1 Stunde
oder
in vollen Zügen
Gedanken...
...über die Zeit,
den Mensch,
die Bewegung
und was in 1 Stunde geschieht
Ein kurzer Reisebericht (in 7 Texten)
Unterwegs
Mit ungeordneten Gedanken sitze ich im Zug.
Mir gegenüber ein Mann,
mit gräulichem Haar.
Auf dem Tisch liegt eine schwarze Tasche,
mit einem Werbedruck
von ‘Philosophie Jetzt’.
Er ließt ein Buch von Ernst Robert Cutius
mit dem Titel
‘Französischer Geist
im zwanzigsten JahrhundertÂ’.
An seinem linken Ringfinger
fällt mir ein blauer, ovaler Stein auf,
in Gold gefasst.
Den Stift für Notizen
hält er in der rechten Hand.
Und wie er mit der Linken
über die Seiten streicht,
sie umblättert
und das Buch festhält,
hat etwas von Bedächtigkeit.
Die Falten in seinem Gesicht
scheinen Geschichte,
Lebensereignisse zu erzählen,
selbst Ausdruck dessen was er liest
und sich Notizen machend, Gedankenerfahrungen.
Dann die Durchsage
‘Ankunft in Bonn’.
Der Mann wundert sich
über die Kürze seiner Fahrtzeit,
schaut noch einmal
im ausliegenden Reiseplan nach,
der bis jetzt zur Hälfte
unter seinem ‘französischen Geist’ lag.
Er nimmt seine schwarze Tasche,
schließt das Buch
und legt es hinein.
Noch einmal ein Lächeln
und dann
Aufwiedersehen.
Eines von den Lächeln
das er mir zeigte,
während ich ihm gegenüber saß.
Und wieder einmal mehr
sah ich etwas von einer Leichtigkeit
des Lebens.
Zu Beginn der Begegnung,
riß mich ein Anruf auf meinem Mobiltelefon
aus meinen ungeordneten Gedanken
und verursachte ein Gefühl
der Beschwernis.
Falten in meinem Gesicht,
Ausdruck dessen was ich fühle.
Der Versuch meine Gedanken zu ordnen
und eine mögliche Ebene
der Verständigung zu erreichen scheiterte
an meinem Gefühl.
‘Die Verbindung wurde abgebrochen.’
Ein weiteres Lächeln
und ich begriff.
Es ist der Geist der Klarheit
und Verständigung
der nötig ist
um eine Ebene des Vertrautsein zu schaffen.
Dann noch einmal
ein Klingeln des Mobiltelefon.
Den Augenblick erspüren
Nach Jahren angekommen zu sein,
an jenem Zeitabschnitt
der augenblicklich wahrzunehmen ist,
spüre ich eine Weite.
Pulsierend,
sich ausdehnend,
zusammenziehend
und wieder an Ausdehnung
und Volumen gewinnend.
Alles was vergangen ist,
fließt hinein in die Gegenwart
des zu erfassenden Zustandes.
Tiefe,
Weite,
Ausdehnung
und Füllvermögen des Augenblicks wirkt hinein in das Morgen,
in jeden zukünftigen Augenblick von tiefster Übereinstimmung
mit mir selbst,
dem Gefühl im Bauch
und den Gedanken des Geistes.
Gedanken
Jetzt an der Schwelle des nächsten Jahrtausend
mache natürlich auch ich mir Gedanken,
wie alle Reisenden hier im Zugabteil,
von denen jeder sich seine Gedanken macht - über das was Er,
der Mann im langen Mantel,
soeben in seinem Buch von ca. 250 Seiten
oder...
(Fortzetzung folgt demnächst)
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