|
|
|
geschrieben am: 24.03.2003 um 10:11 Uhr
|
|
Guten Morgen Hexle...um den Thread zu vervollständigen habe ich mich gleich mal auf die Suche nach den am Freitag von mir erwähnten Meldungen gemacht und füge sie der Vollständigkeit halber mal noch ein, weil sie ziemlich genau das wiedergeben, was auch Du schon sagtest...
°~°milo°~°
(zitat)xvm010 4 vm 597 vvvva DDP0438
Krieg/Irak/Exil-Iraker/FEA/
(Feature)
«Ich weine jeden Tag» - Im irakischen Friseursalon in Berlin bangen
Exilanten um die Zukunft ihres Landes
--Von ddp-Korrenspondentin Daniela Mijatovic--=
Berlin (ddp). Im kleinen irakischen Friseursalon im Berliner Stadtteil Wedding schauen alle angestrengt nach oben. Zwei irakische Friseure und ihre beiden Kunden verrenken sich fast den Hals, um auf dem an der Decke angebrachten TV-Gerät Bilder des arabischen Fernsehsenders Al Dschasira zu sehen. Angespannt und bange verfolgen sie die neuesten Nachrichten aus dem Irak. Sie sehen müde und übernächtigt aus.
«Seit zwei Tagen sind die Leitungen in den Irak tot, seit gestern können wir nicht mehr irakisches Fernsehen empfangen», klagt der Inhaber des Ladens, Emir Altai, Schiit aus dem Südirak. Seit dem Kriegsbeginn bangt er um das Wohl seiner zwei Schwestern und seiner Mutter in Bagdad. «Ich weiß nicht, wie es ihnen jetzt geht», sagt Altai besorgt, während sein aus Tunesien stammender Kunde ungeduldig darauf wartet, dass seine Haare weiter geschnitten werden. Er hat einen Termin. Flink fuchtelt der Friseur mit Schere und Kamm.
Als Bilder von irakischen Soldaten, die sich mit weißer Fahne ergeben, über den Fernsehschirm flimmern, hält er kurz inne. Im Laden ist Erleichterung und Mitleid zu spüren. Für die Soldaten, für die armen Menschen und das Land sei es besser, wenn sie sich ergeben, erklärt der 41-jährige Friseur. «Warum sollten sie schießen - für Saddam?», fragt er sich und die anderen. Dafür, dass sie tagelang von ihren Familien getrennt seien und schlecht versorgt würden? Altai weiß, wovon er spricht, denn er selbst war fünf Jahre lang beim irakischen Militär. «Das ist der Grund, warum wir hier sind - im Exil.»
Der Kunde nebenan pflichtet ihm bei. «Wir würden sofort zurückkehren, wenn das Land frei wäre», sagt der aus dem Nordirak stammende Kurde Tuwi. Von seinen Familienangehörigen im Irak, Eltern und drei Brüdern, hat er seit einer Woche nichts gehört. Sie seien
vor Bomben auf der Flucht an die irakisch-türkische Grenze. «Wir haben keine Angst vor den Amerikanern, aber vor einem Einmarsch der Türken im Norden Iraks», betont Tuwi besorgt. Die amerikanische Regierung habe den Kurden Schutz zugesagt. «Was die Politiker aber morgen sagen werden, wissen wir nicht», sagt der 29-jährige Automechaniker und beugt seinen Kopf nach hinten, damit ihn sein aus dem Nordirak stammender Barbier besser an der Kinnpartie rasieren kann.
Während die Kurden sich über den amerikanischen Einmarsch im Irak eher freuen, ist es dem Friseur nicht recht: «Amerika ist wie ein Dinosaurier, der mit starkem Schlag seinen Fuß auf den Irak setzen will.» Das gefalle ihm nicht, denn sie wollten doch nur das Öl. Dabei gehe es um Menschen. «Saddam wird bleiben», befürchtet der schlanke Mann mit der feinen Brille. Afghanistan sei von den Amerikanern auch «befreit» worden, während Bin Laden weiterhin am Leben sei.
«Für uns ist es besser, wenn Saddam geht. Wenn es viele Tote gibt, ist aber der Preis zu hoch», sagt Altai. Der ehemalige Lehrer, der 1995 aus dem Irak nach Berlin geflüchtet ist, hat ganz andere Vorstellungen: «Den Krieg müssen wir sofort stoppen.» Saddam müsse auf eine andere Weise das Land verlassen und die UN für Neuwahlen im Irak sorgen. «Das irakische Volk soll wählen, wie es weiter geht. Und nicht die Opposition von außen», fügt er hinzu. Iraker, die das Leid, den Hunger im Land am eigenen Leibe gespürt hätten, müssten das Land anführen.
«Wir sind ein reiches Land mit armen Leuten», sagt Altai. Er wirkt nachdenklich. Sein Land dürfe nicht weiter zerstört werden. Die Menschen hätten genug gelitten. «Ich weine jeden Tag, wenn ich die Bilder sehe», erzählt er. Wenn es besser wird, dann will er das erste Flugzeug in seine Heimat nehmen. Voller Hoffnung schaut er auf und sagt lächelnd: «Ich habe gesagt - ich komme aus einem reichen Land.»
ddp/dmi/han
211432 Mrz 03(/zitat)
|
|
|
|
|