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Ein Blick in brüchige Erinnerung

Nutzer: Gast_Feraz
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geschrieben am: 01.03.2004    um 16:25 Uhr   
Im finsteren des Waldes, versteckt hinter kälte und dunkelheit hockt eine kleine, schwarze gestalt, entkräftet, entstellt... selbst nicht mehr als die zarten umrisse eines schattenspiels. Das weiße Gesicht ist dreckbeschmiert und auch Blut verkrustet haar, haut und die zerfetzte kleidung.
Die klauenartigen hände sind krampfhaft verkrümmt, die knochen treten beinahe hervor.
die augen, riesig in dem bleichen gesicht, sind vom atem der zeit verblichen... sie gleichen zwei rauchigen glaskugeln und scheinen im raren zwielicht wie zwei verlorene irrlichter.
Die schmale Brust hebt und senkt sich schwerfällig und der atem rasselt leise.
Ein Mädchen war sie einst... ein Mädchen in dem Körper eines Monsters... Lange war sie von fremden, und doch so vetrauten stimmen geplagt worden.... in den wahnsinn getrieben worden - und letztendlich im kampf gegen sie gescheitert.
~Wer bin ich? wer bin ich?~
ausdruckslos starrten die augen in die leere ferne... sie sah hunderte von scherben vor sich... viele viele gesichter... viele viele ereignisse.
nd alles war so weit weg.
sie hatte sich in sich selbst verloren.
ein grollen entwich der zierlichen kehle... unmenschlich und tief. Ein glimmen leuchtete in den hellen augen auf.
Sie blickten nun gen himmel.
~Hilfe...~ flüsterte sie tief in ihrem leib verwurzelt ~hilfe...~
sie schloss die lider. ihr kopf tat weh. und wieder ein grollen in ihrer kehle, dass sie kaum zurück halten konnte.
~Das bin nicht ich... das bin nicht ich...~
Als sie die augen wieder öffnete rannen ein paar dunkelrote, zähflüssige tränen über ihre wangen.
Sie erinnerte sich an Musik... zarte Melodien... die einst ihr Herz berührt hatten... Und ihre Seele. Ein Gesicht, dass sich ihr tief ins gedächtnis gebrannt hatte, denn sie hatte es oft im traum gesehen. Lebte er noch, der Spieler, der ihre Seele berührt hatte?
~Ich vermisse dich... ich vermisse dich...~
Sie verkrümmte sich und verbarg ihr gesicht...
Fort... so weit fort...


Dieses soll einfach ein kleiner aufruf an mein liebes geigerle sein... -.- Ich vermiss dich und hoffe, dass wir im forum wieder einen anfang machen können... so wie damals... *knuddelz*
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Nutzer: Friedhofsgeiger
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geschrieben am: 01.03.2004    um 18:05 Uhr   
(*seufz* Hach, wenn das schon so herzzerreißend geschrieben ist, wie könnte ich da denn anders.. Auf ein Neues ;)

Es war soviel passiert. Wunden waren geheilt, aufgerissen worden, das selbe Spiel, welches das Leben schrieb. Das Leben ist eine Sandburg, die man in der Brandung baut...

Geschichten wurden geschrieben, vergessen um dann wieder neu erzählt zu werden.

Wollen wir diese Geschichte so enden lassen?

...Nicht so lange es die zwei Ruhelosen gibt, beide in bitterem Schmerz, der nur gemeinsam süßlich schmecken kann.

Es war eine Weile her, es ist viel geschehen. Der Musikant war geplagt worden von eigenen Dämonen, die seinem Spiel verfallen waren wie er selbst nur ein Sklave der Geige war. Aber das waren andere Zeiten, er ward vom Fluch erlöst worden ((auch wenn wir es nie zuende gespielt haben!!)) und es blieb nur eine Narbe, die von dem Wesen erzählte, dessen Wirt er gewesen war.

Das Leben hatte aufgehört ein Alptraum zu sein, nur um einem anderen zu weichen. Das Flüstern des Dämons hatte einem ganz anderen Geräusch nun Platz gemacht und einer neuen Bitterkeit.

Tick, tack, tick, tack. Wieso hatte der, der die blutige Unsterblichkeit gekostet hatte, nicht schon vorher die Uhr in seinem Inneren gehört? Sie raubte ihm den Schlaf, raubte ihm den Verstand. So lag er eine ganze Weile in seiner Hütte, im Moor der leisen Melodien, und sprach mit den Schatten an der Wand, die ihm auch nur erzählten, er sollte hinausgehen in die Welt, denn der Tag könnte was Gutes bringen. Er hörte ihnen nicht mehr zu, zweifelte an sich, an seinem Verstand, blieb so lange wach bis der Schlaf ihn niederstreckte, ein jedesmal aufs Neue. Tick, tack, tick, tack.

~Geh, geh hinaus in die Welt~ flüsterten die Schatten.
"Nein, draußen ist das Ticken so laut wie auch hier."
~Geh, geh hinaus in die Welt um zu suchen~
"Was soll ich noch suchen?"
~Geh, geh hinaus in die Welt um den Frieden zu suchen.~
"Ich glaube nicht an den Frieden, denn nie ist es gut. Wo soll ich den Frieden denn finden?"
~Geh, geh hinaus in die Welt um die zu suchen, die dir Frieden bringt~
"Wer? Wer sol das Ticken vertreiben können? Wer sollte mich ablenken von der Sicherheit des Todes?"
~Geh, geh hinaus in die Welt um die zu suchen, die dir Frieden bringt und deine Hilfe braucht~
"Wer? Wer braucht meine Hilfe?"
~Geh, geh hinaus in die Welt um die zu suchen, die dir Frieden bringt und deine Hilfe braucht, so wie du ihre gebraucht hast.~


..."Feraz!"...


Waffen besaß der Musikus keine, aber er nahm seine einzige Geliebte mit allein. Seine Geige, das schöne schlanke Instrument, das trug er im schwarzen Kasten stets auf dem Rücken. Der Wind zerrte an dem langen Mantel und dem inzwischen langem schwarzen Haar und es war ein Wunder dass der Hut ihm auf dem Kopf blieb.

