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Spiegelwege

Nutzer: Gast_chicita
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geschrieben am: 22.10.2000    um 19:18 Uhr   
Und da ward ich ausgeschickt
den Weg der Spiegel zu erkunden - die
mich die Zukünfte erblicken lassen sollten;
und ich schritt froh aus
alle Unsicherheit verbergen suchend
auch vor mir selbst.
Dann stand ich vor dem ersten Spiegel,
suchte seine verschwommenen Bilder für mich
zu schärfen;
doch sah ich auch die Wandtafel, die
nur einmal angebracht -
am ersten aller Spiegel.
Worauf zu lesen stand:
"Hinter jedem Spiegel erblickst Du einen Weg;
betrittst Du ihn, so wirst Du nie
den alten wieder betreten, vielmehr
neue Spiegelwege gehen.
Jeden Weg kannst Du nehmen. - Wenn
Dich das Bild des Spiegels erfreut,
geh'! oder geh' nicht!
Wenn es Dich schreckt,
geh'! oder geh' nicht!
Wenn es Deinen Sinnen verschwommen
bleibt,
hüte Dich! zu gehen; denn - auch
alle folgenden Wege werden
voll sein - mit verschwommenen Spiegeln."
Der erste Spiegel blieb mit verschwommen -
so hütete ich mich.
Auch der zweite schenkte keine Bilder -
weder der dritte,
noch der vierte;
ich zagte schon, da sah ich den fünften.
Aber auch er, so lange ich auch schaute,
schien' s nicht zu gewähren -
mir den klaren Weg zu weisen;
winzige Konturen sah ich,
ja! und
verzagt war ich,
ja!
so ging ich doch, aber schlau,
rückwärts - diesen Spiegelweg
und verirrte mich -
beinahe!
Mit Schmerzen schlingerte ich den Weg zurück
's war kein Versuchen, ein Wollen,
ein Wissen;
ein Müssen. - Mit Mühen.
Ich fand, - die Warnung der Tafel
im Ohr -,
wieder den fünften, so froh.
Der Weg - also dann -
von vorn;
der des Suchens, wenn es denn eine Abzweigung
für mich geben würde?
So setzte ich mich nieder, und
gedachte der Irrwege, die ich
schon beschritten hatte,
der Qual, der Last.
Ich steckte die Verzagtheit in
eine Tasche und schritt wieder
aus.
Ich ging und ging und fand doch nie
den rechten Spiegel für meinen Weg.
Da sah ich dich - rückwärts auf mich zugehend.
Warst du auch so verzagt - doch schlau
gewesen - wie ich?
Hattest du aus Verzagtheit auch schließlich
i r g e n d e i n e n Weg beschritten,
doch zugleich um der falschen Richtung wissend,
schlau rückwärts gegangen?
So befragte ich mich, in Erwartung eines gequälten
Gesichtes, wenn du dich
drehen würdest.
Und du drehtest dich, und ich sah deines, du meines.
In deinen Augen schimmerten all' die
verschwommenen Spiegel der Welt, aber
- ich sah noch mehr -
und deshalb
ergriff ich deine Hand.

Tara Tamon
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Nutzer: schlau
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geschrieben am: 24.10.2000    um 09:05 Uhr   
schön
;-)
 
alle menschen sind gleich. gleich doof, gleich hässlich und gleich beleidigt.
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Nutzer: sharon-baby
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geschrieben am: 24.10.2000    um 10:08 Uhr   
#es ist wunderschön, wie man seine Sehnsüchte doch so wundervoll in Worte fassen kann........
Einfach nur schööööön!!!
sharon-baby
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Nutzer: Gast_diewolke
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geschrieben am: 24.10.2000    um 18:15 Uhr   
...schluckt....
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Nutzer: princesa
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geschrieben am: 24.10.2000    um 23:55 Uhr   
[i]...dankend und bewegt zu chicita schaut...[/i]
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Nutzer: jace
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geschrieben am: 25.10.2000    um 00:28 Uhr   
dies meine liebe chici ist unsere ewige suche nach dem sinn, nach den sinnen, nach uns...nur manchmal, da geht ein spiegel kaputt...und wir sehen in den scherben unser verzerrtes gesicht (leben), unsere wunde seele und gehen den weg der suche weiter....*lächelnd ab
jace
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Nutzer: Gast_habermaus
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geschrieben am: 28.10.2000    um 18:27 Uhr   
Den rechten Weg?
... die Geschichte vom Spiegelweg beeindruckt mich tief, macht mir auch etwas Hoffnung - zumindest ist man nicht allein - auf der Suche, auch nicht beim Scheitern
... was können wir uns geben, denen es ähnlich geht, ... den Weg finden, indem wir Suchende finden, uns finden?
... hier wohl ein stückweit uns begegnen, ihn gemeinsam gehen, uns verlieren und zerreißen, das kann es nicht sein
... vielleicht uns erkennen, uns unsere Schwächen zugestehn, vor uns selbst
<BLOCKQUOTE><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica quote:</font><HR>Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild, dann aber von Angesicht zu Angesicht, jetzt erkenne ich teilweise, dann werde ich aber erkennen, genau wie ich erkannt worden bin (Hohe Lied der Liebe, Korinther)<HR></BLOCKQUOTE>
ein Spiegel erlaubt uns - zumindest stückweit - uns zu sehen, wie andere uns sehen

