterin zu, die manch anderer ins genaue Gegenteil gewandelt hätte, nur um sich auf das angebotene Fleckchen Wiese niederzulassen. Vielleicht hatte er der Furcht getrotzt, weil er sie nicht kannte, oder weil man es ihm falsch beigebracht hatte – das Fliehen -? Und eine leise Stimme, die da oben in den eigenen Gedanken saß und ein Spion des Herzens war, sagte, dass es der Mut zum Vertrauen war, der ihn - und auch sie - vor einem Rückzug bewahrte.

Das war es auch, das ihm sagte, dass er nicht auf das Schlechte zu warten brauchte, damit es in seinem Gegenüber wucherte wie ein Dornengestrüpp, das alles umschloss und zuletzt zerquetschte. Eigentlich war es eine Frage des Glaubens und der strahlende Ritterverschnitt in melancholischem Ausmaß, weil er ja eigentlich eine Nachtigall war, besaß keine Vorurteile und war wie ein unbeschriebenes Blatt bevor man zur Feder griff und Zeichen darauf nieder schrieb. Das Blatt war unbeschrieben; aber zerknittert und folgend geglättet – ah, man sah die Macken doch so deutlich, wenn man nur zu suchen wagte.

Hätte er einen Umhang besessen, so hätte er diesen abgeschnallt und ihn in höfischer Manier – die man ihn gelehrt hatte, nur wusste er nicht immer korrekt damit umzugehen, da sich zu viele Regeln widersprachen - der ehrwürdigen Hüterin um die Schulter gelegt. Das hatte nichts mit Mitleid zu tun, denn jenes empfand er auf andere Weise, war gerade noch im Begriff es zu empfangen, wie die durstige Erde den erlösenden Regen, da die ausführende Hand der Hoffnung zuvor keines gebraucht hatte. Wer hätte schon einen Vollstrecker mit einem weinerlichen Gesicht erspähen wollen, wenn er gerade den Tod erhielt?

Wir sind alle Legenden, wir allesamt, wir schreiben unsere eigenen – zwar werden nur die wenigsten bekannt und berühmt, gefürchtet oder geliebt, doch die Wahrheit ist eine andere. Es wird immer jemanden geben, der an deine Geschichte glauben wird, Hüterin, und genau das macht dich zu einer Legende.

Die unwirkliche Nachtigall lauschte ihren Worten und ein Lächeln erwachte schlafestrunken auf den Jünglingslippen, während das schwarze Augenmerk, das dennoch an das Licht der Nacht erinnerte – an eines, das immerzu kämpfte, nicht gegen die Dunkelheit, nicht gegen das Licht, sondern gegen das Schicksal, gegen das, was man Unrecht schimpfte, für das, was man Hoffnung nannte – verschwörerisch gen des Himmels deutete.

Spielst du mir ein Schnippchen, Bruder Wind?

Als die Augensterne, die Geschenke der Nacht an die Hoffnung gewesen waren, sich wieder auf die Engelsgestalt legten, da war das Lächeln zu einem unglaublich herzlichen herangereift.


„Ah“, sprach der erste Ritter der Hoffnung und es klang von der Wärme eines unwirklichen Herzens berührt, so dass man sich zu wundern hatte, wenn man es nicht erwartete; aber da war noch etwas anderes, da war Amüsanz, die er nicht verbergen konnte, weil sein Leib den Weg zu seinem Herzen nicht versperrte, „Da hat der Schelm uns einen Streich gespielt, oder eher mir, denn die Hoffnung erzählte mir von euch als ich ihr erneut in einer Zeit begegnete, die nicht die jetzige ist.“

Nun gab es ein Geheimnis, über das er nicht sprechen würde, denn die Hoffnung hatte nicht gesprochen, dass er die Hüterin aufzusuchen hatte, nein, sie hatte ihm lediglich ein wenig erzählt von einer wartenden Seele. War das in diesem Augenblick Empörung gewesen, die ihn führte, oder doch die tiefe Verbundenheit? Wahrscheinlich war es beides gewesen.

Und dann klang seine Stimme leiser, ein wenig verschwörerisch, geheimnisvoll: „Keiner wollte so recht glauben, dass -sie- es war, weil sie so viele Gestalten kennt, weil sie überall ist, wenn sie es nur kann, doch wer ihre Stimme hört, der ist blind, oder wird verstehen. – eine kleine Pause entstand, die der Träumerei gehörte – Sie erzählte, dass ihr wartet. ... und ich fühlte mich angesprochen. Los, sprich das, Ritter, sag das, damit sie es fühlen kann, damit sie auch lernen kann was Menschlichkeit bedeutet, selbst wenn du es niemals vollständig sein wirst. Doch er schwieg, blickte einen verschwenderischen Augenblick lang in die Ferne, um den letzten Gruß des Abends zu sprechen, oder den der erwachenden Nacht.

