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geschrieben am: 30.08.2004 um 14:04 Uhr
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Es flüstert, es raschelt, es zischt mich an, verspottet mich mit feurigen Zungen. Ich weiß nicht mal wieso ich es entzündet habe, denn meinen Körper wird das Feuer ohnehin nicht zu wärmen wissen... Aber manchmal denke ich, ich kann in der Glut deinen Blick ablesen, das wilde Funkeln von einst...
Das Kaminfeuer brannte in kleinen züngelnden Flammen vor sich hin, verteilte die Wärme in der kleinen Hütte, sodass die Kälte des lauen Sommerabends weichen musste. Die gefrorene Hand des Musikus warf noch den letzten Holzscheid und fütterte die Glut, die sich auf das Holz stürzte wie die Geier auf das Aas. Die zierliche Hand eines Künstlers, keines Arbeiters, blieb noch ausgestreckt, folgte der Wurfbahn des Holzes auch wenn es schon längst gelandet war.
Wie soll ich es allein durch die Nacht schaffen, wenn deine Augen mir nicht den Weg leuchten? Komm, nimm doch meine Hand, sie ist kalt geworden. Nimm mich an der Hand und ich werde dich schon führen.. führen ins Nirgendwo und ins Überall.
Der Blick blieb an der ausgestreckten Hand haften. Den Himmel im Blick und doch getränkt mit blutigen Adern der Schlaflosigkeit. Die spitzen Züge des Musikus verschärften sich, die Augen wurden zusammengedrückt um die Lebenslinie auf der Hand zu beobachten. Die Hand wurde zur Faust geballt, wurde wieder geöffnet. Ob sich die Linie änderte? Die feine Hand, beinah die einer Frau, hatte nie schwere Arbeit verrichtet. War stets nur zum Musizieren benutzt worden. Und doch waren die Linien verschoben, ein wildes Durcheinander aus vergangenen Momenten. Verschobene Notenlinien, ganz frei von Melodien.
Wie tief habe ich mich ins Tal verlaufen. Verlaufen obwohl ich dir den Weg zeigen wollt.. Und jetzt? Jetzt verharre ich im stillen Gebet, dass uns schwarze Schwingen wachsen um aus dem Tal uns zu erheben. Meinst du, der Himmel über uns könnte je blau anstatt grau sein? Ich ertrage das Grau nicht mehr.
Grau wie die Asche, die sich im Feuer bildete. Vom Tisch aus, an dem der hagere Mann in Schwarz saß, wanderte die Augen zu dem letzten Aufleben des Feuers. Diesem Element hatte er noch nie viel abgewinnen können bis er feststellen musste, dass in ihm auch ein längt erloschen geglaubtes brannte...
Eingebrannt hat sich dein Name in mein Herz, Feraz. In schönster Schrift bemalte man mein Innerstes und ein jeder Gedanke an dich lässt die geschwungenen Buchstaben aufleuchten, verzehrt das Fleisch mit seiner Hitze. Es treibt mich in den Wahnsinn, diese Suche, diese Träume. Die Asche meiner Hoffnung, die Asche meiner Bemühungen...
Immer wieder die Suche... Suchen, finden, verlieren. Suchen, nie gefunden haben, immer wieder verlieren. Und auch wenn den Musikus die Hilflosigkeit quälte, so wusste er doch, er würde bald wieder aufbrechen. Das mussten ihm die Schatten an der Wand nicht erst zuflüstern, die vertrauten Freunde. Längst wusste er es schon selbst.
Des Menschens Herz besitzt nicht die Kraft auszuharren, in der Asche die Hoffnung zu suchen... nicht ohne von der eigenen Hilflosigkeit zerdrückt zu werden. Das eingefallene Gesicht spiegelte sich in dem Glas vor ihm. Er hatte es aufgestellt wie den Teller. Der Geiger tat es immer wieder und doch aß er nichts, trank fast nichts bis es ihn zu sehr quälte.
Draußen begann es zu regnen und in feingliedrigen Fingern klopften die Tropfen an die Scheibe. Ganz blass war die Nacht vom Regen schon. Komm, komm, es wird Zeit...
Und wenn ich dich finde? Wieder finde? Ich werde dich sehen, werde dich umarmen können und doch werde ich dich nicht berühren können. Was lässt das nicht zu? Was hat das mit dir gemacht? Kann man es mit etwas Mut und einer Melodie im Kopf bekämpfen? Ein Schwert besitze ich nicht, noch die Kraft es zu halten. Ach, Feraz... wo bist du, wo kann ich dich finden, wie dich erreichen?
In einer Woge der Wut -man verzeihe es dem Menschlein- landete das Glas, der Teller auf dem Boden. Gesellte sich zu den anderen Scherben, die im erlischenden Feuerschein noch das letzte Licht auf die Wände flackerten. Zerdrückt wurden die großen Scherben unter den schweren Stiefeln, seufzten noch ein letztes Mal auf als Abschiedsgruß für den, der sie zur Ruhe gebettet hat...
Die Tür fiel zu.
Der Regen begrüßte den dunkelen Eindringling mit einer kalten Umarmung.
Ich habe mich von den Schatten an der Wand ebenso wenig verabschiedet wie es von dir getan habe. Aber das hole ich noch nach. Wirklich, ich hole es noch nach... Wenn ich dich finde, dann verabschiede ich mich von dir. Meine Kraft reicht nicht aus um dir zu helfen, reicht nicht aus um dich zu erlösen. Aber sie reicht noch dazu aus dich zu finden... Wo bist du, Feraz?
Und irr klang der Schrei in die Nacht hinein, erschreckte den Wind, der auch keine Antwort wusste auf die gestellte Frage: Wo bist du, Feraz?
Wo bist du nur hin? |
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