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Das Vorbild - Eine Kurzgeschichte

Nutzer: Gast_Mercurystorm
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geschrieben am: 15.11.2000    um 18:42 Uhr   
Miriam war allein. Sie lief mit vor Kälte steifen Beinen in einer sehr verkrampften Haltung quer über den kahlen Asphalt des Hofes vor dem Gemeindehaus. ‚Musikprobe...aber es ist ja nicht wie sonst', dachte sie, ‚heute kommt er endlich.' Ein Lächeln verdrängte kurz den regungslosen Ausdruck von den kältegeröteten Gesichtszügen. ‚Heute wird er uns besuchen.' Fröstelnd zog sie den langen, schwarzen Mantel weiter zu, wand kurz die Augen in den bleichgrauen Herbsthimmel und drückte sie dann wieder gen Boden, stur auf die Spitzen ihrer Schuhe blickend. Taps Taps...gedankenverloren näherte sie sich dem alten Gebäude, wollte gerade wieder hochsehen, als ihr plötzlich ein plumper Gegenstand derb gegen die Seite prallte und sie dabei prompt zu Boden warf. Winzige zornige Funken sprühten aus ihren Augen heraus, als sie sich hektisch aufrappelte und den Mantel abklopfte. Sie war mit jemandem zusammengestoßen und sah diese Person nun vorwurfsvoll an. "Kannst du nicht aufpassen?" giftete sie. Stotternd stand vor ihr eine bleiche Gestalt, fast schon schüchtern zerbrechlich und scheinbar vollkommen überrascht. In deren Gesicht tanzte nur Erstaunung. "Verzeihen sie..." hauchte sie, ihr Atem wurde zu Dampf, "Es....es war meine Schuld" Die Person war ein wenig kleiner als Miriam, in ihrer Stimme konnte man einen leichten, russischen Dialekt hören. "Jaja.." knurrte Miriam unfreundlich. ‚Russen'... Sicherheit stieg in ihr auf, als sie der schwach wirkenden entgegenblickte. Die schaute betroffen. "Haben sie sich weh getan?" Die Fremde hob eine Hand und wollte Miriams Arm berühren. Rau zog sie ihn fort. ‚Weh getan? Die hält sich wohl für was besonderes! Russen...' "Pah!" schnaufte sie, "Lass mich in Frieden!" Damit warf sie der Kleineren einen abwertenden Blick zu und schoss ihr ins Gesicht: "Russe!" Noch während die Fremde zusammenzuckte machte Miriam wieder kehrt und trottete weiter, trotzig und weder nach Links oder Rechts sehend. Es war eine Frechheit, dachte sie, was die sich heute alles erlauben. Erst anrempeln und dann noch betroffen tun. Eingebildete Ziege. Sie wettete, die könnte noch nicht mal vernünftig Deutsch. Allein die Sprache. Dieser Dialekt. Man hat ja kein Wort verstanden. Wahrscheinlich gab es gar nichts, was diese Person konnte. Sie konnte einem dafür ja fast schon leid tun. Aber dann andere anrempeln.... Miriam stieß die Luft zwischen den Zähnen aus, als sie das warm geheizte Gebäude betrat. Ihre Brille beschlug augenblicklich und sie erkannte nur schemenhaft den Mantelständer, zu dem sie sich dann vortastete. Sie knöpfte den Mantel auf und reckte danach gleich ächzend die Arme nach hinten, wollte das Kleidungsstück abstreifen. Aber der Stoff klebte an ihr. "Verdammt!" Da öffnete sich die Tür. Ein kalter Luftzug schlug ihr einige Haarsträhnen gegen die Brillengläser, die ihr die Sicht noch erschwerten. "Oh warten sie, ich helfe ihnen" sagte nach einiger Zeit jemand. Ein russischer Dialekt... Die Frau zog vorsichtig an dem Mantel und als sie ihn fast loshatte, riss Miriam sich keifend von ihr weg. "Nein danke, ich kann das auch ohne deine Hilfe!" Sie zappelte so lange, bis sie den Mantel aufhängen könnte und stampfte dann ohne ein weiteres Wort und mit erhobenem Kinn an der schweigenden Person vorbei.
‚Auch das noch....mit ihren Händen an meinen Mantel....soll mich doch in Ruhe lassen. Aber was soll's...gleich geht's besser. Heute kommt er endlich, der "Goldene Trompeter".' Monatelang hatte der Vorsteher des Musikvereins den Tag angepriesen, an dem der wahrscheinlich beste Trompeter der Region, den er früher einmal selbst unterrichtet haben will, seine alte Musikschule besuchen wollte. Er war eine Art Vorbild für Miriam geworden, seitdem der gute Mann angefangen hatte, von ihm zu berichten und seine Kunst der begeisterten Klasse als Ansporn vorgespielt hatte. Sie lächelte wieder. Stolz erfüllte sie. Sie wollte auch so werden, so gut. Fredig betrat sie den großen Raum, in dem sich schon der Großteil der Gruppe versammelt h
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Nutzer: Gast_handra
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geschrieben am: 16.11.2000    um 13:47 Uhr   
Hallo Mercurystorm,
ich habe die Geschichte gelesen und sie gefällt mir sehr gut.Gibt es noch eine Fortsetzung,oder war es eine Kurzgeschichte mit offenem Ende?
handra
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Nutzer: Gast_Mercurystorm
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geschrieben am: 16.11.2000    um 18:12 Uhr   
Hi Handra *lächelndentgegenneig*
Danke, dass du meine Geschichte gelesen hast :-) Es hat mich gefreut, dass sie jemandem gefällt.
Eigentlich habe ich nicht an eine Fortsetzung gedacht, ja, sie hat ein offenes Ende.
Gruß
Mercurystorm
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