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Meine Mutter (nicht von mir :o))

Nutzer: abalone
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geschrieben am: 12.11.2000    um 21:16 Uhr   
[b]Meine Mutter[/b]
I
Als meine Mutter ein Vierteljahrhundert lang
Mutter gewesen war und Frau, aber das konnte sie
vergessen mit der Zeit, als sie so geworden war
wie eine anständige Frau werden mußte
klüger als die Großmutter, ergebener als die Tanten
sparsamer in der Küche und in der Liebe als eine
der das Glück in den Schoß gefallen war
als sie genug Krümel von der Tischkante geschnippt
als sie die Hoffnung begraben hatte, einmal eine Dame
im Pelz zu sein wie in den Modeheften vor dem Krieg
die sie immer noch hinten in der Speisekammer hütete
als sie anfing, den Töchtern ins Gesicht zu sehen
auf der Suche nach Spuren, die sie im eigenen Gesicht
nicht fand, als sie nicht mehr vor Angst aufwachte
weil sie vom Bügeleisen geträumt hatte
das nicht ausgeschaltet war, als sie schon manchmal
wagte, die Beine am frühen Nachmittag
übereinanderzuschlagen, fraß sich ein Krebs
in ihre Gebärmutter, wuchs und wucherte
und drängte meine Mutter langsam aus dem Leben.
II
Zehn Tage nach ihrem Tod war sie im Traum plötzlich
wieder da. Als hätte jemand gerufen, zog es mich
zum Fenster der früheren Wohnung. Auf der Straße
winkten vier Typen aus einem zerbeulten VW
einer drückte dabei auf die Hupe. So ungefähr
sahen die Berliner Freunde vor fünf Jahren aus.
Da winkt vom Rücksitz auch eine Frau:
meine Mutter. Zuerst sehe ich sie
halb versteckt hinter ihren neuen Bekannten.
Dann sehe ich nur noch sie
ganz groß wie im Kino, dann ihren mageren weißen Arm
auf dem auch in Nahaufnahme kein einziges Härchen
zu sehen ist. Wenn sie eilig am Gasherd hantierte
hatten ihr die Flammen häufig die Haare versengt.
Am Handgelenk trägt sie den silbernen Armreif
den ihr mein Vater noch vor der Verlobung geschenkt hat.
Mir hat sie ihn vererbt. Ich die gebohnerten Treppen hinab,
An der Haustür höre ich schon ein Kichern: Mama!
rufe ich, der Nachsatz will mir nicht über die Lippen.
Meine Mutter sitzt eingeklemmt zwischen zwei
lachenden Jungen. So fröhlich war sie lange nicht mehr.
Willst du nicht mitfahren? fragt sie. Aber im Auto
ist doch kein Platz, sage ich und blicke
verlegen durch ihre seidige Bluse
so eine trug sie zu Lebzeiten nie
auf ihre junge, noch ganz spitze Mädchenbrust
und denke, ich muß den Vater rufen. Da heult schon
der Motor auf, die klapprige Tür wird von innen
zugeworfen. An der Haustür könnte ich mich ohrfeigen.
Nicht einmal die Autonummer habe ich mir gemerkt.
[i]Ursula Krechel[/i]
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Nutzer: Gast_Branwen
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geschrieben am: 17.11.2000    um 12:29 Uhr   
..finde ich wunderschön.
zwar traurig, doch ich merke, das ich nicht allein bin in meinen Ängsten..
Branwen
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Nutzer: Gast_bienvenue
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geschrieben am: 20.11.2000    um 17:58 Uhr   
[b][i]...ein spätes Schuldgefühl gegenüber der jungen Mutter?[/i][/b]
...sie durch den Umstand der eigenen, kindlichen Existenz an Arbeit & Verantwortung gekettet zu haben?
...ihr sogar einen Teil der Jugend unwiderruflich genommen zu haben?
Wenn es so wäre... - diese Schuld begleichen wir (die Kinder) nicht unmittelbar bei unseren eigenen Müttern und Vätern, sondern indem wir selbst Kindern das Leben schenken und dann einen Teil unserer eigenen Freiheit für sie hergeben, "sie" - die nächste Generation. Dadurch schließt sich der Kreis von vermeintlicher Schuld und Sühne - als "Vertrag" über die Generationen hinweg.
..und die Menschen, die aus welchen Gründen auch immer keine Kinder haben - tragen sie dieses Schuldgefühl ohne Möglichkeit der Wiedergutmachung unbewusst in sich?
*...nachdenklich und leise geht...*

