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geschrieben am: 28.02.2004 um 21:15 Uhr
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Ihre gegebene Befugnis Seelen zu erkennen und zu deuten kam keineswegs von ungefaehr und auch wenn viele sie um diese Faehigkeit beneiden wuerden, war sie selber geschaendet mit der Aufgabe, die ihr zuteil. Vielleicht war gerade die Angst vor Bloesse, vor dem Moment indem der Schleier fiel und sie sich selber offenbarte der wahre Grund fuer ihre Verschwiegenheit, denn keine einzige Person dieser Welt wusste um ihre wahre Existenz, auch wenn sie –vor allem fuer die Menschen- eine entscheidende Rolle spielte. Sie wusste um die Aufgewuehltheit des Wesens, das es wusste eine Sprache zu sprechen der sie selber nicht maechtig war, denn Gefuehle anderer zu erkennen, ohne gleiche zu spueren war ein weiteres ihrer vielen Laster. Doch zu deuten weshalb ein jemand fuehlen moege, hatte sie sich noch nie gewagt. Die Tatsache war entscheidend und nicht der Vorwand einer Gegenbenheit; das Hier und Jetzt und niemals das Vorhin...
Und so kam es dass auch ihr die kurzzeitige Anwesenheit eines weiteren Wesens nicht verborgen blieb, jedoch war das, was es fuer noetig hielt sich im Verborgenen zu halten noch nie ihr Interesse wert gewesen. Erblicken wuerde sie jene sowieso, ob frueher oder spaeter passierte alles Sterbliche ihren Weg mit mehr oder weniger großen Wohlwollen. Und so galt ihr Fokus einzig Dante...
Als fielen ihr die Schritte schwerer und schwerer gelangte die Engelsgestalt erneut in Bewegung, jedoch ein diesesmal schleppend, vorsichtig; ein unaufmerksamer Beobachter haette es womoeglich Schleichen genannt. Doch war es dies keineswegs, schleichen mussten nur diejenigen, welche etwas zu verbergen hatten, welche von Furcht getraenkt unentdeckt bleiben wollten. Sie indess war nie fuer das Verstecken, so hatte es schliesslich etwas Hinterhaeltiges, etwas das man wahrlich verwerflich nennen konnte. Muedigkeit war es, die sie beherrschte; nicht nur heute, sondern seit Anbeginn. Eine Traurigkeit, die dem Wissen entsprungen war, dass sich letztlich doch alles wiederholen wuerde: Leben und Tod... Leben und Tod... ein stetiges Wechselspiel, das einen beizeiten in wahre Resignation fallen lassen konnte.
Die schwarzen Pupillen ihrerseits verengten sich, sodass das Silberne der Regenbogenhaut fuer Sekunden zu strahlen begann; ein sanftes Glitzern, wie das eines Sternes, welcher von hoch oben hinabzuwinken versuchte, nicht hoehnend, sondern vielmehr freundlich einladend, sowie es sich fuer einen Hoffnungsstern wie sie gehoerte. Der traege Schritt klang ab und sie kam auf dem Ufer, kurz bevor das Wasser sanft und doch mit Gewalt hinabfloss, zum Stehen. Abschaetzend fiel der Blick auf die Wunden ihres Gegenuebers, welcher ,obgleich der Bach sie noch trennte, nur noch wenige Schritt von ihr entfernt war. Sie sah nur ungern Blut, denn es war doch etwas, das von Leben zeugte, etwas das sie nie besitzen wuerde, so sehr sie es sich auch erhoffen moege. Das Pulsieren der Adern, wenn das Herz in der Brust schneller zu schlagen begann... Welch Gefuehl es sein moege, wollte sie sich erst gar nicht erst vorstellen, denn sobald man ahnte wie wohlig schoen etwas sein konnte, wuerde man es sogleich vermissen... So fehlte es ihr an nichts. Es war einfacher zu existieren und die Einfachheit bestimmte sie...
Hilfe... Sollte sie jenem Fremden Hilfe anbieten? Oder es gar zunaechst bei einem Gruße belassen? Vielleicht auch nur einer knappen Geste, die eine Begrueßung andeuten konnte... Ja... Die Einfachheit bestimmte sie und so sandte sie ein Nicken dem Fremden entgegen, denn die Stimme als Erste zu erheben sah sie nicht als passend an. Vielmehr glich es ihr den sanften und dennoch bestimmten Blick nicht von der Gestalt abzuwenden, welcher in aller Zurueckhaltung auffordernd nach Worten seinerseits bat. So umklammerte ihre Rechte den Stab der Sense, dessen Schneide vermutlich als einzige Bedrohung von ihr ausgehen koennte, mit festem Griff, obgleich ihre duerren Finger den Anschein erwecken konnten nicht die Kraft zu besitzen eine solche Schwere zu tragen....
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