Die Dämmerung am Horrizont
-Die Wunde im Inneren der Seele
1. Sturm und Verderben
-Amazonasgebiet; Ende 1999
Der blutrote Schleier seines Zorns lichtete sich, er schmeckte das übelrichende Fleisch, das seine Kiefer zermalmten, und er erspührte die Würmer, die seinen Hals herunterglitten, wie Vorboten der Plage, die an seiner Seele nagen würde, wenn er jetzt nicht den uralten Instinkt beiseite schieben würde, die seine rationales Denken blockierten und nur Raum für ureigene, wilde Emotionen ließ.
Er riß seine Klauen aus dem zerissenen Leib des übelrichenden Leichnahms, der einst vor langer Zeit mal ein menschliches Wesen gewehsen sein mochte, aber jetzt nicht mehr.
Dieser Mensch war befallen gewehsen. Befallen durch das Übel, das auch an seiner Seele nagte, wenn er den Instinkten, die immer noch in seiner Brust wüteten nicht Einhallt gebieten könnte.
Angewiedert spuckte er die von ünbeschreiblichem glibbrigen Schleim triefenden Tentakel aus seinen mächtigen Kiefern. Der Gestank des Verderbers ließ ihn würgen, und er spie die Würmer aus, die sich anschickten weiter in sein Innerstes zu krichen.
Da konnte er seinen Ersten Gedanken wieder klar fassen, die wilden, zorngeladenen Ausbrüche waren verraucht, und er spürte den bohrenden, zuckenden Schmerz der vergifteten Wunden, die die Kreaturen mit ihren schleimigen Tentakeln und geifernden Zähnen gerissen hatten.
Die Eintrittsstellen der Kugeln schlossen sich bereits kribbelnd und ein leichter Schmerz durchzuckte seinen Verstand. Sein einst prächtiges Fell hing stinkend vom Schleim und zerfetzt hinunter. Er erblickte seine fehlenden Finger der rechten Klauenhand vor sich liegen. Eines seiner Augen war verletzt worden, und er sah nur verschwommen die Gestalten, die zerfetzt und unmenschlich verkrümmt überall um ihn herumlagen. Er schaffte es mit einer schmerzlichen Ansträngung sich der Leiber zu endledigen, und sich aufzurichten.
Wie von Thors Hammer gefällt fiel er brüllend und geifernd wieder zwischen den dahingeschlachteten Leibern, seine mächtigen Arme wirbelten herum und versuchten Halt in der widerlich glitdschigen Masse zu finden. Seine Klauen rissen dabei die aufgeblähten Leiber auf, und gelbe, nach Verderben stinkende Gallerte glodderte über ihn.
Sein rechter Hinterlauf war nichts weiter als eine blutige Masse getrockneten Fleisches und selbst ihm wurde schwindelig vom Geruch des verbrannten Fells und des Fleisches, das einst sein eigen war.
Doch der uralte für den Kampf geschaffene Metabolismus einer Kampfmaschine und eines Teils des Immunsystems Gaias, ließ eine erlöhsende Ohnmacht nicht zu.
Endsetzen fraß sich in sein Verstand, als er den zerissenen Leib seines Kampfgefährten und Freundes Grauer-Heuler vor sich sah, dessen aufgerissene, endsetzlich lehren Augen ihm aus dem brutal abgerissenen Schädel des einst stolzen CrinosWolfes anstarrte.
Er schrie auf und ein tiefes Grollen entronn seiner Kehle, das einem Menschen den Verstand geraubt hätte.
Sie sind Tod, alle waren sie Tod.
Entsezt wehrte sich noch sein Verstand das geschehene Schreckniß zu begreifen.
Mit einer Schnelligkeit war die nahmenlose Wut, der schreckliche selbstzerstörerische Zorn, der bohrende Haß wieder da und fraß sich in seinen Verstand.
Alle waren sie Tod. Sie hatten den Weg der wahren Nachfahren beschritten und waren nicht zurückgewichen, als die Diener des Wyrm kamen. Sie hatten ihnen bis zu letzt die verdorbenen Herzen rausgerissen und ihre stinkenden Leiber zerissen.
Sie alle waren den Weg gegangen, und würden in Walhalla auf ihn warten.
Bilder rannten durch den umnebelten Geist, Gerüche, Namen, Erinnerungen. Schwestern, Brüder, Vater, Mutter, die Weggefährten......
Der Zorn spühlte den letzten Rest Vernunft hinfort, und das Tier erwachte erneut in ihm, ließ ihm die Schmerzen vergessen.
Er reckte die Klauen genn rauchverhangenem Himmel und brüllte seine Wut hinaus, eine Herausforderung an alle, die dem spurlosen Pfad des Wyrm fo |