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geschrieben am: 07.01.2002 um 03:40 Uhr
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In Wirklichkeit war dies ein nagelneues Schloß, daß ich bei "RÜTÜ" ein paar Tage zuvor für zehn
Mark gekauft hatte, es hatte sogar noch Schmierspuren an sich, so neu war es.
Ich zog ihn ein bißchen auf und meinte, ob ihm zu einer "fachmännischen Schloßöffnung" nicht vielleicht
der Schlüssel fehlte. "Blödmann !" entgegnete er entnervt. Dann nach weiteren zehn Minuten "Nein, so geht's
nicht.", und er resignierte. Wir tranken danach noch einen Kaffee, und in den darauffolgenden Wochen
hat er kein Wort mehr über Schlösser oder Safeknacker verloren.
Einen Monat später, an einem Freitagabend passierte etwas, das mich doch noch davon überzeugen
sollte, daß er wirklich fast jedes Schloß öffnen konnte, aber diese Erkenntnis, wie viele wertvolle Erfahrungen
im Leben, war nicht umsonst, und ich mußte sie auf eine
schlimme Art und Weise machen. Ich muß dazu sagen, daß ich damals noch zu Hause bei meinen
Eltern gewohnt habe. Sie waren an diesem Abend nicht zu Hause, ich saß vor dem Fernseher und
trank eine Cola. Plötzlich hörte ich ein komisches Geräusch an der Haustür, eine Art Scharren,
und ich meinte, auch ein metallisches Klicken zu hören,
als ob der Schlüssel den Rahmen des Haustürschlosses berührte. Ich stand auf, sah durch die
Scheibe neben der Tür, sah aber nichts. Da dauernd irgendwelche Katzen nachts auf Jagd waren und sich
auch manchmal unter Kelltertreppe Mäuse holten, dachte ich mir nichts weiter dabei, machte den
Fernseher aus und ging nach oben. Plötzlich erschien eine Gestalt oben an der Treppe. Vor Schreck
stieß ich eine Art Schrei aus, es war mehr ein "Ha!", glaube ich, als ob ich jemanden ertappt hätte,
so klang es wohl; ich fiel fast die Treppe runter vor Bestürzung. Ich schaute noch mal nach oben.
Nichts zu sehen. Das nackte Grausen packte mich, ich nahm noch schnell meine Geldbörse und stürzte
aus dem Haus. Jemand war in meinem Haus ! Was nun, was nun ? Diese Gedanken gingen mir
durch den Kopf, und daß er die Wohnung zerstören würde. Ich dachte sogar an meine halbleere Cola,
die ich zurückließ, wieso, weiß ich auch nicht. Ich dachte daran, zur Polizei zu laufen, meine
Schlüssel hatte ich nicht mitgenommen, ich konnte also mein Fahrrad nicht aufschließen und auch
nicht das zweite Auto nehmen und einfach so flüchten. Der nächstliegende Gedanke kam mir erst jetzt,
bei den Nachbarn die Polizei anrufen, aber ich kam nicht mehr zur Ausführung dieses Notplans.
Oben öffnete sich das Fenster meines Zimmers, und mein Freund, der Schlösserknackprofi, steckte seinen Hals
heraus und rief "DER MEISTER! HA HA" und schüttelte seinen Werkzeugbund. Ich konnte nur noch
"DU .... BLÖDMANN!" zu ihm heraufrufen und ihn daraufhin verbal durch weitere Ausrufe zur Hölle
fahren lassen, die ich aber hier nicht wiederhole. Dieses Mal hatte er mich.
Er erzählte mir, daß er die ganze Zeit an Haustüren geübt hatte, die ihm zugänglich waren. Unter anderem
hatte er seiner Freundin einen ähnlich gemeinen Scherz gespielt, die daraufhin nichts mehr mit ihm
zu tun haben wollte, aber davon vielleicht nicht an dieser Stelle.
(c)ein Ei
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