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geschrieben am: 28.04.2000 um 00:11 Uhr
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Warten auf den Satz
Es beginnt fast immer auf die gleiche Weise. Er steht da, mit einem Gesicht, daß fatal an einen Cockerspaniel erinnert, und sagt mit einer Grabesstimme, die gar nicht zu dem gezwungenen Lächeln passen mag:
"Ich muß mit Dir reden" oder "Ich habe über einiges nachgedacht".
Und nun beginnt für sie das Warten auf das unvermeidliche, auf diesen anderen Satz, diese vier Worte, welche an Grausamkeit höchstens noch durch gewisse Waschmittelwerbungen zu überbieten sind, der Auslöser für eine genetische Zeitbombe, die Gott wohl in einem Anflug sehr seltsamen Humors in den Menschen einbaute....
Tick... Tick... Tick...Tick... Tick... Tick...
Aber ich greife vor.
Am Anfang waren Adam und Eva. Ob bei denen ein solches Gespräch jemals stattgefunden hat, weiß keiner so genau, allerdings ist es in Anbetracht der fehlenden Alternativmöglichkeiten eher unwahrscheinlich, daß Eva jemals Trennungsängste hatte. Dementsprechend klammerte sie wohl auch nie so sehr an Adam, um ihn einen Grund dafür zu geben, sich eingeengt zu fühlen (wo hätte er auch hin sollen). Und was Gott so kuppelte, hatte dann wohl bestand.
Seitdem hat sich einiges geändert. Nichts hält mehr für die Ewigkeit (außer mit Sekundenkleber bestrichene Teile, die an die falsche Stelle gedrückt werden, aber das ist ein anderes Thema). Selbst die Kirche läßt einen mit der Mords-Klausel "Bis das der Tod euch scheidet" die Hoffnung, das im Leben nach dem Tode wirklich alles besser werden kann. Freilich will nicht ein jeder so lange warten, und auch im Diesseits sind die Auswahlmöglichkeiten beachtlich gestiegen seit dem Rausschmiß aus dem Paradies. So kommt es immer häufiger vor, daß der neuzeitliche Adam auf erniedrigendste Art und Weise versucht, seinem Freiheitsdrang Platz zu verschaffen. Er schnappt sich die gepiercte Eva, sucht sich einen Ort in Ausschluß der Öffentlichkeit und beginnt mit dem peinlichsten Ritual, daß die Menschheit zu bieten hat.
Tick...Tick...Tick... Tick... Tick...
"Ich muß mit Dir reden." Allein für diesen Satz gehört dem Homo das Sapiens gestrichen. Was erwartet er, daß sie nun denk? Das er ihr von seinem letzten Skatabend erzählen will? Sonst konnte er doch auch mit ihr reden, ohne es vorher anzukündigen. Spätestens nach diesem Satz ist also klar, worauf er, nennen wir ihn ruhig weiter Adam, hinaus will. Doch anstatt ihm gleich eine zu watschen, setzt sie, welche wir Eva taufen, sich mit zitternden Knien auf den ihr angebotenen Platz und hofft, daß es nicht das ist, wonach es sich anhört. Das ist so, als würde sie ihren Kopf in eine Guillotine stecken, uns sich sagen: "Ein Trick, es ist bestimmt nur ein Trick, der Blutende Kopf da im Korb ist nur eine gutgemachte Puppe, und das seine Augenlider noch Zucken hat bestimmt nichts zu sagen..." Doch im Gegensatz zur Guillotine macht es Adam nicht kurz und schmerzvoll. Neeeeein. Um Eva zu schonen, holt er weeeeit aus. Es sei ja alles gar nicht das, wonach es aussehe, er wolle es ja eigentlich gar nicht tun, ob sie sich noch an diesen Abend vor drei Wochen erinnere, da habe das alles angefangen...
Tick...Tick... Tick... Tick...
Die kleinen Tatsachen, daß Es durchaus das ist, wonach Es aussieht, er Es durchaus im begriff ist, aus freien willen zu tun, und Eva krampfhaft versucht, zu verdrängen, was Es denn nun ist, verliert er dabei ein wenig aus den Augen. Und so redet und redet er zwischen einer halben Stunde und einer dreiviertel Nacht um den heißen Brei herum, während Eva das geistige Fallbeil immer näher kommen spürt, den Luftzug, als es sich aus der Halterung löst, dieses Zischen der zerteilten Luft, daß sich in Zeitlupe wie ein wahrer Orkan anhören muß, während ihre innere Stimme immer noch brüllt: "Ein Trick. Es muß ein Trick sein. Er würde dir doch nie weh tun."
Und das alles nur, um Eva zu schonen.
Tick...Tick...Tick...
Wenn dann der schneidende Satz fällt, er endlich den Mut findet, die Worte "Es ist aus" zu sagen und damit die Beziehung endgültig e |
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