Denn er hatte verstanden, was die Schatten ihm sagen wollten. Das Ticken würde nie vollends verschwinden, aber man würde es übertönen können. Übertönen mit dem Wispern einer bestimmten Person.

So, lauf, Musikus. Finde Feraz, finde deine Menschlichkeit, indem du eine menschliche Dummheit begehst...
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Nutzer: Gast_Feraz
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geschrieben am: 01.03.2004    um 19:46 Uhr   
Ein weiterer ruheloser Tag... ein Tag voll von dunkelheit, denn die Sonne schien schon lange nicht mehr für die niedergeschlagene Kreatur.
Sich durch Schmutz und Gestrüpp windend, dem schreienden Hunger folgend welcher ihrer Brust innewohnte konnte sie nicht an Ort und Stelle verweilen... es ging einfach nicht.
Wie eine Raubkatze erklomm sie dann und wann bäume und jagte vögeln hinterher, oder kreuchte am Boden um den Ratten in ihre Löcher zu folgen...
~Ich habe vergessen wer ich bin...~

Als sich die Sonne, die ihr ihr Licht schon lang verwehrte, sich dem Horizont entgegen neigte, erreichte sie einen abgrund, dessen kanten scharf geschliffen waren von bruder wind. dort ging es tief und steil herunter... und dem horizont entgegen ersterckte sich dichtes baumwerk, welches noch kahl und spröde seine zweige dem verbleibenden sonnenlicht entgegenstrecken.
Ihr gesicht glühte rot und all die geschundenen flecken schienen für einen augenblick zu verschwinden, die augen nicht mehr so tief in ihren höhlen zu sitzen... für einen kurzen augenblick war sie... "normal"...
Sie konnte den Wind hören, wie er leise sein zeitvergessenes lied ins ohr sang... und sie erinnerte sich, dass sie einmal seine sprache verstanden hatte.
der boden unter ihren füßen war weich... ganz weich.
ein dicker teppich von baumnadeln hatte sich auf ihm nieder gelegt. er war feucht vom schmelzenden winterfrost, aber im grunde hatte er sich nicht verändert - ja, sie war schon einmal hier gewesen.
hinter ihr lad das kleine nadelwäldchen, welches sie damals als unterschlupf gewählt hatte...
das dichte geäst machte aus dem übrigen roten licht der untergehenden sonne ein zärtliches spielchen... brach die straheln am boden und hinterließ dort helle flecken.

Die Kreatur wandte sich um und kehrte zurück in das wäldchen... berührte sachte die hellen flecken am boden und wühlte die feuchten nadeln auf. Die Nässe brannte auf ihrer haut - doch sie spürte es nicht...
Irgendwann richtete sie das gesicht wieder gen himmel... ein tiefer himmel aus vernadelten ästen...
und plötzlich spielte sich ein kurzes, freudloses lächeln um ihre geschwärzten, toten lippen...
~Ich erinnere mich... ich erinnere mich.~

"Ich erinnere mich..."
die worte kamen leise, zerstückelt und schmerzlich aus ihrem munde... die langen fänge hatten sie an keinem zeitpunkt mehr beim sprechen gehindert als jetzt... und irgendwie hatte sie fast vergessen was die verbale sprache bedeutet...

Im nächsten augenblick, warf sie wieder einen blick zu der sonne, deren letzter zipfel gerade verschwand... und finsternis hinterließ.
und sie sank wieder auf alle viere hernieder.
Ein grollen entrang sich ihrer Kehle.
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Nutzer: Friedhofsgeiger
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geschrieben am: 01.03.2004    um 21:17 Uhr   
Brauchst du die Sonne um dich zu erinnern? Ich bin doch selbst nur ein Schatten und kann kein Licht dir bringen. Aber vielleicht, vielleicht erinnert dich mein Schatten an die Sonne. Denn Schatten ist doch nur Abfall des Lichts, des Sonnenlichts. Und manchmal strahlen die dunkelsten Helden im hellsten Licht.

Er war schon lange nicht auf einer Reise gewesen in diesen magischen Gefilden. Als Menschlein ohne Waffe, da reiste es sich bekanntlich gefährlich. Einen Dolch hatte er zwar unter dem langen Stoff des Mantels verborgen, aber was nutzte dieser einem gegen all die Dämonen die dort lauerten.

Der Musikus, der seinen eigenen Namen verleumdete, spielte auf seiner Reise auf vielen Friedhöfen und die Menschen gaben ihm wie immer reichlich.

Er spielte oft und spielte lange, rührte zu Tränen selbst die Lieblosesten am Grab des Ungeliebten. Die Menschen waren innerlich erleichtert doch für den Verstorbenen ein paar Tränen abzugewinnen, dabei wussten sie nicht, dass sie für und um den Musikanten weinten. Denn jede Träne war ihm mehr wert als jede Münze, die ihn seinem Hut landete.
Mit jeder Note erzählte er seine eigene Geschichte, erzählte sich selbst und übertraf sich auch wenn er einsam spielend durch die Wälder, Felder und Ebenene schritt.
Seine Zeit in der Hütte, als das Ticken doch so laut war, war ohne jegliche Musik abgelaufen. Jetzt, da übertönte die Musik das Schlagen der inneren Uhr, die das Ende noch nicht einläuten wollte, und war ein Ventil für die Sehnsucht des hageren Mannes.

Die letzten Sonnenstrahlen senkten sich an diesem Tag der Suche. Golden ließ die Abendröte die Bergspitzen in der Ferne schimmern wie Vorboten der letzten Hoffnung. Kurz blieb der schwarz Gewandete stehen, hob den Hut für einen Augenblick vom Kopf um das schwarze glatte Haar die Schultern hinab fallen zu lassen. Die Züge des Mannes waren hart und spitz, nein, er war kein schönes Exemplar seiner Rasse. Allein die Narbe, die sich vom Hals über die Wange hin erstreckte. Das Kinn spitz, die Wangen eingefallen, die Nase so wie auch das Kinn. Aber es lag dem Musikus ein Zauber inne. Vielleicht war es das innere Licht, welches aus der Dunkelheit erstrahlte, vielleicht war es auch der Funken Hoffnung in ihm.

