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Haben oder Sein

Nutzer: Gast_Shadowdance
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geschrieben am: 27.05.2000    um 01:33 Uhr   
Haben oder Sein
Mensch, du vergißt, verdrängst den Schmerz
betäubst ihn, ist dir wohl um’s Herz
Galle, Leber, Muskeln und Nieren
deine Seele lebt, will nicht in dir erfrieren
Du Mensch glaubst an Körper und Geist
an das, was Mode ist, was die Vernunft beweist.
Mensch, deine Seele ächzt unter der Verstellung Qual
Krank bist du, noch wäre es deine Wahl
still in dich hinein zu horchen und zu fragen,
Du überläßt dich anderen die dir sagen
dass um im Leistungsprizip mitzuhalten
medizinische Mittel ihre Betäubung in dir entfalten.
Mensch, so kannst du ruhig weiter raffen und verdrängen
verankert in gesellschaftlichen Zwängen
brauchts körperlich und seelisch nichts zu fühlen
überläßt dich dem Morast, dem mehrheitlichen Wühlen
dem allgemeinen Klagen, Stöhnen, Jammern
du hast Materie, kannst dich daran klammern.
Und bist du irgenwann am Ende
legst in den Schoß getrost du deine Hände
im Tode willst du den nicht erreichten Frieden finden
deine verstorbene Seele soll nun leben, in Gott sich binden
verwesend willst Auferstehung Liebe du erreichen
bist doch Materie nur, gehörtest schon im Leben zu den Leichen.
Mensch, dein Leben einst auferstanden aus dem Nichts
deine Seele zeigt dir die Farbe des Lichts
du läßt sie völlig außer Acht
für dich zählt Ansehen, Karriere, Geld und Macht
es zählt allein der äußere Schein
das Raffen, Gaffen - niemals echte Sein.
Hättst deinem Fühlen du dich hingegeben
um wieviel reicher, schwerer, schöner wär’ dein Leben
so viel mehr Reichtum hättest du erkannt
wärst nicht aus Angst dir selbst davon gerannt
Dein Leben wäre niemals Last
Mensch erkenn doch, was lebend du verpasst.
5-9-90
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Nutzer: starchaser
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geschrieben am: 27.05.2000    um 20:08 Uhr   

Nun, Erich meinte, der nächste und letzte Schritt sei die Befreiung von den eigenen Zwängen. Leider gab er keinen Hinweis darauf, wie nah oder entfernt dieser Zeitpunkt zu denken sei.
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Nutzer: sam_naseweiss
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geschrieben am: 27.05.2000    um 22:31 Uhr   
War das Gedicht auch von E. Fromm, oder von dir, aber durch ihn inspiriert?
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Nutzer: Gast_Shadowdance
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geschrieben am: 30.05.2000    um 02:13 Uhr   
Das Gedicht ist von mir, nicht inspiriert von Erich Fromm, auch wenn ich den natürlich gelesen habe, nur der Titel stammt nicht von mir.
Es ist mehr eine Art Stinkwut, die ich auf unsere Gesellschaft habe. Gefühle darf man nicht zeigen, man soll immer schön freundlich und gefällig sein, brav sein, ja keine Stimmungsschwankungen! Gefühle wie Trauer (um einen geliebten Menschen zB), Wut (weil wieder etwas nicht geklappt hat), Angst (weil
der nächste Tag etwas Unangenehmes bringen kann) darf man in unserer Gesellschaft kaum zeigen. Tut man es doch, gilt man als unverbesserlicher Spinner. Aber es gibt ja Mittelchen gegen solche "schrecklichen" Gefühle, man greift zu Beruhigungsmitteln, läßt sie sich verschreiben. Unsere Ärzte sind gerne bereit die Mittelchen zu verschreiben.
Menschen, die trauern passen auch nicht in den Leistungsprozess. Sie leisten nämlich nicht, sie trauern. Beides geht nicht.
Was glaubt Ihr, warum so viele Menschen abstumpfen? Menschen, die ihre unangenehmen Gefühle wie Angst, Wut und Trauer nicht mehr leben, schalten damit auch die angenehmen Gefühle wie Zufriedenheit und Glück ab. Sie leben stumpf vor sich hin, uninteressiert. Menschen, die diese eigenen Gefühle nicht fühlen "dürfen", leben auch ohne Mitgefühl für Andere.
Ich kenne genug Männer, die nicht weinen dürfen, weil es als ein Zeichen der Schwäche gilt, wenn ein Mann weint. Gefühlsmässige Schwächen darf Mann nicht zeigen, auch wenn diese zum Menschen gehören.
Der Mensch ist glücklicherweise nicht nur intelligent. Die kalte Intelligenz ohne Gefühl würde den Menschen zu einem Monster umformen, wovon wir in unserer deutschen Geschichte genug Beispiele haben, es gibt sie jedoch weltweit, diese Monster.
Sie suchen außerhalb von sich, nicht wissend, daß sie den Teil ihres Ichs vermissen, den sie in ihrem Inneren abgeschaltet haben (Ich-verlust).
Dieser Gefühlsverlust kann kompensiert werden durch Kaufrausch oder Stress, Arbeitswut, Fernsehwut usw. Menschen wollen immer mehr, finden keinen Frieden, keine Ruhe, sie werden haltlos Suchende ...
Ich kenne auch viele Christen, die glauben, daß sie den Zustand der Zufriedenheit erst nach dem Tode im "Reich Gottes" erfahren können... Möge jeder glauben, was er will.
Aber Gefühle von Zufriedenheit und Glück gibt es auch auf Erden!
Wenn Ihr mir nicht glaubt, dann schaut Euch mal um, schaut Euch Eure Mitmenschen an, fällt Euch was auf?

