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Missverständnisse

Nutzer: shinju
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geschrieben am: 14.05.2002    um 16:41 Uhr   
In jedem Beitrag, der nur ein wenig kritscher ist, findet man oft Typchen die ihn missverstehen und gleich böse werden :) Es ist etwas was mich schon lange ank****, eins führt zum nächsten. aber kann man diese Missverständnisse verhindern?? Hier der Kommunikationspsychologe Christian-Rainer Weisbach zum Thema Missverständnisse.


Guten Tag!

Gerade ist Ihr neues Buch in neuer Auflage erschienen: "Professionelle Gesprächsführung". Was heißt denn Gesprächsführung?

Üblicherweise machen wir uns überhaupt nicht klar, daß ein Gespräch zu führen einen Führungsanspruch enthält, einen Anspruch auf Lenken und Zielerreichung und Zielverfolgung. Ob wir miteinander reden, Small Talk betreiben oder ob wir wirklich führen, unterscheidet verschiedene Arten des Dialogs. Wir können uns im folgenden darüber unterhalten, wie man wirklich seine Ziele erreicht und verfolgt, also ein Gespräch führt.

Dazu kommen wir gleich. Sie haben in Ihrem Buch mehrere neue Kapitel eingearbeitet und unter anderem haben Sie uns erklärt, daß man nicht nur mit zwei Ohren hört, sondern gar mit vier. Wie denn das?

Viele Menschen reagieren standardmäßig nach selben Mustern, ohne sich darüber Rechenschaft abzulegen, daß man auf jeden Satz, den man hört, verschieden reagieren kann.
Nehmen wir ein Beispiel: Ein Vorgesetzter fragt seine Mitarbeiterin: "Wie spät ist es bitte, Fräulein Müller?" Dann kann die Mitarbeiterin Müller das als Frage verstehen nach der Uhrzeit, also den sachlichen Anteil hören. Dann wird sie sagen: "Es ist 13.49 Uhr."
Sie kann aber auch als Mitarbeiterin hören, daß der Chef sie zur Eile ermahnt, daß es um die Bewältigung irgendeiner Arbeit geht. Dann wird sie auf die gleiche Frage "Wie spät ist es, Fräulein Müller?" antworten: "Ich beeil mich ja schon."
Sie kann aber auch in dem einfachen Satz, wie spät es sei, einen latenten Vorwurf heraushören und auf den reagieren: "Ich bin Ihnen wohl zu langsam!"
Sie kann allerdings auch heraushören, daß der Chef sich mit seiner Frage nach der Uhrzeit eigentlich Gedanken macht, ob die Zeit noch reicht für die Beendigung einer bestehenden Arbeit. Dann könnte sie auf den gleichen Satz "Wie spät ist es?" antworten: "Sie machen sich Sorgen, daß Sie nicht rechtzeitig fertig werden?"

Wie müßte denn der Chef seine Frage so formulieren, daß sie ihn richtig versteht?

Wenn er gleich sagt, was sein Ziel ist, könnte sie nicht auf einen falschen Anteil reagieren. Wenn er sich zum Beispiel Gedanken macht, ob die verbleibenden 20 Minuten reichen, die Post rechtzeitig zur Abfertigung zu bringen, sollte er fragen: "Reicht die Zeit noch, daß wir bis 13 Uhr die Post fertig haben?" Dann weiß sie, was er meint.

Ich denke, daß ist ja der Punkt, weshalb überhaupt Mißverständnisse entstehen: Weil ich Botschaften anders absende, wie sie dann ankommt.

Ich hatte kürzlich im Seminar die Situation, daß sich ein junger Verkäufer über einen älteren Kollegen beschwerte, der habe in die Kaffeekasse geguckt und zu ihm, der in 8 Meter Abstand an der Kaffeemaschine stand, gesagt: "Ist noch Kaffee da?" Dann hat ihm der junge Kollege einen Becher voll Kaffee gebracht und bekam zur Antwort: "Ach danke, wär aber nicht nötig gewesen!"
Und das fand er nun unmögliches Kollegenverhalten. Er war sich absolut sicher, daß der Satz "Ist noch Kaffee da?" nur bedeuten kann: "Ich möchte gerne noch Kaffee haben." Aber er hat es so verklausuliert, daß er sich nicht mal bedanken mußte.
Später bat ich den jungen Verkäufer, den älteren Kollegen doch mal zu befragen, ob der Satz "Ist noch Kaffee da?" wirklich als Aufforderung gemeint war. Er hat es dann tatsächlich auf meine eindringliche Bitte hin getan und kam grinsend zurück - auch etwas verlegen - und sagte: "Ja, es war wohl ein Mißverständnis: Der Kollege erwartete noch einen Kunden und wollte sicher stellen, daß wenn der Kunde kommt, noch genügend Kaffee da sei.



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Nutzer: shinju
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geschrieben am: 14.05.2002    um 16:43 Uhr   
Herr Weisbach, dabei ist Zuhören ja auch wichtig für ein Gespräch. Kann man richtig zuhören?