So hatte er also nach einer ganzen Weile das Wäldchen betreten, in dem sich Feraz versteckte. Es war zuerst nur das Klicken, als er den schwarzen Kasten öffnete, der viel mehr der Aufbewahrung des Inhaltes diente denn der Zier. Die letzten Sonnenstrahlen, die noch durch den schlafenden Tannenwald fielen, verfingen sich in den Saiten des Geigerbogens, den er zückte wie ein Schwert. Es waren diese Sekunden der Ruhe die vergingen, bevor dann die hölzerne Geliebte an seinem Kinn und an seiner Schulter begann wohligst aufzuseufzen bei dem ersten gespielten Ton. Noch wusste der Musiker nicht, dass er ausgerechnet hier die Möglichkeit bekommen würde zu finden, was er suchte, aber er spielte wo immer er auch hinkam, damit sie ihn denn hören konnte.
Das Lied war stets das selbe. Er hatte es nicht extra komponiert, sondern ließ das sehnsüchtige Herz spielen. Der Gesang des Instruments legte sich wohlig über den Wald und war Schlaflied und Liebeslied in einem. Die dünnen Finger des Geigers glitten über die Saiten als brauche er dafür keine Anstrenung. Und auch wenn er nur ein Menschlein war, so besaß er doch das Talent mit Noten zu spielen, die aus den Träumen geschnitzt worden waren. Ein jeder Ton perlte in seligem Seufzen von den weißen Saiten herab um dem Waldboden den Schlaf zu versüßen.

Hörst du es, Feraz? Das Lied, es erzählt von dir...
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Nutzer: Gast_Feraz
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geschrieben am: 01.03.2004    um 22:48 Uhr   
Und wie sie es hörte... wären ihre Ohren länger gewesen, so hätten sie animalisch gezuckt.
Aber noch war sie nicht so weit vollends zum tier zu werden... da war noch immer ein funken jener menschlichkeit in ihr, die sie stets bewahrt hatte, an die sie sich stets geklammert hatte um nicht dem zu verfallen, was sie seither verachtete...

Zusammengerollt in einer astgabel hob sie jäh den KOpf als die Saiten begannen eine Geschichte zu erzählen...
Die süßen, zarten Töne, die damals alle ihre Wunden zu heilen gewusst hatten, drangen in ihr hohles Hirn, spielten dort einen Tanz mit ihrem eigenen Echo auf... und sie trafen auch jetzt die Wunden, die in ihrer Seele klafften.
Der schmale Leib zuckte zusammen und krümmte sich als salz in das offene geistesfleisch geschüttet wurde und ein glimmen in den hellen augen war ein weiteres indiz dafür, dass das spiel des geigers erhört worden war.
wieder entrang sich der kehle ein grollen... nein, ein fauchen diesmal...
Wütend fuhr der Kopf der Kreatur herum... die strähnigen, verklebten haare fielen in das verdreckte gesicht, verzerrt von zorn und hass... gab es noch etwas anderes? Worte wollten nicht kommen...
und doch.
~...musik... musik... ich kenne dich.... bist du der tod?~

das wesen sprang hernieder von dem aste, landete lautlos auf allen vieren auf dem boden von baumnadeln...
der mond schien mitlerweile und beschrieb eine hälfte. kalt warf er sien licht fleckenweise durch das löchrige geäst.
jagen... ja... sie war nun auf der jagd.
noch waren die glühwürmchen nicht erwacht... viel zu kalt war es. doch wären sie hier gewesen, so hätten sie sich entsetzt zurück gezogen vor dem pirschenden übel nahe am boden...
langsam kroch es näher hin zu der spielenden gestalt, näherte sich ihr im rücken.

~tod? süßer tod... du seist mit willkommen... spiel mich in den schlaf...~

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Nutzer: Friedhofsgeiger
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geschrieben am: 02.03.2004    um 00:07 Uhr   
Bin ich der Tod? Die Gestalt, deren Mantel vom sachten Wind, den letzten Atemzügen des Winters, aufgeweht wurde, ein dunkler Engel? Den Teufel selbst stellt man mit der Geige in der Hand dar und auf den Stichen und Bildern tanzt er zu seiner eigenen Todesmusik auf den Füßen eines Bockes.
Nein, ich bin fern von Tod, fern von Teufel, denn mein Lied erklingt dem Licht entgegen. Die Noten, die herabperlen aus dem Instrument, sind nur Tränen, in denen ich uns beide ertrinken lassen werde. Schau den Musikanten an: Er blutet und doch kannst du sein Blut nicht sehen.

Nur die dünnen Lippen, die der Frost nicht verschont hatte in seiner Rauheit, wurden beschienen von den Flecken, die das Mondlicht übrig gelassen hatte. Das Grinsen, welches er sonst doch trug mit dem gebliebenen Stolz wie auch seine Geige, es war nicht vorhanden. Der Hohn war nicht sichtbar, denn im Moment könnte er nur sich selbst verhöhnen.

Sieh an, der verirrte Musikus. Die Dunkelheit schmeckte ihm nicht, das Licht will ihn nicht empfangen und so irrt er umher auf der Suche nach... nach Frieden, nach ihr und nach dem Herzklopfen, welches die Stille überwinden konnte.

Auch die Augen, klarer als Kristalle, blieben verborgen hinter dem Schatten, den die Hutkrempe warf, und den Lidern, die sich in der Konzentration gesenkt hatten.

Die Glühwürmchen, sie fehlten ihm, wie es auch die Grillen taten, diese meisterhaften Geigenspieler an deren Perfektion er nie kommen würde. In seinem Moor, da verneigte er sich stets vor den Geräuschen der Natur..

