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seher-brief |
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geschrieben am: 28.07.2000 um 16:46 Uhr
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Das erste Studium des Menschen, der Dichter sein will, sei die gänzliche Erkenntnis seines Selbst; er suche seine Seele, er erforsche sie, er versuche sie, lerne sie kennen. Sobald er sie kennt, muss er sie vervollkommnen; das scheint einfach: in jedem Gehirn vollzieht sich eine natürliche Entwicklung; wie viele Egoisten nennen sich nicht Autoren, und andere gibt es, die ihren geistigen Fortschritt sich selber zu verdanken meinen! - Aber man muß die Seele ungeheuerlich machen: wie die Comprachicos, ja! Stellen Sie sich einen Menschen vor, der sich Warzen ins Gesicht pflanzt und sie großzüchtet.
Ich sage, daß man Seher sein, sich zum Seher machen muß.
Der Dichter macht sich zum Seher durch eine dauernde, umfassende und planvolle Verwirrung aller Sinne. Alle Formen der Liebe, des Leidens, des Wahnsinns; er suche sich selbst, er schöpfe alle seine Gifte aus, um nur ihre Quintessenzen zu bewahren. Unsägliche Folter, zu der er seinen ganzen Glauben nötig hat, all seine übermenschliche Kraft, unter der er unter allen der große Kranke wird, der große Verbrecher, der große Verdammte, - und der höchste Weise! - Denn er kommt im Unbekannten an! Weil er seine Seele, die schon reich ist, reicher ausgebildet hat als irgendein anderer! Er kommt im Unbekannten an, und wenn er auch, betört von seinen Visionen, den Verstand über ihnen verliert, so hat er sie doch gesehen! Mag er umkommen in seinem Sprung zu den unerhörten und unsagbaren Dingen: andere schreckliche Arbeiter werden kommen; sie werden an jenen Horizonten beginnen, an denen er hinsank!
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A. Rimbaud (1854-1891) an Paul Demeny - Mai 1871
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geschrieben am: 29.07.2000 um 21:36 Uhr
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| "Autor" |
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geschrieben am: 30.07.2000 um 09:41 Uhr
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Geradeaus und frei fabuliert an Rimbaud:
Wir leben in einer anderen Zeit, Rimbaud. Gefragt ist nicht jenes verklärte Poetenbild, das den Dichtermenschen projeziert als vom Schicksal gebeuteltes Täteropfer, das bei Gelegenheit noch etwas geniale Züge trägt.
Dichten eine Kust? Der Dichter ein in sich verstickter Künstler, der in Anlehnung an das humanistische Bildungsniveau zugleich auch noch Lehrer oder Belehrender der Menschheit sein will?
Gefragt ist der Durchblick. Das heisst ein möglichst ungetrübter Blick in die Mechanismen der Gegenwartsgeschichte. Da must Du Politiker, Wissenschafter, Pfaff, Seelsorger und Philosoph gleichzeitig sein, Deine Erkenntnisse verarbeiten und bearbeiten, in eine Form bringen, die dem zweifellos durch die Medien verbogenen Publikum angenehm ist.
Fleiss und harte Arbeit sind angesagt. Du bist als Autor nichts weiter als ein Kumpel.
Wenn Du Deine Fingerspitzen betrachtet scheinen sie Dir zweifellos sauberer als jene des Bergwerkarbeiters. Sie sind zweifellos feiner, unverbrauchter und edler.
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vero
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