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geschrieben am: 17.08.2000 um 17:30 Uhr
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Was Du hier beschreibst, Anonyme
ist ein Leid, das Du mit vielen Menschen teilst.
Die Familie, die erstmal die Gefahr nicht erkennt, beschönigt, Alkohol ist normal, nichts anderes als ein Lebensmittel, gehört zur Freizeitgestaltung. Ein Mensch ist öfter betrunken? Naja, das gehört zum guten Ton. Er trinkt heimlich, ist stets besoffen?
Das wollen wir nicht wahrhaben, das kann nicht sein, wir haben keinen Alkoholiker in der Familie. Eine Schwäche so öffentlich zugeben? Mein Gott, schämt er sich nicht? Man kann sich doch beherrschen. Wie kann er uns so etwas antun! Was werden denn die Leute sagen. Nehmt ihm einfach den Alkohol weg, dann lernt er's schon. Sucht? Unfug. Das ist doch nur Schwäche, er hat keinen Charakter,
er benimmt sich verkehrt.
Also wenn er weiter säuft, wollen wir nichts mehr mit ihm zu tun haben. Er gehört nicht mehr zu uns. Laßt ihn links liegen, ignoriert ihn, dann merkt er, was er uns damit antut.
Ja...liebe Familie, er merkt es, er hat noch lichte Momente. Momente, in denen er nicht zu
ist. Momente, in denen er weiß was er tut. Momente, in denen er den Schmerz fühlt, den eigenen und den, der ihm von der Familie angetan wird: die Verachtung.
Es ist niemand da, der ihn begreift, der zu ihm hält, ihn auffängt, ihm Rückhalt gibt. Niemand zeigt Verständnis für ihn, außer denen, die sich in der gleichen Situation befinden. Der Schmerz der Verachtung durch die Familie, der Selbsthass nicht aufhören zu können, obwohl man es doch eigentlich will, es aber nicht schafft, weil die Sucht stärker ist, als der immer schwächer werdene Wille, führt dem nächsten Vollrauch in die Arme.
Die Familie sieht hilflos, machtlos weg, man schweigt das Thema tot, als ob es damit aus der Welt sei. Die Familie sieht, was passiert, aber sie will es nicht sehen, will diesen Schmerz nicht ertragen. Die Familie geht psychisch kaputt, der Säufer baut psychisch und körperlich ab.
Die Bilder, die wir hier aufzeigen, sind die typische Situation von Familien mit Alkoholabhängigen.
Der einzige Weg, den es gibt, für Familie und Kranke, ist Unterstützung suchen, bei Leuten, die sich mit dieser Problematik auskennen. Sowohl die Familie als auch der Kranke brauchen Rückhalt ,Verständnis und Akzeptanz der Situation. Vorwürfe und Verschweigen verschlimmern das Problem.
Verständnis, Rückhalt und Akzeptanz wird, sowohl Angehörigen von Alkoholikern als auch Alkoholikern selbt, angeboten durch
die Al-Anon-Gruppen, die beinahe überall im Land vertreten sind. Die Anonymität der Helfenden, der Familien und der Kranken wird gewährleist.
Den ersten Schritt aus dem Teufelskreis hast Du gesetzt, Anonyme: Du gibst zu, daß dieses Problem besteht. Der zweite Schritt (was kann ich tun, um diese Situation zu verändern) ist: professionelle Hilfe suchen bei den Anonymen Alkoholikern (AA).
Ich wünsche Dir die Kraft, das Vertrauen und den Mut, diesen Schritt zu tun. Du bist nicht allein, es sind sehr viele in der gleichen Situation wie Du.
Ich grüße Dich mit viel Verständnis,
Shadowdance
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