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Ein offener Brief: Chère Nathalie, chèr Patrick et al.

Nutzer: Brünette22
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geschrieben am: 06.11.2004    um 10:05 Uhr   
Werte Marktforscher und Adressenhändler,

vielen Dank für Euer nicht-enden-wollendes Interesse an meiner Person, meinen Lebensumständen und meinem Monetärpotential. Im Folgenden findet ihr ein für alle Mal die Antworten, nach denen euch so sehr gelüstet. In der Hoffnung, dass Ihr Euch Eure Popups zukünftig sonstwohin poppt und Euch die mickrigen Gutscheine, die man gewinnen kann, hinterherschiebt.

Zum ersten: Ja. Mein Jahresbrutto lässt die Anschaffung weiterer Elektronikspielzeuge, Autos und Boote zu. Es gibt keinen Grund, mit hintergründigen Fragen nach meinem Familienstand herumzudrucksen. Und nein, ich werde keinen Cent davon für Eure Kunden ausgeben.

Zum zweiten: Nein. Ich habe keine Kinder. Und wenn ich welche hätte, würde ich Sie nicht nur von Onkels-mit-Schokolade und Counterstrike fernhalten, sondern zuallererst von Euch.

Zum dritten: Ja. Ich nutze das Internet. Wie sonst würde ich Eure dubiosen Fragebögen in die Finger bekommen? Und ja, ich hätte Interesse an einem adäquateren Provider. Aber leider bieten Eure Kunden nur Endkunden-Spielzeug.

Zum vierten: Ja. Ich habe bereits fast alles an elektronischen Geräten, was mein Herz begehrt. Und nein, der Rest wird garantiert nicht von einem Eurer Kunden stammen.

Zum fünften: Gar nicht, gar nicht, gar nicht. So viel schaue ich täglich fern, höre Radio und gehe ins Kino. Dort läuft mir zu viel Werbung von Euren Kunden.

Zum sechsten: Ich surfe nicht im Internet. Schon gar nicht auf solchen Seiten, die Ihr mir zum Auswählen vorgeschlagen habt. Notiert: perldoc.com, cpan.org, php.net, w3.org, sourceforge.net. Kennt Ihr nicht? Sieht man.

Zum letzten: Seit 1995 nutze ich das Internet. Als wir noch unsere eMail mit UUCP schickten, unsere Präsentationen mit vi tippten, mit einem Zettel und Bleistift RSA betrieben und Euer CEO mitten im BWL-Studium steckte.


--

Vielleicht kann mir mal jemand erklären, was genau die Marktforscher am Leben hält? Meine Berufserfahrung hält sich in Grenzen. Aber ich würde zum einen jedem Marketer den Hals umdrehen, der als Untermauerung für eine Produktpositionierung eine Online-Umfrage anführt. Wenn nicht schon alleine deswegen, weil er überhaupt einen Marktforscher beauftragt hat.

Wann wird endlich eingesehen, dass derlei Marktforschung nichts als ein "billig gedachtes, teuer umgesetztes" Luftprojekt ist? Nein, ich halte mich nicht für das Maß aller Dinge. Aber ich gebe mein Geld nicht für das aus, was die (ach so) zielgruppengerechte Werbung mir vorschlägt. Natürlich tun mir diejenigen furchtbar leid, die entsprechend konditioniert sind. Aber noch viel leidererer tun mir die Etatschneider, die für zielgruppenorientiertes Marketing mit beiden Händen Geld ausgeben sollen.

Vielleicht ist es Zeit für einen Deal mit den Kolumbianern und Afghanen. Ein Bisschen Zyankali ins Koks, und das ganze Marketing-Gesocks rottet sich von alleine aus. ;-)
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Nutzer: Gast_sweety0018
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geschrieben am: 08.11.2004    um 09:27 Uhr   
Marketingfuzzis sind meistens BWLer und die koksen nicht, die saufen höchstens mal ein Glas Prosecco.