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geschrieben am: 01.04.2004    um 21:07 Uhr   
Man mochte wahrlich Recht haben, indem man sagte auch sie sei ein Geschichtenschreiber, ein Jemand der sich durch eigene Zurückhaltung und gesunder Scheuheit in die Unwirklichkeit versetzt hatte – vielleicht aus Eigenschutz, vielleicht dem Schutze anderer wegen. Wer mochte dies schon genau bestimmen? Doch ihre Art zu schreiben unterschied sich gänzlich von dem Lügenschreiben eines Menschengeistes. Die leere Seele einer Taubstummen gab sich die Hand mit Lebensfreude und Sinngefühl eines Blondschopfes, ja vielleicht sogar der ‚Schönheit’. Eine sich ausschließende Mischung die nichts desto trotz Feder führte mit sanfter Gewalt und der Zärtlichkeit die ihr gebührte. Und ob ihre Geschichte bekannt vielleicht auch beliebt wurde, das vermochte ihr Geist nicht zu behaupten. Die Zeit würde es zeigen, denn ihr musste sich der Engel schließlich nicht beugen, so wie die Äste, die schauernd dem Winde weichten und sich bis zum Brechen bogen.

Der Wind ward verstummt in dem Momente als der Jüngling sich langsam niederließ. Längst jaulte der Bruder nicht mehr und auch erhob er seine tosende Stimme nicht um zu plaudern wie er es doch so gerne tat, wenn man ihm denn ein offenes Ohr lieh. Nein, jetzt da der tote Engel, dem das Sternenpaar gegeben war auf einen Ritter der Hoffnung traf, da war der Wind vor Ehrfurcht verschwiegen und harrte in seinem neckischen Spiel, indem er stets das dunkle Haar ihrerseits zu verwehen versuchte, obgleich er nicht ehrfürchtig sein musste, denn jene waren es die ihm in dieser Weise hätten gegenübertreten müssen – war er doch das Erste was gewesen und das Letzte was sein würde.

Waren Augen nicht immer der Spiegel einer Seele? Das Tor zum Inneren, zu dem Wahren, das nur den Sensibelsten beizeiten geöffnet wurde, wenn sie denn den Schlüssel des Vertrauens bei sich trugen? Ja, auch das Augenpaar der Engelsgestalt war ein Spiegel, wie ein klarer Bergsee, der silbern in der Kälte zu glitzern begann, sobald der seichte Windzug hinüberstrich und kleine Wellen schuf, die leise in rauschender Melodie an das Ufer gelangten und abklangen. Doch sie führten nicht hinein, denn innen da war es leer – vielleicht schon tot, wenn es denn einmal gelebt hatte. Die Sternenpaare reflektierten das Äußere, das mitnichten schöner war als das bedrückende Vakuum, das sog und standhielt, immer und ewig...

Vielleicht entsprang dem Gedanken an Fülle, an Reichtum, an Menschlichkeit das Lächeln, das sich gleichsam wie die Sonne wieder senkte und dem kleinen Nachtschatten auf ihren schmalen Lippen weichte, welches sich wiederum weitete. Nicht bedrohlich, einzig verstimmt, des schwarzen Nichts wegen.

Doch in dem Augenblicke als ihr Ritter seine Stimme erhob und sie ihr schenkte, tastete sich das Sternenfunkeln zurück in dessen Antlitz, vorsichtig pirschend wie eine kleine schwarze Raubkatze, die als Zehengänger mit Samtpfoten durch das Unterholz kroch, nicht um die Beute –einen kleinen Vogel, vielleicht eine Nachtigall, die unbesorgt ihr Lied sang- zu jagen, sondern vielmehr diese als Gesellschaft zu holen. Siehst du denn nicht das Lächeln der Katze? Sie tut es aus Überzeugung...