Und jetzt, was willst du jetzt tun, Feraz, wenn die Geige doch deinen Namen seufzt und die Töne dir Gedichte über dich zukommen lassen. Da steht der Ursprung dieses Teufelspiels und hat dir den Rücken zugekehrt. Ein schmächtiges Menschlein und doch besaß er, auch wenn man es nicht offensichtlich sah, den Willen ganze Königreiche zu Fall zu bringen. Den Willen...

Komm zu mir, Feraz. Ich will dir sagen, dass ich nachts deinetwegen wach liege. Wie wenn wir diese Pracht ohne zu stillen in uns ertrügen? Und der Augenblick vergeht, es vergeht noch auch der nächste wie der Flügelschlag der aufgescheuchten Krähen am Nachthimmel.

Der Namenlose blickte auf, aber er unterbrach nicht das Spiel, nein, er passte es den Gegebenheiten an und das Lied ließ einen sich schwarze Schwingen wünschen..


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(So, erstmal gut für heute, ich brauche Schlaf ;) Guten Nacht, Süßes knutsch)
Geändert am 02.03.2004 um 00:07 Uhr von Friedhofsgeiger
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Nutzer: Gast_Feraz
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geschrieben am: 02.03.2004    um 17:56 Uhr   
Sie hielt inne, keine zehn Schritte von dem Spielenden entfernd. Und sie starrte ihn an. Ihre augen waren riesig für den Moment, starr, tot und erfroren. Winzig schien die ergraute Pupille in ihnen, blind und verloren. Ja... Ihre augen waren Blind. blind wie die eines toten Fisches. Und trotzdem sahen sie - vermutlich besser as manch ein menschenaug.
Irgendwann fuhr ein zucken durch die vereisten Züge und innerlich schrie sie auf. Kein schmerzlicher schrei... es war eher ein erelcihertes seufzen, als hätte man eine enorme last von ihre genommen unter welcher sie stück für stück zerbrochen war.
Verkrümmt presste sie die Lider aufeinander und legte den KOpf in den Nacken. Dabei sank sie zurück auf den feuchten boden.
Ruhig saß sie da, war wieder die statue aus weißem marmor, die sie auch vorher gewesen war... kalt, unbeweglich und dennoch lebendig. Von ihrer würde, ihrer kindlich anmutenden schönheit war wenig geblieben... sie sah eher jämmerlich aus. und doch... da war zumindest etwas, dass wieder SIE war und nicht das monstrum welches ihren Geist und ihren Hunger bestimmt hatte.
Ein Flecken Mondlicht hatte sich auf ihr Haupt gelegt, rein und weiß... wie der schleier einer braut.
sie seufzte lautlos... hatte sie nicht damals genauso geseufzt, als er gespielt hatte für den dämon?
Kaltes Mondlicht auf weißer haut... es vertrieb optisch jeglische verschmutzug, jegliche wunde...
es wusch rein.
Sie krümmte sich vor.
spiel weiter, menschlein... spiel weiter für mich.
spiel mir mein wiegenlied.
Wie habe ich dich vermisst, Bruder..
Sie hob eine dreifingrige klauenhand, ihm entgegen... die todbringenden Finger bebten.
Wieder wollte sich ein knurren über ihre Lippen zwängen, doch sie ließ es nicht zu und blieb stumm.
~Still... still... ich will hören... ich will hören... es erinnert mich an etwas.~



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Nutzer: Friedhofsgeiger
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geschrieben am: 02.03.2004    um 20:49 Uhr   
Ja, das sind wir, nicht wahr? Wir sind Geschwister, die nicht die selben Eltern hatten.

Der hagere Musikant ist stehen geblieben und die Siluette, die der Mond nicht erstrahlen lassen wollte, wirkte selbst wie ein toter, dürrer Baum, den der Winter schlafen gelegt hatte. Schlaf, zu lange hatte er sich diesem hingegeben. Die dürren Bäume würden bald aus dem Winterschlaf erwachen und er selbst, er war nur ein wenig vorher erwacht.
Schon bald würden die faden Mondfäden nicht nur die fahlen Gesichter der zwei Erinnernden erleuchten, sondern auch die ersten Knospen in den Bäumen küssen.

Er war stehen geblieben, denn die Musik hatte ihn gefangen genommen, die Ideenpracht, die in seinem Kopf herumschwirrte. Er war ein Sklave und formte sich seine Ketten von nun an selbst. Sie waren nicht aus Eisen, nicht aus irgendwelchen Metallen noch aus magischen Bänden, er trug Ketten aus perlenden Noten.

Keine Wolkenschatten trübten das Nachtlicht und kein Geräusch traute sich das Spiel zu unterbrechen. Es war Winter, aber wäre es auch Frühling, Sommer oder Herbst gewesen, man hätte keinerlei Insekten oder anderes Getier vernommmen. Denn die Ohren der Fauna waren noch feiner als die der Menschen.

Und der, dessen Gehör doch so fein war, er wusste nichts von dem lauernden Schattenlicht, von den Irrlichtern in seinem Rücken und doch konnte er sich dem Gefühl nicht verschließen, dass die Suche bald ein Ende finden würde. Ganz im Gegensatz zu seinem Spiel, welches erneut in wachsender Sicherheit aufflammte. Die Melodie war nicht unbekannt, denn sie beeinhaltete stets Passagen aus den Liedern, die er schon früher für sie gedichtet hat. Gedichtet, denn Töne konnten sich bei ihm so reimen wie die schönsten Worte und Bilder waren lebendiger, wenn man ihre Melodie erkannte.

Bist du meine Braut, so lass mich dein Bräutigam sein.. hier, jetzt, und der Mond wäre unser Zeuge, der Wind würde unseren Walzer spielen.
Oder seien wir Geschwister, es ist mir einerlei, aber lass uns beide wieder SEIN und nicht mehr im Schatten unserer selbst wandeln.




