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geschrieben am: 14.04.2000 um 23:19 Uhr
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"Sieh her" sagte der Meister. Ich blickte zu ihm auf, Blut und Tränen trübten meinen Blick. "Ich lehre dich kämpfen!"
Ich fühlte mich schwach. Mein Körper, wundenübersät, widerstand meinem Willen, der ihm aufzustehen befahl, und so blieb ich auf den Knien liegen.
In meiner Brust hämmerte der Schmerz. Die Rüstung, die sie schützte, war durchdrungen und aus dem Krater ronn mein Leben in rotbraunen Spuren hinab - langsam wie eine Schnecke schleimige und schmutzige Spuren über einen Spiegel ziehend.
Der Meister legte eine Hand auf meine Schulter. Ich spürte seine Kraft und seine Absicht, mir Mut zu spenden, doch ich war ein geöffnetes Gefäß, aus dem die Seele ungeschützt nach draußen pulsierte, in der Kälte der Luft erstarrte und verdarb, während in mir drin die letzte Quelle der Wärme einem schwarzen Loch glich, das den äußeren Tod ansaugte und mir das letzte Glimmen meines Lebens zu rauben drohte.
"Der Kampf da draußen, der geht schon so seit tausend Jahren." Er schwieg einen Moment. "...So viele sind schon gestorben, oder schlimmer, verblaßt! Wir wissen nicht, warum wir kämpfen, aber nach jeder Schlacht geht über dem Feld wieder die Sonne auf. Dieselbe Sonne, die schon immer den Gefallenen die letzte Ehre erwiesen, aber auch das trotzige Lächeln der Überlebenden gesegnet hat."
"Unsere Arme schmerzen, unser Herz schlägt schwach, einige Schlachten hinterlassen Wunden, die nie richtig heilen werden, andere machen uns stärker...aber letztendlich wird uns alle die große Müdigkeit ereilen, und wir werden schlafen." Er schwieg und schloß einen Moment die Augen. "....Vielleicht auch träumen, wer weiß das schon, es mag uns eine Hoffnung sein..." Er öffnete wieder die Augen. "Aber jetzt leben wir, die Schlacht ist geschlagen und wir lachen der Sonne entgegen...warte nicht auf das Glück, es gibt kein Glück, das einen ereilt, warte nicht auf einen Grund zu lachen - lache einfach, schaffe dir das Glück..denn es ist leichter, sich zum Lachen zu zwingen, als den Schmerz der Traurigkeit zu ertragen!"
Er blickte mich an, sah auf die rostbraune Öffnung in meinem Panzer und hob mein Schwert auf. "Nimm dein Schwert, dort brennt ein Feuer." Er deutete auf die Reste einer Kampfmaschine, die neben uns lag und in einer unheilvolle schwarzvioletten Flamme brannte.
"Nimm dein Schwert, erhitze es in der Feuersglut der Verdammnis und brenne dir damit deine Wunde aus...auf daß sie sich schließe und deine Seele ihren Halt in deinem geschundenen Leib finden möge."
Einen Moment zögerte ich..."Sei endlich hart zu dir selbst! Du mußt dich selbst lieben können, damit du geliebt werden kannst, und leben wirst du nur, wenn du leben willst."
Er stand auf und sagte: "Sieh diesen Himmel, sieh die Vögel, wie sie mit ihrem Gesang die eisige Ruhe der Schlacht verdrängen, sieh den Schmetterling dort auf deiner Rüstung, wie er sich an dem getrockneten Blut labt....Ich liebe die Ruhe nach dem Kampf, den Schmerz, der uns das Leben verkündet, und die sanfte Stille des Waldes, in dem ich nach den Schlachten Ruhe finde und die Hoffnung auf das Glück kommender Tage..." Der Meister lächelte zu mir. "Vielleicht treffen wir uns wieder, auf einem Feld wie diesem hier, oder aber auch irgendwo in der tröstenden Ruhe des Waldes als Erholung suchende Wanderer! Mag sein, wir lauschen in verstohlenen Winkeln dem Gesang von Feen, die sich sanft im Takte ätherischer Klänge wiegen..."
"Wir tragen unser Bewußtsein durch Raum und Zeit, Bote unseres Selbst, gesendet voller Sehnsucht....."
Gruß Sam
[Diese Nachricht wurde geändert von: sam_naseweiss (geändert am: 14-04-00).] |
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