Warten... und es war als neigte sich das blasse Puppengesicht dem Himmel entgegen. Es würde noch dauern, bis dass der erste Stern zu sehen war , doch ja, manchmal mochte sie es zu warten, vor allem dann wenn es sich lohnte Wahrscheinlich habe ich tatsächlich gewartet auch sie pausierte, doch der Blick hing weiterhin der Höhe nach. Es folgte ein kurzes Gedankenspiel ihrerseits. Auf Warten, ja was folgte darauf? Wenn das, worauf man gewartet hatte nun da war, was geschah dann? Es gab etliche Situationen die ihr – der Wächterin – fremd waren, doch das Warten... das hatte sie nun kennen gelernt Und nun, mein Guter womöglich hob sie fragend ihre Stimme mögt ihr mir von jener erzählen, die euch gesandt hat? Ist es euch versagt, so redet doch von euch. Die Nacht ist lang und mag uns zugern des Mondes Licht hinabschicken erst jetzt nachdem ihre Lippen wieder aufeinander zum Ruhen kamen sank auch das Haupt wieder in gemächlich komfortable Position zurück, nicht zu letzt um ihren Ritter mit gütigem Blicke zu segnen...
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Nutzer: Iole
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geschrieben am: 02.04.2004    um 08:45 Uhr   
Ah, niemand hatte sich zu beugen vor dem ersten Ritter der Hoffnung, denn die Herrlichkeit begleitete ihn nicht – sondern der Geruch von Blut, wenn man es sich wagte vorzustellen. Die Phantasie konnte einem schon üble Streiche spielen, wenn man sich gehen ließ – aber das war kein Fehler in diesem Fall. Nur vermutete man es nicht bei der strahlenden Gestalt eines Rittersmannes, der kein Schwert bei sich trug. Eine Gestalt der Ehre kleidete er aus und im Ernstfall beugte sich immer der edle Mann vor den Fräuleins, wenn man dies nun auf den ersten Ritter der Hoffnung umwälzte, wusste man, dass er sich vor jedem gebeugt hätte, nicht aus Demut, sondern aus Höflichkeit. Er beugte sich schließlich nicht vor dem Edelstitel, sondern vor dem Leben, das ihn noch nicht in seiner Unwirklichkeit hatte berühren können. Wenn man nämlich seine Brust berührt hätte, so wäre zwar die Wärme spürbar gewesen, ebenso ein mildes Pulsieren; aber kein Herzschlag. Ein Anatom hätte bestimmt die Hände vor seinen Mund gehalten, wenn er die Gelegenheit gehabt hätte den mutmaßlichen Jüngling genauer zu inspizieren.

Und dann musste er urplötzlich ganz ulkig ausgesehen haben, weil er blinzelte – und nicht verstand, obwohl ihm der Inhalt der Worte der ehrwürdigen Hüterin etwas sagten. Es war mehr der Unglaube, dass man vermuten konnte, dass er nicht über seine Herrin sprechen dürfte. Demnach klang er recht verdattert.


„Wieso sollte ich nicht über die Königin der Herzen sprechen dürfen, schließlich ist sie in mir und in euch." - und daraus sprach seine Überzeugung, flutete aus schwarzen Augensternen, die der Nacht gehörten. Folgend schüttelte er den mondlichthellen Schopf – „Doch vieles mag ich nicht von ihr zu berichten wissen." Außer Schwärmereien, die ein Kind von seiner Mutter preisgegeben hätte, weil es sie vergötterte. "Sie ist hier – und dort und überall. Im Wind, in der Erde, im Himmel, in jeder Blüte. Das muss sie auch, schließlich braucht der Frühling sie." Und da lächelte er geheimnisvoll, wie jemand, der genau wusste, dass man jetzt die Spannung ziehen musste – dabei war er ein lausiger Lehrer und ein noch viel schlechterer Geschichtenerzähler.

Er hätte sich auch einfangen gelassen, denn nicht jedes Vöglein mochte davonfliegen, wenn es eine Katze erkannte. Da waren Krallen und da waren scharfe Zähne; aber nicht jede Katze wollte verletzen. Er glaubte daran – nein, er wusste es. Sein Blick glitt nicht tief, wenn man ihn nicht gewähren ließ, denn er war nicht mehr als der Wandler seiner Herrin, mal die Nachtigall, die sie als Boten aussandte, oder als menschenähnliches Wesen, um sich repräsentieren zu lassen, wenn sie nicht selbst kommen konnte in ihrer mannigfaltigen schöpferisch, zwiespältigen Natur. Manchmal war er allerdings auch der Vollstrecker und dann zeichneten ihn vielerlei Gestalten und die Wahrheit lag nur in einer kleinen Pfütze aus Sternenlicht, das er war. Nur war das sein Geheimnis, ein kleines, süßes Geheimnis, von dem man nicht ahnen konnte.

Und während er sprach saß er da wie ein erhärteter Steinkoloss, der sich erneut nieder gebettet hatte, um über Jahrhunderte keinen Finger mehr zu krümmen. Nicht einmal die Schultern hoben sich. Atmete er überhaupt? Wenn man genau hinsah, dann wusste man, dass es nicht der Fall war – aber das Leben pulsierte doch durch seine Adern, oder durch seinen Körper, denn von Adern und Blutgefäßen hatte der Wandler noch keine wirkliche Ahnung. Er war etwas Seltsames, wenn man tiefer blickte – und diesen Blick verwehrte er nicht.

Schau nur, wenn du zu schauen gedenkst, und wenn du zubeißen willst, so werde ich dich nicht aufhalten – werde ausharren und lächeln, so wie ich es jetzt tue.


Geändert am 02.04.2004 um 08:47 Uhr von Iole
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Nutzer: engelsleiche
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geschrieben am: 08.04.2004    um 12:26 Uhr   


wie sie es wusste, dass auf Tag immer Nacht folgen musste, so ward ihr sicherlich auf gewahr, dass nicht alles so war, wie es vorgab zu sein. Ihr Meister hatte ihr von dem ersten Tage an das Privileg zugeschrieben, die Hülle zu durchbrechen, mit dem Sternenpaare tiefer gelegene Ebenen zu ergründen- ein jenes Ding zu ertasten, das die Menschen Seele riefen. Doch eigentlich... ja eigentlich machte sie nur noch selten Gebrauch von dieser Fähigkeit, denn das was sich in dem Momente offenbarte, sobald sie die wahre Gestalt eines Wesens erblickte, ward selbst einen Funken nur der Enttäuschung nicht wert.