CU - BienVenue

[b]P.S.[/b] Im SpassChat steht wohl doch der Spass im Vordergrund. Daher an dieser Stelle nochmal der Versuch, eine angeregte Diskussion zu entfachen ;-)




[Diese Nachricht wurde geändert von: bienvenue (geändert am: 20-11-00).]

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Nutzer: Gast_pipil
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geschrieben am: 22.11.2000    um 08:04 Uhr   
......nun.....ich bin tief getroffen, und doch sehe ich die hoffnung......die hoffnung, daß auch mütter irgentwann *leben* dürfen......und sei es erst nach dem tod.
doch warum muß man so lange warten?
liegt es vielleicht daran, daß der ehemann nach einiger zeit nur noch die gut funktionierende haushaltsmaschine und lebensbewältigugs-und-halt-mir-den-ärger-vom-hals-automaten in seiner frau sieht?
liegt es vielleicht daran, daß kinder in ihrer mutter immer nur zwitterwesen sehen, die keine eigenen bedürfnisse, sehnsüchte, träume und lieben haben?
was läuft falsch?
sind wir mütter selber schuld?
warum sagen (oder besser schreien) wir nicht.......
HALT !!!
mir reichts. ich bin auch ein mensch und habe das recht auf mein glück.
es ändert nichts an meiner liebe zu euch kindern, an meiner verantwortung, an meinen aufgaben.....
nur....warum darf ich nicht jetzt schon leben? jetzt....mit euch zusammen....warum muß ich warten, bis ich tot bin?
sollte frau sein und kinder und mann haben ein wiederspruch in sich sein??
das kann nicht sein.
wieviel schöner kann das leben für ALLE sein,
wenn JEDES wesen als individium angesehen wird.....und nicht alle, außer der mutter.
es sollte uns allen zu denken geben.....
welche rechte nehmen sich kinder heraus, der mutter das recht abzusprechen......FRAU zu sein.........
wieder mal.....gedanken von mir
pipiL
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Nutzer: Ronsard
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geschrieben am: 22.11.2000    um 20:14 Uhr   
[i]...seine pipiL mal gaaaaaanz doll umarmt und küßt..[/i]
sie kann sich nicht beklagen,
eigendlich geht es ihr doch ziemlich gut,
na ja, sie weiss, nach so vielen jahren
fehlt das feuer,
doch bleibt ihr immer noch
etwas von der wärmenden glut.
da sind die ersten kleinen falten
auf ihrer immer noch recht jugendlichen haut,
oh ja, sie hat sich wirklich gut gehalten,
doch seine seltenen komplimente
klingen viel zu vertraut.
sie ist hausfrau und mutter,
hat beides gewollt, doch da war irgendwann auch mal mehr.
manchmal fragt sie sich, war das nun alles,
doch dann räumt sie hinter den kindern her.
heimlich träumt sie sich fort,
heimlich sucht ihre liebe den fast schon vergessenen ort,
wo heimliche wünsche vergeh'n,
heimlich, in arme, die zärtlich versteh'n.
früher war er anders,
sie waren frisch verliebt, das ideale paar.
er war erfolgreich, dann die heirat,
und die zukunft war schon immer völlig klar.
ja, sie weiss, was sie hat,
doch sie spürt, was ihr fehlt
und ihr hunger ist längst nicht gestillt.
sie wischt staub und bleibt steh'n
an der wohnzimmerwand vor dem süssen familienbild.
heimlich träumt sie sich fort,
heimlich sucht ihre liebe den fast schon vergessenen ort,
wo heimliche wünsche vergeh'n,
heimlich, in arme, die zärtlich versteh'n
und der junge mann, der sie im traum besucht,
kümmert sich und betet sie an,
und sie hofft und sie fürchtet den augenblick,
da sie ihn wirklich trifft,
denn - was dann?
[i]...pur...heimlich...[/i]
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Nutzer: Gast_pipil
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geschrieben am: 22.11.2000    um 20:31 Uhr   
als der liebe gott die mutter schuf....
