Auf den Beitrag: (ID: 25463) sind "14" Antworten eingegangen (Gelesen: 1232 Mal).
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TOD (eine Auswahl)

Nutzer: falstaff
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geschrieben am: 29.08.1999    um 20:22 Uhr   
NUR GELIEHEN (Friedr. Wilh. Weber)
Die karge Spenderin, die Zeit,
Sie scheint zu geben, wenn sie leiht.
Dein Haus und Hof mit Wald und Feld,
Dein Weib und Kind, dein Gut und Geld,
Dein Kopf, so steif und stolz er ist,
Ward dir geborgt auf kurze Frist.
Nur selten wirst du frohen Sinns,
Denn taeglich zahlst du harten Zins,
Weil Schuld und Mueh und Sorge bleibt,
Bis der Tod die Quittung schreibt.

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Nutzer: falstaff
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geschrieben am: 29.08.1999    um 20:30 Uhr   
JUGEND UND ALTER (Volksmund)
Die Jugend gibt kein Recht zu leben,
Die Rose muss vorm Sturmwind beben,
Immer gilt des Todes Schluss:
Der Junge kann, der Alte muss.



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Nutzer: falstaff
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geschrieben am: 29.08.1999    um 21:25 Uhr   
DREI WANDERER (Carl Busse)
Drei Wanderer sind gegangen,
Und als der Abend fiel,
Da trugen sie Verlangen
Nach frohem Kartenspiel.
Der juengste sprach: "Ich bitte,
Sagt an, geht es um Geld?"
Und Antwort gab der dritte:
"Wir spielen um die Welt."
Der juengste, frei vom Grame
Und wie der Maitag frisch,
Der warf die Herzensdame
Hellachend auf den Tisch.
"Dann mag's euch nur nicht graemen,
Mir blieb das beste Stueck,
Das soll mir keiner nehmen,
Juchhei! Ich bin das Glueck!"
Der zweite mit dem fahlen,
Durchfurchten Angesicht
Sprach: "Bruder, lass dein Prahlen,
Die Karte fuercht ich nicht!
Was schert mich deine Traene
Und was dein rotes Herz!
Ich stech mit der Kreuz-Zehne,
Gebt Raum --- ich bin der Schmerz!"
Der dritte dumpfen Tones
Hat heimlich nur gelacht,
Sprach dann voll bittren Hohnes:
"Was ihr fuer Spaesse macht!
Ich loes die Welt vom Leide,
Von Glueck und Schmerz und Not,
Ich nehm euch alle beide,
Trumpf-Ass! Ich bin der Tod!"

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Nutzer: japetus
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geschrieben am: 29.08.1999    um 22:03 Uhr   
Hi,
die gleichen Gedichte, in der gleichen Reihenfolge, mit dem gleichen Thread-Titel habe ich heute schon in einem anderen Forum gelesen...hmmm.
Jape
'I went away with nothing left but faith.'
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Nutzer: falstaff
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geschrieben am: 29.08.1999    um 23:45 Uhr   
hallo japetus,
ja, falls du sie in einem anderen chat im forum unter einem anderen namen gelesen hast, dann kann ich dir nur sagen, dass ich das auch bin...konnte leider nicht ein und denselben nick mit ins andere chat nehmen...das ist alles....;o))
der falstaff
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Nutzer: falstaff
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geschrieben am: 29.08.1999    um 23:52 Uhr   
DES TODES HAMMER (Matthias Claudius)
Ach, es ist so dunkel in des Todes Kammer,
Toent so traurig, wenn er sich bewegt
Und nun aufhebt seinen schweren Hammer
Und die Stunde schlaegt.


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Nutzer: falstaff
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geschrieben am: 29.08.1999    um 23:57 Uhr   
DER GAST (Theodor Fontane)
Das Kind ist krank zum Sterben,
Die Lampe gibt traegen Schein,
Die Mutter spricht: "Mir ist es,
Als waeren wir nicht allein."
Der Vater sucht zu laecheln,
Doch im Herzen pocht's ihm bang,
Stiller wird's und stiller, -
Die Nacht ist gar zu lang.
Nun scheint der Tag ins Fenster
Die Voegel singen klar;
Die Beiden wussten lange,
Wer der Gast gewesen war.

