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geschrieben am: 04.10.1999 um 17:41 Uhr
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Die Bruderschaft
Samstag, der 24. April 2034, es ist Herbst - es ist immer Herbst.
Heute morgen ging ich an dem Schaufenster eines Reisebüros entlang: "Es ist noch Urlaub da!" war dort zu lesen - das öffnete mir die Augen.
Aber ich greife vor.
Nun, ich werde euch erzählen wie alles anfing.
Mit dem Verfall der letzten kommunistischen Staaten konnte sich der Kapitalismus frei entfalten, zum Wohle aller.
Von seinem Widerpart entledigt, wurde er zu einem Staatssystem ohne Namen, wozu sollte man ihn noch Kapitalismus nennen - es gab kein anderes nennenswertes Staatssystem mehr, von dem man ihn durch eine Namensgebung hätte abgrenzen müßen.
Alle anderen Ländern mußten sich, aus wirtschaftlichen Gründen, politisch und kulturell dem "kapitalistischen" Ideal anpassen, das heißt sie wurden multikulturell, relativistisch und demokratisch - Kriege gab es nun keine mehr, da sie wirtschaftlich nicht mehr tragbar waren - in einigen kleinen Ländern gab es zwar immer wieder Kriege, wie es in den Nachrichten zu sehen war, diese waren jedoch nur möglich, weil einige Nationen noch sehr rückständig und vor-"kapitalistisch" waren.
Mein Name ist Isthar, zusammen mit meinen Kollegen wohne ich im Wohnsilo 72 gleich auf dem Fabrikgelände, wo ich arbeite. Die Fabrik stellt Waffen her, das meiste davon war für den Export bestimmt, zumindest die schweren Waffen, die leichteren Waffen wurden für den Systemschutz hergestellt.
Das Fabrikgelände ist sehr groß, es bildet eine riesige Stadt für sich und uns Arbeitern wurde es in der Regel nicht erlaubt, das Firmengelände zu verlassen.
Dies hatte seinen Grund, denn die Arbeiter in der Firma waren die letzten gewalttätigen Menschen in der modernen Gesellschaft und Gewalt ist wirtschaftschädigend. Die modernen Staatssysteme konnten ihren Steuerzahlern die hohen Kosten nicht mehr zumuten, die mit der Bekämpfung von Verbrechen verbunden waren.
Der Segen der Gentechnik erlaubte es der modernen Menschheit, perfekte und gesunde Mitglieder heranzuzüchten, die "Perfekten", wie die Kinder der Gentechnologie genannt wurden.
Jenen irdischen Engeln standen alle Türen offen - gute Ausbildung, gute Jobs, und wohlgestaltete Lebenspartner.
Leider gab es immer wieder einige "romantische Spinner", die Kinder auf "normalem" Wege hervorbringen wollten - dies führte jedoch zur Geburt von "unnormalen" Kindern, die den "Perfekten" in nahezu allen Bereichen völlig unterlegen waren.
Doch in dem neuem Staatsystemen gab es keine Unterdrückung und Ungerechtigkeit mehr, auch die "unnormalen" Kinder konnten die Schule besuchen und eine berufliche Karriere anstreben. In der Praxis zeigte sich jedoch, daß sie mit den "Perfekten" nicht mithalten konnten und sich ihre Frustration darüber nur allzuoft in Gewalt gegenüber ihren Mitschülern äußerte, so daß sie bald in besonderen Schulen untergebracht wurden.
Später ging man dazu über, solche Kinder gleich in abgesonderte Schulen zu bringen.
Gentechnologie war für die Einkommensverhältnisse eines "Unnormalen" zu teuer, so daß "unnormale" Menschen auch wieder "unnormale" Kinder zeugen mußten.
Die einzigen Jobs, die man uns anbot, waren die Jobs in der Fabrik, für andere Tätigkeiten waren die Ansprüche zu hoch, wir besaßen nicht die nötige Ausbildung und unsere psyschologischen Gutachten disqualifizierten uns ebenfalls. In der Fabrik arbeiteten nur "Unnormale".
Die Fabrik war alles, so groß die Unterschiede zwischen "Perfekten" und "Unnormalen" auch war, die Fabrik verband alle miteinander.
Die einzelnen Fabriken waren Teil eines Konzernes und dieser Teil eines Wirtschaftsverbundes usw. Innerhalb der Fabrik gab es eine hierarische Abstufung, einige wenige hatten direkten Kontakt mit der außerhalb des Fabrikgeländes gelegenen Verwaltung, die gänzlich aus "Perfekten" bestand.
Diese Priviligierten bildeten die soziale Oberschicht der "Unnormalen", sie übten die Organisationsgewalt innerhalb der Fabrik aus. Von ihnen ging die hierariche Abstufung |
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