Schau mich ruhig ungläubig an mein Ritter. Ich kenne sie nicht , deine Liebe, die dir wohl alles umgibt. Und ich werde es auch nie, denn es ist mir nicht zuteil... ja, die liebe Hoffnung... ich brauche sie nicht einmal, mein Guter. Spürst du es etwa nicht, wenn meine Worte, die wohl gewählt , doch völlig leblos sind? Und wenn dein Blick den meinen streift und hindurchgeht? Und wenn du ganz sacht und leise bist und ich mich nicht zu regen wage, dann siehst du durch die milchig weiße Gestalt, die mein eigen zu sein scheint, in naher Ferner schon mein steinernes Tor. Ich bin nicht mehr ... und nicht weniger. Einzig die Tat beschreibt mich, das Handeln das meine einzige Aufgabe war und immer sein wird. Ich brauche die Hoffnung nicht...

Doch auszusprechen was sie dachte, den wahren Kern der sie umgab... Nein das wollte sie nicht, obgleich es ihr womöglich gestattet war. Vielmehr schlug sie Augenblicke lang die Lider hinab und verbarg das ewig fröhlich glänzende Sternenpaar, welches wohl die meiste Arbeit der Täuschung tat. Sie hatte die kleinen Irrwege nicht nötig, doch geschahen sie ganz unbewusst im Willen ihres Herren. Nacht umgab jenen, der gleichsam körperlos war, wie der Engel selbst und es wusste facettenreich sein Tun zu verdecken. Mal kam er im Kriege, mal in der Krankheit, mal im Alter und beizeiten schon im Kindesalter.

Bist du vergänglich, mein Ritter? Bist du es? Oder weilst du mit mir bis zum Ende aller Ebenen? Wenn diese hier zerbricht, suchst du mit mir die nächste? Oder zerfällst du gleichsam mit dieser Welt?

Und jetzt, da alle Fragen sich in ihr aufschoben, da wagte sie einen Blick tiefer um zu erkennen was ihn umgab. War er so rein wie seine Hülle es schien? Oder voller eitriger Schwärze, die im Inneren wucherte und gedieh? ...
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Nutzer: Schmerzensgrab
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geschrieben am: 26.04.2004    um 05:06 Uhr   
*gleichwohl verweilen jene gestalten nicht alleine an diesem grausamen orte. auch wenn sie nichts sagt, sich nicht zeigt, so ist sie doch da. mit jedem rufen das der engel ohne gefühle vernahm war sie ihm ein stückchen näher gekommen. gefühle sind ihr im gegensatz zur wächterin mit der sense nicht fremd. nein, auch wenn sie wie jene nicht lächelt, so ists doch ein anderer beweggrund.
ein kleines kind, ein mädchen mit einem weissen kleid.

einmal sprachen sie schon miteinander. einmal nur und doch schienen längst nicht alle fragen geklärt, stand doch das "es ist wie es ist" im raume. wieder nein, das kleine mädchen mit den dunklen haaren schüttelt den kopf. es geht noch viel tiefer denn es ist wirklich, wie es ist. all das, was exisistiert, all das ist wie es ist und zugleich wie es sein soll. diese veränderung verrät bewegung, löst die starre, den status quo auf. gleichzeitig entstrickt sich damit das paradoxon um sie selbst.

ja, es gab noch viel zu bereden, zu gerne hätte sie den worten des engels gelauscht, mehr als nur gedanken, soviel mehr. den ritter nahm sie nicht wirklich wahr. nein, an diesem orte waren die stimmen laut. stimmen, die sie rufen, stimmen zu denen sie eilt. vielleicht war sie die einzige, die jemals jenes tor aus beiden richtungen betreten konnte. nein, sie musste.

warum trug der engel diese waffe bei sich? bedarf es wirklich einer solchen oder ists einfach nur die sichtbarkeit seiner aufgabe, die verdeutlichung für den unwissend? sie überlegt. manifestatio ruht noch immer auf dem felsen mitten im see. nein, sie weiss, dass sie jenes nicht braucht. nicht jetzt und auch nicht in absehbarer zukunft. jon und sie redeten einst darüber, es war wie ein neues kapitel in ihrer existenz: die engel und das schwert. warum hat engelsleiche eine waffe, warum verweigert sich die ihre - nicht dass sie jene haben wollte. was denkt der engel darüber...vielleicht werden sie nie wieder miteinander sprechen. vielleicht wirds geschehen. soviele fragen, umso wenige antworten.
noch verharrt sie ruhig an diesem ort, doch bald wird sie ihn verlassen den rufen folgend.
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Nutzer: engelsleiche
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geschrieben am: 28.04.2004    um 18:38 Uhr   
wie die Ahnung eines Gedanken mit großen Wellen an ihr Seelenufer floss, so wusste sie um die Anwesenheit eines jenen Mädchens, das ihr so gleichsam fremd und vertraut vorgekommen war. An einem Tage, der der Schönheit zugeschrieben gewesen sein musste, denn die Sonne stand hoch und beschien gutmutig lächelnd das saftige Gras der Wälder, da hatte sie das kleine Geschöpf zum ersten Male erblickt. Schon an diesem Tage ward dem Engel bewusst, dass es wohl zu einer zweiten Begegnung kommen würde, doch dass jene so rasch geschehen würde, hatte sich das kindliche Antlitz ihrerseits nicht ausmalen können. Rasch – ja für sie war es gewiss eine kurze Zeit gewesen, die sie die Anwesenheit des Kindes misste, denn Zeit ... ach, sie wollte nicht ein weiteres Male das leere Wort überdenken...

