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geschrieben am: 03.09.2000 um 14:46 Uhr
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Liebe Anonyme,
es gibt keinen Menschen auf der Erde, der nicht im Laufe seines Lebens durch Situationen und Menschen verwundet wird oder sich selbst Wunden zufügt, weil man etwas tut, was man hinterher unendlich bedauert.
Es gibt Zeiten, da häufen sich Wunden in dichter Folge, eine nach der anderen und wir haben nicht die Zeit oder die Möglichkeit, jede einzelne zu fühlen oder wir flüchten vor dem Schmerz und rennen weg, irgendwohin.
Es gibt Wunden, die heilen mit der Zeit von alleine. Es gibt Wunden, die brechen immer neu auf, eitern: das sind die schweren Verletzungen der Seele, die erst gefühlt betrauert werden wollen, bevor sie heilen können.
Warum sollst Du nicht fröhlich sein und lachen und mit der Zeit mitlaufen?
Doch wenn sich Deine Wunden zu Wort melden, dann verharre einen Moment, fühle sie, schau sie an, erinnere Dich, fühle den alten Schmerz noch einmal neu, er wird heute anders sein, auch Du bist heute anders als damals. Traure die Zeit, die Du brauchst, traure über den Schmerz dieser Wunde und auch sie wird sich mit der Zeit verschließen.
Worte, Lieder können Erinnerungen auslösen.
Niemand von uns kennt Deine Wunden, niemand weiß, was Du erlebt hast, niemand außer Dir weiß wer Du bist und wie Du fühlst. Wir sprechen aus uns heraus. Wir sprechen mit Dir nicht, um Dich zu verletzen, wir wissen nichtmal, daß wir Dich verletzen.
Nimm Dir Zeit für Dich selbst, leide, traure über die Wunden in Dir, nimm Dich ihrer an, sie gehören zu Dir, sie formen Dich zu dem Menschen, der Du heute bist, der Du wirst.
Wunden sind Erfahrungen, die wir alle auf dem Weg durch das Leben machen. Die Wunden, die wir durchlitten haben, können uns einen tiefen Einblick in die menschliche Seele geben, der uns zu Verständnis gegenüber uns und unseren Mitmenschen führt. Wir können auch an unseren Wunden verbittern, uns und unseren Mitmenschen Schuld zu weisen, uns verschließen vor dem Leben.
Dich und die Menschen von damals, gibt es heute nicht mehr, Ihr seid älter, anders geworden. Die Situation ist verändert. Wen willst Du heute für damals bestrafen?
Opfer werden zu Tätern, Täter zu Opfern.
Mit welchen Menschen gehts Du lieber um:
mit denen, die Dich anklagen, weil sie verbittert sind oder mit jenen, die mit Verständnis auf Dich zugehen, die Dich achten?
Dazu fällt mir ein altes Sprichwort ein: Füg' niemandem zu, was Du nicht willst, daß man Dir tu'.
Jeder Mensch erklimmt zeitens seines Lebens Höhen und stürzt in tiefe Schluchten. Tief unten angekommen, in den dunklen Abgründen der Seele, sehen wir oft nichtmal mehr den Lichtschimmer, der von oben herein
leuchtet. Das sind dann Momente des tiefen Schmerzes, der uns blind macht für alles um uns herum. Doch je mehr der Schmerz abebbt, desto mehr öffnen sich unsere Augen wieder, um das Licht und das Schöne um uns herum zu erkennen. Auf jede Dunkelheit folgt Licht. Jedes Ende wird zum Anfang.
Niemand entscheidet für Dich wie Du leben willst, niemand geht für Dich durch Dein Leben, wir können Dich an der Hand nehmen, Dich ein Stück des Weges begleiten und stützen, doch gehen mußt Du selbst.
Geh' weiter Anonyme, das Leben ist herrlich, trotzdem.
Shadowdance |
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