Auf den Beitrag: (ID: 25694) sind "5" Antworten eingegangen (Gelesen: 458 Mal).
"Autor"

discussion on poetry

Nutzer: Gast_Apple
Status: Profiuser
Post schicken
Registriert seit: 01.01.2000
Anzahl Nachrichten: 298

geschrieben am: 22.12.1999    um 22:18 Uhr   
das Thema stand schon draußen dran:
ich hab heut einfach mal Lust, über Poesie im Allgemeinen und Gedichte im besonderen nachzudenken und zu schreiben... nicht schwer zu grübeln.

wenn ich mir meine Gedichte so beseh, die ich in nicht einmal zehn Monaten schrieb, so muß ich feststellen, daß es da mehrere Arten gibt...
etwa
a) die aus vierzeiligen Versen mit immer gleichem Reimschema bestehenden (den passenden Rhythmus nicht zu vergessen), die zumeist aus einer Idee heraus entstanden und mit soetwas wie einem Ziel geschrieben wurden und am ehesten den Eindruck machen, "fertig" zu sein.

doch viel schöner find ich noch die,
b) die ich unter Tränen schrieb - oft zunächst schnell mit ungewohnt groben, schnellen Strichen meines Lieblingsbleistifts auf Papier gebannt - Worte die mir einfach so einfielen, sich ergaben - und dann ein wenig später nochmal abgetippt... manchmal noch kleinere Veränderungen gemacht - und einige wenige Fragmente sogar ins Forum gestellt
Texte, die mehr über mich und das was in mir vorging erzählen, als ich es oft konnte...
und gerade darum so besonders

und dann gab es noch so manche
c) Texte, die man zum Teil gar nicht als Poesie zählen kann - Gedanken, die mir einfach durch den Kopf gingen und sogleich aufgeschrieben wurden - manchmal konnte ich selbst nicht sagen, woher sie kamen, fühlte mich nicht so, wie die Stimmung des Texts es suggerieren könnte

da gibt es sicher noch etwas zuzufügen, aber das überlasse ich euch
Berni, der Apfel
[b]_________
muß nicht alles können
nicht alles tun
sondern ab und zu auch ruhn[/b]
  Top
"Autor"  
Nutzer: elfenkind
Status: Profiuser
Post schicken
Registriert seit: 07.10.2003
Anzahl Nachrichten: 14

geschrieben am: 22.12.1999    um 23:31 Uhr   
[i]hach, schon so lange her...aber ich kam halt nicht dazu...[/i]
So, nun also doch noch ein Kommentar von mir.
Also, ich wollte mal ein paar sinnlose Worte zu Punkt c) verlieren.
Und zwar, daß ich persönlich diese Art von Poesie, denn nichtsdestotrotz [b]ist[/b] es Poesie, bevorzuge, denn es wurde nicht nach dem Schema "Reim dich, oder ich fress dich geschrieben", sondern frei von der Seele weg. Drück somit in meinen Augen am meißten aus, was dem/der Schreiber/in in dem Moment durch den Kopf ging. Lässt einfach tiefer blicken.
Dabei bleibt natürlich der Reim meißt auf der Strecke, denn wenn ich sagen will, "Ich fühl mich Scheiße!" kann ich schlecht schreiben, daß es mir so toll geht, obwohl ja 'eigentlich' alles elender Mist ist, nur damit sich die ganze Sache im Endeffekt reimt. Und dennoch hat gerade diese Art von, ich möchte sagen, persönlicher Dichtung es mir besonders angetan, denn damit läßt mich der oder diejenige einen Blick in sein/ihr Inneres werfen, mich sozusagen teilhaben an dem das Gedicht bestimmenden Gefühl. Und ausdrucksstark sind diese Gedichte immer, auch wenn kein einziger Reim zu finden ist. Aber wer sagt schon, daß sich Dichtung reimen muss?
Nun fällt mir auch noch was zu a) ein, auch wenn das wohl auch wieder nutzloses Zeug ist, denn der Riesen-Poet bin ich nun beileibe nicht.
Und zwar, daß diese Art von Vierzeilern meißt, möchte ich behaupten, situationsbezogen sind. Nicht, daß sie das schlecht machen würde, aber sie sind oftmals nur schlecht weiter zu nutzen, wenn man sie aus dem Kontext gerissen hat. Ich denke da vor allem an Spontanität, die einen quasi überfällt und 'zack' fertig ist der neue Vierzeiler. Gut, es gibt sicher auch Sprüche und Verse, die universell einsetzbar sind, aber einen treffenderen Charakter haben, finde ich, die Reime, die aus einer bestimmten Situation herraus entstanden sind.
Nun, wär ja mal fein, wenn sich noch jemand anderes einklinkt, in diese Duskussion, die ja bis gerade eben nur ein Monolog von apple war.
Schatten und süßes Wasser,
Elfenkind
[Diese Nachricht wurde geändert von: elfenkind (geändert am: 24-12-99).]
  Top
"Autor"  
Nutzer: elfenkind
Status: Profiuser
Post schicken
Registriert seit: 07.10.2003
Anzahl Nachrichten: 14

geschrieben am: 25.12.1999    um 22:00 Uhr   
*[i]mal hochschiebt...und eigentlich dachte, daß apple wenigstens nen Kommentar stehen lassen würde...[/i]*
Schatten und süßes Wasser,
Elfenkind
[Diese Nachricht wurde geändert von: elfenkind (geändert am: 25-12-99).]
  Top
"Autor"  
Nutzer: Gast_Apple
Status: Profiuser
Post schicken
Registriert seit: 01.01.2000
Anzahl Nachrichten: 298

