| "Autor" |
Spinne im Netz ? |
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geschrieben am: 20.05.2000 um 20:48 Uhr
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[i]Im Gefängniss[/i]
Mein Auge, wie stark oder schwach es nun ist, sieht nur ein Stück weit, und in diesem Stück webe und lebe ich, diese Horizont-Linie ist mein nächstes grosses und kleines Verhängniss, dem ich nicht entlaufen kann. Um jedes Wesen legt sich derart ein concentrischer Kreis, der einen Mittelpunct hat und der ihm eigenthümlich ist. Ähnlich schliesst uns das Ohr in einen kleinen Raum ein, ähnlich das Getast. Nach diesen Horizonten, in welche, wie in Gefängnissmauern, Jeden von uns unsere Sinne einschliessen, messen wir nun die Welt, wir nennen Dieses nah und Jenes fern, Dieses gross und Jenes klein, Dieses hart und Jenes weich: diess Messen nennen wir Empfinden, - es sind Alles, Alles Irrthümer an sich! Nach der Menge von Erlebnissen und Erregungen, die uns durchschnittlich in einem Zeitpuncte möglich sind, misst man sein Leben, als kurz oder lang, arm oder reich, voll oder leer: und nach dem durchschnittlichen menschlichen Leben misst man das aller anderen Geschöpfe, - es sind Alles, Alles Irrthümer an sich! Hätten wir hundertfach schärfere Augen für die Nähe, so würde uns der Mensch ungeheuer lang erscheinen; ja, es sind Organe denkbar, vermöge deren er als unermesslich empfunden würde. Andererseits könnten Organe so beschaffen sein, dass ganze Sonnensysteme verengt und zusammengeschnürt gleich einer einzigen Zelle empfunden werden: und vor Wesen entgegengesetzter Ordnung könnte Eine Zelle des menschlichen Leibes sich als ein Sonnensystem in Bewegung, Bau und Harmonie darstellen. Die Gewohnheiten unserer Sinne haben uns in Lug und Trug der Empfindung eingesponnen: diese wieder sind die Grundlagen aller unserer Urtheile und "Erkenntnisse", - es giebt durchaus kein Entrinnen, keine Schlupf- und Schleichwege in die wirkliche Welt! Wir sind in unserem Netze, wir Spinnen, und was wir auch darin fangen, wir können gar Nichts fangen, als was sich eben in unsere in Netze fangen lässt.
[i]Nietzsche[/i]
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| "Autor" |
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geschrieben am: 20.05.2000 um 22:04 Uhr
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wahnsinn starchaser,
du liest nietzsche ?
meine hochachtung
mfg rommel |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 22.05.2000 um 17:11 Uhr
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[i] spinnt die gedanken erstmal eine weile weiter... [/i]
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| "Autor" |
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geschrieben am: 22.05.2000 um 22:22 Uhr
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Leben als permanenter Irrtum. Mikro- und Makrokosmos?
Irre Perspektiven: Wenn die Bakterien in unsern Gedärmen Mikrokosmen wären, wäre jeder von uns ein All. War wäre dann das tatsächliche Universum?
Wenn uns die Wohnzimmerdecke zu tief erscheint, wenn die Wände zu eng werden, sollten wir uns logischerweise einige Tage ins Stille Häuschen begeben. Danach würde uns alles viel grösser erscheinen.
vero |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 23.05.2000 um 00:13 Uhr
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...spinnen wir weiter
wie die Wellen fortan die Oberfläche kreuseln
der Grund sich verzehrt
mit dem wissen alles ist wie zuvor
bei ruhiger Oberfläche
so sieht doch alles verzehrt aus
stetig von aussen uns etwas stört
stetig unsere Sinne uns vom Sinn lenken
...so mach mich Blind
damit ich nicht mehr sehe
...mach mich Taub
so ich nichts mehr höre
...mach mich stumm
meine eigene Stimme mich nicht stören soll
...so mach mich unendfindbar
mich nichts mehr kreuseln kann
Nun Sinn
laß dich etdeken
doch ich kann ihn nicht sehen
nicht hören
nicht rufen
niemals ihn fühlen
und es scheint
weder so noch so
er läßt sich nicht fangen
und würde alles mit Netzen behagen
es gibt immer mehr als einen Weg
so gibt es auch mehr als einen ihn zu finden
so gibt es ihn solange
wie unsere Leben uns binden
..mußt nur weiter
und weiter spinnen
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| "Autor" |
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geschrieben am: 23.05.2000 um 01:18 Uhr
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oder raus in die natur gehen |
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