Es dauerte eine ganze Weile noch -oder war es nur ein Augenblick vielleicht? Nur das kurze Heben und Senken der Lider?- bevor das Spiel seinen Abschluss fand, seinen Höhepunkt und die Geige ein letztesmal wohlig seufzte, bevor der Bogen hinabglitt von ihren Saiten und der Geiger den rechten Spielarm ausstreckte ins Nirgendwo. Er lauschte noch den Augenblick, bevor der Winterwind sich traute zu jubeln und zu applaudieren. Wie ungestüm er doch die Tannennadeln emporhob vom nassen Erdboden, nur ein Stück, nicht wirklich weit, aber so lobte er den Musikanten, der kein anderes Talent besaß außer das eine wertvolle.

Dann war da dieses Geräusch, das verborgene Geräusch als die schmalen Lippen sich öffneten, so als hätten sie es ewig nicht mehr getan, so klebten sie spröde aneinander. Sie lösten sich, lösten sich mit nur einem Wort.


Feraz?

Wohin mag der Wind das Flüstern tragen?
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Nutzer: Gast_Feraz
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geschrieben am: 02.03.2004    um 21:51 Uhr   
Sie scharrte im boden als der wind ihr das kleine wörtchen zuwehte und es vor ihr in den dreck fallen ließ.
Sie starrte auf den Namen hernieder - Ihren eigenen Namen - und versuchte ihn zu entziffern.
Stets hatte sie sich an eine Devise gehalten: Ein Name allein sagt nicht viel... ein Name kann verändert und vergessen werden. Ein Name ist eine Lüge und ein Zeichen der Vergänglichkeit.
Doch genau das war es, dass sie jetzt brauchte... etwas vergängliches um sich an das vergangene zu halten... eine lüge, irgendetwas dass ihr dabei half sich nicht selbst zu entgleiten.
Sie starrte auf den Namen nieder.
Ihren Eigenen Namen.
Eine Lüge?
Nein... viel mehr...

"...Feraz..." würgte sie hervor. Leise. Ganz leise. Fast wie ein Echo, das der Wind abermals mit sich nahm.
Sie sah dem Echo hinterher und ihr Blick fiel zurück auf den Spieler.
Ja...
Sie erinnerte sich an ihre erste begegnung mit diesem gehemnisvollen, faszinierenden Mann, der ihr Herz im Nu eingenommen hatte... der Fremde, der es geschafft hatte ihr Vertrauen so rasch zu erhalten, wie es bislang noch keiner geschafft hatte. Trotz seiner seltsamen Art.
Ja, das war es... sie waren beide "anders". Das war es, was sie verband. Zwei Kinder, von der Ironie des Schicksals geprägt, zwei Kreaturen, die nicht zu ihren eigenen Leuten gehörten.
Sie war einst von ihren Brüdern und Schwestern durch den Tod und schließlich durc den Verfall der eigenen Heimat getrennt worden... Ihre Artgenossen waren willenlose, Blutgeile Monster die nur ihrem Hunger entgegenstrebten... der Grund, washalb sie ihresgleichen und sogar sich slebst verabscheute und das bisschen Menschlichkeit in sich hingegen sehr schätzte. Er war schon von klein auf nirgends zugehörig... allein, verschmäht und gequält bis schließlich die gier nach neuem zu groß wurde...
und nun? sie war dem gleichen wahn verfallen wie ihre Geschwister und er war eine einsame seele, genau wie sie.
Was blieb da noch außer der bittersüße Geschmack des Vergagenen.
Ja... bittersüß. Das war der Geschmack von Leben.
Wie lang war es her, dass sie es geschmeckt hatte?
Sie erinnerte sich an die Philosiphischen Gespräche mit dem einzigen Menschen, für den sie mhr verehrung verspürt hatte als jemals für ihren meister.
Sie hatte ihn geliebt, mit der eifersucht einer liebenden frau und auch mit dem ehrgeiz einer miebenden schwester.
Und eben jene ehrgeizige Liebe war es, die sie so lange am leben gehalten hatte.
Die Liebe zu ihm, die Liebe zu dem Hünen, der mit ihr das Lager geteilt hatte, die Liebe zum außergewöhnlichen... die Liebe zu den Leuten, die ihr nicht mit ekel gegenüber gestanden hatten.
Und dann hatte sie alles verloren.

Sie starrte den Rücken des Spielers an. Dachte an den teufel. Dachte an den Tod.
Und dann erinnerte sie sich an sein Gesicht.
Ihre Augen schienen einen Funken Leben zu beinhalten, als sie ihn so betrachtete und in einem Meer aus verzerrten überbleibseln ihrer Vergangenheit zu ertrinken drohte

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Nutzer: Friedhofsgeiger
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geschrieben am: 02.03.2004    um 22:55 Uhr   
Was erzählst du mir von Namen? Mir, der seinen Namen abgelegt hat, weil er nicht das Vergangene behalten wollte, der es ablegen wollte und nicht ertragen konnte dass sein Name, dem eines Erzengels glich. Bittere Erinnerungen, es brauchte nicht die Inquisition, manchmal reichte eine Hand voll aufgebrachten Pöbels.... Vater...

Manchmal verlor man Dinge auch nur, um sie neu für sich zu entdecken, so wie sie ihren Namen neu entdecken konnte

Feraz, bist du hier?
Dein Name war für mich nie die Lüge, er war die Offenbarung und die Wahrheit. Er sprach den verlorenen Namen so, wie er es immer gesprochen hatte, rollte das "R" und zischte sacht das "Z".Vielleicht als Hilfe zur Erinnerung....
Und das feine Gehör ließ ihn dabei den Kopf wenden, das Gesicht, gehüllt in Schatten und Lichtfetzen -das was die Baumwipfel von der Nacht übrig ließen- sah hin, hinüber wo er das leise Geräusch vermutete und jetzt musste er unwillkürlich schlucken, schon bevor er sie erblickt hatte.
Lass es Wolken aufziehen, ich will dich nicht so sehen und doch war ich nie glücklicher dich gefunden zu haben. Die Geige, die hözerne Geliebte, hielt er immer noch in der linken Hand, während immer noch der Bogen in der rechten lag.

