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oldies

Nutzer: wupel
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geschrieben am: 23.03.2000    um 01:09 Uhr   
08.12.94
Ich sitze in dieser arschkalten, warmen Küche, muß an Bukowski und Miller denken, verpasse mir die nötige Portion Depression mit Peter HammillŽs Klageliedern, schaue verstohlen auf all die leeren Schnaps-, Wein-, Bier- und Tabascoflaschen, beginne einen einseitigen Disput mit dem Bild Jesu und seiner Jünger, schlürfe Instand-Kaffee, weil ich die Kaffeemühle nicht finde, male Bilder an die Wände, verfolge die Hammillsche Lyrik in den X-Dimensionen unseres Multiversums, lasse mich von ihnen einfangen und fortreißen in den Garten Eden und ins finstere Nirvana.
Alles verschwimmt.
Die Dinge in diesem Raum entwickeln, aus hyperdimensionalem Blickwinkel, ein wahrhaft interessantes Eigenleben.
Der Whisky in der eben noch leeren Flasche buhlt mit dem Rum um eine Liaison mit der Cola, die wiederum viel lieber im Haar der Katze ihre Klebfähigkeit unter Beweis stellen würde. Johannes im Troß der Jünger steigt aus dem Bild, schlaucht Žnen Kippen von mir und erkundigt sich nach dem nächstgelegenen Puff. Jesus läßt die Hüllen fallen, um seiner schier endlos wachsenden Männlichkeit ungläubig aber fasziniert bei der Entfaltung seines vitalen Eigenlebens zuzuschauen, legt Hand an sich und spült den Teufel mit Gallonen göttlichen Samens von der Erde. Und Venus, Aphrodite und tausend nackter Nymphen springen begeistert im Kreis und intonieren ein vielstimmiges Hallelulja.
Bacchus eröffnet seine Kneipe "Zum vertrockneten Christen" und barbusig bedienen muslemische Frauen den Papst und die Kardinäle.
Der Teufel stürzt sich, ob dieser Begebenheiten, noch vor Erreichen seiner heimischen Hölle in seinen Dreizack, die Welt nicht mehr verstehend.
In der schmierigsten Ecke der Taverne streiten sich die Hüter der Moral vergangener Jahrhunderte über die Frage, ob Päderastie nun schlimmer sei als Hurerei, Bigamie, Trigamie, Polygamie, Sodomie, Masochismus, Masturbation oder Ehe und währenddessen schmeißen ihnen die Weiber von Lesbos bei ihren erotischen Spielen die Orangensaft-Ersatzgetränke vom Tisch.
Leda treibt es wieder mit dem Schwan, Europa mit dem Stier, ich mit meiner Wärmflasche, mein Schafbock mit Katharina der Großen und selbst Dschingis Khan läßt sein Schwert fallen um mit Florence Nightingale ins Separee zu verschwinden.
Die Luft ist hochschwanger.
Vom Geruch kompromißloser Lust, von den Blicken endlosen Entzückens, die Zeit selbst steigt aus der Uhr, um teilzuhaben an diesem Spaß. Keine Frage nach dem Gestern, keine Frage nach dem Morgen. Der Tod ist tot. Es lebe die Lust. Die Uhr ist leblos. Es lebe der ewige Augenblick.
Die Moral harrt in Erwartung einer Entscheidung des Streites - schon hoffnungslos.
Don Quichote versetzt ihr, endlich sein Ziel findend, den Todesstoß, während Sancho Panza seinem Esel die Eier krault.
Und der Schöpfer, der lezte Grund, reibt sich im Gral, tief unter dem Zikkurat der ewigen Stadt, die Hände.
Sein Werk ist vollendet.
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Nutzer: wupel
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geschrieben am: 23.03.2000    um 01:41 Uhr   
7.10.94
Bierseelig schau ich in die sternenklare Dunkelheit und verfolge das Fallen der Kühlschränke durch glasharte Nachtluft auf frischgeköpften Rasen.