Üblicherweise gehen wir davon aus, daß das Vorhandensein von zwei Ohren ausreicht, daß jeder zuhören kann. Die Schule kennt kein Ausbildungsfach "Zuhören" und an der Hochschule weiß jeder Studierende, wie mühsam es ist, genau das zu hören, worauf es ankommt. Man hat es in der Schule nicht gelernt, das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden oder das Wesentliche einer Aussage zu erkennen.
Es ist ein Unterschied, ob ich das Zuhören pro forma betreibe, also meinen Mund halte und nur darauf warte, daß ich dran bin. Das würde ich ein formales Zuhören nennen. Oder ob ich mich wirklich mit dem, was der andere sagt, auseinandersetze. Das wäre ein aufnehmendes Zuhören.
Es gibt aber noch ein differenzierteres Zuhören. Daß ich die Zeit, während der andere spricht, nutze, mir darüber klar zu werden: Was will der andere sagen? Im klassischen Gespräch nutze ich die Zeit, während der andere spricht, um mich zu fragen, was will ich sagen, wenn er endlich fertig ist.
Um aber auf das einzugehen, was der andere gesagt hat, könnte ich mir angewöhnen, es mit eigenen Worten zu wiederholen. Die Griechen nannten das schon die Paraphrase. In den platonischen Dialogen des Sokrates ist das Gang und Gäbe gewesen. Bis zum ausgehenden Mittelalter war das auch an unserer Hochschule Gang und Gäbe. Heute kann das fast keiner mehr.

In Ihrem Buch schreiben Sie über aktives Zuhören. Können Sie uns vielleicht ein Beispiel geben, wie aktives Zuhören funktioniert?

Aktives Zuhören ist nun die hohe Kunst - während ich mich beim umschreibenden Zuhören wenigstens an den Wortlaut halten kann, den ich mit meinen Worten wiederhole - soll ich beim aktiven Zuhören auf das eingehen, was der andere zwischen den Zeilen zum Ausdruck bringt, ohne dafür eigens Wörter zu benutzen. Das heißt der Tonfall, die Stimmlage, auch der Gesichtsausdruck spiegelt wider, wie ihm zumute ist. Der ganze Gefühlsanteil schwingt in einer Aussage mit, ohne daß jemand Wörter dafür tatsächlich verwendet, die seinen Gefühlsanteil wiedergeben.
Wir sagen ja auch üblicherweise auch nicht: "Ich bin jetzt ärgerlich auf dich", wenn jemand zu spät kommt, sondern wir sagen mit dem Tonfall von Ungehaltensein: "Sag mal, wo kommst du jetzt eigentlich her?" Und der andere soll spüren, daß wir verflixt aufgebracht sind.
Und aktives Zuhören versucht nun, diesen mitschwingenden Gefühlsanteil in Worte zu kleiden. Also der so Gemaßregelte beispielsweise auf den Satz: "Wo kommst du eigentlich her?" könnte erwidern: "Das stinkt dir, daß ich jetzt erst komm'." oder: "Du bist ärgerlich, daß du solange warten mußtest." Er geht damit auf das ein, was den anderen tatsächlich beschäftigt, nämlich auf sein ureigenstes Gefühl.

Und das nimmt der andere dann auch anders, positiver auf.

Ja, es gibt ein Bestreben von uns Menschen, daß wir im Grunde alle nach einem und demselben Ziel trachten: Wir möchten alle ernstgenommen werden. Jeder, auch die Hörer jetzt zuhause, haben von morgens bis abends nur ein Ziel: Sie möchten ernst genommen werden, sie möchten respektiert werden, sie möchten beachtet, geachtet werden. Und sobald ich wahrnehme, daß ein anderer Mensch mich wirklich ernst nimmt, geht's mir gut.
Wenn jemand auf meine Gefühle eingeht und ich nehme wahr: "Das stimmt. Genau! Ich bin ärgerlich, ich bin aufgebracht. Das kratzt mich gerade." Und ich nehm wahr, der andere kriegt's mit, muß ich meinen Ärger nicht weiter zur Schau stellen. Das muß ich, wenn ich merke, daß sich der andere über meinen Ärger hinwegsetzt.
Ich bleib mal eben in dem Beispiel: Der Wartende, der den Zuspätkommenden kritisiert: "Sag mal, wo kommst du eigentlich her?" kriegt zur Antwort: "Nun reg dich doch nicht auf!"
Das heißt, es ist auf sein Gefühl von Ärger überhaupt nicht eingegangen worden, und die Wahrscheinlichkeit ist groß, daß dieser Ärger nun zum Aufbrausen führt.

Und damit wird alles noch viel schlimmer.

Und den Mißverständnissen und Folgeproblemen ist Tür und Tor geöffnet.