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Nutzer: falstaff
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geschrieben am: 30.08.1999    um 12:09 Uhr   
DAS SENFKORN (Carl Busse)
Zu Buddha, flehend: "Meister, weck ihn auf!"
Trug eine Mutter ihren toten Knaben.
Er nickte guetig. "So erbitte dir
Vorher ein Senfkorn. Jeder gibt es gern.
Doch darf es nur aus einem Hause stammen,
Darin nicht Vater oder Mutter starb,
Nicht Sohn noch Tochter, Diener oder Freund."
Hoffnungsbefluegelt an Palast und Huette
klopfte die Frau. Das Senfkorn war bereit.
Doch wenn sie fragte: "Starb in diesem Hause
Sohn oder Tochter, Vater oder Mutter,
Freund oder Diener?", sah sie jeder an
Und sprach verwundert: "Weib, was redest du?
Sind doch der Lebenden so wenig nur
Und viel der Toten!"
So von Tuer zu Tuer
Die gleiche Antwort. Muede ward ihr Fuss,
Sie selber still.
Sie ging den Weg zurueck,
Nahm ihren Liebling aus des Meisters Armen,
Neigte sich tief und trug den toten Knaben
Gefassten Herzens hin zum Flammengrab.

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Nutzer: falstaff
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geschrieben am: 03.09.1999    um 20:44 Uhr   
SELTSAME GENOSSEN (Wilhelm Jensen)
Ist das ein seltsamliches Gewander:
Ihr schrittet noch eben vergnuegt miteinander
Durch Waelder und Wiesen und Sonnenschein,
Du siehst dich um -- da gehst du allein.
Er blieb zurueck am Weggelaende,
Das Wort auf den Lippen, er sprach's nicht zu Ende;
Ein wunderbarlich Gebaren, und doch
Scheint deins verwunderlicher noch.
Ganz ruhig gehst du des Weges weiter,
Hast schnell einen andern vergnuegten Begleiter,
Und froehlich wieder zieht ihr drein
Durch Waelder und Wiesen und Sonnenschein.
So geht's eine Weile, das seltsame Wandern:
Dann kommt es an dich, dann hoerst du die andern
Noch weiter lachen ins sonnige Land,
Und du bleibst einsam am Wegesrand.

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Nutzer: japetus
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geschrieben am: 04.09.1999    um 14:03 Uhr   
Hallo Falstaff,
hier im Forum etwas dazu zu posten ist nicht so einfach...alles liest mit etc.
Aber ich wollte trotzdem folgendes loswerden:
Ich fürchte den Tod nicht, fürchte mehr das Sterben. Aber niemals, niemals lasse ich den Tod bzw. den Gedanken an ihn, mein Leben beherrschen. Ich genieße jeden Augenblick, auch die traurigen, verzweifelten.
Wie gesagt, hier im Forum sieht es mehr nach Statement aus...vielleicht haben wir ja nochmal die Gelegenheit zu einem Gespräch im Chat (egal ob in CW oder woanders)?
Lieben Gruß,
Jape
'I went away with nothing left but faith.'
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Nutzer: falstaff
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geschrieben am: 04.09.1999    um 22:15 Uhr   
Hallo Japetus,
ja, sicher koennen wir uns gerne weiter unterhalten, ob hier oder woanders, aber ich muss auch sagen, dass ich nur noch eine woche im chat sein werde, ob in CW oder woanders...leider.
denn tod fuerchte ich auch nicht, es ist die art des sterbens die mich aengstigt, aber wie du weisst, ist der tod ein ganz besonderer teil meines lebens und auch in jedem bereich stark vertreten.....ich koennte dir sicher noch mehr erzaehlen, aber das muessen wir im chat machen oder irgendwie anders.
bis dann,
Falstaff
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Nutzer: roses
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geschrieben am: 05.09.1999    um 10:31 Uhr   
Ich habe dieses Gedicht zwar schon im Gedichterkreis niedergeschrieben, aber hier passt es auch.
Schlußstück (Rainer Maria Rilke)
Der Tod ist groß
wir sind die Seinen
lachenden Munds.
Wenn wir uns mitten im Leben meinen
wagt er zu weinen
mitten in uns.
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Nutzer: japetus
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geschrieben am: 05.09.1999    um 10:46 Uhr   
Hallo Falstaff,
bitte hinterlasse mir doch Deine Mail-Addi im Chat ok?
Jape
(Japetus@gmx.de)
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"Autor"  
Nutzer: falstaff
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geschrieben am: 05.09.1999    um 16:48 Uhr   
Roses,
Danke!
@-->^--- @-->^--- @-->^---
Japetus,
ich melde mich,
ganz sicher.

Der Falstaff
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"Autor"  
Nutzer: falstaff
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geschrieben am: 06.09.1999    um 19:45 Uhr   
BEGINN DES ENDES (Theodor Storm)
Ein Punkt nur ist es, kaum ein Schmerz,
Nur ein Gefuehl, empfunden eben;
Und dennoch spricht es stets darein,
Und dennoch stoert es dich zu leben.
Wenn du es andern klagen willst,
So kannst du's nicht in Worte fassen.
Du sagst dir selber: "Es ist nichts!"
Und dennoch will es dich nicht lassen.
So seltsam fremd wird dir die Welt,
Und leis verlaesst dich alles Hoffen,
Bis du es endlich, endlich weisst,
Dass dich des Todes Pfeil getroffen.

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