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"Autor"

Ein echter Freundschaftsdienst

Nutzer: einEi
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geschrieben am: 07.01.2002    um 03:40 Uhr   
Ein Bekannter von mir macht immer die verrücktesten Dinge. Einmal rief er mich an, und meinte,
er könne jedes x-beliebige Schloß in sekundenschnelle öffnen, da er die Anleitung
eines Safeknackers in einem Buch gelesen hätte. Er trug in dieser Zeit seiner Begeisterung
für Schlösser immer ein paar Exemplare mit sich rum, und auf Abruf konnte er auch jedes dieser
Schlösser wirklich in ein paar Sekunden öffnen. Ich wollte ihn daraufhin einmal testen und rief ihn
an. Ob er nicht einmal zu mir kommen könnte, fragte ich, ich hätte ein Schloß, das ich nicht mehr aufbekäme.
Ich hätte den Schlüssel verloren, und da er doch so ein Meisterschloßöffner sei, wäre
es doch geradezu ein glückliches Zusammentreffen ungeahnter Schicksalsmächte, daß ich ihn
zu meinem Bekanntenkreis zählen dürfe und ihn untertänigst darum bitten könnte...und so fort, und so fort. Ich
wollte ihn unbedingt auf die Probe stellen und keine Ausflüchte seinerseits gelten lassen.
Nach einigem Hin und Her willigte er ein, meinte jedoch, das Schloß dürfe nicht verrostet
sein, außerdem müsse es eins von diesen "Pin-Tumbler" Schlössern sein und bla, bla, bla; ich
verstand bald kein Wort mehr und meinte, er solle es sich doch einfach mal ansehen, und dann
sähen wir ja weiter. Ich war mir ziemlich sicher, daß er als Schloßknacker auf unbekanntem
Terrain versagen würde und seine Schlösserknackkunst nichts weiter als warme Luft wäre.
Einen Tag darauf kam er vorbei und sah sich mein Schloß an. Fachmännisch hielt er es
gegen das Licht und besah es sich bestimmt fünf Minuten von allen Seiten. Dann nahm er
einen Metallpin, der sich am Ende wellenartig verjüngte und noch einen anderen Metallhaken und
fingerte mit diesen beiden Sachen in meinem Schloß rum. Ich hatte ihn. Nach zehn Minuten fing
er an, rumzumeckern, ich hätte mit meinen Versuchen, das Schloß zu öffnen, die Mechanik kaputt-
gemacht und auf jeden Fall dieses Schloß unzugänglich für eine fachmännische Schloßöffnung gemacht.

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Nutzer: einEi
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geschrieben am: 07.01.2002    um 03:40 Uhr   
In Wirklichkeit war dies ein nagelneues Schloß, daß ich bei "RÜTÜ" ein paar Tage zuvor für zehn
Mark gekauft hatte, es hatte sogar noch Schmierspuren an sich, so neu war es.
Ich zog ihn ein bißchen auf und meinte, ob ihm zu einer "fachmännischen Schloßöffnung" nicht vielleicht
der Schlüssel fehlte. "Blödmann !" entgegnete er entnervt. Dann nach weiteren zehn Minuten "Nein, so geht's
nicht.", und er resignierte. Wir tranken danach noch einen Kaffee, und in den darauffolgenden Wochen
hat er kein Wort mehr über Schlösser oder Safeknacker verloren.
Einen Monat später, an einem Freitagabend passierte etwas, das mich doch noch davon überzeugen
sollte, daß er wirklich fast jedes Schloß öffnen konnte, aber diese Erkenntnis, wie viele wertvolle Erfahrungen
im Leben, war nicht umsonst, und ich mußte sie auf eine
schlimme Art und Weise machen. Ich muß dazu sagen, daß ich damals noch zu Hause bei meinen
Eltern gewohnt habe. Sie waren an diesem Abend nicht zu Hause, ich saß vor dem Fernseher und
trank eine Cola. Plötzlich hörte ich ein komisches Geräusch an der Haustür, eine Art Scharren,
und ich meinte, auch ein metallisches Klicken zu hören,
als ob der Schlüssel den Rahmen des Haustürschlosses berührte. Ich stand auf, sah durch die
Scheibe neben der Tür, sah aber nichts. Da dauernd irgendwelche Katzen nachts auf Jagd waren und sich
auch manchmal unter Kelltertreppe Mäuse holten, dachte ich mir nichts weiter dabei, machte den
Fernseher aus und ging nach oben. Plötzlich erschien eine Gestalt oben an der Treppe. Vor Schreck
stieß ich eine Art Schrei aus, es war mehr ein "Ha!", glaube ich, als ob ich jemanden ertappt hätte,
so klang es wohl; ich fiel fast die Treppe runter vor Bestürzung. Ich schaute noch mal nach oben.
Nichts zu sehen. Das nackte Grausen packte mich, ich nahm noch schnell meine Geldbörse und stürzte
aus dem Haus. Jemand war in meinem Haus ! Was nun, was nun ? Diese Gedanken gingen mir
durch den Kopf, und daß er die Wohnung zerstören würde. Ich dachte sogar an meine halbleere Cola,
die ich zurückließ, wieso, weiß ich auch nicht. Ich dachte daran, zur Polizei zu laufen, meine
Schlüssel hatte ich nicht mitgenommen, ich konnte also mein Fahrrad nicht aufschließen und auch
nicht das zweite Auto nehmen und einfach so flüchten. Der nächstliegende Gedanke kam mir erst jetzt,
bei den Nachbarn die Polizei anrufen, aber ich kam nicht mehr zur Ausführung dieses Notplans.
Oben öffnete sich das Fenster meines Zimmers, und mein Freund, der Schlösserknackprofi, steckte seinen Hals
heraus und rief "DER MEISTER! HA HA" und schüttelte seinen Werkzeugbund. Ich konnte nur noch
"DU .... BLÖDMANN!" zu ihm heraufrufen und ihn daraufhin verbal durch weitere Ausrufe zur Hölle
fahren lassen, die ich aber hier nicht wiederhole. Dieses Mal hatte er mich.
Er erzählte mir, daß er die ganze Zeit an Haustüren geübt hatte, die ihm zugänglich waren. Unter anderem
hatte er seiner Freundin einen ähnlich gemeinen Scherz gespielt, die daraufhin nichts mehr mit ihm
zu tun haben wollte, aber davon vielleicht nicht an dieser Stelle.

(c)ein Ei


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