geschrieben am: 26.12.1999    um 06:35 Uhr   
vielleicht schreib ich hier einfach mal ein Beispiel zu den drei Punkten rein:
a)
[b]Engellächeln[/b]
Des Engels Lächeln ist fast gleich
Dem einer kleinen Fee
Macht die Menschen seelisch reich
Sehr gerne ich es seh
Mög ein Licht ihm ewig scheinen
Tags wie in der Nacht
Er sich immer traun zu weinen
Weil's nicht nur Kummer bracht
So wünsche ich viel Glück den Wesen
Heut und einen jeden Tag
Allen die da sind gewesen
Weil ich sie doch alle mag

b) vom 7.6.1999 - und heute doch ganz im Forum:
[b]fuer den allerliebsten Drachen in ganz CW[/b]
Flüsse flossen und versiegten
Danken möchte ich Dir für alles, was Du getan.
Doch wie könnt ich das, außer mit einem erfüllten, innigen Lächeln
*wischt sich mit der Hand übers Gesicht und lächelt, kann jedoch nur schwerlich die Traenen im Gesicht verbergen*
Danke Shivan
Du warst diejenige, die mir bewusst machte, dass man sein Leid nicht aussprechen muss, um verstanden zu werden, diejenige, die mir Halt gab, als ich diese Nacht von einem Fluss aus Traenen ueberrascht wurde, diejenige, die verhinderte, dass ich weggesrissen wurde von der Macht der Fluten und diejenige, die mir wohl die ersten Freudentraenen meines Lebens bescherte und sogar reichlich - selbst noch auf dem Weg hierher, stehend
in der S-Bahn, laechelnd, mit geschlossenen Augen, um nicht die Gesichter der vielen Menschen sehen zu muessen... doch sie schauten weg und schwiegen - fast alle.
Danke Shivan
__________
Auch, wenn wir uns dessen nicht immer bewußt sind,
brauchen wir doch immer Freunde an unserer Seite.

c) obwohl ich mich nicht so fühlte kam es mir doch in die Gedanken
[b]Herbstzeit[/b]
tick tack
tack tick
Zeit vergeht
schleichend nur
Zeiger kleben
an der Uhr
hin und her
unruhig schwingt
das Pendel nur,
ständig klingt
tick tack
tack tick
weiter geht
Leben immer
muß es tun
wär sonst nimmer
geht auch gut
heute mal
Zufriedenheit
nicht egal
spüre ich
sehe, weiß
höre heut
tick tack
tack tick
hab den Kopf
aufgestützt
die Ellenbogen
auf dem Tisch
schau mich um
drumherum
liegt die Welt
monoton
tue alles
was ich kann
kann noch mehr
weine dann
wenn ich seh
Herzen leer
kraflos müd
gar so schwer
kalt und grau
Landschaft steht
tod und kahl
Himmel oben
trüb und grau
Lächeln ist
nur zur Schau
ein andermal
wieder dann
merkt man kaum
wie Zeit verrann
erinnert nurmehr
daß es war
ganz und gar
wunderbar
und keine Uhr macht
tick tack
tack tick

Elfenkind - verzeih bitte, daß ich deinen Beitrag erst heute früh gelesen hab.
mit diesem Eindruck hoff ich nun auf eine weitere Meinung
Berni, der Apfel
[b]_________________
for what once was is not forgotten
but I'm afraid that it will be[/b]
  Top
"Autor"  
Nutzer: Gast_blue
Status: Profiuser
Post schicken
Registriert seit: 12.10.2004
Anzahl Nachrichten: 68

geschrieben am: 27.12.1999    um 01:17 Uhr   
Hi Apple!
Ich denke, ich habe einen ähnlichen Ansatz wie Du wenn ich schreibe. Die meisten meiner "Werke" entsprechen wohl dem, was Du unter Punkt b. beschreibst.
Eigentlich habe ich nie daraüber nachgedacht wie ich schreibe. Das gehört so zu meinem Leben wie Essen und Trinken. Für mich ist das Schreiben eine Art "holy ground" auf dem ich mir selbst gegenüber treten kann um zu erkennen wer und was ich bin. Es hilft mir auch beim Sortieren von Gedanken und Verarbeiten von Gefühlen. Die meisten meiner Sachen sind wohl nicht für die Allgemeinheit gedacht, aber wenn es in eine Situation passt, dann lasse ich mir auch gerne mal "in die Karten schauen".
Ich finde Poesie, in welcher Form auch immer, sollte das Herz erreichen, Emotionen transportieren und/oder hervorrufen. Wenn ein Gedicht das erreicht, dann ist es gute Poesie in meinen Augen.
Alles Liebe
Blue
  Top
"Autor"  
Nutzer: Gast_Apple
Status: Profiuser
Post schicken
Registriert seit: 01.01.2000
Anzahl Nachrichten: 298

geschrieben am: 27.12.1999    um 22:08 Uhr   
ja blue... es sind sehr verschiedene Dinge die verschiedenen Arten von Poesie...
und gerade die sehr emotionalen Gedichte behalte ich auch sehr gern für mich - obwohl... manchmal will man auch gerade alles loswerden, was einem so auf der Seele liegt - das gilt sowohl für positives als auch negatives...
ist das nicht eigentlich der Grund dafür, diese Gedichte zu schreiben - ob sie nun jemand anders liest oder nicht... allein schon das Schreiben - sich selbst klar darüber werden kann etwas bewirken, viel verändern.
mögest du nie ganz aufhören deine Gedanken zu verschenken
Berni, der Apfel
[b]____________
man muß sich erst selbst kennen,
um andere zu verstehen[/b]
  Top