als der liebe gott die mutter schuf, machte er bereits den sechsten tag überstunden. da erschien der engel und sagte: "herr, ihr bastelt aber lange an dieser figur."
der liebe gott sprach:"hast du die speziellen wünsche auf der bestellung gelesen?
- sie soll vollwaschbar, darf aber nicht aus plastik sein;
- sie soll 160 bewegliche austauschbare teile haben;
- sie soll von essensresten und schwarzem kaffee leben können:
- sie soll einen schoß haben, den man nicht mehr sieht, wenn sie aufsteht;
- ihr kuß soll alles heilen, vom beinbruch bis zum liebeskummer;
- sie soll sechs paar hände haben."
da schüttelte der engel verwundert den kopf uns sagte:" sechs paar hände? das wird kaum zu machen sein, oder?"
"die hände machen mir kein kopfzerbrechen", sagte der liebe gott. "aber die drei paar augen, die eine mutter haben muß!"
"gehören die denn zum standartmodell" fragte der engel.
der liebe gott nickte. "ein paar, das durch geschlossene türen blickt, während sie fragt:" was macht ihr gören denn da drin?"
obwohl sie es längst weiß. ein zweites paar im hinterkopf, mit dem sie sieht, was sie nicht sehen soll, aber wissen muß. und natürlich noch dieses paar hier vorn, aus denen sie ein kind ansehen kann, das sich unmöglich benimmt, und die sagen "ich verstehe dich und habe dich sehr lieb", ohne daß sie ein einziges wort spricht."
"oh herr", sagte der engel und zupft ihn leise am ärmel."geht schlafen. macht morgen weiter."
"ich kann nicht", sprach der liebe gott, "denn ich bin nahe daran, etwas zu schaffen, das mir einigermaßen ähnelt. ich habe bereits geschafft, daß sie sich selber heilt, wenn sie krank ist, daß sie eine sechsköpfige familie mit einem pfund gehacktes satt bekommt und einen neunjährigen dazu bewegen kann, sich unter die dusche zu stellen."
der engel ging langsam um das modell der mutter herum. "zu weich", seufzte er.
"aber zäh", sagte der liebe gott energisch. "du glaubst gar nicht, was diese mutter alles leisten und aushalten kann."
"kann sie denken?"
"nicht nur denken, sondern sogar urteilen und kompromisse schließen", sagte der schöpfer.
schließlich beugte sich der engel vor und fuhr mit einem finger über die wange des modells. "da ist ein leck", sagte er.
"ich habe euch ja gesagt, ihr versucht, zuviel in dieses modell hineinzupacken".
"das ist kein leck", sagte der liebe gott, "das ist eine träne".
"wofür ist die?"
"die fließt bei freude, trauer, enttäuschung, schmerz, verlassenheit und stolz".
"ihr seid ein genie", sagte der engel.
da blickte der liebe gott traurig.....
"die träne", sagte er, "ist nicht von mir".....
(erma bombeck)
ich hoffe, der ein oder andere hält durch, den text bis zum ende zu lesen.......es lohnt sich.....es lohnt sich, wenn auch nur ein einziger von euch zu seiner mutter geht und sie in die arme nimmt......einfach nur so.......
pipiL
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"Autor"  
Nutzer: Gast_bienvenue
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geschrieben am: 26.11.2000    um 04:52 Uhr   

[i]*lächelt* - ja man/frau sollte bereits zu Lebzeiten der Mutter (und des Vaters!) mal aufrichtig und ehrlich "Danke" sagen und die eigenen Eltern so etwas wie Achtung, Wertschätzung & Liebe spüren lassen - auch wenn die alten Damen und Herren evtl. nicht wissen, was "liebknuddelz" bedeuted, sie werden es aber bestimmt mögen![/i]
CU - BienVenue
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Nutzer: Gast_Branwen
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geschrieben am: 28.11.2000    um 22:29 Uhr   
*lacht* ...
Pipil., wie schön...
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