|
|
|
geschrieben am: 09.06.2001 um 18:14 Uhr
|
|
10. Juli 2002
(Wenn das hier stimmt, ist heute mein 35. Geburtstag. Happy Birthday to me. Happy Birthday to me. Happy Birthday, happy Birthday to me!)
11 Uhr 42. Es ist jetzt so weit. Ich habe alles aufgebaut. Die präparierte Mikrowelle steht auf Position und ist mit den Sesseln abgeschirmt, sodass die Druckwelle gegen die Tür gelenkt wird. Ich trinke mir nur noch etwas Mut an. Dafür ist der Whiskey jetzt gut. Und wenn ich das Glas leer habe, gehe ich hoch und zünde die Zündschnur an. Prost. Bis gleich. Es geht los.
Das Haus brennt. Das ganze Haus. Ich weiß nicht wieso. Die Explosion schlug fehl, die Tür blieb zu, die Sessel brannten, aber die Sprinkleranlage sprang nicht an. Computer meldete: Hard Error im Feuerlöschprogramm. Erschütterung muss Festplatte beschädigt haben. Kein Feuerlöscher weit und breit. Plötzlich steht der Kaminbot vor mir und sprüht Brandbeschleuniger. Ich befehle "Feuerwehr", aber mein eigener Override-Befehl hindert Big Mama daran, die Feuerwehr zu rufen, dann brennt der Boden zu meinen Füßen vor dem Sessel. Ich will zur Tür, sie öffnet sich nicht. Das Emergency-Case-Programm ist Scheiße. Der Kaminbot zieht immer größere Kreise um die Sesseltrümmer und legt Brandringe, die der Fönbot zu den Sesseln bläst. Das Tropenholz im Treppenhaus brennt wie Zunder. Ich bin durch die Flammen gerannt und in den Keller geflüchtet. Hier habe ich mich verbarrikadiert, mit meiner Kleidung die Tür versiegelt, damit wenigstens die Luft nicht entweicht oder Rauch eindringt. Ich weiß nicht, wie viel Zeit mir hier bleibt, ob rechtzeitig Hilfe kommt. Wenn das Feuer durchkommt, werde ich es mit Wein löschen. Oben dumpfes Gepolter: Mauern, die einstürzen oder herabfallende Balken. Der Keller ist hoffentlich stabil genug, um das Einstürzen zu verhindern. Wenn die Flammen durchkommen, bin ich geliefert.
Und wenn nicht bald Hilfe kommt.
Ich war an der Tür. Sie glüht, aber sie scheint zu halten. Ich schreie, ich meine Stimmen gehört zu haben, vielleicht ist die Feuerwehr schon da, das BKA, wer auch immer, aber ich kann nicht schreien, die Luft bei der Tür ist zu heiß, sie versengt mir die Lungen und hier unten hört mich niemand. Ich hoffe, dass wenigstens diese Datei erhalten bleibt.
Gerade haben mich Putzstückchen getroffen. Ich glaube, die Decke reißt, aber ich kann es nicht sehen. Hier drin ist es so warm, dass ich, obwohl nackt, schweißnass bin. Lange halte ich das nicht mehr aus. Und jetzt schalte ich ab und verstecke den Computer, es gibt eine Nische im Keller, wo er gut aufgehoben sein müsste. Ich hoffe, wenigstens dieser Bericht überlebt. Nicht, dass mich die Menschen für einen völlig durchgeknallten Verrückten halten, der vor lauter Reichtum sein Haus abgefackelt hat. Obwohl es ja stimmt.
|
| Warum richtest Du über mich, wenn Du doch keine Ahnung hast, wovon ich spreche, wie ich lebe, wie ich liebe? |
|
|
|
|