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geschrieben am: 10.06.2002 um 19:41 Uhr
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Ich bin mir fast sicher, dass Schüler in der Schule niemals respektvoller und einfühlsamer behandelt wurden, und dass Lehrer niemals größeren psychischen Belastungen ausgesetzt waren, als das heute im Allgemeinen der Fall ist.
Ich bin 40 Jahre alt und meine eigene Schulzeit liegt schon gut 20 Jahre zurück. Ich war damals ein schüchternes Kind, das großen Respekt vor der Autorität der Lehrer und aller Erwachsenen hatte, das immer gut im Unterricht aufpasste, das niemals den Unterricht störte, das niemals einem Lehrer oder einem Mitschüler einen üblen Streich gespielt hätte, und trotzdem hatte auch ich, die ich mir nie etwas zu schulden kommen ließ, panische Angst vor einigen cholerischen, geradezu gestörten Lehrern, die erbarmungslos ihre Launen an uns allen ausließen.
Nur ein kleines Beispiel:
Ein Lehrer hielt uns voller Begeisterung einen Vortrag darüber, dass wir auf gar keinen Fall unseren Dialekt verleugnen, sondern ihn sogar pflegen sollten, denn schließlich sei das unsere Kultur und die gelte es zu erhalten!
Haargenau einen Tag später stellte er mir im Unterricht eine Frage, die nur mit ja oder nein beantwortet werden konnte, und ich antwortete richtig mit "nee" und zwar in absolut respektvollem Tonfall.
Oh, oh! Er hat ca. 10 Minuten auf mich eingeBRÜLLT, was mir überhaupt einfiele, so mit ihm zu reden, dass das "nein" hieße und nicht "nee", ob meine Familie aus der Gosse käme und und und....
Vielleicht mag Euch das als eine Lapalie erscheinen, aber ich war damals absolut fertig! Ich habe gezittert, mir war schlecht und dass ich nicht losgeheult habe, grenzte eigentlich ein Wunder. Und natürlich wagte ich nicht, ihn darauf aufmerksam zu machen, dass er uns doch sogar dazu angehalten hatte. Mir grauste es wochenlang vor seinem Unterricht und ich hatte panische Angst vor ihm, seiner Unberechenbarkeit und vor allem vor seinen regelmäßig wiederkehrenden cholerischen Ausbrüchen. Das war nur eines von vielen, vielen Dingen, die er sich damals geleistet hat, wobei ich selbst immer noch ganz erheblich besser bei ihm wegkam als ein Großteil meiner Mitschüler. Er wurde von allen gefürchtet, war allen verhasst, aaaber...
... hat einer von uns ihn erschossen, sein Auto zerkratzt, seinen Vorgarten verwüstet, ihm anonyme Drohbriefe geschickt????
Nein!!
Sicherlich ist es wichtig, dass Schüler gerecht und fair behandelt werden (das gleiche gilt aber auch für die Lehrer) und niemand sollte Angst vor der Schule haben müssen. Später im Leben wird es aber immer wieder passieren, dass man von anderen gemein und ungerecht behandelt wird, dass man unter einem Kollegen oder einem Chef richtiggehend zu leiden hat.
Wäre es eine ganz normale Folge, dass man solche Menschen dann einfach abknallt? Ich glaube, ein halbwegs gesunder Mensch tut sowas einfach nicht. Das muss schon eine kranke Seele sein und sowas hat meiner Meinung nach in aller Regel seinen Ursprung im Elternhaus bzw. in der Art und Weise wie man aufgewachsen ist. Gewalt verherrlichende Filme und Videospiele sind wahrscheinlich nicht alleine daran schuld, aber sie können einer von mehreren Gründen sein.
Wenn man das schon erkannt hat, dann sollte der Gesetzgeber meiner Meinung nach endlich eingreifen, denn viele Eltern sind damit einfach überfordert.
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