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Bohrschlußpanik?! |
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geschrieben am: 08.02.2002 um 20:20 Uhr
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Schachzüge im Mittleren Osten
Hans-Dietrich Genscher nannte – ohne zu scherzen – die Strategie der amerikanischen Außenpolitik vor wenigen Jahren einmal eine »Gemengelage von Idealismus und Interessenpolitik«. Welchen Zwecken die heute von Washington praktizierte ideale Interessenpolitik dient, erklärt das isw-spezial »Krieg ums Erdöl«. In den vier Kapiteln des Heftes beantworten die Autoren Fred Schmid und Conrad Schuhler folgende Fragen:
Warum liefen die Vorbereitungen für den amerikanischen Überfall auf Afghanistan praktisch seit dem 12. Februar 1998?
Wie lange werden die weltweiten Erdölvorkommen nach heutigen Schätzungen noch reichen?
Wer hat die Nase vorn beim Run aufs Öl am Kaspischen Meer?
Und warum wollen die USA den gesamten Mittleren Osten in ein Heerlager verwandeln?
Die Ölquellen der Nordsee werden in ungefähr zehn Jahren nicht mehr sprudeln. Spätestens dann muß das Öl aus den Feldern um das Kaspische Meer, das Kaspi-Öl, so reichlich in die Volkswirtschaften des Westens fließen, daß die OPEC mit ihren Preisforderungen nicht allzu »unverschämt« werden kann. Was um so wichtiger sein wird, als der weltweite Verbrauch, auch infolge der Industrialisierung Asiens, permanent steigt. Jedoch vor allem für die Ökonomie der USA sind niedrige Energiepreise lebenswichtig; ein sparsamer Umgang mit den vorhandenen Ressourcen scheint im Land der unbegrenzten Möglichkeiten nicht möglich und seitens der Ölmultis auch nicht erwünscht. Man ist also total abhängig von Unmengen billigen Rohöls.
George W. Bush, derzeit ranghöchster Politiker unter den Ölbaronen, interessiert sich deshalb sehr dafür, wie das Kaspi-Öl sicher gefördert und zu den Überseehäfen transportiert werden kann. Für hybride geostrategische Spielereien und Experimente, wie man sie von Präsidenten der Demokratischen Partei seit Kennedy kennt, hat die Öllobby nicht viel Nerven. Entscheidend ist in ihren Augen nur die kurzfristige Schaffung alternativer Handlungsmöglichkeiten. Im Jahre 2003 soll bei den neu erschlossenen Ölfeldern in Aserbaidschan und Kasachstan die Förderung des Hauptöls, des »big oil«, d.h. die Erreichung des maximalen Fördervolumens, beginnen. Bislang erfolgt der Abtransport des Kaspi-Öls ausschließlich über russische Pipelines.
Diese Monopolstellung ist in den Augen der Amerikaner für die Zeiten des »big oil« indiskutabel. Etwaige US-Pläne, die Russen völlig auszubooten, sind allerdings nicht nach dem Geschmack der Europäer. Ginge es nach ihnen, würde der alternative Abtransport des Kaspi-Öls durch den Iran erfolgen.
Was u. a. wegen der dort bereits vorhandenen Rohre die absolut kostengünstigste Lösung wäre. Allem Anschein nach sieht US-Vizepräsident Cheney die Sache ähnlich pragmatisch. Cheney, noch vor zwei Jahren Vorstandsvorsitzender der weltgrößten Zulieferfirma für die Ölindustrie, hatte im Wahlkampf mehrmals auf die Nachteile der Iran-Sanktionen für Amerika verwiesen. Ob und wann die USA die persische Karte gegen Rußland ausspielen werden, gilt als ungewiß. Zumindest wurden mit der Bombardierung Afghanistans erste Voraussetzungen für eine zweite mögliche Südroute geschaffen, um das Kaspi-Öl in Richtung Indischer Ozean leiten zu können.
Zudem konnte man den Erdöl exportierenden islamischen Staaten demonstrieren, wie die letzte Weltmacht zukünftig in Fällen eingeschränkter Unterwürfigkeit zu reagieren gedenkt.
Und drittens läßt sich nun auch von Westen her der Lauf direkt auf China anlegen, den erklärten »strategischen Konkurrenten«.
Also alles ganz schön clever. Nur Freunde machen sich die Amis damit kaum. Was sich dann, wenn irgendwann kein Öl mehr dasein wird, auch nicht für die eigenen Streitkräfte, bitter rächen könnte.
* isw-spezial, Nr. 15: Krieg ums Erdöl. 24 Seiten, 3 Euro zzgl. Versand. Bezug: isw e.V., Johann-von-Werth-Str. 3, 80639 München, Tel.: 089/130041, Fax: 089/1689415, e-mail:
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