Denk nicht an Teufel, denk nicht an Tod. Ich bin jetzt da und mein Name ist "Gott ist das Licht". Ich habe nichts göttliches an mir, mein Glauben ist erschüttert worden von denen, die in seinem Namen handelten und doch denke ich, dass man auch in diesen Wald Licht bringen kann.. einen kleinen Funken nur.

Ist es das Gesicht woran du dich erinnerst? Das höhnische Grinsen fehlte, aber er hatte es nicht oft in deiner Gegegnwart getragen. Dann zog er den Hut, offenbarte die spitzen, schon immer nicht gerade schönen Gesichtszüge und die lange Narbe und -was viel bedeutender war- das strahlende Blau der Seelenspiegel, auf die jemand die Sehnsucht eingraviert hatte.

Du hast nicht alles verloren, ich habe dir versprochen, dass, auch wenn alle gehen, ich da sein werde. Wie du siehst, ich halte meine Versprechen stets.
Halte dich nicht an dem fest, was vergangen ist, öffne die Augen für das was ist.

So trat er zwei Schritte vor und kniete sich zu ihr. Das Instrument hielt er immer noch in den Händen, weil der Geiger es einfach vergessen hatte. Er hat vergessen für den Augenblick dass er es noch in Händen hielt.
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Nutzer: Gast_Feraz
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geschrieben am: 03.03.2004    um 22:04 Uhr   
So verändert... so anders als früher. Und doch die gleichen Züge wie damals.
Ihr bleiches Gesicht schien ausgemergelt, nicht vor hunger sondern vor seelischer qual. Die weiße Haut war irgendwie... rissig. Ja, sie wirkte tatsächlich wie alter, weißer stein, ein bildnis eines künstlers, welches in vergessenheit geraten war, dort langsam von der zeit zersetzt...
Ihre glasigen Augen sahen den Spieler mit stumpfem Ausdruck an. Wie tief lagen sie doch in ihren verschatteten Höhlen... viel tiefer als einstmals. es verlieh ihrem gesicht ein gar knöcherndes aussehen. Die krusten von Dreck auf ihren wangen waren gesprungen wie ihre schwärzlichen Lippen.
Die wenigen Fetzen, die von ihrer Kleidung noch übrig geblieben waren, verhüllten nur wenig von ihrem zierlichen Körper. Harte Muskestränge, hier und dort verkrampft zuckend waren überall auszumachen. tiefe sprünge in der weißen haut... sie bildeten ein feines netz, ein interessantes linienspiel, welches keinesfalls hässlichen anzusehen gewesen wäre, würde man es nur unter anderen umständen betrachten.
ihr atem ging nunmehr flach und der rhytmus des Auf und Ab ihres brustkorbes hatte sich mit dem spiel der geige verloren.

So wenig hatte sich auf den ersten Blick verändert... schmutz und blut hatten schon öfters an ihr gehangen, nicht das war es, was sie so... missbildete.
das, was einem einen stich durchs herz jagte, war lediglich ihr antlitz... das schmale, kindliche gesicht, das einmal so hübsch, rein und makellos gewesen war.
die tiefe dunkelheit welche um die beiden irrlichter wucherte wie hässliches dorngestrüpp konnte einem gar furcht bereiten.

sie sah ihn schweigend an, jenen Mann, der ihr selbst jetzt so viel zuneigung gegenüber brachte.
sie war eine mörderin.
ein tier.
eine wahnsinnige.
und trotzdem begegnete er ihr nach wie vor mit der gleichen tolleranz wie eh und je.
hätte sie zu nachdenken vermocht, so hätte es sie sehr verwundert.

Nach einer weile streckte sie ihm eine hand entgegen.
darin schimmerte ein gegenstand matt im mondlicht auf.
es war das alpha und das omega, welches er ihr einmal aus einer scherbe ihres gestürzten schwertes gemacht hatte.
Das metallene symbol war ebenfalls blutverkrustet... eine dicke schicht machte es fast unmöglich noch eine blanke stelle auszumachen. nur der mond fand sie.
an den scharfen kanten hingen ein paar haut und fleischfetzen.

sie hockte da und hielt ihm stumm die hand mit dem anfang und dem emde hin.
schau her... ich hab es noch... es war stets an meinem herzen und hat mich geschützt. SIE hat es mir herausgerissen... es hat sie gestört, weißt du? ich wollte es nicht... ich wollte es wirklich nicht... verzeih mir... aber ich habe ihr nicht erlaubt es fortzuwerfen...

die andere hand legte sich auf ihre brust, dort wo die haut uneben war...
zwar verheilte ihr fleisch sehr rasch, doch diesesmal hatte es eine narbe gegeben, die ein gutes stück unter dem schlüsselbein begann und sich am brustbein entlang zog.
und weiter hielt sie ihm in wortloser demonstration das geschenk hin, welches er ihr einmal gemacht hatte, schei fast stolz...
das weiß ihrer augen schien fast ein stück größer.



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Nutzer: Friedhofsgeiger
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geschrieben am: 05.03.2004    um 17:58 Uhr   
In ihm kämpfte das Entsetzen und das Mitleid mit der Freude und der Hoffnung einen bitteren Kampf und am Ende triumphierte ein trauriges Lächeln. Die Schritte es Musikus führte ihn zu dem Wesen dort am Boden, näher, immer näher dran.
Die Nadeln seufzten unter den schweren Stiefeln auf, in denen die schwarze Hose aus Stoff endete. Ein Spielmann ohne Farben, ein dunkler Harlekin, der nichts mit seinem Berufszweig gemein hatte. Schließlich spielte er nur auf Friedhöfen..

Bist du eine Mörderin, so würde ich von niemanden lieber getötet werden als von dir. Und bist du ein Tier, so wäre an meinem Kamin stets ein warmer Platz für dich frei, denn auch du brauchst Wärme. Bist du die Wahnsinnige, so glaube mir, dann sind wir uns gar nicht unähnlich in diesem Moment. Denn ist es nicht Wahnsinn eine so lange Reise zu tun nur um eine Person, ein Wesen zu finden?

