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Die Liebenden

Nutzer: tristesse
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geschrieben am: 07.11.2000    um 19:08 Uhr   
Die Liebenden
Seht jene Kraniche in großem Bogen!
Die Wolken, welche ihnen beigegeben,
zogen mit ihnen schon, als sie entflogen
aus einem Leben, in ein anderes Leben.
In gleicher Höhe und mit gleicher Eile
scheinen sie alle beide nur daneben.
Dass so der Kranich mit der Wolke teile
den schönen Himmel, den sie kurz befliegen
dass also keines länger hier verweile
und keines andres sehe als das Wiegen
des andern in dem Wind,den beide spüren,die jetzt im Flug beieinander liegen: So mag der Wind sie in das Nichts entführen.
Wenn sie nur nicht vergehen und sich bleiben
so lange kann sie beide nichts berühren
so lange kann man sie von jedem Ort vertreiben,
wo Regen droben oder Schüsse schallen.
So unter Sonn und Monds verschiedenen Scheiben
fliegen sie hin, einander ganz verfallen.
Wohin, ihr? -Nirgend hin.- Von wem davon? -
Von allen.
...
Ihr fragt,wie lange sind sie schon beisammen? Seit kurzem.
Und wann werden sie sich trennen? Bald.
So scheint die Liebe Liebenden ein Halt.
(B. Brecht)
[Diese Nachricht wurde geändert von: tristesse (geändert am: 07-11-00).]
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