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geschrieben am: 31.03.2004 um 08:45 Uhr
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... Und trotz der lauernden Bedrohung in Form einer blitzenden Klinge, die einem weit aufgerissenen Löwenmaul glich – wenn man genügend Vorstellungsvermögen besaß -, trat der mutmaßliche Jüngling nicht zurück, sondern trat die Schritte auf die ehrwürdige Hüterin zu, die manch anderer ins genaue Gegenteil gewandelt hätte, nur um sich auf das angebotene Fleckchen Wiese niederzulassen. Vielleicht hatte er der Furcht getrotzt, weil er sie nicht kannte, oder weil man es ihm falsch beigebracht hatte – das Fliehen -? Und eine leise Stimme, die da oben in den eigenen Gedanken saß und ein Spion des Herzens war, sagte, dass es der Mut zum Vertrauen war, der ihn - und auch sie - vor einem Rückzug bewahrte.
Das war es auch, das ihm sagte, dass er nicht auf das Schlechte zu warten brauchte, damit es in seinem Gegenüber wucherte wie ein Dornengestrüpp, das alles umschloss und zuletzt zerquetschte. Eigentlich war es eine Frage des Glaubens und der strahlende Ritterverschnitt in melancholischem Ausmaß, weil er ja eigentlich eine Nachtigall war, besaß keine Vorurteile und war wie ein unbeschriebenes Blatt bevor man zur Feder griff und Zeichen darauf nieder schrieb. Das Blatt war unbeschrieben; aber zerknittert und folgend geglättet – ah, man sah die Macken doch so deutlich, wenn man nur zu suchen wagte.
Hätte er einen Umhang besessen, so hätte er diesen abgeschnallt und ihn in höfischer Manier – die man ihn gelehrt hatte, nur wusste er nicht immer korrekt damit umzugehen, da sich zu viele Regeln widersprachen - der ehrwürdigen Hüterin um die Schulter gelegt. Das hatte nichts mit Mitleid zu tun, denn jenes empfand er auf andere Weise, war gerade noch im Begriff es zu empfangen, wie die durstige Erde den erlösenden Regen, da die ausführende Hand der Hoffnung zuvor keines gebraucht hatte. Wer hätte schon einen Vollstrecker mit einem weinerlichen Gesicht erspähen wollen, wenn er gerade den Tod erhielt?
Wir sind alle Legenden, wir allesamt, wir schreiben unsere eigenen – zwar werden nur die wenigsten bekannt und berühmt, gefürchtet oder geliebt, doch die Wahrheit ist eine andere. Es wird immer jemanden geben, der an deine Geschichte glauben wird, Hüterin, und genau das macht dich zu einer Legende.
Die unwirkliche Nachtigall lauschte ihren Worten und ein Lächeln erwachte schlafestrunken auf den Jünglingslippen, während das schwarze Augenmerk, das dennoch an das Licht der Nacht erinnerte – an eines, das immerzu kämpfte, nicht gegen die Dunkelheit, nicht gegen das Licht, sondern gegen das Schicksal, gegen das, was man Unrecht schimpfte, für das, was man Hoffnung nannte – verschwörerisch gen des Himmels deutete.
Spielst du mir ein Schnippchen, Bruder Wind?
Als die Augensterne, die Geschenke der Nacht an die Hoffnung gewesen waren, sich wieder auf die Engelsgestalt legten, da war das Lächeln zu einem unglaublich herzlichen herangereift.
„Ah“, sprach der erste Ritter der Hoffnung und es klang von der Wärme eines unwirklichen Herzens berührt, so dass man sich zu wundern hatte, wenn man es nicht erwartete; aber da war noch etwas anderes, da war Amüsanz, die er nicht verbergen konnte, weil sein Leib den Weg zu seinem Herzen nicht versperrte, „Da hat der Schelm uns einen Streich gespielt, oder eher mir, denn die Hoffnung erzählte mir von euch als ich ihr erneut in einer Zeit begegnete, die nicht die jetzige ist.“
Nun gab es ein Geheimnis, über das er nicht sprechen würde, denn die Hoffnung hatte nicht gesprochen, dass er die Hüterin aufzusuchen hatte, nein, sie hatte ihm lediglich ein wenig erzählt von einer wartenden Seele. War das in diesem Augenblick Empörung gewesen, die ihn führte, oder doch die tiefe Verbundenheit? Wahrscheinlich war es beides gewesen.
Und dann klang seine Stimme leiser, ein wenig verschwörerisch, geheimnisvoll: „Keiner wollte so recht glauben, dass -sie- es war, weil sie so viele Gestalten kennt, weil sie überall ist, wenn sie es nur kann, doch wer ihre Stimme hört, der ist blind, oder wird verstehen. – eine kleine Pause entstand, die der Träumerei gehörte – Sie erzählte, dass ihr wartet. ... und ich fühlte mich angesprochen. Los, sprich das, Ritter, sag das, damit sie es fühlen kann, damit sie auch lernen kann was Menschlichkeit bedeutet, selbst wenn du es niemals vollständig sein wirst. Doch er schwieg, blickte einen verschwenderischen Augenblick lang in die Ferne, um den letzten Gruß des Abends zu sprechen, oder den der erwachenden Nacht.
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