Der Vergessene hatte die Anstrengungen der Reise bis vor ein paar Augenblicke noch deutlich in Knochen, Muskeln und Fleisch gespürt, aber jetzt war das für den Augenblick vergessen. Solange vergessen, bis der Schlaf ihn niederstrecken würde mit der Keule aus verdrängter Müdigkeit. Aber noch war es nicht soweit.

Ja, er erinnerte sich zu gut an das selbstgemachte Geschenk für Feraz... damals als ihr liebstes Schwert zerbrochen war. So griffen die Hände des Schöngeistes -nie hatte er mit den feinen Händen wohl schwere Arbeit verrichtet- nach dem Alpha und Omega in einem, nahmen es in die Hand um es kurz zur Faust zu umschließen. Es war nur ein Augenaufschlag, bevor er sich dann dran machte mit den eigenen kurzen Nägeln die Schickt aus Blut und totem Fleisch zu entfernen von dem silbrigen Schmuckstück. Er sprach kein Wort, war aber sehr genau in seiner Arbeit.

Inzwischen kniete er bei ihr, wobei nur das rechte Knie auf dem nassen Boden lag. Wie ein Ritter vor seiner Königin.
Als er es gesäubert hatte und der Dreck nun hinter seinen Nägeln steckte, reichte er es ihr, hielt es ihr ebenso wortlos hin.

Einzig zu ihrer Narbe sagte er etwas


Was hast du denn da gemacht?

War jetzt nciht einfach alles so wie immer? Schon einmal hatte er doch mit den Fähigkeiten eines Menschlings sie geheilt und sie hat ihn damals dafür verflucht. Das Lächeln war wie damals so, wie es nur wenige sahen. Einfach nur sanft mit einer versteckten Traurigkeit.
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geschrieben am: 06.03.2004    um 22:39 Uhr   
Wie immer?
Ja... wie immer...
Es wäre schön, wenn es doch so wäre.
Eine Antwort auf seine Frage jedoch bekam er nicht... nur schweigen. schweigen war das einzige, was sie noch konnte, wie es schien. Konnten die toten nicht auch nur stumm abwarten bis sie vor das jüngste gericht geführt wurden?

Versträndnislos betrachtete sie seine hand in der das nun wieder matt schimmernde schmuckstück lag. ihr blick war abgestumpft. Dann knurrte sie plötzlich leise und fauchte den treusten aller Ritter, den Ritter von der traurigen Gestalt, argwöhnisch an.
Ein flackern in den blassen Augen deutete der erneuten Welle an wahn.
Weg! Fort! Lass mich allein!
Ihr Atem war ein leises todesröcheln - nicht das ableben war es, was es zu dem machte, es war das böse knurren.
gleichzeitig durchfuhr ein eisiger windstoß die fetzen ihres kleidung und schlug dem spieler hart ins gesicht.
erinnerte er sich noch daran, wie sie ihm damals die luft aus den lungen geraubt hatte?
nunmehr war sie viel zu primitiv um es wieder zu tun... jedoch konnte ihr emotionszustand andere dinge vollbringen.
Sie wich vor ihm zurück, und hätte sie ein fell gehabt, so hätte es sich nun gesträubt. würde sie nun weglaufen, vor ihm flüchten? Würde sie ihn wieder verlieren, oder er sie?

Nein... ein paar schritte weiter verharrte sie wieder und das knurren verstummte.
sie sah ihn an. und wieder auf das schmuckstück in seiner hand.
alpha und omega... diese begriffe machten erst in diesem augenblick einen sinn... und doch vermochte sie nun nichtmehr diesen zu verstehen. Oder etwa doch?
Ihr Blick klärte sich ein wenig auf. Und wieder wanderte ihre Hand zu der narbe auf ihrer Brust.
Damals, noch bevor man ihren stolz gestohlen hatte, wäre ihr diese erinnerung an ihren liebsten freund und an ihr liebstes schwert verlorengegangen... entrissen, genau so brutal genommen, wie das einzige, was sie davor bewahrt hatte so... wie jetzt zu werden. Um dem vorzubeugen, hatte sie damals ihre haut zerschnitten... hinunter bis auf den knochen, um dort die metallscherbe einzusetzen, aufdass sie ihr nie wieder genommen werden konnte.
und nun?
nun hatte sie wieder etwas verloren... es war jetzt so weit weg... so unendlich weit weg.

Lange starrte sie auf die Hand mit dem schimmernden bruchstück ihrer klinge.
dann kauerte sie sich zusammen und weinte ein paar stumme, dunkelrote tränen.
Mein liebster Geiger... ich wollte nicht dass es so weit kommt....
stirb nicht... strb nicht. bitte.... bitte... bitte...
immer wieder bitte...
sie barg den kopf in beiden händen und begann sich die haut zu zerkratzen und an den haaren zu reißen.
zarte, purpurne striemen zogen sich über ihr gesicht und schlossen sich wieder, als hätte es sie nie gegeben.
nein... nein... bitte, bitte nicht... bleib hier... bleib hier...

All das spiele sich hinter den schlimmsten mauern die es manchmal geben kann ab: dem eigenen schädel.
Sie erinnerte sich an den Spielmann, der ihr soviel gezeigt hatte und eines der dinge gewesen war, die sie am leben gehalten hatten. Und dennoch... sie spürte, wie er ihr entglitt, stück für stück... und sie wollte es doch nicht... wenn er nun auch fort ging... fort... wie alle die sie je gekannt hatte... fort... wie sie sich selbst langsam verlassen hatte.
nein... sie konnte es nicht ertragen. lebt man nicht so lange noch jemand da ist der einem gedenkt? Und wenn sie nun auch ihn vergaß... sein tod würde auch den ihren bedeuten... denn dann würde sie sich selbst vergessen und vollends an das monster, das Tier, abdanken.
Sie würde es nicht verkraften ihn sterben zu sehen...

