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"Autor"

hört genauer hin....

Nutzer: honeypie
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geschrieben am: 07.08.2000    um 10:56 Uhr   
Bitte höre, was ich nicht sage! Laß dich nicht von mir narren. Laß dich nicht durch das Gesicht täuschen, das ich mache. Denn ich trage tausend Masken- Masken, die ich fürchte abzulegen. Und keine davon bin ich. So tu als ob ist eine Kunst, die mir zur zweiten Natur wurde. Aber laß dich dadurch nicht täuschen, um Gottes willen, laß dich nicht von mir narren.
Ich mache den Eindruck, als sei ich umgänglich, als sei alles sonnig und heiter in mir, innen wie außen, als sei mein Name Vertrauen und mein Spiel Kühle, als sei ich ein stilles Wasser und als könne ich über alles bestimmen, so als brauchte ich niemanden.
Aber glaub mir nicht, bitte, glaub mir nicht! Mein Äußeres mag sicher erscheinen, aber es ist meine Maske. Darunter ist nichts Entsprechendes. Darunter bin ich, wie ich wirklich bin: verwirrt, in Furcht und alleine. Aber ich verberge das. Ich möchte nicht, das es irgend jemand merkt. Beim bloßen Gedanken an meine Schwächen bekomme ich Panik und fürchte mich davor, mich anderen überhaupt auszusetzen. Gerade deshalb erfinde ich verzweifelt Masken, hinter denen ich mich verbergen kann: eine lässige, kluge Fassade, die mir hilft, etwas vorzutäuschen, die mich vor dem wissenden Blick sichert, der mich erkennen würde. Dabei wäre dieser Blick gerade meine Rettung. Und ich weiß es. Wenn er verbunden wäre mit Angenommenwerden, mit Liebe. Das ist das einzige, das mir die Sicherheit geben würde, die ich mir selbst nicht geben kann: dass ich wirklich etwas wert bin.
Aber das sage ich dir nicht. Ich wage es nicht. Ich habe Angst davor. Ich habe Angst, dass dein Blick nicht von Annahme und Liebe begleitet wird. Ich fürchte, Du wirst gering von mir denken und über mich lachen- und dein Lachen würde mich umbringen. Ich habe Angst, dass ich tief drinnen in mir selbst nichts bin, nichts wert, und dass du das siehst und mich abweisen wirst. So spiele ich mein Spiel, mein verzweifeltes Spiel: eine sichere Fassade außen und ein zitterndes Kind innen.
Ich rede daher im gängigen Ton oberflächlichen Geschwätze. Ich erzähle dir alles, was wirklich nichts ist, und nichts von alledem, was wirklich ist, was in mir schreit; deshalb laß dich nicht täuschen von dem, was ich aus Gewohnheit rede.
Bitte höre sorgfältig hin und versuche zu hören, was ich nicht sage, was ich gerne sagen möchte, was ich um des Überlebens wille rede und was ich nicht sagen kann. Ich verabscheue Versteckspiel. Ehrlich! Ich verabscheue dieses oberflächliche Spiel, das ich da aufführe. Es ist ein unechtes Spiel. Ich möchte wirklich echt und spontan sein können, einfach ich selbst, aber du musst mir helfen. Du musst deine Hand ausstrecken, selbst wenn es das letzte zu sein scheint, was ich mir wünsche. Nur du kannst diesen leeren, toten Glanz von meinen Augen nehmen. Nur du kannst mich zum Leben rufen. Jedesmal, wenn du freundlich und sanft bist und mir Mut machst, jedes Mal, wenn du zu verstehen versuchst, weil du dich wirklich um mich sorgst, bekommt mein Herz Flügel- sehr kleine Flügel, sehr brüchige Schwingen, aber Flügel!
Dein Gespür, dein Mitgefühl und die Kraft deines Verstehens hauchen mir Leben ein. Ich möchte, dass du das weißt.
Ich möchte, dass du weißt, wie wichtig du für mich bist, wie sehr du aus mir den Menschen machen kannst, der ich wirklich bin- wenn du willst.
Bitte, ich wünschte, du wolltest es. Du allein kannst die Wand niederreißen, hinter der ich zittere. Du allein kannst mich aus meiner Schattenwelt, aus Angst und Unsicherheit befreien- aus meiner Einsamkeit.
Übersieh mich nicht. Bitte- bitte, übergeh mich nicht! Es wird nicht leicht für dich sein. Die lange andauernde Überzeugung, wertlos zu sein, schafft dicke Mauern. Je näher du mir kommst, desto blinder schlage ich zurück. Ich wehre mich gegen das, wonach ich schreie. Aber man hat mir gesagt, dass Liebe stärker sei als jeder Schutzwall, und darin liegt meine Hoffnung.
Bitte versuche diese Mauern einzureißen, mit sicheren Händen, aber mit zarten Händen: ein Kind ist sehr
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Nutzer: Tendrick
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geschrieben am: 12.08.2000    um 11:42 Uhr   
Vor allem bist Du aber mutig, honeypie, und, daß Du nicht alleine bist kann ich Dir nur sagen, weil ich weiß, wie es ist so zu sein. Ich finde es schön, daß das Kind hinter seinen Mauern hervorschaut und winkt, denn zu schnell vergißt man, daß hinter den Mauern noch etwas Lebendiges, etwas Empfindsames ist. Nur zu schnell...
ich wollte eigentlich nur, dieses blasse Kind im Sonnenschein begrüßen und ihm verraten, daß die Mauern um es herum etwas dünner geworden sind und ihm nur dieses kleine einfache und unbezahlbare Lächeln schenken.
Tendrick, der Lichtelf
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Nutzer: Gast_hobbitmädchen
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geschrieben am: 12.08.2000    um 16:07 Uhr   
besser zuhören und hören, was andere nicht hören, weil es nicht sofort hörbar ist
besser zusehen und sehen, was andere nicht sehen, weil es nicht sofort sichtbar ist
Und ein bißchen weniger Oberflächlichkeit in der Welt.
Nein, allein bist Du nicht (irgendwie geht es mir nämlich auch noch oft genug so, daß ich mich wertlos fühle und Mauern ziehe) und Mut hast Du auch (kann ich Tendrick nur zustimmen. Ich möchte nicht, daß Deine Mauern bleiben, also habe ich versucht, was nettes zu schreiben (und hoffe, daß es nicht nur Blödsinn ist)
Mit einem Lächeln
Hobbitmädchen
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Nutzer: Gast_Shadowdance
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Anzahl Nachrichten: 281