Du lauscht den Stimmen meiner Kinder, so wirst du auch mich vernehmen können, nicht wahr mein Mädchen? Warum sprichst du nicht zu mir?

Noch hatte sie keinen einzigen Blick von ihrem Ritter abgewandt, denn eine Antwort seinerseits erwartete sie nicht minder wenig wie eine Reaktion, das einfache Entblößen der Anwesenheit jener weiteren Gestalt, der sie ihre Gedanken zuschrieb. Hoch klangen die Worte von den schweigenden Lippen, wie in einer marmornen Halle aus dunklem Stein, welche jeden einzelnen Laut in allen möglichen Tonlagen wiedergeben mochte. Ein dumpfer Hall, der – wenn es dem Ritter den zugeschrieben war- auch bis zu ihm gelangen konnte...

Fehlt es dir an Zeit?
Seiest du gebunden, so nehme dir welche von mir... Bedien dich, verweile mit uns und stelle offen deine Frage. Vielleicht kann ich dann... ja dann eine Antwort geben, welche auch dir zusagt.

Wieder war es in dem Moment der Gedankenstille als sie die knochigen Finger den kalten Metallstab der Sense hinabgleiten ließ. Ohne einen Grund, ja so ganz gedankenfrei – wie auch die Bestimmung der hellen Schneide war. Sie war keine Waffe, denn ein solch Gerät lag falsch in den Fingern der Wächterin, sowie der Schlagstock in den Händen eines Mentors, welcher mit finstrer Miene hinab zu seinem jungen Blondschopf blickt. Nein, nein... war es in dieser Welt so falsch eine Waffe der Symbolik wegen zu tragen? Wendete sie sich dann gar gegen einen selbst in aller empörter Aufruhr? Es glich allen vergangenen Tagen, in welchen sie Naivität in ihrer Weise auslebte, etwas gesundes Kindliches, gar etwas, das nichts Böses und nichts Gutes erwartete, sondern einfach dasaß und lächelte – ohne Sinn gewiss , doch mit Symbolik. Und in diesem Augenblick der Ruhe da gab sie dem Kinde eine Antwort, heimlich wissend, dass es womöglich auch verstehen konnte.

Ein Schlüssel nur... ein Schlüssel...
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Nutzer: Gast_Engelsschrei
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geschrieben am: 07.05.2004    um 20:57 Uhr   
Konnte das Herz eines Engels sterben? Konnte die Reinheit verschwinden und der Geist in einer anderen Dimension gefangen genommen werden?

JA!

Der Beweis kam gerade die Pfade des Lebens entlang geschritten. Dunkle Wolken, totale Finsternis schlichen um das Herz, entrissen es der Reinheit und des Glücks und stürzten es in eine schwarzes Loch. Das Herz war fort, versiegelt und nur noch das Blut pumpende Organ in der Brust. Gleich einem steinernen Klos saß es dort und mühte sich Tag für Tag mit der einzigen Aufgabe ab, die ihm noch geblieben war.
Die Klarheit des Verstandes war besiegt worden, war gewichen um dem Wahnsinn Platz zu machen. Ja, der Wahnsinn! Wie ein Geschwür durchzog er den Leib, säte die Saat der Verzweiflung und pflanzte Hoffnungslosigkeit dort wo er vorbei kam. Wie ein dunkler Nebel, wie ein Gift schlich er durch die Adern und verdarb den Leib. Er war wie die Made, die sich durch das Gedärm fraß.
Aber warum? Wie Konnte aus einem Engel so etwas werden?