Der große Ball knallt mir gegen den Kopf und schafft Unordnung im vom blonden Stroh gefüllten Schädel.
Was macht der Ball, eklig grün, zwischen all den festverschlossenen Eisschränken? Wieso nur ist das Stroh in meinem Schädel blond?
Egal.
Ich binde eine Puppe aus dem Stroh, zwinge die störrischen Halme in die gewünschte Form. Es will mir nicht gelingen. Die prall gefüllten Ähren widersetzen sich meinen Anstrengungen. Stechen mich mit ihren Grannen.
Ich mußte an Pinoccio denken. Vielleicht band ich die Fäden zu fest? Vielleicht ist die gewünschte Form so nicht realisierbar?
Ich lockerte die Knoten, gab so dem Material selbst die Möglichkeit, sich entsprechend der ihm eigenen Vitalität zu entfalten. So geht es besser.
Ein Kühlschrank öffnet sich und spuckt einen schlechtbefrackten Pinguin aus, der sich uns, über Maulwurfshügel stolpernd, nähert und zu einem schrecklichen Gezeter über irgendwelche toten Sandkörnchen ansetzt. Ich halte ihm einen buntbeflossten Kugelfisch hin und bringe ihn damit zum Schweigen.
Er tauscht ihn gegen seine Stimme und verschwindet wieder im Eisfach.
Aus den letzten Halmen meines nun endlich leeren Kopfes bindet sich die Puppe selbst ein Bein. Fertig.
Ich sinke geschafft zurück und höre das Trompeten ganzer Horden von Gipselefanten. Nur mein Kopf ist leer. Der Schall sucht verzweifelt nach einer Möglichkeit, gefangen zu werden. Ich lasse ihn durchs andere Ohr einfach wieder raus. Soll der grüne Ball sich heut mit den Elefanten amüsieren.
Ich schaue auf die Puppe. Ihr fehlen noch die Augen. Soll ich es wagen? Einer sich ihr Bein selbst bindenden Puppe das Sehen zu geben? Was wenn ich ihr nicht gefalle? Was wenn sie mit mir hadert, lieber im Kopf geblieben wäre? Doch ich wollt es so. Ich ließ sie heraus. Sie band sich selbst ihr Bein. Was solls.
Ich schenkte ihr eines meiner Augen, schenkte ihr die Stimme des Pinguins und harrte ängstlich in kindlicher Erwartung.
"Alter Mann" sagte sie, und es war nicht mehr die Stimme des Pinguins, "Alter Mann, warum läßt du mich jetzt erst frei? Warum hab ich nur so lange in deinem Kopf zubringen müssen? Der gefüllt mit 10000 Fragen meinem Stroh nicht die Möglichkeit gab, den shit dieser Welt wegzuwischen. Das Netz deiner Zweifel ließ kein Licht an meine Halme. Sie verklebten im Brei unausgegorener Wünsche. Sie verklebten im Brei unterdrückten Wollens. Sie verklebten im Brei sinnloser Ängste."
Ich war benommen und schaute zum fernen Horizont an dem Elefanten mit einem grünen Ball Fußball spielten.
"Na dann" sagte ich und schaute sie an. Auge in Auge saßen wir zwei Ewigkeiten lang. Ich zog das Feuerzeug aus meiner Tasche.
"Noch nicht" sagte sie, langte in den Himmel, griff in die Sterne und schenkte uns jedem ein zweites Augenlicht. Noch zwei Ewigkeiten sahen wir uns an.
"Jetzt bin ich bereit" sagte sie.
Und während wir uns innig umarmten, züngelte das erste gierige Flämmchen an uns hoch.
Und irgendwo in diesem Universum. auf einem vollkommen uninteressanten Planeten der Klasse M am Rande des intergalktischen Nirgendwo, stieg der Qualm eines Strhfeuers von einer mit Kühlschränken übersähten Wiese in den Himmel.
Und niemand weiß es zu deuten.
Wozu auch!
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