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geschrieben am: 12.02.2000 um 22:51 Uhr
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kapitel [b]30[/b]
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Die flüssige Atmosphäre gab nach und leistete Widerstand, gab nach und leistete Widerstand, während sie die Hände bewegte. Das war Ngenets Geschenk an sie, weil sie eine unausgesprochenen Frage beantwortet hatte, um seine Vermutung zu bestätigen: Endlich wußte sie, wie es war, ganz dem Meer zu gehören, und nicht ewig auf dem gefährlichen Drahtseil zwischen Wasser und Himmel balancieren zu müssen, auf der dünnen Trennlinie zwischen zwei Welten.
Sie lauschte dem rhythmischen, beruhigenden Einströmen von Luft, wann immer sie Sauerstoff benötigte, die mit etwas schalem Geschmack durch das Regulationsventil einströmte. In der Ferne waren die unergründlichen Tiefen des Meeres nebelverhangen un trüb vom aufgewirbeltem Sand. Doch hier, in der seichten Bucht, konnte sie ganz deutlich sehen - sie sah die makellose Schönheit von Silky und den Mers, ihren Gefährten, deren stromlinienförmige Körper von unsichtbaren Kräften voramgebracht wurden.
"Darum also singt ihr!" Ihre lachende Stimme hallte durch den Mundlautsprecher zu ihnen hinaus, obwohl sie nicht mehr wahrnehmen konnten als Luftblasen. [i]Weil man seiner Freude einfach Ausdruck verleihen muß![/i] In den Pausen zwischen ihren Atemzügen konnte sie das Lied der Mers hören, die Sirenengesänge, von denen sie bisher nur in Sagen und Legenden gehört hatte: ein Klangteppih aus Pfeiftönen, Wimmern und Bellen, glöckchenähnlichem Klingen, Seufzen und Schreien - einzelne, zusammenhanglose Geräusche, die sich zusammengenommen zu einem Chor verdichteten, der der Meeresmutter Lobeshymnen sang. Manchmal dauerte ein Lied stundenlang an - wenn sie wieder und immer wieder von ihren zeitlosen, über Jahrhunderte unveränderten Schöpfern angestimmt wurden.
Das wußte sie, obwohl ihre Komplexität außerhalb ihrer Fähigkeit lag, ein Lied vom anderen zu unterscheiden, und sie nicht sicher war, ob sie alle im Sinne eines menschlichen Liedes eine Bedeutung hatten ... Sie wußte das, weil sie es sich selbt gesagt hatte.
Als sie aus ihrem unerwarteten transfer erwacht war, hatte sie Ngenet gesehen, der ihre Hände hielt, tiefempfundene Gefühle huschten über sein bronzefarbenes Gesicht. Als sie wieder klar sehen konnte, hatte er ihre behandschuhte Hände an die Lippen geführt und sie geküßt. "Ich glaubte daran ... ich glaubte immer daran, hoffe, bete ..." Seine Stimme brach. "Aber ich hätte mich niemals getraut, dich zu fragen. Es stimmt. Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll!"
"Was ... was ist denn?" Sie schüttelte sich geistig und physisch aus.
"Die Mers, Mond! Die Mers ..."
[i]... eine intelligente, sauerstoffatmende, im Wasser beheimatete Lebensform, die durch genetische Manipulation künstlich erschaffen worden ist, um als Wirtskörper für Experimente bezüglich der Langzeitwirkung von Viren der speziellen Klasse IV zu dienen ...[/i] Die biologischen Klassifizierungen des Alten Imperiums waren endlos aus ihr hervorgeströmt, alle ohne Bedeutung für sie. Doch Ngenet hatte ihr jedes detail erzählt, das sich in seiner Erinnerung eingebrannt hatte. Seine Stimme barst vor Emotionen. [i]Intelligente Lebensform ... intelligent ...[/i]
Mond fühlte, wie Silkys Tentakel ihre Arme festhielten, während er einen salto mir ihr vollführte, der sie in den Ring schwimmender Körper hineintrug. Sie sah die blaue Decke der Bucht weit oben vorübergleiten, danach den sandigen, schattigen Boden mit seinen Kolonien von Meerlebewesen und Krustazeen. Überall hier unten existierte Leben, einzeln oder in Schwärmen, vertraut und unbekannt, Jäger und Gejagte ... und sie konnte sich in der Gesellschaft der Mers frei zwischen allen bewegen, deren angestammtes Territorium sie nun besuchen durfte, die wenig hier unten bedrohten und die nichts in den Meerestiefen fürchteten, die nichts fürchteten - außer der Jagd.
Sie hatte Miroe verblüfft gefragt, wie denn die Außenweltler verantworten konnten, das Wasser des Lebens anzuwenden, obwohl sie wußten, daß die Mers mehr als nur Tiere ware |
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