Nun, Yersinia war einst ein Engel gewesen, eine strahlende Lichtgestalt, die sich Kriegerin Gottes nennen durfte. Damals, erschien es immer so, als würde sie stets von einem sanften, inneren Licht erfüllt sein, das mild glühend die Finsternis vertrieb hatte. Gleich die eines Menschen waren die fast schon unerträglich edlen Gesichtszüge gewesen. Aber dennoch erschienen sie stets wieder nicht so. Für mehr, unendlich viel mehr mochte man das Antlitz damals halten. Niemand war in der Lage gewesen bestimmt zu sagen, ob sie Kind oder Greisin war. Sie hatte alterslos, nein, vielmehr zeitlos gewirkt. Ein Wesen das unbefangenes Kind und uraltes abgeklärtes Geschöpf zugleich war. Das lange weiße, weit über den Rücken herabfallende Haar war damals noch glänzend gewesen. Die Flügel waren gigantisch und viel zu groß für die zerbrechliche Gestalt erschienen. Gleich dem Leib leuchteten sie damals sanft von innen heraus weiß. All dies war zu jener Zeit, da sie sich noch bei ihrem Namen "Io" nennen durfte und nicht "Yersinia" heißen musste.

Und jetzt! Und jetzt? Nichts war ihr geblieben! Ein Niemand war sie, eine Gradwandlerin zwischen Leben und Tod, zwischen gut und Böse. Fortan war das Leben des Ex-Engels verdammt und zerrüttet. Leben? Konnte man Yersinia's Existenz überhaupt noch Leben nennen? Sie war doch nichts weiter als eine Mumie, deren Lebenswille gebrochen war und der Körper umherwandelnd vor sich hin vegetierte.
Der Wunsch zu sterben blieb ihr Mal für Mal verwehrt und die einzigen Wissenden um ihren stillen Wunsch waren all die Narben, die sich wie ein feines, weißes Geflecht über die Unterarme und die Puls zogen. Verbände zierten die Handgelenke, die penibel unter den weißen Lederhandschuhen verborgen worden. Insgesamt war der ganze stark verhüllte Leib ein einziges Narbenmeer. Aber am auffälligsten wahren wohl jene, die sich parallel zur Wirbelsäule fast schon über den gesamten Rücken entlang zogen. Oh ihr Zeugen, ihrer einstigen Existenz, Male der nicht mehr vorhanden Schwingen, warum könnt ihr denn nicht um alles in der Welt endlich verschwinden?!! War es unbedingt nötig, das die ohnehin schon kranke Seele ständig daran erinnert wurde? Immerhin hatte sie sich den Zweiten, den sie behalten hatte, auch abhacken lassen um die Schmach der Einflüglichkeit nicht ertragen zu müssen.
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Nutzer: Gast_Engelsschrei
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geschrieben am: 07.05.2004    um 20:58 Uhr   
...Aber was genau war eigentlich geschehen? Was war der Grund dafür, das ein Engel seinen Glanz verlor, das Haar matt und stumpf wurde und ein Schleier aus schwärzester Trauer die gütigen Augen verhüllte? Ja, ihre Augen! Einst zeugten die bernsteinfarbenen Seelenfenster von uralter Weisheit, Wärme, Sanftmut und Güte. Voller Gnade sahen sie unergründlich, wie sie waren, sanft auf die armen Wesen herab zugleich erfüllt, von einer Härte die so gewaltig und grenzenlos wie die Güte in ihnen war. Doch das ist Vergangenheit! Jetzt stand nur noch Trauer und Schmerz in ihnen.
Nun, was geschehen war, war ganz leicht zu erklären.
Sie hatte mit ansehen müssen wie unzählige Brüder und Schwestern hoch oben in einem der Himmelsreiche gnadenlos Niedergemetzelt wurden. All die Schreie und Bilder waren in das Hirn eingedrungen und hatten sich zu einem immer und immer wiederkehrenden Film aneinandergekettet. Es ging ihr einfach nicht mehr aus dem Sinn, wie die Köpfe rollten und die Kehlen schrien. Blut, Blut, Blut..... überall! Der Anblick, wie die Leiber aufgeschlitzt wurden und das Gedärm sich rot glänzend aus den weißen Leibern hervor wand und sich auf dem heiligen Boden mit all dem Blut und den Körperteilen mischte. Ja, ja, und ein paar wurden gepackt, an die Kante gestoßen, eine Schwingen abgehackt und schön langsam nacheinander hinab geworfen, auf dass sie auf Mutter Erde aufkamen und wie das Vöglein an der gläsernen Fensterscheibe zerschellten.
Das war das erste mal, da sie der Tod nicht wollte. Die Dornen waren hoch, die Dornen waren dicht. Sie dienten als Kissen im Sturz und fingen den Leib der Schockierten gnadenlos ab. Oh, wie sehr hatte sie sich den Tod gewünscht! In der zerfetzten Kleidung war sie wankend, mit fehlender und gebrochener, in einer grotesken Haltung abstehenden, Schwinge Hilfe suchend umher gewankt und nur die blutigen Fußabdrücke erzählten von der Länge ihres Weges.