BTW: Man kann mit Internetumfragen fantastisch Masse suggerieren. Und viele Auftraggeber glaube eh alles , was ein gewitzter Statistiker ihnen vorsetzt.

Frei nach dem Motto "wir liefern ihnen jedes gewünschte Ergebnis"

sweety
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Nutzer: Brünette22
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geschrieben am: 08.11.2004    um 20:03 Uhr   
Mein Fehler. Pinkel ich halt im nächsten Frankreich-Urlaub gegen die Weinreben. ;-)

...aber warum, um Himmels Willen, setzt sich die Erkenntnis "ist doch eh alles Humbug" nicht mal durch? Ich geb dem Ganzen noch zwei Jahre, wenn es dann noch lebt, betreibe ich auch für Geld Marktforschung.
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Nutzer: styx_23
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geschrieben am: 08.11.2004    um 20:43 Uhr   
(zitat) Pinkel ich halt im nächsten Frankreich-Urlaub gegen die Weinreben.(/zitat)

Hm...wenn du es schaffst, jemandem dadurch ernsthaften Schaden zuzufügen, dann würd ich mich in der Hinsicht mal genauer untersuchen lassen! ;-)
Nun aber zum Thema. Ich hatte bislang, abgesehen von den alltäglichen Popup-Pseudo-Marktforschungen nur einmal das Vergnügen, von einem Vertreter der Gattung Marktforscher angerufen worden zu sein. Ja, ich hab mich der Herausforderung gestellt. Ja, ich habe alle Antworten (~10 min lang) beantwortet. Ja, ich hatte meinen Spaß dabei! Nachdem ich das Schema der Fragenreihenfolge durchschaut hatte, bekam der nette Herr am anderen Ende nach dem halben Satz die Antwort entgegengeworfen...ich glaub nach 5 min hatte er weniger Bock auf seinen Job als ich am Anfang auf die Befragung! :o) Klar war es Nervig, klar kaufe ich sicher nichts, nur weil ich mich in einer bestimmten Zielgruppe befinde, aber man kann es doch irgendwie mit Humor nehmen oder!? Mails kommen in den Spam-Ordner, Popups werden geblockt oder schnell weggeklickt und Post ungeöffnet entsorgt. Zu deiner Frage, was Marktforscher am Leben hält kann man ganz klar sagen "Der Markt!". Sich deswegen jeglicher Medien gegenüber zu versperren ist, so denke ich, ein ziemlich sinnloses Unterfangen. Spätestens wenn du in der Stadt mit geschlossenen Augen (Ja, da hängt auch Werbung!) gegen die nächstbeste Laterne gerannt bist wirst das auch erkennen. ;-) Die Welt ist so, wie der überwiegende Teil der Bewohner es will/duldet/unterstützt...der Rest muss es wohl mit einem lachenden und einem weinenden Auge hinnehmen...die Hintermänner erkennt der Verbraucher sowieso nicht, oder weißt du von wem der "Net Doctor" deine Adresse hat!? ;-)

Grüßle, $']['YX
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Nutzer: Brünette22
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geschrieben am: 08.11.2004    um 23:41 Uhr   
Nee, der Humor ist mir inzwischen ausgegangen. Bei besonders dreisten Kandidaten schieße ich auch gerne zurück. Gespräche mit Telefonmarketern dauern bei mir im Schnitt 15 Sekunden, da die überfreundlichen Damen und Herren es bei "Für wen führen Sie noch gleich diese Befragung durch?", "Wer hat Ihnen denn meine Telefonnummer gegeben?", "Wissen Sie, was ein cold call ist?" urplötzlich sehr eilig haben.
Natürlich hält Der Markt diese Plagegeister am Leben. Aber: Der Markt bin nun mal ich. :-) Und ich habe keinerlei Problem damit, diesen Durchleuchtern auf Dauer das Wasser abzugraben. Meine Zeit, mein Konsum, meine Entscheidung. Ich finde die Daseinsberechtigung halt einfach abgelaufen. Pech. ;-)