P.S. Ich freu mich auf Antwort, nur habe ich nicht immer Zeit gleich zurück zu schreiben.
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Nutzer: starchaser
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geschrieben am: 30.05.2000    um 04:05 Uhr   

na, ob sich das ganze auf die christen einengen läßt.
[i]flame on [/i]
soweit ich informiert bin handelt es sich um eine überholte und recht mittelalterliche vorstellung bei der vorstellung des vallis lacrimarum (?), des lebens als ewigem tal der tränen, durch das der gläubige auf knien durchzurobben habe bis zum tore der verheissenen glückseligkeit. auf der anderen seite auch eine der grossen lehren unserer gesellschaft: die zu freundlichen tälern heruntergespielten verkraterten und befirnten gebirge die sich heute noch auf tun wo man nur hinblickt. willsagen lacrima zu laktat, träne zu milchpulver - industrie liefert den honig noch dazu, damit das rechtsdrehende gebräu als paradiesisch schäumender mal grün mal roten göttertrunk labend und nicht schadend den alltagsrauhen gaumen des sehnenden pilgers herunterrinne.
[i]flame off[/i]
ist es nicht oft die unselige mischung kalter Intelligenz gepaart mit überschlagendem gefühl das zum wahren monster heranreift ? ich denke die abgestumpften zombies waren die ( nicht unbedingt willenlosen da meist sehr zweckorientiert handelnden ) automaten. die treibende kraft lag woanders.
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Nutzer: Gast_Shadowdance
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geschrieben am: 31.05.2000    um 16:09 Uhr   
Stimmt Starchase! Ich setze halt ein gewisses
Grundwissen voraus... sowie Du anscheinend auch.
Ich meinte mit "viele Christen" eine bestimmte (!) Gruppe, die tatsächlich das Dasein auf Erden nur als irdische Hölle und als Vorstufe zum herrlichen Leben im Himmel betrachtet.
Auch damit hast Du Recht, Menschen mit kalt berechnender Intelligenz und überschlagendem Gefühl können Zombies werden, es gibt da ja einige Beispiele. Aber wie wär's mit einem gesunden Mischungsverhältnis im Inneren des Menschen: Körper, Geist und Seele?
Die Dreieinheit im Gleichgewicht?
Das JinJan?
Der Körper als Hülle, der Geist - um den realen Menschenverstand zu gebrauchen, und die Seele mit ihren drei zusammenspielenden Elementen aus Kindheits-ich, Eltern-ich und Erwachsenem-ich?
Glaubst du, dass Menschen, die im Einklang (in Harmonie) mit sich, der Natur, der Umgebung leben, unsere Welt und sich selbst weiter zerstören?
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