Aber jetzt lag all dies auch schon wieder seine Zeit zurück. Und dennoch hatten sich die Füße noch immer nicht an das Tragen von Stiefeln gewöhnen wollen. Der Schritt war unkoordiniert und wankend. Unsicher bahnten sich die Füße den Weg aus dem Wald heraus und in Richtung des Tores und der bei ihm verweilenden Gestalten. Wie ein weißes Häufchen Elend näherte sich die stark verhüllte, mit dem Antlitz gen Boden gerichtete Gradwandlerin, von der noch nicht einmal gewusst wurde, ob sie schreiend und weinend in einem Anfall der Trauer auf den Boden sinken würde oder, ob ihr alles gleichgültig war, die Sonne im Herzen schien und sie sich nicht erinnerte. Manchmal vergaß sie einfach auch so, dass der Schleier aus Trauer blieb. Das Verhalten und die Stimmung schwankte nur zu oft massiv hin und her.

Ach ja, eine Gradwandlerin war sie weil der Rest an Verstand, den sie noch hatte, der lichten Seite nicht mehr vertraute und die Seele für die Dunkelheit zu rein war. Die Lichtwesen würden sie nicht mehr akzeptieren, da die Geisteskrankheit und Todessehensucht wie eine Krankheit in ihr umherschlich.

Der glanzlos, knapp über zwei Meter messende Körper wandelte schwankend weiter, die Arme fest und eng um den Leib geschlungen und der gefangene Geist wusste nicht einmal davon. Sie nahm weder die drei Gestalten noch das Tor war und genauso wenig wusste sie was bislang geschehen war denn allein der Zufall hatte sie hierher gebracht. Oder.....

war es Schicksal?


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Nutzer: engelsleiche
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geschrieben am: 16.05.2004    um 16:10 Uhr   
es war in der Stille des Momentes, in dem sie Reaktion des Kindes und des Ritters erwartete, als dann mit einem und gewiss unverhofftem Male eine weitere Gestalt den Pfad ihres Tores hinaufschritt. Mit wankendem Fuße hatte sich die Fremde die kleine Anhöhe hinaufgetragen und ihr , der Wächterin, bislang noch keinen Blick geschenkt. „Da kommt sie, die Verstoßene – weder schlecht noch gut“ wisperten die alten Stimmen dem Engel zischelnd zu, die Jungen indess, die ihr Leben viel zu früh gegeben haben quietschen erfreut aus ihren nimmerstillen Schnauzen „gefallen, gefallen...“. Es war Gelächter, beizeiten Hohn, doch meist tiefe Resignation, ein Funken von Trauer, der an ihrer Gestalt abprallte. Was die Seelen zu fühlen vermochten, ward ihr verwehrt. Doch das Geschöpf, das seine Schritte die Höhe hinauflenkte – mochte sie verstehen?

Der unwissende Geist hätte das Verhalten jenes Wesens mit den langen, brüchigen Schwingen als Gutmütigkeit abgetan, denn ihm fehlte es an Erkenntnis, die einem aufmerksamen Auge und offenem Herzen nie verborgen blieb. Schlichte Akzeptanz war es , die den Engel zu etwas Höherem bestimmte. Sie würde die Fremde mit offenen Armen empfangen wollen und wenn es nötig war um deren Seele zu öffnen, auch die Schwingen zärtlich streichelnd um sie legen und das ausdruckslose Gesicht an das ihrige drücken. „Trete hinauf, den kleinen Hügel, lasse dich nieder und leg deinen Geist in meine Obhut. Ich wache... Ich wache...“ Es lag an Yersinia ob sie der unausgesprochenen Einladung folgen wollte, oder ob es ihr gleich war...

Und in diesem Augenblick da ward dem Engel mit einem Male anders. Etwas zerrte in ihr, verlangte, dass sie sich etwas zuwenden müsste, von dem sie sich nicht bewusst war dass es es gab, geschweige denn, was es überhaupt war.

Schicksal

da war es das kleine Wort, welches sich seinen Weg in die Gedanken der Engelsgestalt bahnte und sie, die unbeholfen noch danieder saß fast überrumpelte. Wie die großen Wellen, welche ungebremst an die starken Klippen prallten, so ergoss sich das Gedankengut in dem kleinen Kopf des Wesens, das war und doch niemals sein würde. Ein Trugschein nur... War es das? Das kleine Wort? Oder verbarg sich ein Funken Wahrheit hinter all dem Hoffen auf Bestimmung.

Hoffnung

Was waren das für befremdende Begriffe, die sich hinter dem Antlitz, dem fahlen, dem kranken verbargen? Es waren doch nicht ihre Gedanken, nicht die des Engels, der nun seine Hand von dem metallenen Griffel der Sense ließ. Ein fremdes Tuch, das sich als Schleier über das Puppengesicht gelegt hatte, klebte sich nun fest, biss sich ein in das Gedankengut, wie ein tollwütiger Köter, nicht gewillt sie wieder von sich zu geben. Und es veränderte etwas, ja, es machte den Engel einen Deut menschlicher...
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Nutzer: Gast_Engelsschrei
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geschrieben am: 25.05.2004    um 19:25 Uhr   
Verstehen? Was bedeutete es schon, wenn man verstand? Ach ja, Verständnis, das war doch das gewesen, was auch sie einmal gehabt hatte. Hm... Ihr Geist war so klar, so frei gewesen. Sie hatte verstanden. Doch das Verständnis war das, was für den Wahnsinn als ersten gewichen war.
Es blieb ihr verwehrt zu Erkennen, denn die Voraussetzungen waren nicht mehr gegeben. Wie war das? Ein offenes Herz und aufmerksame Augen? Nein, nein. Dazu kämpfte die Gradwandlerin viel zu sehr mit ihrem Inneren. All die Gedanken, die Pläne, die sich im kranken Hirn, im letzen gesunden Eck des klaren Geistes sponnen und wie eine Netzwerk aus feinsten Spinnweben ineinander verflochten waren, drehte sich um Selbstmord.