[Diese Nachricht wurde geändert von: habermaus (geändert am: 28-10-00).]
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Nutzer: jace
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geschrieben am: 31.10.2000    um 09:26 Uhr   
....als wir uns fanden, waren für für den moment keine suchenden mehr...
jetzt...sind wir wieder suchende ...und können uns doch nicht mehr finden...
rastlos....
jace
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Nutzer: Gast_chicita
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geschrieben am: 23.12.2000    um 18:48 Uhr   
schattenspiegel
wie oft ich dich sah und dich nie erkannte,
wie wir einander bedingen..
schaue ich dich an, so erkenne ich mich in dir,
sehe dich durch mich und du mich in dir.
ich strahle dich an, und du wandelst schatten in licht
und scheinst auf mich zurück
so lange ich denke, warst du da,
sahst mich wachsen
und begleitetest mich,
zum dank dafür pflege ich dich
doch warum antwortest du mir nicht,
wenn ich so voller fragen bin?
schweigst, glotzt mich dumm an und machst mir alles nach,
wie falsch du bist, lache ich, so lachst du zurück,
doch weine ich hast du kein wort des trostes
warum nur bist du so kalt, nicht riechen kann ich dich,
zerbrechen möcht ich dich in tausend stücke,
deine fratze nicht mehr sehen doch was dann..
ich werde dich nicht los.
was glaubst du, wer du bist, wenn ich nicht wollte, daß du
wärst.
und wenn ich nun bin nur, weil du mich erkennst?
du bist schein und doch wahr, und ich?
bin ich ohne dich nichts?
wie oft du mich sahst und mich nie erkanntest


[bild "Der Spiegel der Entinnerung" von w.lettl]
p.s. keine angst..bin nicht depressiv [i]smile[/i] fand nur das bild so treffend..

[Diese Nachricht wurde geändert von: chicita (geändert am: 23-12-00).]

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Nutzer: Gast_diewolke
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geschrieben am: 28.12.2000    um 05:53 Uhr   
....aber er antwortet doch.....
Schau genau hin, hinterfrage und rücke ihn etwas ans Fenster, ins Licht.
Jeden Tag sagt er dir die Wahrheit, er fragt nicht danach, ob du sie hören magst?
Du entscheidest, ob du stehen bleibst und genau hinschaust, hinhörst, einfach erkennst.
Wolkenknuddel
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Nutzer: Gast_chicita
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geschrieben am: 28.12.2000    um 15:13 Uhr   
[b]Portrait einer inneren Eiche[/b]
[i]von Philipp Schaffer[/i]
«Folge meinen Gabelungen und ich sage Dir, wer Du bist», raunt die jahrzehntealte Eiche, welche einen ihrer breiten Äste weit hinaus in den See streckt.
Zwei Enten schwimmen unter dem Ast durch. Jener ist mit feuchtem Moos besetzt; Farn wächst darauf.
Das Gefühl überkommt mich, mit den klatschenden Wellen in ein fernes Land zu fliessen. In ein Land des Seins. Wo nur noch die Liebe des Einen zählt. Der Ast der Eiche weist wie ein Finger in dies entlegene Reich.
Ich folge der Gabelung, weiter, immer weiter hinaus.
«Wer bin ich?» frage ich.
«Höre.»
Doch meine Ohren sind taub.
«Wer bin ich nun?» frage ich weiter.
«Siehe.»
Doch meine Augen sind blind.
«So sag mir doch, wer ich bin», bettle ich.
«Fühle», mahnt die Eiche.
Doch ich bin leer.
Da verstummt auch der Baum.
Nur noch die Wellen, der kalte Wind, das Spiegelbild des grauen Himmels auf dem Wasser...und ich.
Ich friere.
Doch plötzlich peitscht ein feiner Ast meine Wange.
«Wie willst Du Dich selbst erkennen, wie willst Du Deine Rolle im Spiel der Spiele ausmachen, wenn Du nicht einmal wahrnehmen kannst, was um Dich ist?» fordert die Eiche eine Antwort.
Ich weine.
«Gehe Deinen Weg. Deine Gedanken erschaffen die Wirklichkeit, deren Dasein nur eine von zahllosen Erscheinungsformen ist», raunt die Eiche.
Ich kehre wieder.
Tag für Tag.
Und irgendwann sage ich: «Eiche, was bist Du?»
«Wenn ich Dir das sagte», lächelt der Baum, «hieltest Du dann die Welt an?»
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[i]lächel@wölkchen&siemalganzfestdrückt..ist nicht mein bild [/i]
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