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Wieviel Katze ist die Frau?

Nutzer: Vielsag
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geschrieben am: 13.09.1999    um 18:27 Uhr   
Ich habe eine Katze. „Murzel“ ist ihr Name; schön ist sie, graugetigert und mit aussagekräftigen Augen ausgestattet. Sie bewegt sich auf weißen Samtsandaletten fort, welche sie ständig trägt, nicht nur im Winter. Ihr Hals und ihr kleines Gesicht ragen aus dem weißen V-Ausschnitt hervor, der ihre Brust ziert.
Wenn sie mit mir spricht, benutzt sie durchaus nicht nur ihre Stimme. Ihre Sprechapparate sind sehr vielfältig. Ein durch und durch wichtiger für ihre Kommunikation ist der Schwanz. So kommt sie dann morgens oft mit steil aufgestellter Fahnenstange zu mir auf die Bank und stößt mit ihrem Köpfchen resolut an meinen Oberschenkel oder an meinen Bauch, wieder und wieder, daß sich dabei ihr Schnurrbart arg verbiegt. Sie fordert Liebe und hört nicht auf damit, diese auch von mir zu bekommen, sich immer wieder drehend und zu neuen Kopfstößen ansetzend. Ich aber muß die Zeitung lesen, was ich für sehr wichtig erachte. Politik, so scheint mir, interessiert sie jedoch ganz und gar nicht, und auch auf die paar Haare, die von ihren Attacken auf meiner Hose und meinem Pullover verblieben sind, kann sie offensichtlich gänzlich verzichten. Also muß die Liebe, die ich ihr gebe, halbherzig bleiben, zumal es mich ja auch noch nach Zigaretten verlangt, dir genossen werden wollen.
Manchmal, so habe ich den Verdacht, nimmt sie mir mein Verhalten übel. Wenn ich nämlich im Wohnzimmer sitze und sie auf ihrem Sessel in ihrer Kaffeekannenhaltung bewundere, fühle ich mich nicht selten sehr zu ihr hingezogen und möchte sie spüren. Dann kann ich nicht anders: ich muß sie mir auf den Arm holen, sie streicheln, sie auf meiner Schulter positionieren, damit ihr Pelz und meine Wange eine Liaison eingehen können. Nun mag sie meine Arme nicht, nicht die Wärme meiner Brust und meiner Stimme, und sie unternimmt gar Rettungsversuche. Jetzt muß sie in die Küche oder, freilich nicht, ohne sich ausgiebig geputzt zu haben, zurück auf ihren Sessel am Kamin. Dort wird sie dann schnell zum Müffchen, vergräbt ihre Pfoten unter ihrem Körper, schließt sanft die Augen, schnurrt mir leise etwas vor und hütet wieder ihren Schatz voll Heimlichkeiten.
Das macht auch mich gelegentlich schläfrig, so daß ich anfange einzuschlummern, nicht ohne mich daran zu erinnern, wie harmonisch es doch oft zwischen uns ist, zwischen mir und Murzel. Vor meinen Augen erscheinen die entzückendsten Situationen. Und dann, immer dann, höre ich ihre Stimme, vorwurfsvoll zunächst, dann fordernd und nicht nachlassend. Jetzt steht sie vor der Terrassentür und möchte in den Garten, aber den Türgriff zu betätigen, liegt nicht in ihrem Vermögen. Wenn ich sie dann, möglicherweise etwas ungnädig hinauslasse, hat sie es beileibe nicht eilig, dreht stattdessen noch einmal ihren Kopf zu mir um, als wolle sie mich fragen: „Wußtest du es nicht, daß Katzen sich Personal leisten?“

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