Und das war der zeitpunkt, an dem sie bemerkte, dass sie die worte, die sie in sich laut herausschrie auch außerhalb ihres mundes eine form angenommen hatten.
verzerrt durch verzweifeltes würgen und schluchzen, und dabei gepaart mit animalischem knurren wimmerte sie, immer wieder und wieder

"Bitte... bitte... bitte... Nicht... Bitte nicht... "
Ihre finger hinterließen lange keine striemen mehr auf ihrer haut, denn sie hatten sich in das dünne fleisch ihrer wangen geschlagen. ihr haar klebte, stellenweise nass von frischem blut - ihrem eigenen blut - an ihrer kopfhaut.
Jämmerlich. jemand, der seine würde verloren hat, ist warlich ein armes geschöpf.
und dabei hatte sie doch stets fremdes mitleid abgelehnt.



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geschrieben am: 09.03.2004    um 17:51 Uhr   
Vielleicht musste es nicht wie immer sein, vielleicht sollte es ja nicht wie immer sein. Anders und sogar besser, das wünschte sich der Musikus, der -welch süße Ironie- vor einem Teil seiner Menschlichkeit kniete. Vor dem Wesen kniete, welches doch schon selbst beinah keine mehr besaß.

Knurre nur, jaule, murre und beiße. Ich werde nicht den weiten Weg gemacht haben um mich von solchen Geräuschen nur abschrecken zu lassen... nein, damit ich gehe, da benötigt es weitaus mehr. Das einzige Geräusch, welches mich von dir wegbringen würde, wäre der Knall wenn der Himmel auf die Erde niederfällt. Und dann wäre ich dennoch hier...

Noch nie war der Geiger so entschlossen wie in diesem Augenblick. Es war töricht, würden viele sagen, aber er glaubte nicht daran, dass Feraz, seine Feraz, ihm etwas antun würde. Dass sie es könnte, darin lag kein Zweifel, aber die Gedanken waren doch zu weit entfernt davon.
Der Schwarzgewandete und Weißbeseelte in einer Person wusste auch bei ihrem zurückweichen, dass sie nicht vor ihm und seiner Entschlossenheit, seinem Willen, fliehen konnte. Sicher, sie könnte laufen, aber sich nicht lange verstecken..
Meine liebste Feraz, weine doch nicht die kostbaren Tränen. Wieso weinst du denn? Weinst du um mich, um meinetwillen? Nein, tue das bloß nicht. Aber weinst du um dich selbst willen, dann werde ich mit dir weinen, wenn du es möchtest.

Schnell rückte er näher und hielt ihre Hände an den Handgelenken fest... Nein, mach das nicht. Seine Hände waren nicht stark, aber sein Wille war es, als er dann das schreiende, blutende Bündel näher zu sich zog, die Arme um Feraz legte mit sanfter Gewalt.
Ihre roten Tränen, vermischt mit dem Blut ihrer Haut, legte sich auf den schwarzen Mantel, benetzte den rauhen Stoff und er würde sie jetzt nicht freiwillig loslassen...

Was soll ich nicht tun? Was soll dir nicht getan werden? Bitte nicht? Du könntest sovieles meinen und so antwortete der Spielmann mit dem Satz, der auf alle Möglichkeiten als Antwort passte:


Ich bin ja da und lass dich nicht mehr alleine.

Ein Flüstern nah an ihrem Ohre und jetzt würde er sie erst recht nicht loslassen, auch wenn sie sich denn wehren sollte.
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Nutzer: Gast_Feraz
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geschrieben am: 26.03.2004    um 16:02 Uhr   
Als sie merkte, dass sie festgehalten wurde ließ sie ein fauchendes knurren vernehmen... sie wollte sich weh tun... sie MUSSTE sich wehtun... nur der schmerz zeigte ihr, dass ihre seele noch in ihrem körper weilte... nur der schmerz zeigte ihr, dass sie noch irgendwie da war.
keine durfte sie daran hindern sich zu verletzten... keiner!!
Wütend schnappe sie nach dem gesicht dieses dreisten kerles der sie festhielt... ein flackern in ihren augen kündete abermals vom wahnsinn...
Ich bin noch da, hörst du?? Ich bin noch da!!
Sie wand ihre Hände in dem Griff des spielers, schlüpfrig wie ein fisch vor lauter blut.
Sie schrie zornig auf, als ihre Mühen nichts nutzten, doch ihr krieschen wurde zu einem röchelnden, halb erstickten quietschen.
irgendwie... irgendwie war sie doch menschlicher als man annehmen konnte. sie glich einem kleinen kind, das seinen willen nicht sofort bekam.
und dann... dann spürte sie seinen körper. seine wärme.
oh, wie köstlich war es doch, die hitze des lebens auf der haut zu spüren... sie erstarrte, verstummt, als hätte sie jäh ihr leben ausgehaucht. sie zitterte wieder als sie den herzschlag des menschleins in ihrem ohr vernahm. gier flammte hiner ihrer stirn auf.
ja... frisches blut... ein schlagendes herz... ich will es! Ich will es!!
Und da schloss sie die augen, die stimme einfach ignorierend.
sie kannte diesen herzschlag.
sicher... jemand der oberflächlich war konnte sagen, dass jedes herz den gleichen monotonen klang hatte.
aber nicht umsonst gab es den spruch "mein herz schlägt nur für dich", oder?
sie hörte die melodie seines herzens nun mindestens genau so deutlich, wie vorher das spiel seiner geige.
stumm drängte sie sich an seine brust. still. stumm.
vollkommen ruhig. für den augenblick war wieder alles so, wir früher... am moor, im wald, wenn sie sich getroffen hatten.
erinnerst du noch, wie wir die waffenkammer ausraubten?

Zwischen den beiden kroch ein grüner sproß aus der erde. es war eine kleine krokusblüte. sie wollte ans licht. sie wollte an die luft. sie wollte leben.

Geändert am 26.03.2004 um 16:12 Uhr von Feraz
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