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geschrieben am: 04.05.2000 um 20:17 Uhr
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Wahrheit
Ist es falsch,
ist es richtig,
gefährlich oder nur ehrlich,
die Wahrheit zu sagen, die Wahrheit zu denken?
Verschweigen wir sie,
leugnen wir uns und unsere Gefühle.
Sprechen wir sie aus,
wecken wir Hoffnungen oder zerstören sie,
erreichen Ziele oder kommen ins Straucheln.
Schwer abzuwägen,
wann die Wahrheit gut ist
oder Schmerz kostet.
Doch Wahrheit, Ehrlichkeit,
sie sind bedeutende Gaben.
Eigenschaften, die uns erlauben,
in unsere Augen und in die anderer zu schauen.
Denn auch wenn die Wahrheit Schmerz bedeutet,
kann er doch erträglicher sein als die lebenslangen Nadeln von Lüge und Heuchelei.
Wenn die Wahrheit unser Leben,
unsere Existenz gefährdet,
schrecken wir zurück,
halten inne, warten.
Auf diese Weise entsteht eine neue Wahrheit:
der Kompromiß.
Doch faul kann er sein, dieser Kompromiß.
Die Art von Fäule, die uns auffrißt,
langsam, still,
unaufhaltsam, auch nicht durch die Wahrheit.
Welchen Weg wir wählen,
liegt allein bei uns.
Bei jedem selbst.
So gehen wir durch unser Leben,
mit diesen zwei Ängsten, die uns flankieren:
Angst vor der Wahrheit,
Angst vor der Lüge.
Kein Grund zur Klage,
aber auch kein Grund, sich anzuklagen.
Das Leben ist und bleibt eine Herausforderung, so oder so.
Keiner hat uns vor diesem Leben gewarnt.
Und Weglaufen kann man nur vor sich selbst.
Doch sind wir nicht allein,
weder mit uns,
noch mit unseren Ängsten,
noch mit unseren Wahrheiten.
Wenn wir sie teilen,
entdecken wir vielleicht Gemeinsamkeiten,
finden zusammen:
Dann wird aus Angst Hoffnung,
aus Lüge die Stille,
aus Wahrheit das Wort.
Doch nur wenige Wahrheiten,
wenige Worte halten ein Leben lang.
Versprechen sie, ein Leben lang zu halten,
nennen wir es Liebe.
Sind wir am Ende unseres Lebens
und erfreuen uns noch immer dieser Liebe,
wissen wir, daß aus ihr Glück geworden ist.
(MMI, 1999) |
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