Tod und Vergessen: Zwei sich ewig umschlingende "Wesen", die unweigerlich in direkter Verbindung zueinander stehen.

Ja tot, dass wollte sie sein. Tot, gestorben, begraben, verrottet und verfault. Sollten sich doch die Käfer und Würmer ihres Leibes annehmen! Sie wollt ihn nicht, wollt ihn loswerden. Ach du arme kranke Seele, schwing dich doch auf unsichtbaren Schwingen empor und finde endlich die göttliche Ruhe nach der es dich so sehr verlangt. Vergiss deinen Körper, vergiss deinen Leib und um des Himmels Willen: vergiss endlich deinen verfluchten Schmerz!
Ach, warum konnte man nicht einfach wieder zum unschuldigen, reinen Kind werden? So ahnungslos und im Schutze der Unwissenheit gebettet. Zur warmen Lieber verdammt und die Gnade der Neugierde als Entschuldigung für all die Torheiten und dummen Fehltritte.

Sollte der Engel doch die Schwingen um den Ex-Engel breiten! Aber, das müsse sich das Wesen auch darauf gefaßt machen was geschehen könnte, geschehen würde. Wie war das gleich noch einmal gewesen, als Yersinia bereits einem Engel begegnet war? Ach ja, sie sank wie unter unsichtbaren Hieben zusammen und kauerte weinend, schreiend auf Mutter Erde. Die Erinnerungen an das, was einst war und nie, niemals mehr sein wird, wurden mit einem male wieder in den kranken Geist gerufen und lösten dich schiere Verzweiflung in der Seele aus. Ja, da war es wieder gewesen: Das Bild!
Eine geliebte Schwester Engel - sie lachte des Herzens froh - und der erste von ihnen, diesen Monstren. Der Bogen spannte sich, die Sehne straffte sich und erschlaffte plötzlich. Niemand sah ihn, niemand sah den Pfeil, wie er sich lautlos von des Bastards Bogen löste und leise sirrenden durch die Luft schob. Unaufhaltsam und bedrohlich beritten von Gevatter Tod. Er traf den Leib der zarten Schwester, durchbohrte ihn und all das schöne, warme, rote Blut floss grausam aus der kleinen Wunde im Herzen hervor. Eine Quelle die nicht versiegen konnte. All das Weiß, das reine, unschuldige Weiß, befleckt von roter, flüssiger Sünde. Und sie war in Knie gegangen. Das Haar wirbelte wild durch die Luft und den Augen bildete sich etwas wie erkennen, leere und sanfter Zufriedenheit. Dann stürmten die Schlächter ein und trieben den Keil des Todes in die zarten Engelsleiber.
Ja, das war es, das war das erste Bild in Yersinias Erinnerungen!

Sie folgte dem Weg und trat hinauf. Den kleinen Hügel erklommen stand die Gradwandlerin vor dem menschlicher gewordenem Engel. Die zittrigen Knie sanken ein, der Blick war gehoben und betrachtete den Engel und sein Tor. Gleich einen treuen Christin, die sich kniende und betend einem Heiligen zu Füßen geworfen hatte, hockte sie - warum auch immer - da.

"Vergebung." So bat die trauernde Stimme als sie sich über die zitternden Lippen ergoß und sich leise den Weg zu den Ohren der Wächterin bahnte.

Konnte sie ihr Gnade schenken?
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Nutzer: Gast_Engelsschrei
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geschrieben am: 28.06.2004    um 22:52 Uhr   
Räuspert sich einmal und hofft, dass dieses hier irgendwann weitergehen wird....

Pain kiss me because I am only a scream.... Engelsschrei
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Nutzer: engelsleiche
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geschrieben am: 30.06.2004    um 11:41 Uhr   
(sobald ich aus dem "urlaub" zurueck bin gehts weiter ;))
[edit: tut mir leid, aber momentan fehlt es mir an kreativitaet dem char wieder leben einzuhauchen. er ist einfach zu abgestanden.vielleicht aendert sich in den naechsten wochen etwas dran...]

engelchen.
Geändert am 20.07.2004 um 20:14 Uhr von engelsleiche
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Nutzer: Gast_Engelsschrei
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geschrieben am: 17.07.2004    um 14:05 Uhr   
Räuspert sich....
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