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geschrieben am: 12.11.2000 um 20:10 Uhr
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... öffentliche Privatdiskussionen sind mir zuwider. Ich hätte gern an einem anderen Ort mit Dir darüber diskutiert, aber ich nehme die Herausforderung an. Ich weiß, daß Du es nicht als Herausforderung meintst, mir hier unter meinem Namen einen thread zu widmen, doch betrachte ich es wohl als eine solche.
Bitte setze nicht voraus, daß Du und ich gleicher Meinung sind oder einander sehr ähnlich sind, denn ich stelle dies sehr in Zweifel. Mag sein, daß wir einander in manchen Bereichen verstehen, uns ähnlich ausdrücken und vielleicht die Natur ähnlich erfahren.
Menschen herausfordern und zum Nachdenken anregen, ist eine Möglickeit zu leben. Es ist Dir sicher bekannt, daß Du mit dieser Herausforderung nur Menschen erreichen kannst, die sich erreichen lassen, die sowieso nachdenken und zweifeln. Die anderen werden Deine sehr langen Threads nicht lesen. Es werden auch immer nur jene antworten, die sich angesprochen fühlen. Das sind meist Menschen, die bereits ihre Verantwortung gegenüber dem Leben und sich selbst übernehmen. Das was ich hier beschreibe, ist eine Gesetzmäßigkeit, die ich in langen Jahren immer wieder beobachtet habe. Egal in welchem Bereich.
Du forderst also Menschen heraus zum Nachdenken, die nachdenken. Du erwähnst die verantwortungslose Haltung des Machtmißbrauchs der Kirche in den vergangenen Jahrhunderten. Was Du leider nicht erwähnst ist, daß die Regierungen beinahe aller Länder dieser Erde Machtmißbrauch betreiben. Sowohl in der Vergangenheit als auch heute noch. Wollte man Dein Denken konsquent fortsetzen, müßte man fragen, woher nehmen wir uns das Recht überhaupt noch zu leben, da wir alle mitschuldig sind, an dem Leid auf dieser Welt, denn wir tun nichts dagegen.
Vermutlich ist diese Frage gerade der Sinn Deiner Argumentation. Die Übernahme der eigenen Verantwortung.
Leider kann nichts von all dem was in der Vergangenheit geschehen ist, je wieder ungeschehen gemacht werden. Die Millionen Tote, die im Wege des Machtmissbrauchs für Staat und Kirche geopfert worden sind, sollten uns sicher zum Nachdenken anregen, wie wir heute leben, was wir mit uns machen lassen, wo wir eine eigene Verantwortung übernehmen können, wo wir hinschauen und nicht wegschauen sollten.
Genau das ist - meiner Ansicht nach - unsere Verantwortung: hinschauen und handeln. Nicht wegschauen und schweigen und so tun, als ginge es uns nichts an. Alles was um uns herum geschieht, geht uns sehr direkt etwas an. Wenn wir nämlich nicht endlich unseren Mund aufmachen, sehr laut sagen und leben, was uns nicht gefällt, an der Zerstörung unserer Umwelt, am Umgang mit unseren Mitmenschen, an Gewalt und Zerstörung, könnte es sein, daß wir bald alle nicht mehr sind.
Das alles fängt ganz klein und beim Individuum an. Jeder hat einen Beitrag zu geben, jeder der lebt, Augen hat zu sehen, Ohren zu hören.
Was willst Du erreichen? Sollen die Weltreligionen, die Kirche sich im Nichts auflösen, weil sie sich in der Vergangenheit schuldig gemacht haben? Willst Du alle Regierungen entthronen, weil sie alle Machtmißbrauch betreiben? Dazu bedürfte es der Menschen, die ihrer bewußt lebend und handelnd, nach und nach diese Systeme abbauen würden. Eine erwachsene, bewußte, verantwortliche Gesellschaft aus Individuen, die erst denken, sich einfühlen, dann handeln. Ein utopischer Traum.
Du schreibst, Du willst das Spiel der Lüge und Dummheit nicht mitmachen. Willst Du all jenen, die sich durch Deine Texte angesprochen fühlen, also jenen, die bereits nachdenken und Dir antworten, unterstellen, daß sie dumm sind und lügen? Wieviel Lüge und Dummheit ist dann in Dir? Hast Du Dich selbst bereits hinterfragt? Wer bist Du? Welche Motivationen treiben Dich an? Was tust Du an Deiner Stelle, um die Verantwortung zu übernehmen, die Dir als Mensch zukommt? Reicht es Dir aus, Themen zu diskutieren, die bei uns, die wir eh schon denken, bekannt sind? Welche Wahrheit willst Du ans Licht führen? Die der Geschichte? Die Wahrheit, daß Menschen um uns herum leiden |
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