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Nutzer: shinju
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geschrieben am: 14.05.2002    um 16:45 Uhr   
(es ist nur ein ausschnitt aus dem Interview...) ob damit einem schon geholfen ist?
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Nutzer: verovero
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geschrieben am: 14.05.2002    um 19:31 Uhr   
::shinju
Zusammenfassung bitte.
vero
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Nutzer: shinju
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geschrieben am: 14.05.2002    um 21:07 Uhr   
hm... hab es reingestellt damit es gelesen wird :)
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Nutzer: Gast_Paccy
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geschrieben am: 14.05.2002    um 23:31 Uhr   
Also ich hab jetzt das Ganze nur angelesen (war mir zu viel Kommunikation auf einmal :-)), aber ich kenn das mit den "4 Ohren".
Jedenfalls nützt es alles nichts, wenn man selbst alles juristisch präzise und eindeutig formuliert, wenn es Leute gibt, die einfach nur meckern und pöbeln wollen. Und von denen gibt es hier reichlich.
Im übrigen werden kritische threads auf CW nicht kritisiert, sondern verschoben oder gelöscht...
;-) Paccy (der nicht aufgibt)
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Nutzer: presea
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geschrieben am: 15.05.2002    um 00:00 Uhr   
(zitat)Im übrigen werden kritische threads auf CW nicht kritisiert, sondern verschoben oder gelöscht...(/zitat)

falsches forum für solche aussagen.
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Nutzer: fratzmausi
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geschrieben am: 15.05.2002    um 08:05 Uhr   
was wir brauchen, ist nicht der moralische Zeigefinger, sondern die Einsicht, dass bei einer soliden Gesprächsführung ein klarer Kopf und Objektivität vonnöten sind.

Was tatsächlich statt findet -

Kritik wird persönlich genommen (Eitelkeit)
Jeder will seinen eigenen Standpunkt durchsetzen (Stursinn)
Es wird aneinander vorbei geredet (Unsinn)

Na und so mancher streitet um des Streitens willen (Streithammel)

egal, in welchem Forum ;-)

fratz
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Nutzer: prof.mastram
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geschrieben am: 15.05.2002    um 11:37 Uhr   
hmmm,da wir ja uns gegenseitig nicht hören können, bleibt wohl Lesen als Alternative---> also "zwischen den Zeilen lesen" wäre das Gegenstück zum "Hören mit 4 Ohren"...
Aber auch hier weiß man nicht so genau, ob jemand in der Lage ist o.g. Beispiel der Paraphrase durchzuführen...
Wenn jemanden also unklar ist, ob er den Satz richtig interpretiert hat für sein Verständnis, dann sollte er fragen: Wie meinst du das?
Damit wären viele Mißverständnisse schon vorab geklärt, als dass sie entstehen könnten...

yo, das wars dazu... :-)

sich jetzt wieder seiner WISO-Übungs-Klausur zuwendet

der *prof*
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"Autor"  
Nutzer: shinju
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geschrieben am: 15.05.2002    um 13:51 Uhr   
genau meine meinung, fratz! *zwinker*

DieShin
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Nutzer: fratzi
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geschrieben am: 17.05.2002    um 08:14 Uhr   
trotzdem gehört "Motzen" dazu.

Da kann man eine Menge lernen bei.

Streiten muss man KÖNNEN. Dazu muss man aber zuerst die Angst vor dem "Echo" verlieren.

Dann läufts wie geschmiert..gg ;-)

fratzi
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Nutzer: tiroxxx
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geschrieben am: 17.05.2002    um 12:38 Uhr   
ich glaube schon, dass es helfen könnte, allgemein und auch im speziellen hier...nur, man muß es wahrscheinlich immer wieder trainieren und wie paccy sagte, man muss schon auch den wunsch haben, vertanden zu werden oder zu verstehen, ansonsten hilft rein gar nix.
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Nutzer: WarezFreak
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geschrieben am: 18.05.2002    um 12:46 Uhr   
mh, alles scheise, jeder labert an jedem vorbei, ich hab diesen thread nicht gelesen und fasel euch trotzdem voll, ihr werdet denken oh man ist der kaputt, aber ich mag euch auch nicht. mh, ja das wars eigentlich was ich sagen wollte, vielen lieben dank fürs lesen!
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"Autor"  
Nutzer: verovero
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geschrieben am: 23.05.2002    um 00:14 Uhr   
Dicke Post.

Erwünscht sind weitere Labereien - vorausgesetzt natürlich die Moderatoren haben ein Kloster gegründet.
Man stelle sich vor, s'romeole in der Kutte hinter dem Rechner und mit einem Seil um den Bauch.
Oma Endeman ohne Seil und strickend.
Und Herr Abajao mit hochgezogener Kapuze.

OMA gähnt, s'romeole rülpst und Herr Abajo sagt «Tschuldigung».
Dann wieder Stille. Plötzlich piepst es aus einer Ecke ...
vero
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"Autor"  
Nutzer: prof.mastram
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geschrieben am: 23.05.2002    um 11:04 Uhr   
...mal zu verovero rübergrinst und R7 mal das Buch "Mormon" reicht...*ggg*

*prof*chen,mal katholisch war...
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"Autor"  
Nutzer: Romeo7
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geschrieben am: 23.05.2002    um 14:09 Uhr   
dengels die Pande
Ich mag Signaturen nicht
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