Das Laternenpfahl-Problem habe ich übrigens nicht. Jahrelanges Bombardement durch Privatfernsehen hat meine selektive Wahrnehmung gefördert. Mir fallen spontan zwei Produkte ein, für die ich in letzter Zeit Werbung wahrgenommen habe. Rechtfertigt das einen großen Werbeetat? *gg*

Und deswegen: Telefonmarketer werden gequält, Werbepost wird unfrei zurückgeschickt. Mit reinem Gewissen. Und einem kleinen Bisschen Häme.
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Nutzer: styx_23
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geschrieben am: 09.11.2004    um 01:13 Uhr   
Hört sich alles net so an als wenn dir der Humor abhanden gekommen ist! :o) Man könnte beinahe Mitleid mit den Telefondamen und -herren haben...aber nur fast! Du gönnst dir also lediglich 15 Sekunden!? Da entfaltet sich doch das Flair nicht annährend!? ;-) Das mit der Laterne beruhigt mich...das mit dem Etat liegt wohl nicht in unserer Hand. Ich selbst kann auch nicht wirklich nachvollziehen, warum in diese Branche Unmengen an Geld gepumpt werden, aber wie bereits gesagt, irgendwen muss es ja ansprechen...vielleicht ist es einfach der Trotz der manche Leute dazu treibt ein Produkt zu kaufen. Frei nach dem Prinzip: "Ihr nervt mich mit eurer Werbung...dann kauf ich den Scheiss eben!" Sicher is es vielleicht ein wenig weit hergeholt, aber man weiß ja nie was in den Menschen vorgeht?! :o) Um das Thema auszuweiten...würdest du (oder wer auch immer das liest) dir einen unscheinbaren Aufkleber ans Auto anbringen lassen, wenn man dir dafür Geld bietet? ...eigentlich kann ich mir die Antwort denken, aber ich glaub nach dem Prinzip wird gehandelt...ich persönlich würde es machen, weil ich weiß, dass es mir nicht schadet und andere irgendwo ihren eigenen Willen haben. Warum also nicht!?
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Nutzer: Brünette22
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geschrieben am: 09.11.2004    um 21:31 Uhr   
Ach... der Kapitulationskauf könnte das Ziel sein? Nein, keine Chance. Da versauert meine Kohle lieber auf dem Girokonto, als nur aus Frust für das 101. Anlage-Angebot draufzugehen.

Mir würd ich ja auch noch mehr als 15 Sekunden gönnen. In denen kommt nämlich der kleine Sadist garnicht so richtig zum Zuge. Nur leider ist noch keinem eine schlagfertige Antwort auf den Standardsatz "Ich habe bereits einen Versicherungsmakler, den kenne ich seit 15 Jahren, mache seit 10 Jahren mit ihm Geschäfte und vertraue ihm in der Hinsicht." eingefallen. Wieso bloß?
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Nutzer: Brünette22
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geschrieben am: 09.11.2004    um 22:11 Uhr   
(zitat)semi-offtopic: Bei Anruf Mord

dpa meldet, dass eine Call-Center-Mitarbeiterin aus Wiesbaden Zeugin eines Mordes wurde. Während sie mit einer 27-jährigen aus Geislingen sprach, höre sie plötzlich Hilferufe, dann wurde die Verbindung unterbrochen.
Die alarmierte Polizei fand die Frau tot in ihrer Wohnung. Verdächtigt wird der Ehemann.(/zitat)
Okay, ich räume ein: Telefonmarketing ist eine tolle Sache. Vielleicht sollte die Polizei gleich selber Call-Center einrichten und nebenher Marktforschung betreiben. Wenn's denn der Aufklärung von Verbrechen dient.
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