geschrieben am: 12.08.2000    um 16:48 Uhr   
Ein ganz ähnlicher Text ist mir bereits vor Jahren begegnet in:
"Johannes" von Heinz Körner
(Lucy Körner Verlag/ ISBN 3-922028-00-4)
weitere Hilfe zu diesem Thema und zur Erkenntnis sind die Werke Ulrich Schaffers
(Kreuz Verlag und Groh Verlag)
und aus "Wieviele Farben hat die Sehnsucht":
die Steinpalme S. 79
(Lucy Körner Verlag)
ISBN 3-922028-12-8
... ich erkenne Dich hinter Deinen Mauern,
und Du hast Recht, fast alle Menschen verbergen sich hinter Mauern, eben aus Angst
vor der Nichtakzeptanz der Anderen, aus dem
Gefühl der Unsicherheit, nicht zeigen zu dürfen, wie man wirklich ist.
Das Schönste was auf dieser Erde passieren kann, ist einem Menschen zu begegnen, der
sich selbst zeigt, der sein Ich zu erkennen
gibt, ohne Schutzmauern ...
Das einzige Mittel hierzu ist Selbstvertrauen.
Nur wenn wir uns selbst vertrauen, können wir uns ausliefern an Andere, auch auf die Gefahr hin, daß wir nicht akzeptiert werden von der Person unseres Verrauens. Dann haben wir uns leider in der anderen Person getäuscht und sollten nicht aufgeben weiterzugehen durch unser Leben auf der Suche nach denen, die es wert sind, von uns geliebt zu werden.
Du hast sehr viel Mut, diesen Text zu veröffentlichen, hab' nun auch den Mut zu Dir zu finden und Dir vertrauen zu lernen.
Eine weitere Hilfe könnte "das Manifest"
oder "die innere Stimme" von Ulrich Schaffer
(Kreuz Verlag) sein.
Ich habe vor Jahren denselben Weg eingeschlagen und gehe ihn seitdem ... und seit ich mir vertraue, komme ich mit dem Leben und den vielen Enttäuschungen viel besser zurecht ...
...so gut, daß ich es wage, Dir hier an dieser Stelle eine Antwort zu geben.
Shadowdance
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